Schlagwortarchiv: Lernen

Why do we fall, sir? So we might learn to pick ourselves up.

Vor einer Weile habe ich eine Einladung zur Learntec-Messe in Karlsruhe angenommen und dort Ende Januar schließlich einen kurzen Vortrag zum Thema Lernen im Enterprise 2.0 gehalten. Kernbotschaft sollte sein, dass webzwonullige Dienste dabei helfen können, mehr als bloßes Fachwissen anzusammeln, ihr Einsatz aber mehr bedeutet, als bloß Technik im Unternehmen einzuführen.

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Selbstkritisch wie ich bin, muss ich mich fragen: Ist diese Botschaft angekommen? Keine Ahnung. Aber wenn ich die Reaktionen der Anwesenden richtig deute, bin ich wohl zu abstrakt geblieben und hätte anschaulicher werden müssen. Von daher war mein Vortrag nicht so gut, da er am Publikum vorbei ging. Vielleicht macht der kurze Artikel aus BILDUNGaktuell 1/2012 (S. 6-7) die Absicht ein wenig deutlicher…

Ein Vortragsprofi bin ich noch lange nicht, aber das ist für mich noch längst kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen.

Why do we fall, sir? So we might learn to pick ourselves up.
(Alfred Pennyworth, „Batman Begins“)

Neue Lust, neuer Frust

Gestern habe ich das Corporate Learning Camp in Darmstadt besucht. Heute, von der doch gefühlten Erschöpfung wieder erholt, berichte ich ein wenig darüber. Aus Lust und Laune einfach mal rückwärts.

Fazit

Hat Spaß gemacht! Habe viele bekannte Gesichter getroffen und neue kennengelernt, die Mittagspause statt zu essen mit Gesprächen verbracht. Ganz herzlichen Dank an Karl-Heinz Pape und den Rest des Organisations-Teams!

The Flipped Classroom

In einer der letzten Sessions haben Christian Spannagel und ich spontan eine Session zum Thema Flipped Classroom angeboten. Hauptsächlich Christian hat vorgestellt, wie man mit Hilfe des Internets mit seinen vielen Formaten (Texte, Videos, interaktive Inhalte) die Stoffaneignung vor den Unterricht verlagern kann, im Unterricht damit arbeitet und eine nachträgliche Beschäftigung nicht ausgeschlossen ist. Normalerweise ist es ja vermutlich eher so, dass Vorbereitung die Ausnahme darstellt, der Lehrende in einer Veranstaltung Stoff präsentiert, der dann als Hausaufgabe vertieft werden soll.

Da das Internet hier den rationalisierbaren Commodity-Anteil übernimmt und der Lehrende tatsächlich die Premium-Leistung erbringen muss – es ist ja viel schwieriger, wenn ich nicht nur Stoff vorlese – passt das recht gut dazu, was Gunter Dueck unter dem Ende der Kreidezeit und dem Internet als Gesellschaftsbetriebssystem fasst. Seine Thesen wollte ich daher als Einleitung benutzen, aber das ging gehörig in die Hose. Wohl etwas überheblich hatte ich gedacht: „Hast du ja alles gelesen, wird schon klappen.“ Wirklich vorbereitet hatte ich nichts, und als ich dann auch noch etwas unsanft von einem Teilnehmer darauf gestoßen wurde, brachte mich das zusätzlich aus dem Tritt und ich suchte die Flucht in einer abrupten Abkürzung des Gesagten. Lerneffekt für mich: Ich kann nicht spontan und schick fremde Inhalte wiedergeben. Dran arbeiten.

LdL in der betrieblichen Weiterbildung?

Ich möchte bei meiner Doktorarbeit versuchen, keine theorieüberladene praxisferne Arbeit abzuliefern und habe daher als frühzeitige Rückkopplung ganz kurz LdL und meine Idee vorgestellt, das Konzept auf seine Tauglichkeit für die betriebliche Weiterbildung zu untersuchen. Das hatte ich vorbereitet bzw. da stecke ich tief im Thema drin, hier hatte ich das oben geschilderte Problem nicht.

