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Über Oliver Tacke

Jack of all Trades, Master of None

H5P-Einführung für das JFMH17

Am 16. Juni 2017 biete ich auf dem Jungen Forum für Medien- und Hochschulentwicklung 2017 einen Workshop zu H5P an. Dazu habe ich diesen Vorschlag eingereicht und als Vorbereitung ein kurzes Einführungsvideo zu H5P erstellt. Warum sollte ich das nicht offen zur Verfügung stellen?

Begleitet wird der Workshop über ein Etherpad. Dort werdet ihr hinterher auch die Ergebnisse finden.

Mal wieder was zu Bildung

Mit fremden Beiträgen aus der Bildungswelt habe ich mich hier schon eine Weile nicht mehr beschäftigt. Es ist an der Zeit, das zu ändern. Schicken wir doch einen Pingback an meinen Kollegen Markus Deimann, der vergangene Woche in Hannover einen Vortrag mit dem Titel „Warum wir für Arbeit 4.0 nicht Bildung 4.0 brauchen“ hielt und dazu auch eine Aufzeichnung und sein Manuskript verlinkt hat.

Der einleitende Teil hat mich leider an einigen Stellen ratlos zurückgelassen. Den Bogen von Arbeit 4.0 zu Bildung 0.4 halte ich beispielsweise argumentativ für gar nicht nötig bzw. zu knapp beleuchtet, um ausreichend auf die Frage im Titel einzugehen. Das kann allerdings mir zuzuschreiben sein, nicht dem Vortrag. Vielleicht bekomme ich es hier auf Reihe.

Dass maschinelles Lernen (Markus spricht von künstlicher Intelligenz) künftig für bedeutsame Änderungen in der Arbeitswelt sorgt, halte ich für unbestritten. Dass dadurch einfache Tätigkeiten auch in akademischen Feldern wegfallen, mahnt beispielsweise Gunter Dueck schon seit Jahren an. Dass sich daher jede/r als Individuum fragen sollte, ob und in welche Richtung er/sie sich weiterentwickeln muss, leuchtet mir ein — auch wenn man das als Turbokapitalismus brandmarken mag. Als Gesellschaft gäbe es da womöglich weitere Stellschrauben, aber um die geht es hier nicht.

Markus holt dann etwas aus. Den Bezug von Transhumanismus zu Uber habe ich leider nicht verstanden, wohl aber den Gedanken der emanzipatorischen Kraft von Technik. Sortiere ich aber schon unter foo 2.0 ein. Den Gedanken teile ich mit der „Kalifornischen Ideologie“. Ich sehe ihn jedoch einerseits weder als Determinismus oder Automatismus an, noch sehe ich ein Scheitern durch „kommerzielle Vereinnahmung“. Es gibt so viel „open irgendwas“. Die Möglichkeiten zur Gestaltung der IT-nahen Welt sind da, bleiben aber ungenutzt. Offenbar fehlt vielen Menschen der Mut, sich ihrer eigenen Möglichkeiten zu bedienen, wie ich es provokativ vielen Lehrenden einmal in Anlehnung an Kant attestiert habe. Vielleicht trägt auch schlicht menschliche Bequemlichkeit ihren Teil dazu bei, Konzernen das Feld zu überlassen und sich beispielsweise Alexa statt Jasper ins Haus zu holen bzw. nichts Neues auszuprobieren.

Und dann kommt bei Markus noch der alte Humboldt, aber dankenswerterweise nur aus Gründen des Geschichtsbewusstseins und wegen der kürzlichen Vereinnahmung durch Christoph Meinel. Soweit meine Spannungspunkte zum Text von Markus. Bei den folgenden vier Thesen kann ich mitgehen, würde aber an einigen Stellen etwas einwerfen wollen.

Markus hält beispielsweise fest, Bildung sei nicht Ausbildung, und „Learning Analytics“-Algorithmen liefen auf totale Fremdbestimmung bzw. Bevormundung hinaus. Da bin ich wahrlich kein Freund von, wie ich neulich auch festgehalten habe. Auch hier könnte aber jeder Mensch für sich entscheiden, vom vorgeschlagenen Weg abzuweichen — so wie ich, der sich Präsenzvorlesungen einfach nicht angetan hat. Ich befürworte zudem das Sammeln und maschinengestützte Auswerten von Daten zum Lernen. Ich befürworte aber ebenso, dass die Lernenden darüber selbst entscheiden und dass sie damit selbst etwas anfangen. Da ist sie wieder, die potenzielle emanzipatorische Kraft der Technik … Außerdem habe ich gedanklich herumgespielt: „Doch genau auf eine fremdbestimmte und kontrollierte Ausbildung laufen bestimmte Angebote hinaus, wenn etwa das Lernverhalten im digitalen Raum fortwährend protokolliert und dann von intelligenten Algorithmen LehrerInnen ausgewertet wird, um daraus möglichst passgenaue Vorschläge zu generieren.“ Ist nicht die normale Schullaufbahn ebenso fremdbestimmt und kontrolliert?

