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Es war einmal im BMBF … #ojammert

Am vergangenen Montag stellte das BMBF unter dem Schlagwort #bildungdigital seine „Initiative Digitale Bildung“ vor. Jöran hat das bereits schön kurz zusammengefasst und sieht durch aus Bewegung in die richtige Richtung. Im Netz fand man außerdem auch Aussagen wie Frau Merkel habe das erstaunlich gut durchblickt und Frau Karliczek bemüht Buzzwords aneinandergereiht.

Ich jammere jetzt zusätzlich aber etwas über das Format. Es gab einen Live-Stream. Und es sollte interaktiv werden, so die Ankündigung. Tatsächlich konnte man über ein hinzugeschaltetes Werkzeug auch Fragen zu den vorgestellten Inhalten stellen. Diese Fragen waren für alle Zuschauerer:innen sichtbar, und man konnte über einen Daumen nach oben kundtun, dass man an der Antwort auf die Frage ebenfalls interessiert sei. Die Stimmen wurden gezählt. Nun sollte man annehmen, diese Stimmen hätten auch eine Bedeutung – die Fragen mit den meisten Stimmen würden gewählt und gestellt werden. Dem war aber nicht so. Die Auswahl der Fragen schien eher willkürlich zu sein, und es ließ sich mutmaßen, die unbequemen würde man einfach unter den Tisch fallen lassen.

Die Auflösung erfolgte für mich, der die erste Stunde der Übertragung nicht mitverfolgt hatte, am Ende: Man hätte versucht, themenbezogene Fragen zu stellen. Ich würde behaupten, da waren diverse themenbezogene Fragen mit vielen Daumen nach oben dabei, aber das lässt sich nun ja nicht mehr nachvollziehen. Oder? Vielleicht, wenn es eine Aufzeichnung gäbe und jemand die Fragen (anonymisiert) samt der Zahl der Daumen nach oben gespeichert hätte … Dann könne sich jede:r eine eigene Meinung bilden … Könnt ihr unten machen.

Erst einmal könntet ihr aber meinen Senf dazu lesen. Ich kann ja wohlwollend sein, wenn ich will. Bin ich das mal. Ein bisschen. Nehmen wir an, es sei themenbezogen ausgewählt worden. Dann frage ich mich doch, weshalb meine Fragen ignoriert wurden:

  • „Warum wurden native Apps entwickelt statt das über HTML5, CSS und JavaScript umzusetzen und so in jedem Browser nutzbar zu machen – unabhängig von Geräten?“ (21 Stimmen, Platz 9)
    Diese Frage habe ich direkt im Anschluss an den Teil mit der „Stadt-Land-Datenfluss“-App gestellt — und die Antwort wäre so einfach gewesen, denn offenbar hatte ich überhört, dass es auch eine Web-Version gibt, die „zugänglicher“ sei. Naja, nicht ganz – ist nur eine im Vergleich zur App lieblose Zusammenstellung derselben Inhalte – auch wenn H5P dafür benutzt wurde.
  • „Die Anton-App wurde mit öffentlichen (EU-)Mitteln gefördert. Mit Blick auf Techniksouveränität, die Frau von der Leyen im Oktober beschworen hat: Wo finden Bürger:innen den Quelltext zur Anton-App? #PublicMoneyPublicCode“ (19 Stimmen, Platz 10)
    Diese Frage habe ich ganz offenbar zur genau davor vorgestellten Anton-App gestellt.
  • „Wer im BMBF war der Ansicht, es wäre eine gute Idee, hier ein Werkzeug mit Option zum Abstimmen einzusetzen und dann die Stimmen zu ignorieren?“ (7 Stimmen, Platz 22)
    Na gut, die gehörte nicht zum „Inhalt“, aber das eigentliche Thema war zumindest bei mir schon längst nicht mehr das Vorgestellte. Störungen haben offenbar beim BMBF keinen Vorrang (vgl. Themenzentrierte Interaktion).

Zumindest ich sehe da einen klaren Themenbezug, und die Fragen hätten von mir aus auch  kurz und ganz ehrlich mit „Weissichnich“ oder „Gibtesnich“ beantwortet werden können. Aber wie sähe das denn aus?!

