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WissenschaftlerInnen, bewerbt euch beim Fellow-Programm „Freies Wissen“!

Hmmmmm. Diesem Blog das Thema Open Science als Schwerpunkt zu verpassen ist ja gehörig missglückt 😉 Da denke ich demnächst noch einmal drüber nach. Ungeachtet dessen teile ich gerne das folgende Video.

Wikimedia Deutschland, der Stifterverband und die VolkswagenStiftung rufen dazu auf, sich für das Fellow-Programm „Freies Wissen“ zu bewerben. Insgesamt 20 DoktorandInnen, Post-Docs und Junior-ProfessorInnen können Schulungen, Mentoring und finanzielle Förderung beim offenen Forschen erhalten. Die Bewerbungsfrist endet am 4. August 2017. Details findet ihr bei Wikimedia Deutschland.

European Researchers‘ Night Braunschweig 2015 in Wort und Bild

Wie versprochen, war ich gestern auf der European Researchers‘ Night 2015 (#ernbs15) in Braunschweig unterwegs. Wer nicht dabei sein konnte, kann sich ja mein kurzes Video anschauen.

Ich fand die #ernbs15 schön. Die Veranstaltung war ein bunter Mix aus Informiertwerden, mitdiskutieren und stellenweise auch mitmachen. Ich vermute mal, die etwas entlegeneren Stationen hatten (deutlich) weniger Zulauf als die anderen, aber zumindest im Zentrum des Geschehens schienen die Beteiligten mit der Resonanz zufrieden zu sein. Danke an alle Forscherinnen und Forscher, die der #ernbs15 ihre Zeit gewidmet haben!

Braunschweig – Öder Ort oder Mekka der Forschung? Oder beides?

Braunschweig ist nun nicht die Stadt, die international bekannt ist wie ein bunter Hund. Falls jemand mit der Stadt doch etwas anfangen kann, dann eher als öder Ort oder Flatline der Unterhaltung. Liegt es daran, dass Forschung langweilig ist? Das würde immerhin passen, denn tatsächlich liegt die Löwenstadt in Europa auf Platz 2 der Rangliste der forschungsstärksten Regionen! In Worten: Platz Zwei!

Nun ist Wissenschaft, banal gesagt, das Überprüfen von Vermutungen. Schauen wir uns doch einfach mal an, wie lang- oder kurzweilig sich die Forschung in Braunschweig präsentiert! Gelegenheit gibt es dazu am kommenden Freitag (25. September 2015). Ab 15 Uhr stellt sich die Region anlässlich der European Researchers‘ Night dem Urteil aller Interessierten auf dem Schlossplatz und in den angrenzenden Schloss-Arkaden. Das hiesige Haus der Wissenschaft hat ein buntes Programm zusammengestellt und lädt zum Anschauen, diskutieren und experimentieren ein.

Besonders freue ich mich auf die JungforscherInnen, die ihre Jugend-Forscht-Projekte vorstellen — und auf die Hands-On-Aktion „Programmiere dein Modellauto!“. Ich bin gespannt und werde mit einer Kamera bewaffnet dabei sein! Treffen wir uns dann in Braunschweig? Ein Kamerakind als Unterstützung wäre zeitweise sicher gut 😉

Wissenschaftkommunikation? Hat die was mit Lehre zu tun?

Im Juli findet eine Tagung des Siggener Kreises statt. Im Rahmen der Veranstaltung diskutieren WissenschaftskommunikatorInnen, WissenschaftlerInnen und JournalistInnen über die Weiterentwicklung der Wissenschaftskommunikation. Sehr gefreut habe ich mich darüber, für einen Impuls eingeladen worden zu sein. Ich darf dazu anregen, über Formen und Formaten der Lehre bzw. der Hochschuldidaktik nachzudenken, die relevant für die Wissenschaftskommunikation sein können.

Als erste Vorbereitung habe ich mir den Siggener Aufruf angesehen, der 2014 erarbeitet und veröffentlicht wurde. Es sind mir über die Lehre hinaus mehrere Anknüpfungspunkte aufgefallen, die ich hier festhalte und gerne vorab mit euch diskutiere. Der Kommentarbereich steht euch wie immer offen!