Der empirische Teil steht noch aus, aber leider wurde meine Skepsis bestätigt, die sich zwischenzeitlich bei mir eingestellt hat. Auch die Praktiker sahen in LdL trotz einiger organisatorischer Klärungswürdigkeiten ein schönes Konzept, um nicht nur Fachwissen aufzubauen, sondern auch die vielbeschworenen sozialen Fähigkeiten zu trainieren. Der Unternehmenskontext scheint aber schlicht keinen Raum dafür zu lassen: Zeit und Geld setzen Grenzen. Jetzt könnte man beschwichtigen und sagen, Unternehmen müssten aber künftig mehr Ressourcen für die Professionalisierung der Mitarbeiter bereitstellen, oder wenn diese und jene in der Realität eher unwahrscheinlichen Voraussetzungen gälten, würde es klappen. Aber das machte eher den Eindruck: „Wenn jetzt die Luftfeuchtigkeit im Raum anders wäre, hätte das Experiment aber geklappt.“ Oder: „Das Modell gilt, wenn man vom homo oeconomicus ausgeht.“

Bei mir stellt sich daher gerade ganz schön Frust ein. Natürlich hätte ich gerne einen potenziellen Nutzen für die Weiterbildung herausgestellt, etwas beigetragen. Es sieht allerdings gerade eher so aus, als ob ich nun darauf hinarbeite, meine ursprüngliche Idee selbst zu zerlegen. Das tut weh. Erkenntnistheoretisch mag das einen Wert haben, die Falsifizierung einer (wenn auch unbedeutenden) These ist ja erwünscht, aber ich erschaffe nichts. Forschung hat hier etwas Zerstörerisches an sich. Wenn man dann auch noch künstlich unter Zeitdruck gesetzt wird, der die Qualität der Arbeit zwangsläufig beeinflussen wird, macht das keinen Spaß. Wenn man dann auch noch in dem Umfeld nicht glücklich ist, in das man tagein tagaus eingebunden ist, wird die Arbeit zur Tortur. Ich weiß wirklich gerade nicht, ob ich das tatsächlich will.

Soziale Fähigkeiten online lernen?

Die für mich spannendste Session wurde von Monika König und Michael Simon geleitet. Sie kreiste um die Frage, ob man online soziale Fähigkeiten erlernen könne. Eine sehr schöne Zusammenfassung gibt es schon bei Torsten Larbig. Ich ergänze daher nur ein paar Gedanken von meiner Seite.

Es ist sicher nur schwer möglich, ausschließlich per Online-Tests oder künstlich online arrangierten Sachverhalt das Handwerkszeug dafür zu bekommen, um in einer Situation von Angesicht von Angesicht beispielsweise einen Konflikt zu schlichten. In virtuellen Welten wäre zwar schon sehr viel möglich, das Einfangen und hochaufgelöste Abbilden von Gestik und Mimik, usw., aber das kann niemand bezahlen.

Ich glaube aber einerseits schon, dass man die Anlagen für solche Fähigkeiten trainieren kann, die abseits des Fachwissens wichtig sein können. Arbeitet man etwa an der Wikipedia mit, kann es  zu hitzigen Diskussionen kommen, bei der die eigene Durchsetzungsstärke auf dem Prüfstand steht. Wirkt man an Open-Source-Projekten mit, möchte man sinnstiftend arbeiten und diesen Sinn auch anderen vermitteln, usw.

Andererseits könnte man den konkreten Anwendungsfall berücksichtigen. Wenn sich die Arbeitswelt wandelt und man immer mehr mit Personen zusammenarbeiten muss, denen man nicht ständig gegenübersteht, wenn man beispielsweise weltweit verteilte Teams führen soll, dann kann man das vielleicht online sogar besser erlernen. Es gibt dazu ein zwar schon in die Tage gekommenes, aber immer noch interessantes Diskussionspapier von IBM. Darin wird gefragt, ob Online-Rollenspieler möglicherweise viel besser verteilte Teams über das Internet leiten und führen können, schließlich sprechen sie sich tagtäglich mit anderen ab, ohne sie zu sehen, sie organisieren Quests und motivieren andere Spieler zur Hilfe, usw.