Markus schließt beinahe mit „Wir alle sind aufgefordert, mitzudenken und mitzugestalten.“ Also … Ihr könnt beispielsweise selbst bloggen, uns verlinken, kommentieren, …

Open-Source-Software voranbringen — auch wenn du nicht programmieren kannst!

In den letzten paar Wochen hab ich mehrfach H5P vorgestellt und auch bei anderer Gelegenheit mit Leuten darüber gesprochen. Ich bekomme dann stets zahlreiche, tolle Vorschläge, was die Software noch alles können sollte. Der Quelltext ist zwar völlig frei verfügbar, aber als Nichtprogrammierer kann man ja auch zu einem Open-Source-Projekt nichts beitragen. Oder doch? Auf jeden Fall!

Ich habe einfach mal ein paar Minuten gesammelt, was mir spontan dazu in den Kopf gekommen ist. Ein paar Sachen betreffen nur H5P, aber viele davon gelten auch für andere Community-Projekte. Was ist für dich dabei? Was fällt dir darüber hinaus noch ein?

Wie kann ich H5P (oder andere Open-Source-Projekte) voranbringen?

  • Selbst mitprogrammieren
    Wer schon programmieren kann und vor HTML5, CSS und JavaScript nicht zurückschreckt, findet auf github den Quelltext zu H5P und Dokumentation auf h5p.org. Mach mit!
  • Selbst Programmieren lernen
    Das ist wirklich keine Zauberei, versuche es ruhig. Im EntwicklerInnen-Forum auf h5p.org bekommst du auch Hilfe.
  • Den eigenen Wunsch vorstellen und diskutieren
    Es hilft leider ganz wenig, wenn man bloß irgendwo zum Besten gibt, dieses oder jenes müsse aber dringend gemacht werden. Eine guter Ort dafür ist das Feature-Request-Forum auf h5p.org. Stelle dort vor, was warum wie funktionieren sollte und diskutiere gemeinsam mit anderen darüber — einschließlich den EntwicklerInnen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass jemand deinen Vorschlag aufgreift.
  • Eine Crowdfunding-/Bounty-Kampagne starten
    Gegen Geld kann man jemanden mit der Erweiterung von H5P beauftragen. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Du kannst dich beispielsweise mit mehreren Leuten zusammentun und gemeinsam eine Crowdfunding-Kampagne starten und dann dafür werben. Es gibt dafür allgemeine Plattformen wie StartNext, Indiegogo oder Kickstarter, aber auch speziell solche für Softwareprojekte wie etwa Bountysource.
  • Informatik-Lehrstühle ins Boot holen
    Schlage an der Hochschule deiner Wahl vor, dass Studierende im Rahmen einer Abschlussarbeit oder eines Software-Entwicklungs-Praktikums neue Funktionen erstellen.
  • Bekannte mit Programmierkenntnissen für H5P gewinnen
    Du kannst selbst nicht programmieren, kennst aber jemanden? Sprich doch mal mit der Person.
  • Auf H5P aufmerksam machen
    Damit sich jemand mit H5P beschäftigen kann, muss er es erst einmal kennen! Mache darauf aufmerksam! Blogge darüber, twittere darüber, erzähle deinen FreundInnen und KollegInnen davon, fahre auf BarCamps und stelle H5P dort vor, …
  • Anderen die Software zeigen und erklären
    Es erklärt sich nicht alles von selbst. Teile deinen Erfahrungsschatz und hilf anderen.
  • Erklärvideos drehen und auf YouTube stellen
    Es gibt viele tolle Erklärvideos zu allen möglichen Themen auf YouTube. Erstelle doch welche für H5P!
  • Den Wikipedia-Beitrag verbessern oder übersetzen
    Die Wikipedia ist eine bedeutsame Anlaufstelle, in der sich Menschen informieren. Hilf doch dabei, den Artikel zu H5P zu verbessern oder in Sprachen zu übersetzen, in denen es noch keinen Beitrag gibt.
  • Eine lokale Community aufbauen
    H5P hat seine Wurzeln in Norwegen, die dominierende Sprache ist Englisch. Das kann eine Hürde sein. Baue in deinem Land eine lokale Community auf, sei es auf Facebook oder offener anderswo!
  • Fehlende Sprachbausteine ergänzen
    H5P kann über entsprechende Dateien neue Sprachen lernen. Diese Sprachpakete muss aber jemand erstellen. Das geht einerseits etwas unkomfortabel über das Ändern von Textdateien, aber du kannst für einige H5P-Inhaltstypen auch schon Übersetzungen über crowdin beisteuern.
  • Bitten, die Software in einem Podcast oder EdChat zu diskutieren
    Es gibt im Bildungsbereich diverse Podcasts und EdChats auf Twitter. Auch in Deutschland! Bitte doch beispielsweise jemanden aus dem Edufunk-Netzwerk, in einem Podcast über H5P zu berichten. Oder kontaktiere den deutschen EdChat!
  • Bitten, Schulungen für H5P anzubieten
    Es gibt zahlreiche Stellen, die Lehrenden an Schulen und Hochschulen Angebote zur Weiterbildung machen. Schlage vor, dort auch H5P ins Programm zu nehmen!
  • Bei Beta-Tests mithelfen
    ProgrammiererInnen machen Fehler und müssen die dann im Quelltext beseitigen. Dabei können sie Hilfe von Menschen gebrauchen, die die Software testen und dann Probleme melden. Mach da mit! Ich habe das neulich sogar als Session auf einem BarCamp angeboten und war begeistert!
  • Auf Probleme hinweisen
    Wenn du auf Probleme oder Programmfehler stößt, ärgere dich nicht (nur) über die Software, melde das Problem im dafür vorgesehenen Forum auf H5P oder als Issue auf github. Wer Fehler nicht kennt, kann sie nicht beheben.
  • Erstelle gute Inhalte und teile sie
    Erstelle gute Inhalte, die zeigen, was für schöne Sachen man mit H5P anstellen kann. Und dann teile sie mit anderen, damit sie dadurch inspiriert werden oder sie gleich weiterverwenden können.