Ja, und wie sieht es aus, wenn jemand ein Werkzeug auswählt, das eine Möglichkeit zum Abstimmen suggeriert? Da kann man ganz zu Anfang und ganz zu Ende so viel hinweisen, wie man möchte, dass die Daumen gar nichts heißen — das bekommt niemand mittendrin mit. Das stößt nicht nur den die Fragen Beitragen vor den Kopf, das spielt gerade denen in die Hände, die ständig von Staatspropaganda und neuer Weltordnung faseln. Selbst unabhängig davon kann ich meine Frage wiederholen: „Wer im BMBF war der Ansicht, es wäre eine gute Idee, hier ein Werkzeug mit Option zum Abstimmen einzusetzen und dann die Stimmen zu ignorieren?“ Das ist doch Scheitern mit Ansage!? Ohne jetzt auch noch das Fass mit der Techniksouveränität aufmachen zu wollen: ein simples Werkzeug, keine Raketenwissenschaft, aus den USA …

Also, schaute gerne mal in die Aufzeichnung rein und schaut, wie ihr das mit dem Themenbezug der Fragen empfindet — ich hatte noch nicht wieder das Bedürfnis dazu.

Die Aufzeichnung

Hinweis: Das Video stammt nicht von mir (siehe auch Urheberrechtshinweis darunter), ich habe es auch nicht kopiert, sondern bette es lediglich hier von den BMBF-Servern ein, wo es bereits der Weltöffentlichkeit zugänglich gemacht wird (Einbetten ist okay, EuGH, Beschluss vom 21.10.2014, Az. C-348/13, wisst ihr ja).

Die Top 60 der gestellten Fragen

Hier die Top 60 der Fragen – mehr scheinen offenbar nicht „sichtbar“ im HTML-Quelltext der Seite gewesen zu sein, ich habe nicht mit Absicht abgeschnitten — aber ich habe sie anonymisiert und absteigend nach der Zahl der Stimmen sortiert.

