Welche „Scientific Legends“ kennt ihr?

Das urban dictionary versteht unter einer „urban legend“:

„A modern myth. A frightening untrue story in which the storyteller insists is true, but has no evidence to back up. Also, it never happened to the storyteller but someone removed from them.“

Kann es in der Wissenschaft nicht geben, oder? Da ist doch alles wahr. Dort werden schließlich Belege für die eigenen Aussagen mitgeliefert. Dumm nur, wenn man sich blind auf fremde Aussagen verlässt. Noch dümmer, wenn das mehrere Leute tun und mit der Zeit vermeintlich gesichertes Wissen entsteht. Dann entstehen „scientific legends“.

Von unterhaltsam …

Solche Legenden fallen manchmal in die Kategorie Unterhaltsames jenseits der Wissenschaft. Denkt etwa an Popeye. Der Comic-Seemann verdankt seine besondere Fähigkeit der Tatsache, dass wissenschaftliche Ergebnisse für getrockneten Spinat auf frischen Spinat übertragen wurden – nehme ich zumindest an, denn die Originalquelle von 1890 konnte ich nicht finden ;-)

Manchmal entstehen auch unterhaltsame Dinge innerhalb der Wissenschaftswelt. Im vergangenen Jahrhundert etablierte sich beispielsweise ein/e S. B. Preuss als Co-Autor von Albert Einstein. Ob Herr oder Frau weiß man nicht genau, weil es die Person nie gab. Eine Theorie geht davon aus, dass über das Stille-Post-Prinzip die Quellenangabe „Einstein. A. (1931). Sitzungsber. Preuss. Akad. Wiss. 235-37.“ nach und nach zu „Einstein, A., and Preuss, S.B. (1931). Akad. Wiss. 235-37“ wurde. (Danke an Elin Zincke, über die ich von S. B. Preuss erfahren habe.)

… bis weniger unterhaltsam

Über den Grad des Ausmaßes kann ich nichts sagen, aber manchmal halten sich auch fachliche Legenden innerhalb der Wissenschafts- oder wissenschaftsnahen Welt. Das finde ich dann weniger unterhaltsam. Vor ein paar Jahren bin ich bei Recherchen in verschiedenen Veröffentlichungen über eine solche gestolpert: die Lernpyramide. Schaut bloß mal in der Google Bildsuche, wie oft ihr darauf stoßt. Als Quelle werden häufig die National Training Laboratories angegeben. Wie Lalley und Miller herausfanden, haben diese zwar mit Studien in dem Feld zu tun gehabt, eine konkrete Publikation könnten sie aber selbst nicht nennen. Losgelöst davon seien aber auch die vermeintlichen Ergebnisse nicht haltbar. Wenn also mal wieder jemand von einer Hierarchie von Lernformen mit Bezug auf die Erinnerungsleistung spricht und sich auf diese Lernpyramide beruft … Oh, wait! Was ist denn das hier im aktuellen Sammelband der GML2-Tagung aus dem Jahre 2016 auf Seite 78?

Was kennt ihr noch?

Gerade die letzte Kategorie finde ich momentan interessant. Welche scientific legends kennt ihr noch, die sich in der Wissenschaft selbst oder in wissenschaftsnahen Bereichen halten? Falls ihr da schöne Beispiele habt, hinterlasst doch einfach ein paar Zeilen als Kommentar.

2 Gedanken zu „Welche „Scientific Legends“ kennt ihr?

  1. 80% wird in Unternehmen informell gelernt, nur 20% geht auf formelle Lernangebote zurück, sagt Jay Cross. Das ganze stammt als „Spending-Outcomes Paradox“ aus seinem Buch „Informal Learning“. Optional ist noch eine wahnsinnig nötige Balkengrafik dabei, die zeigt, wie viel 80% gegenüber 20% ist. Die ist auch wichtig, denn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schauen sich nur Bilder an und lesen nicht, sonst würden sie den Satz danach auch lesen: „To tell you the truth, I pulled this figure out of thin air, it feels right.“ #postfaktisch

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