Manchmal steckt das Wichtige im Interludium

In Deutschland ist vielerorts die allgemeine Anwesenheitspflicht bei Hochschullehrveranstaltungen abgeschafft worden. In Nordrhein-Westfalen muss man etwa nur physisch vor Ort sein, wenn man das Lernziel sonst nicht erreichen kann. Exkursionen, Sprachkurse, Praktika, praktische Übungen oder vergleichbare Lehrveranstaltungen müssen also weiterhin besucht werden. Etwas anders ist das offenbar an der Coventry University.

Dort müssen sich Studierende bei Lehrveranstaltungen vor Ort per Karte an einem Terminal an- und abmelden. Das dient nicht nur der Statistik, sondern kann handfeste Konsequenzen haben. Wer zu oft nicht anwesend ist, muss sich rechtfertigen und kann auch der Hochschule verwiesen werden. Hätte es das zu meiner Studienzeit in Braunschweig gegeben, hätte ich heute definitiv keinen Abschluss in der Tasche.

Interludium

Den letzten Satz hatte ich neulich sinngemäß getwittert, und daraufhin entspann sich ein kleines Missverständnis. Das habe ich heute dem Feierabendbier Open Education, Episode 26 (25:17) entnommen. Bei meinem (nicht gelöschten) Tweet fehlen wohl Anführungszeichen oder andere Indikatoren, dass das keine Antwort auf den vorangegangenen Tweet von Christian Friedrich war, sondern bloß ein neckischer und sachlich verkürzter Kommentar zu der von ihm zitierten Begründung: „Wir sorgen uns um dich“.

Was meinte ich damit? Im Jahr 1513 erschien das Buch „Der Fürst“ von Niccolò Machiavelli. Er geht darin von einem sehr pessimistischen Menschenbild aus, das er durch Beobachtung seines Umfelds gewann. Alle verdorben. Ein Herrscher könne mit passenden Regeln dennoch seine Macht erhalten und „gute“ Menschen hervorbringen. Der „gute“ Zweck heilige dabei die Mittel, da die Gesellschaft ja auch schon verkommen sei.

In meinem verworrenen Kopf formte sich aus der Situation in Coventry und dem Satz von Christian daher die Szene in einer Bar, in der mir wohlwollend ein Studium nach oben beschriebenen Muster serviert wurde und ich dem Kellner wie im Tweet antworte.

Okay, der Bogen erklärt sich nicht von alleine. Aber was hast du denn bloß gedacht, Christian? 🙂

Und wieder zum Thema

Wenn ich schon einmal beim Thema bin, hänge ich doch noch etwas dran. Vergangene Woche habe ich mir einen Vortrag von Rolf Schulmeister angesehen. Er beschreibt dadurch Effekte der physischen Anwesenheit in Lehrveranstaltung, der er empirisch erhoben hat. Zusammengedampft: „Wer in den Hörsaal geht, bekommt bessere Noten als jemand, der das nicht tut oder nur online lernt.“

Na, wenn das so ist!? Ist dann Anwesenheitspflicht wie in Coventry doch eine runde Sache? Sind die Überwachungsmaßnahmen völlig in Ordnung, weil ja etwas Gutes für die Studierenden dabei herauskommen soll? Oder ist das doch etwas zu viel der Fremdbestimmung und Freiheitsbeschneidung? Was meint ihr?