Schlagwort-Archive: Bildung

Mal wieder was zu Bildung

Mit fremden Beiträgen aus der Bildungswelt habe ich mich hier schon eine Weile nicht mehr beschäftigt. Es ist an der Zeit, das zu ändern. Schicken wir doch einen Pingback an meinen Kollegen Markus Deimann, der vergangene Woche in Hannover einen Vortrag mit dem Titel „Warum wir für Arbeit 4.0 nicht Bildung 4.0 brauchen“ hielt und dazu auch eine Aufzeichnung und sein Manuskript verlinkt hat.

Der einleitende Teil hat mich leider an einigen Stellen ratlos zurückgelassen. Den Bogen von Arbeit 4.0 zu Bildung 0.4 halte ich beispielsweise argumentativ für gar nicht nötig bzw. zu knapp beleuchtet, um ausreichend auf die Frage im Titel einzugehen. Das kann allerdings mir zuzuschreiben sein, nicht dem Vortrag. Vielleicht bekomme ich es hier auf Reihe.

Dass maschinelles Lernen (Markus spricht von künstlicher Intelligenz) künftig für bedeutsame Änderungen in der Arbeitswelt sorgt, halte ich für unbestritten. Dass dadurch einfache Tätigkeiten auch in akademischen Feldern wegfallen, mahnt beispielsweise Gunter Dueck schon seit Jahren an. Dass sich daher jede/r als Individuum fragen sollte, ob und in welche Richtung er/sie sich weiterentwickeln muss, leuchtet mir ein — auch wenn man das als Turbokapitalismus brandmarken mag. Als Gesellschaft gäbe es da womöglich weitere Stellschrauben, aber um die geht es hier nicht.

Markus holt dann etwas aus. Den Bezug von Transhumanismus zu Uber habe ich leider nicht verstanden, wohl aber den Gedanken der emanzipatorischen Kraft von Technik. Sortiere ich aber schon unter foo 2.0 ein. Den Gedanken teile ich mit der „Kalifornischen Ideologie“. Ich sehe ihn jedoch einerseits weder als Determinismus oder Automatismus an, noch sehe ich ein Scheitern durch „kommerzielle Vereinnahmung“. Es gibt so viel „open irgendwas“. Die Möglichkeiten zur Gestaltung der IT-nahen Welt sind da, bleiben aber ungenutzt. Offenbar fehlt vielen Menschen der Mut, sich ihrer eigenen Möglichkeiten zu bedienen, wie ich es provokativ vielen Lehrenden einmal in Anlehnung an Kant attestiert habe. Vielleicht trägt auch schlicht menschliche Bequemlichkeit ihren Teil dazu bei, Konzernen das Feld zu überlassen und sich beispielsweise Alexa statt Jasper ins Haus zu holen bzw. nichts Neues auszuprobieren.

Und dann kommt bei Markus noch der alte Humboldt, aber dankenswerterweise nur aus Gründen des Geschichtsbewusstseins und wegen der kürzlichen Vereinnahmung durch Christoph Meinel. Soweit meine Spannungspunkte zum Text von Markus. Bei den folgenden vier Thesen kann ich mitgehen, würde aber an einigen Stellen etwas einwerfen wollen.

Markus hält beispielsweise fest, Bildung sei nicht Ausbildung, und „Learning Analytics“-Algorithmen liefen auf totale Fremdbestimmung bzw. Bevormundung hinaus. Da bin ich wahrlich kein Freund von, wie ich neulich auch festgehalten habe. Auch hier könnte aber jeder Mensch für sich entscheiden, vom vorgeschlagenen Weg abzuweichen — so wie ich, der sich Präsenzvorlesungen einfach nicht angetan hat. Ich befürworte zudem das Sammeln und maschinengestützte Auswerten von Daten zum Lernen. Ich befürworte aber ebenso, dass die Lernenden darüber selbst entscheiden und dass sie damit selbst etwas anfangen. Da ist sie wieder, die potenzielle emanzipatorische Kraft der Technik … Außerdem habe ich gedanklich herumgespielt: „Doch genau auf eine fremdbestimmte und kontrollierte Ausbildung laufen bestimmte Angebote hinaus, wenn etwa das Lernverhalten im digitalen Raum fortwährend protokolliert und dann von intelligenten Algorithmen LehrerInnen ausgewertet wird, um daraus möglichst passgenaue Vorschläge zu generieren.“ Ist nicht die normale Schullaufbahn ebenso fremdbestimmt und kontrolliert?