  • Frage 1: Ist www.bildung.digital die offzielle Seite der Initiative? (75 Stimmen)
  • Frage 2: Wie werden Akteuere aus der Zivilgesellschaft in #bildungdigital eingebunden? (36 Stimmen)
  • Frage 3: Das Thema digitale Bildung wurde in den letzten Jahren von Graswurzelbewegungen getragen. Wie werden diese mit der Initiative digitale Bildung unterstützt? Ich sehe bspw. Bildungs-BarCamps, Webinare, Werkstätten, Community-Projekte, Vereine wie ZUM etc. (32 Stimmen)
  • Frage 4: Wie soll die Digitalisierung wirklich als Element von Bildung in Schulen und Hochschulen verankert werden und wann? Bisher wird es nur als „Ersatz“ für die heilige Präsenzlehre dargestellt und behandelt. Wird es dazu kommen, dass digitale Prüfungen z.B. selbstverständlich sind, auch rechtlich? (30 Stimmen)
  • Frage 5: Welche Rolle spielen OER und wie verbinden wir die OER-Strategie des Bundes mit der Initiative Digitale Bildung? (27 Stimmen)
  • Frage 6: Inwiefern werden bestehende Online-Angebote für Kinder, wie Kindersuchmaschinen (fragFINN und Blinde Kuh), das Klexikon, Seitenstark etc. in der neuen Plattform integriert und gefördert? (24 Stimmen)
  • Frage 7: Der Videostream hat Live-Untertitel und Gebärden-Übersetzung. Das ist toll bzw.eigentlich selbstverständlich. Kriegen wir ein Commitment, dass das auch bei zukünftigen von der Bundesregierung geförderten Projekten selbstverständlich wird? (23 Stimmen)
  • Frage 8: Warum nutzen Sie Clubhouse für die Diskussion heute Abend und nicht eine andere, offene Plattform? (22 Stimmen)
  • Frage 9: Warum wurden native Apps entwickelt statt das über HTML5, CSS und JavaScript umzusetzen und so in jedem Browser nutzbar zu machen – unabhängig von Geräten? (21 Stimmen)
  • Frage 10: Die Anton-App wurde mit öffentlichen (EU-)Mitteln gefördert. Mit Blick auf Techniksouveränität, die Frau von der Leyen im Oktober beschworen hat: Wo finden Bürger:innen den Quelltext zur Anton-App? #PublicMoneyPublicCode (19 Stimmen)
  • Frage 11: Wann wir endlich digitale Lehre nicht mehr als Projekt sonder als fester Bestandteil der Bildungslandschaft gesehen? Bspw.: Tablets werden alle Kinder in der Schule benötigen oder kommt der DigitalPakt jetzt jährlich (18 Stimmen)
  • Frage 12: Warum sind für Lehrpersonen an Schulen Paywalls hinterlegt? Wie wird sichergestellt, dass Lehrpersonen zukünftig von ihrem Arbeitgeber (Land) auskömmlich ausgestattet sind und eben nicht aus der privaten Tasche Materialien kaufen müssen? (14 Stimmen)
  • Frage 13: Zukünftige Vorhaben stehen in der besonderen Verantwortung, das Leitprinzip der Offenheit auf technischer wie pädagogischer Ebene zu verfolgen. Wie wird das passieren? (12 Stimmen)
  • Frage 14: Wird es einen Digitalpakt für die Erwachsenenbildung auf Bundesebene geben, um die Vermittlung digitaler Kompetenzen auch außerhalb von Schule und formalen Bildungssystemen besser zu fördern? (11 Stimmen)
  • Frage 15: Die Bundeskanzlerin sprach über „qualifizierte“ Inhalte. Welches Konzept wird verfolgt, um im Meer nutzergenerierter Inhalte die besten Inhalte nach oben schwimmen zu lassen?  (edited)   (11 Stimmen)
  • Frage 16: Nach welchen Qualitätskriterien werden Lernangebote auf der Plattform aufgenommen? Frau Merkel sprach von einem Gütesiegel? Besteht das bereits oder wird das aktuell entwickelt? (10 Stimmen)
  • Frage 17: Sind die Inhalte sowie der Code der neuen App offen (Open Data; Open Source)? Welche Strategie zur Weiterentwicklung gibt es? (9 Stimmen)
  • Frage 18: Warum sind die vielen tollen privaten EdTech Player (Babbel, sofatutor, Blinkist) nicht an der „Initiative Digitale Bildung“ beteiligt? (8 Stimmen)
  • Frage 19: Clubhousenutzung ist nicht inklusiv. Schade! Das fördert nicht wirklich data literacy…. (8 Stimmen)