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Gedankensalat zur öffentlichen Wissenschaft

Zusammen mit Christian Spannagel arbeite ich gerade an einem Beitrag zum Thema öffentliche Wissenschaft (mit Schwerpunkt Forschung) und habe mir dazu heute Gedanken gemacht. Den Salat, der dabei herausgekommen ist, stelle ich einfach kurz vor. Muss gar nichts weltbewegend Neues dabei sein. Wer dazu Anmerkungen hat, wer vielleicht gar jemanden kennt, der sich dazu schon Gedanken gemacht und die veröffentlicht hat – immer her damit!

1. Gedankengang: Der Grad der Exklusivität wissenschaftlicher Erkenntnis verringert sich beständig

Sieht man sich die Geschichte der Wissenschaftswelt an, stellt man fest, dass sich der Zugang zu ihren Erkenntnissen weiter und weiter verbreitert hat. Schrieben sich Gelehrte vor Hunderten von Jahren noch untereinander Briefe und behielten Entdeckungen auch schon einmal für sich, werden die Ergebnisse von Forschung heute in Zeitschriften und Büchern veröffentlicht. Deutlich mehr Menschen haben dadurch Zugriff auf das darin konservierte Wissen. Einen weiteren Schub zu einer noch größeren Öffnung bieten Initiativen wie Open Access.

Für den nächsten Schritt brauchen wir einen Klassiker aus den Wirtschaftswissenschaften, die Klassifizierung von Gütern nach Ausschließbarkeit und Rivalität:

  • Ausschließbarkeit: Ich kann wirksam und verhältnismäßig verhindern, dass jemand ein Gut nutzen kann oder nicht. Ein Buch kann ich beispielsweise in einen Tresor einschließen, und jemand müsste schon viel Mühe aufbringen, wenn er es lesen wollte. Bei Atemluft wird das schon deutlich schwieriger.
  • Rivalität im Konsum: Was der eine hat, kann der andere nicht haben. Wenn ich ein Stück Kuchen esse, kann das nicht gleichzeitig ein anderer futtern. Wenn ich aber Radio höre, sind die Funkwellen für meinen Nachbarn nicht plötzlich weg.
Güter nach Ausschließbarkeit und Rivalität

Güter nach Ausschließbarkeit und Rivalität

Die Trennlinien können – wie so oft – nicht scharf gezogen werden, aber es lässt sich daraus eine zweidimensionale Matrix erstellen, bei der die beiden Dimensionen Ausschließbarkeit und Rivalität im Konsum auf den Achsen aufgetragen werden und man dann vier Felder erhält, die verschiedene Güterarten bezeichnen. Besteht bei etwas keine Rivalität im Konsum, aber ich kann andere von der Nutzung ausschließen, nennt man das zum Beispiel ein Klub-Gut. Es könnten etwa beliebig viele Mitglied in einem Buchklub werden, ohne sich gegenseitig zu stören, aber es könnte beschränkt werden, wer Mitglied sein darf.

Zurück zur Wissenschaft. Denken wir uns die wissenschaftliche Erkenntnis als ein Gut vor, dann würde ich bei dieser keine Probleme mit der Rivalität sehen (oder irre ich mich?). Wenn jemand etwas lernt, verlernt dadurch ein anderer nichts. Wissenschaftliche Erkenntnis war aber früher ziemlich exklusiv, der Zugang zu ihr wurde stark reglementiert (etwa durch die Kirche) oder freiwillig begrenzt (Geheimhaltung). Es lag ein Klub-Gut vor. Durch die Aufklärung und die Errichtung des Publikationswesens und von Bibliotheken sanken jedoch die Zugriffshürden bereits beträchtlich. Open Access und Co. verstärken diese Marschrichtung. Jemanden von wissenschaftlichen Ergebnissen auszuschließen, scheint immer schwieriger zu werden. Können wir von wissenschaftlicher Erkenntnis (bald) als öffentliches Gut sprechen?