BarCamps in der betrieblichen Weiterbildung?

Felix Hartmann moderierte eine Session zu der Frage, ob BarCamps auch eine geeignete Lernumgebung für Unternehmen sein könnten. Wo gibt es vielleicht schon etwas in der Art? Wozu könnte ein BarCamp beitragen? Was müsste vielleicht modifiziert werden? Kurzzusammenfassung: Ähnliches gibt es schon vereinzelt, zur Ideengewinnung und Vernetzung könnte es etwas beitragen (nicht zur gezielten Fortbildung) und man müsste bestimmt die Du-Sie-Frage behandeln.

Zertifizierung

Die erste Session, die ich besuchte, drehte sich um das Thema Zertifizierung. Hier habe ich den Notizen von Torsten Larbig aber nichts hinzuzufügen.

Einleitung

Wie bekomme ich nun den Bogen mit der Einleitung am Ende? Vielleicht so: nach dem BarCamp ist vor dem BarCamp. Wir sehen uns doch in Bielefeld?

Let’s hang out for learning!

Seit einigen Tagen darf man Google+ testen. Und, wie fast zu erwarten war, wird recht viel Wirbel darum gemacht. Der Dienst macht einen aufgeräumten und guten ersten Eindruck, aber eigentlich ist es nur eine weitere Plattform für soziales Netzwerken im Internet, genau wie Facebook oder die VZ-Netze. Abwarten, was daraus wird. Eine Funktion finde ich allerdings besonders spannend: die Hangouts.

Ein Hangout ist erst einmal nichts weiter als eine Kombination aus Text und Videochat, zu dem man gezielt Bekannte aus seinen Circles oder auch öffentlich einladen kann. Circles sind frei und sehr einfach definierbare Bekanntenkreise, die sich individuell ansprechen lassen. Bis zu zehn Teilnehmer sind wohl in einem Hangout möglich. Gleichzeitig zum Quatschen kann man aber auch zusammen Videos auf YouTube schauen. Das sieht etwa so aus wie auf dem folgenden Bildschirmfoto (mangels weiterer Teilnehmer gerade nur mit der Webcam-Aufnahme von mir und reisebedingt auch nur in schmaler Bildschirmauflösung eines Netbooks).

Google+ Hangout mit Chatfenster und YouTube-Video

Google+ Hangout mit Chatfenster und YouTube-Video

Mich bringt das auf Ideen rund um das Thema Lernen:

  • Ich möchte mir einen Vortrag oder eine Vorlesung anschauen, die auf YouTube zu finden ist. Ich kann dann einfach spontan (oder geplant) Leute dazu einladen, mitzuschauen und mit mir darüber zu diskutieren. Wenn ich als Lehrender selbst Videos zur Vorbereitung auf Veranstaltungen anbiete, kann ich natürlich auch vorschlagen, dass sich Lernende online zum gemeinsamen Anschauen treffen, wenn es im echten Leben nicht hinhauen sollte.
  • Wenn YouTube irgendwann einmal die Live-Streaming-Option auf breiterer Front verfügbar macht, könnte man auf dieselbe Weise auch zusammen Konferenzen oder andere Veranstaltungen aus der Ferne besuchen.
  • Jemand möchte über das Web einen Kurs oder Ähnliches anbieten, manch einer nutzt dafür bisher Skype. Vergleichbare Möglichkeiten bekommt man auch mit den Hangouts von Google+, kann aber zusätzlich unkompliziert Videos einspielen.

Keine großen Ideen, und natürlich gibt es für solche Szenarien auch professionelle Programme, die dafür besser geeignet sind (vielleicht auch bald über Facebook) – aber über Google+ sind solche Funktionen grundsätzlich sofort und für jedermann kostenfrei verfügbar. Über die weiteren Möglichkeiten der Plattform kann man vielleicht gleich weitere Dinge anknüpfen.

Müsste man sicher genauer durchdenken und in der Praxis erproben, aber warum nicht? Hätte wirklich Lust dazu, allerdings eigentlich keine Zeit. Also, wer macht das für mich und berichtet?