  • Frage 20: Welche Rolle wird kritische Medienreflexion (z.B. das Hinterfragen kultureller Praktiken, in Technik eingeschriebener Machtverhältnisse, …) in der Initiative spielen – sowohl als Inhalt und Ziel von Bildungsangeboten als auch als Grundlage der Gestaltung und Nutzung von Bildungsmedien? (7 Stimmen)
  • Frage 21: Warum gibt es auf der Plattform eine Bezahlschranke? Digitale Bildung sollte offen sein und dem Austausch dienen. (7 Stimmen)
  • Frage 22: Wer im BMBF war der Ansicht, es wäre eine gute Idee, hier ein Werkzeug mit Option zum Abstimmen einzusetzen und dann die Stimmen zu ignorieren? (7 Stimmen)
  • Frage 23: Bleiben wir mal beim Sicherungskasten, aber was hilft mir der beste Sicherungskasten und die beste Inhouseverkabelung wenn die Zuleitung von außen fehlt oder minderwertig ist. Seit Jahren wird davon geredet das die Infrastruktur hier verbessert werden muss, aber passiert ist leider wenig. (6 Stimmen)
  • Frage 24: Wie möchte man mit einer digitalen App eine digital-ferne Zielgruppe erreichen? (6 Stimmen)
  • Frage 25: Inwieweit passt eine bundesweite Bildungsplattform mit bereits bestehenden Infrastrukturen (Lernplattformen, Cloud-Angeboten) überein? (6 Stimmen)
  • Frage 26: Auch IHKs sind Treiber und Unterstützer digitaler Bildung. Wie kann das Angebot in die „Plattform“ (vorhin von Frau Dr. Merkel beschrieben) eingebracht werden? (6 Stimmen)
  • Frage 27: Ist es angedacht, dass außerschulische Lernorte wie Träger der offenen Jugendarbeit, auch gefördert werden, damit sie endlich eine entsprechende digitale Infrastruktur bekommen? (6 Stimmen)
  • Frage 28: Wie viel hat die App gekostet? (5 Stimmen)
  • Frage 29: Ist eine „Bezahlschranke“ nicht eher kontraproduktiv? (5 Stimmen)
  • Frage 30: Wir von IServ haben 4.600 Schulen und 2,4 Mio. Schülerinnen und Schüler. Wie weit wurden die denn gefragt, wie sie in den Bildungsraum angebunden werden bzw. was dieser Bildungsraum enthalten soll? (5 Stimmen)
  • Frage 31: Wie werden vulnerable Gruppen eingeholt? Wie diejenigen, die nicht über technische oder finanzielle Möglichkeiten verfügen? (4 Stimmen)
  • Frage 32: Basierend worauf werden die Fragen für’s Podium ausgewählt? (Offenbar nicht nach der Zahl der „Upvotes“) (4 Stimmen)
  • Frage 33: Dient die nationale Bildungsplattform auch dem Austausch von OER? Oder welche Funktion soll diese Plattform erfüllen? (4 Stimmen)
  • Frage 34: Der Bildungsraum ist national. Wie sind bisher die Länder eingebunden? (4 Stimmen)
  • Frage 35: Mir fehlt aktuell die Perspektive der Studierenden an den Hochschulen und nicht nur Schüler und Schülerinnen!!! (4 Stimmen)
  • Frage 36: Digitale Kompetenzzentren (zur Lehrerbildung), Initiative Digitale Bildung, Bundeszentrale Digitale Aufklärung, HPISchulcloud, MOOCS, uvm. – Worin unterscheiden sich all diese Plattformen? #Doppelstrukturen (4 Stimmen)
  • Frage 37: Infrastrukturen sollen laut Digitalpakt grundsätzlich „technologieoffen, erweiterungs- und anschlussfähig“ gestaltet werden. Warum werden dann flächendeckend fast nur Endgeräte mit in sich geschlossenem Betriebssystem beschafft? (4 Stimmen)
  • Frage 38: Warum wird Schulen die Nutzung von leistungsfähigen & nutzer*freundlichen, kommerziellen Lösungen fast unmöglich gemacht wg. Datenschutz, aber die Moderator*innen verweisen auf weiterführende Diskurse im höchst problematischen Clubhouse? (4 Stimmen)
  • Frage 39: Warum ist die neue App so textlastig? Gerade eine App bietet doch mehr Einsatz von spielerischer Interaktivität an! (3 Stimmen)
  • Frage 40: Guten Tag, ist Datenkompetenz wirklich das wichtigste Thema bei #bildungdigital? Sollte es nicht am stärksten um (neue) digitale pädagogische Kompetenzen bei den Lehrer*innen gehen? (3 Stimmen)
  • Frage 41: Ein Digitalpakt für die Weiterbildung auf Bundesebene wäre ebenfalls sehr wünschenswert und dringend erforderlich. (3 Stimmen)