Markus schließt beinahe mit „Wir alle sind aufgefordert, mitzudenken und mitzugestalten.“ Also … Ihr könnt beispielsweise selbst bloggen, uns verlinken, kommentieren, …

Pimp your platform with H5P

Durch @TweetinChar bin ich auf die Software H5P aufmerksam geworden, die mich von den Socken haut. Hinter dem Kürzel verbirgt sich ein PlugIn für andere Plattformen, das sie um diverse interaktive Elemente bereichern kann. Den Anfang machen WordPress und Drupal. Das Lernmanagement-System moodle folgt in Kürze und wird sogar die Option bieten, auf Rückmeldungen der PlugIns zu reagieren: Lektionen freischalten, Auszeichnungen vergeben, usw.

„Was sollen denn diese diversen interaktiven Elemente sein“, fragt ihr euch? Am besten zeige ich euch zwei Beispiele, die ich damit erstellt habe.


Videos mit Aufgaben

Inzwischen schon einer der Klassiker in Online-Kursen: Videos mit Overlays, eingebetteten Fragen oder Textfeldern zum Ausfüllen. H5P ist da recht flexibel und erlaubt, je nach gegebener Antwort individuell fortzufahren und beispielsweise eine bestimmte Sequenz des Videos noch einmal zu zeigen oder eine andere zu überspringen. Habe ich in diesem Video aber gar nicht genutzt, sondern bloß die meisten Formate eingebettet, die man nutzen kann. Übrigens: Statt eines Videos könnt ihr auch Schaubilder einer Präsentation verwenden und dann durchblättern…


Zeitstrahlen

Wie ihr seht, sind Zeitstrahlen kein Problem. Es hakt noch etwas mit der Darstellung des Datumsformats, aber das kann ich prima verschmerzen. Dafür sieht es schick aus, es gibt zahlreiche Möglichkeiten zum Erstellen und responsive sind die eingebundenen Inhalte auch.


Diese kleine Auswahl war aber längst nicht alles. Viel mehr Beispiele findet ihr auf der Showcase-Seite der Programmiertruppe. Die Aufgabentypen, die ihr über Videos legen könnt, könnt beispielsweise auch eigenständig nutzen, es gibt kleine Werkzeuge, Mini-Spiele, … Ich bin jedenfalls hellauf begeistert, auch wenn es an einigen Stellen noch ein paar Bugs zu geben scheint. Aber, oh, hatte ich erwähnt, dass H5P obendrein auch noch Open Source ist? Sollten also kein Probleme sein, die ewig bestehen bleiben :-)

“Die Digitalisierung revolutioniert die Lehre schafft neue Chancen und Mehrwerte”

Seit über 20 Ausgaben des Podcasts Forschergeist spricht Tim Pritlove mit Personen über Bildung und Forschung. Diese Woche (Ausgabe 22) war er zu Gast bei Jürgen Handke. Handke lehrt in Marburg, hat dort den Virtual Linguistics Campus mit ins Leben gerufen und ist einigen vielleicht für sein Engagement rund um den Einsatz digitaler Medien bekannt.

Im Podcast berichtet er davon, wie er über viele Jahre Schritt für Schritt seine Lehre mit digitalen Medien verändert hat und sie dazu nutzt, um Präsenzphasen intensiver mit Studierenden nutzen zu können. Kritisch merkt er an, dass neue Formen des Lehrens jedoch weniger von PädagogInnen entwickelt würden, sondern von engagierten FachwissenschaftlerInnen — autsch.

Mir gefällt der Podcast sehr gut. Vielleicht findet ihr über die Feiertage Zeit, um ihn euch anzuhören.