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Kollaboratives Arbeiten mit digitalen Medien

Ich bin eingeladen worden, heute bei der Fachtagung E-Learning einen Vortrag zum Titel „Kollaboratives Arbeiten mit digitalen Werkzeugen“ zu halten. Vorträge sind ja nicht so meins, aber ich werde auch nicht 45 Minuten am Stück reden. Auf Schaubilder verzichte ich auch oft (und zeige eher was live im Browser), aber diesmal habe ich ein paar erstellt. Bietet sich für meinen Einstieg an, und außerdem will ich doch jenseits des kollaborativen Arbeitens H5P einschmuggeln 😉

Morgen gibt’s zu dem Thema dann noch einen Workshop. Bin gespannt, welche Ideen und Vorstellungen die TeilnehmerInnen dazu mitbringen.

Mal wieder was zu Bildung

Mit fremden Beiträgen aus der Bildungswelt habe ich mich hier schon eine Weile nicht mehr beschäftigt. Es ist an der Zeit, das zu ändern. Schicken wir doch einen Pingback an meinen Kollegen Markus Deimann, der vergangene Woche in Hannover einen Vortrag mit dem Titel „Warum wir für Arbeit 4.0 nicht Bildung 4.0 brauchen“ hielt und dazu auch eine Aufzeichnung und sein Manuskript verlinkt hat.

Der einleitende Teil hat mich leider an einigen Stellen ratlos zurückgelassen. Den Bogen von Arbeit 4.0 zu Bildung 0.4 halte ich beispielsweise argumentativ für gar nicht nötig bzw. zu knapp beleuchtet, um ausreichend auf die Frage im Titel einzugehen. Das kann allerdings mir zuzuschreiben sein, nicht dem Vortrag. Vielleicht bekomme ich es hier auf Reihe.

Dass maschinelles Lernen (Markus spricht von künstlicher Intelligenz) künftig für bedeutsame Änderungen in der Arbeitswelt sorgt, halte ich für unbestritten. Dass dadurch einfache Tätigkeiten auch in akademischen Feldern wegfallen, mahnt beispielsweise Gunter Dueck schon seit Jahren an. Dass sich daher jede/r als Individuum fragen sollte, ob und in welche Richtung er/sie sich weiterentwickeln muss, leuchtet mir ein — auch wenn man das als Turbokapitalismus brandmarken mag. Als Gesellschaft gäbe es da womöglich weitere Stellschrauben, aber um die geht es hier nicht.

Markus holt dann etwas aus. Den Bezug von Transhumanismus zu Uber habe ich leider nicht verstanden, wohl aber den Gedanken der emanzipatorischen Kraft von Technik. Sortiere ich aber schon unter foo 2.0 ein. Den Gedanken teile ich mit der „Kalifornischen Ideologie“. Ich sehe ihn jedoch einerseits weder als Determinismus oder Automatismus an, noch sehe ich ein Scheitern durch „kommerzielle Vereinnahmung“. Es gibt so viel „open irgendwas“. Die Möglichkeiten zur Gestaltung der IT-nahen Welt sind da, bleiben aber ungenutzt. Offenbar fehlt vielen Menschen der Mut, sich ihrer eigenen Möglichkeiten zu bedienen, wie ich es provokativ vielen Lehrenden einmal in Anlehnung an Kant attestiert habe. Vielleicht trägt auch schlicht menschliche Bequemlichkeit ihren Teil dazu bei, Konzernen das Feld zu überlassen und sich beispielsweise Alexa statt Jasper ins Haus zu holen bzw. nichts Neues auszuprobieren.

Und dann kommt bei Markus noch der alte Humboldt, aber dankenswerterweise nur aus Gründen des Geschichtsbewusstseins und wegen der kürzlichen Vereinnahmung durch Christoph Meinel. Soweit meine Spannungspunkte zum Text von Markus. Bei den folgenden vier Thesen kann ich mitgehen, würde aber an einigen Stellen etwas einwerfen wollen.

Markus hält beispielsweise fest, Bildung sei nicht Ausbildung, und „Learning Analytics“-Algorithmen liefen auf totale Fremdbestimmung bzw. Bevormundung hinaus. Da bin ich wahrlich kein Freund von, wie ich neulich auch festgehalten habe. Auch hier könnte aber jeder Mensch für sich entscheiden, vom vorgeschlagenen Weg abzuweichen — so wie ich, der sich Präsenzvorlesungen einfach nicht angetan hat. Ich befürworte zudem das Sammeln und maschinengestützte Auswerten von Daten zum Lernen. Ich befürworte aber ebenso, dass die Lernenden darüber selbst entscheiden und dass sie damit selbst etwas anfangen. Da ist sie wieder, die potenzielle emanzipatorische Kraft der Technik … Außerdem habe ich gedanklich herumgespielt: „Doch genau auf eine fremdbestimmte und kontrollierte Ausbildung laufen bestimmte Angebote hinaus, wenn etwa das Lernverhalten im digitalen Raum fortwährend protokolliert und dann von intelligenten Algorithmen LehrerInnen ausgewertet wird, um daraus möglichst passgenaue Vorschläge zu generieren.“ Ist nicht die normale Schullaufbahn ebenso fremdbestimmt und kontrolliert?