  • Frage 42: Die Generation, die hier den Dialog „voran bringt“ & anführt kann nicht die Meinungen, Ideen, Gedanken ausdrücken & begreifen, mithin greifbar machen, die die Generation Z/u20 zur #bildungdigital hat. Wieso sind bei diesem Thema keine Schüler:innen-Initiativen repräsentiert? #futuregenerations (3 Stimmen)
  • Frage 43: Durch externe Veranstaltungen & Apps alleine ist ein Wandel an Schulen nicht zu erreichen. Haltungsänderung ist mit Beziehungsarbeit verbunden. Sind medienberatende Posten an Schulen geplant, um Kollegien auf kurzen Wegen zu begleiten? (3 Stimmen)
  • Frage 44: Wie erfolgt die Einbindung von hauptsächlich Betroffenen, in Hochschulen beispielsweise die Studierende? (3 Stimmen)
  • Frage 45: Ich bezweifle, dass ein höherer Prozentsatz der Bevölkerung diese Art von Begrifflichkeiten erfassen kann….warum soll Digitalisierung nur der gebildeten „Schicht“ ermöglicht werden? (3 Stimmen)
  • Frage 46: Wie unterstützt die Initiative geringqualifizierte und z.T. geringliteralisierte Menschen? Wie können diese Menschen z.B. an der vhs kostenfrei mit digitaler Technik ausgestattet werden und den Umgang darin lernen? (3 Stimmen)
  • Frage 47: Leider ist die Diskussion zu sehr auf die Schulen abgestellt. Neben den Schulen wäre auch die Erwachsenenbildung ein immens wichtiger Bereich hinsichtlich digitaler Bildung! (3 Stimmen)
  • Frage 48: Ist die Offenheit für das Thema digitale Bildung die lang ersehnte Eröffnung dafür, dass endlich wieder mehr in Bildung (im allg.) investiert wird? (2 Stimmen)
  • Frage 49: Online-Bildung erfordert Zugang zu den dafür notwendigen technischen Ressourcen (Geräte, ausreichende Bandbreitet etc.) – wie wird dieser Zugriff flächendeckend sichergestellt? Welche Förderungen sind hier konkret geplant? (2 Stimmen)
  • Frage 50: Wie verhält sich diese Initiative zu der Initiative („Bundeszentrale für digitale Aufklärung“) von Staatsministerin Dorothee Bär? Ist das nun das gleiche? Oder etwas anderes und worin unterscheidet es sich gegebenenfalls? (2 Stimmen)
  • Frage 51: Erfreulicherweise muss der dvv sich nicht ganz alleine um die digitale Weiterbildung der Bürger*innen kümmern. Es gibt die Katholische Erwachsenenbildung, die evangelische Erwachsenenbildung, Arbeit und Leben und noch weitere Träger in öffentlicher Förderung. (2 Stimmen)
  • Frage 52: In wie weit ist das BMAS an der Initiative Digitale Bildung beteiligt? Oder anders gefragt: was integriert sich die Nationale Weiterbildungsstrategie in die neue Initiative? (2 Stimmen)
  • Frage 53: Wie werden Einrichtungen der Erwachsenenbildung unterstützt? (2 Stimmen)
  • Frage 54: Im Video war von einem Marktplatz die Rede: Welche Angebote können dort aufgenommen werden, werden diese „verkauft“ und wie werden die Preise festgelegt (in etwa)? (2 Stimmen)
  • Frage 55: Nach welchen Kriterien werden die Publikumsfragen ausgewählt? (2 Stimmen)
  • Frage 56: Wie kann und soll die Kluft zwischen lernschwachen und lernstarken SchülerInnen angegangen werden? Durch Homeschooling vergrößert sich die Kluft – Motivation und selbstreguliertes Lernen sind Aspekte mit zunehmender Bedeutung. (2 Stimmen)
  • Frage 57: Wann und wie wird dafür gesorgt, dass alle Schulen und Weiterbildungseinrichtungen – ohne erst Konzepte einreichen zu müssen – an schnelles Netz angeschlossen werden? – Ohne Netzzugang ist alles Theorie. (2 Stimmen)
  • Frage 58: Info: www.bildung.digital ist KEINE Webpage des BMBF. Die zentralen Seiten sind: www.bmbf.de; und www.bildung-forschung.digital (2 Stimmen)
  • Frage 59: Beim Digitalpakt bitte die Erwachsenenträger/Volkshochschulen nicht vergessen! Danke schön  (edited)   (2 Stimmen)
  • Frage 60: Das war die Veranstaltung auf die gerade verwiesen wurde, oder? https://www.schultransform.org/zum-projekt/dialogforum-schultransform (2 Stimmen)