2. Gedankengang: the final frontier?

Bei dem bisher geschriebenen konnte man wissenschaftliche Erkenntnis als Produkt interpretieren – als Artikel in einer Zeitschrift, als Buch, vielleicht auch als Vortrag auf einer Konferenz. Eine gewisse Form der Ausschließbarkeit findet sich dann immer noch in der Art der Darstellung, in der Sprache. Wenn jemand ein solches Produkt erstellt, tut er dies für eine bestimmte Zielgruppe. Oft unterscheidet man in Wissenschaftler (des eigenen Fachs) und Nicht-Wissenschaftler und macht das an der Zugehörigkeit zu einer Forschungseinrichtung fest. Diese Einteilung übernehme ich an dieser Stelle der Einfachheit halber. Wir finden dann im Internet auf Seiten der Wissenschaft etwa arXiv.org, wo zahlreiche wissenschaftliche Artikel für jedermann kostenlos zugänglich sind (Open Access). Für Nicht-Wissenschaftler gibt es beispielsweise Aufzeichnungen von Quarks&Co. Verhindern kann man natürlich nicht, dass Wissenschaftler sich Quarks&Co anschauen oder Nicht-Wissenschaftler sich wissenschaftliche Artikel durchlesen, aber es wird vorab von einer bestimmten Zielgruppe ausgegangen.

Produkte und Prozesse in der Wissenschaft

Produkte und Prozesse in der Wissenschaft

Wissenschaft lässt sich aber auch als ein Prozess betrachten, der bestimmte wiederkehrende Bausteine umfasst – etwa Themenfindung, Entwurf eines Forschungsdesigns oder der Auswertung von erhobenen Daten. Da hat aber in der Regel niemand einen Einblick, das ist ziemlich exklusiv. Christian Spannagel und ich sind der Ansicht, dass auch hier eine Öffnung Vorteile für viele Beteiligte bringen könnte; sowohl für denjenigen, der seine Arbeitsabläufe für andere erlebbar macht, als auch für diejenigen, denen diese Chance gewährt wird. Das geht etwa über die kontinuierliche Arbeit in frei zugänglichen Wikis, Reflexionen in Blogs, usw. Das führe ich hier nicht aus. Ich habe aber auch hier eine Matrix gebastelt, bei der ich auf der einen Achse die Trennung in Wissenschaftler und Nicht-Wissenschaftler aufgetragen habe, bei der anderen in Produkte und Prozesse.

Schwierigkeiten bereitet mir die obere Zeile mit den Prozessen. Während es mir bei Produkten irgendwie einleuchtet, dass diese für eine bestimmte Zielgruppe gestaltet werden, stört mich diese Unterscheidung bei Prozessen. Den Balken habe ich daher grau statt schwarz gezeichnet. Ich habe den Eindruck, bei Prozessen entscheiden vielmehr die Konsumenten bzw. Teilhabenden, ob diese für sie gemacht sind oder nicht. Eine Abgrenzung zwischen so etwas wie Prozessen für Wissenschaftler und Prozessen für Nicht-Wissenschaftler finde ich schwieriger, kann es aber noch nicht besser in Worte fassen. Falls mir dazu jemand einen geeigneten Gedankenanstoß liefern kann – egal ob die Grafik dann hinfällig ist oder nicht…

3. Gedankengang: Transparenz ist nicht Partizipation

Das ist nur ein ganz kleiner Gedankengang zum Thema Prozesse der Wissenschaft. Schön wäre es schon, wenn die Prozesse transparent würden und man Wissenschaftlern quasi beim Arbeiten zuschauen könnte und man mitbekäme, wie das wirklich alles funktioniert. Es wäre ja schon eine gewisse Neuheit, wenn man auch die ganzen Fehlschläge mitbekommen würde. Schöner wäre es aber, wenn auch diese Nicht-Wissenschaftler sogar etwas zur wissenschaftlichen Erkenntnis beitragen könnten. Das geht! Ich glaube aber auch nicht, dass alles geht. Diese Unterscheidung zwischen Transparenz und Partizipation scheint mir noch wichtig zu sein. Eine dritte Grafik habe ich aber dazu nicht gezeichnet 🙂