Happy Birthday, Logbuch Netzpolitik! #LNP200

Der Podcast Logbuch Netzpolitik hat gestern seine 200. Sendung in Berlin gefeiert. Weil ich die Sendungen sehr mag, habe es mir nicht nehmen lassen, dem Spektakel einen Besuch abzustatten.

Warum mir das Logbuch Netzpolitik gefällt

Logbuch Netzpolitik ist nicht nur eine lohnenswerte Anlaufstelle, um sich über das aktuelle Geschehen in dem Bereich auf dem Laufenden zu halten. Tim Pritlove und Linus Neumann betreiben mit dem Podcast auch so etwas wie „Nerdkommunikation“ in Richtung PolitikerInnen oder deren BeraterInnen. Wer sich von diesen mit Netzpolitik beschäftigt, dürfte es nicht bereuen, den Abonnieren-Knopf zu drücken.

Eigentlich sind die Folgen meistens eher ernüchternd aus Sicht eines Netzbewohners. Falls es aus der deutschen Politik wider Erwarten etwas Positives zu berichten gibt, dann sollte man sich nicht zu früh freuen. Es gibt ja die Wiedervorlage auf EU-Ebene. Aktuell wäre so ein Thema das Leistungsschutzrecht. Obwohl man das Kopfschütteln von Tim und Linus förmlich durch den Kopfhörer mitbekommt und man sich kein Force-Feedback dafür wünscht, schaffen die beiden es dennoch regelmäßig, das alles unterhaltsam zu verpacken.

Und wie war die Veranstaltung?

Ich fand die Veranstaltung wirklich gelungen. Eine Karte ließ sich komfortabel und problemlos online bestellen. Per E-Mail kam dann flugs ein QR-Code für den Einlass zurück. Berlin zwar (ich bin da vorbelastet), aber dafür eine sehr coole Location: ehemaliges Stummfilmkino Delphi. Außerdem waren da nette Leute zum locker Quatschen. Und nicht zu vergessen: Schöne Sketchnotes, deren Entstehen man auf einer Leinwand parallel zum Podcasten vorne auf der Bühne verfolgen konnte.

Oh, und natürlich war ich ebenfalls wegen der „Vorband“ da :-) Die beiden Physiker Nicolas Wöhrl und Reinhard Remfort schenken der Welt alle zwei Wochen eine neue Folge ihres Podcasts minkorrekt. Sie waren zugegen und berichteten unterhaltsam von den Abstrusitäten des wissenschaftlichen Publikationswesens – und wie sich WissenschaftlerInnen auch schon einmal dagegen wehren.

Danke Tim! Danke Linus! Und danke an allen, die an #LNP200 beteiligt waren!

Angstland

Bekanntlich achten Menschen eher auf das, was sie suchen. Vielleicht entspringt dieser Blogbeitrag daher einfach meiner Wahrnehmung, aber sein Thema beschäftigt mich schon eine Weile und ist bei mir gerade präsent. Ich werde meine Gedanken hier einfach mal los ohne Anspruch auf Poesie oder Ausgeburt an Weisheit. Es geht um Angstland.

Angst entdecke ich schon, wenn ich meine Mutter besuche. Sie zieht nach Gebrauch des Toasters den Stecker. Er könnte ja Feuer fangen — weil das irgendwann irgendwo mal irgendjemandem passiert sein soll. Auch sonst sorgt sie sich gefühlt ständig darum, was nicht alles passieren könnte. Ich glaube, das war früher noch nicht so ausgeprägt. Frage ich nach dem Ursprung ihrer Sorge, ist die Antwort fast immer ein Bericht aus den Medien. Das erinnert mich schwer an den Dokumentarfilm Bowling for Columbine. Michael Moore legt darin nahe, dass die Medien eine Atmosphäre der Angst verbreiten, indem sie der Bevölkerung ununterbrochen Bedrohungen vor Augen führen.

Nicht ängstlich, aber wirklich nachdenklich machen mich die Medien auch — nämlich dann, wenn sie über die Angst im Lande berichten: Offenbar ist man in manchen Regionen mit einem Stuttgarter Dialekt und Raclette im Kofferraum schon des Terrors verdächtig. Ist kaum ein Wunder, wenn die Regierung kaum ein drängenderes Thema zu kennen scheint und immer wieder neue Gesetze erlassen möchte, die angeblich irgendwie vor Anschlägen schützen sollen. Jüngstes Beispiel ist die angestrebte Beschränkung von Bargeldzahlungen, oder gibt es schon etwas Aktuelleres?

Du, Sergej, den Sprengstoff und die fünfzig Kalaschnikow zahle ich heute mit EC-Karte, ne?!

Nee, is klar. TerroristInnen werden dann bestimmt per Klarname, SEPA-Lastschrift und dem Betreff „terroristische Mordwerkzeuge“ ihre Waffen kaufen. Aber wenn man perfide das unterschwellige Bedrohungsgefühl in der Bevölkerung ausnutzt, dann stören sich womöglich nicht so viele an den neuen Gesetzen. Besonders gut funktioniert das in Deutschland in der Politik gerade auch mit der Angst vor… Ja, vor was eigentlich? Vielleicht hat Jan Böhmermann mit „Du für Deutschland“ die Antwort?

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Video-Link: https://youtu.be/59EXdqTblDM

Sehr lebendig ist das mit der Angst für mich beim Thema Technik wahrscheinlich, weil ich mich als halber Informatiker vermehrt damit beschäftige. Jenseits von Fahrzeugen mit Benzinmotoren wird Deutschen schon einmal Technikfeindlichkeit attestiert. In der Bildungsecke begegne ich ihr jedenfalls immer wieder.

Ich brauche das nicht. Ich arbeite mit Menschen. (Zitat von jemandem aus der Hochschuldidaktik)

Harmlos finde ich noch Aussagen wie diese, denn dahinter stecken wohl eher Unkenntnis (soziale Medien heißen ja nicht so, weil da Computer miteinander interagieren), ein Schuss Face-To-Face-Romantik und lediglich die Angst, sich selbst mit einer Thematik auseinanderzusetzen, mit der man überhaupt nicht vertraut ist. Regelrecht erschreckt bin ich aber stets von Reaktionen à la Digitale Demenz anno 2012 oder den gerade aufziehenden Disputen rund um Big Data in der Bildungswelt.

Ich mag Technik gern, ja, und greife darauf auch gerne in Lehr-Lern-Szenarien zurück. Ich bin aber (hoffentlich) ebenso bekannt dafür, das nicht blind zu tun. Ich trenne bloß nicht in „digitales Lernen“ und „analoges Lernen“ (dazu empfehle ich „E war einmal“ von Thomas Czerwionka) und schaue, was ich vom einem wie vom anderen gebrauchen kann; was geht und was nicht; nicht alles, aber auch nicht gar nichts.

Warum Potenziale des Neuen nicht ausloten statt gleich Angst vor der nahenden Apokalypse zu verbreiten? Anstatt zu überlegen, was vielleicht möglich wird, wird in Deutschland lieber zuerst überlegt, was schiefgehen könnte. Wenn man sich dann irgendwann auf einen vorsichtigen Kompromiss geeinigt hat, muss bloß noch eine Weile geklärt werden, wer im Zweifel Schuld ist…

Vielleicht erstreckt sich Angstland aber auch nicht bloß von den äußersten Zipfeln Schleswig-Holsteins bis Bayerns und Rheinland-Pfalzes bis Sachsen-Anhalts. In den USA scheint es inzwischen so zu sein, dass Kinder aus Sorge vor diffuser Gefahr nicht einmal mehr allein draußen spielen sollen und auf Schritt und Tritt überwacht werden.

Decreased crime rate… is not no crime rate! (Zitat einer Psychotherapeutin)

Trotz gesunkener Kriminalitätsrate steigt die Furcht davor. Offenbar wächst sogar im eigentlich so freiheitsliebenden Amerika der Wunsch nach garantierter Sicherheit. Aus Angst. Angstland allerorten.