Markus schließt beinahe mit „Wir alle sind aufgefordert, mitzudenken und mitzugestalten.“ Also … Ihr könnt beispielsweise selbst bloggen, uns verlinken, kommentieren, …

Die Thesen von Barry Schwartz im #FlowMOOC17

Vorgestern habe ich bereits vom #FlowMOOC17 und dessen „Pre-Show-Party“ berichtet. Es gab noch eine zweite Anregung, was man im Vorfeld tun könne. Man könne das folgende Video schauen und anhand von zwei Fragen die eigenen Gedanken dazu festhalten.

Was halten Sie von Barry Schwartz‘ Thesen?

Nachvollziehbar, aber für mich auch nicht ganz neu. Wer beispielsweise BWL studiert hat, sollte auch an so etwas wie „Menschenbildern“ und „Organisationslehre“ vorbeigekommen sein. Dort könnte man mitgenommen haben, dass die Gestaltung eines sozialen Systems auch Einfluss auf dessen Mitglieder hat. Klingt komplizert? Einfacher hat es Gunter Dueck in seinem Buch Professionelle Intelligenz beschrieben. Seit Jahrhunderten stritten sich Leute schon darum, was das Wesen der Menschen ausmache. Sind sie grundsätzlich faul und müssen zur Arbeit „gezwungen“ werden? Sind sie komplett von innen heraus motiviert? Ein fruchtloser Streit. Man könne alternativ schlicht überlegen, wie ein anzustrebende Ideal aussehen könne. Danach könnte man etwa sein Unternehmen so gestalten, dass das Erreichen dieses Ideals unterstützt werde.

Welche Konsequenzen hat das für die Arbeit?

So vage wie das Video, so vage ist meine Antwort. Es lohnt sich zu hinterfragen, welche Annahmen über Menschen der Gestaltung eines Arbeitsumfeldes zugrunde liegen. Danach sieht man vielleicht klarer — als Unternehmen wie als ArbeitnehmerIn. Könnte sein, dass sich die Arbeit dann ändert.

Kommt auf Augenhöhe

logo_augenhoeheDer Film Augenhöhe tourt durch Deutschland — nicht nur im Netz, sondern auch auf zahlreichen Veranstaltungen, auf denen über die Arbeitswelt im 21. Jahrhundert nachgedacht wird.

Dasselbe möchten Kirsten Will und ich tun, und zwar speziell für die TU Braunschweig. Wie wird Augenhöhe dort erlebt und gelebt? Wir laden alle „Betroffenen“ (Studierende, MitarbeiterInnen aus der Verwaltung, Lehrende, Forschende und wen ich sonst noch vergessen haben mag) herzlich dazu ein, gemeinsam mit uns den Film zu schauen und im Anschluss mit allen Anwesenden zu diskutieren.

Als Gast wird außerdem Sven Franke (Mitautor des Films) anwesend sein und über Hintergründe und die Entstehung des Films berichten. Er und die anderen Autoren des Films möchten damit einen Beitrag zu einer neuen Arbeitswelt leisten, die von Selbstbestimmung, Potentialentfaltung, Gleichwertigkeit, echter Zusammenarbeit und eben Augenhöhe geprägt ist.

Damit wir etwas besser planen können, bitte unverbindlich bei mit per E-Mail an o.tacke@web.de anmelden.


10. April 2015, 18:00 Uhr – 20:00 Uhr, Pockelsstraße 4, Raum PK 4.111


Wie, an der Uni darf mal lehren ohne Qualifikation?

Im kürzlich erschienen Beitrag Wir Dozenten sind nicht eure Vorturner! auf ZEIT Online gibt es die folgende passage zu lesen:

Wie soll man als Dozent didaktisch wertvoll Wissen vermitteln, wenn eine didaktische Ausbildung von wissenschaftlichem Unipersonal grundsätzlich nicht vorgesehen ist? Im Gegenteil, Dozenten müssen sich in ihrer Freizeit selbst um didaktische Weiterbildung kümmern.

Dazu erreichte mich die Frage „Dort steht das auch mit der fehlenden didaktischen Ausbildung, scheint also überall so zu sein?“ Diese Frage hat mich zunächst etwas irritiert. Für mich war das halt Alltag, normal. Offenbar ist das außerhalb der Hochschulwelt aber eben nicht klar. Ich verliere also an dieser Stelle ein paar Zeilen dazu.

Wer in der Schule lehrt, hat in aller Regel eine entsprechende Lehramtsausbildung hinter sich. Er oder sie hat sich neben den Fachinhalten ebenso mit Pädagogik und Didaktik auseinander gesetzt. Er oder sie hat auch ein Referendariat hinter sich. Dort soll gezeigt werden soll, dass man Unterricht planen und gestalten kann und allgemein der Situation auch gewachsen ist. Wer an der Universität lehrt, hat sich in den allermeisten Fällen aber bloß mit seinem Fach auseinander gesetzt. Mehr ist nicht vorgesehen.

Wie kommt das? Gunter Dueck, früher selbst Professor für Mathematik, hält dazu in seinem Buch Das Neue und seine Feinde [1] fest:

Ein gut gehütetes (falsches) Vorurteil lautet: “Wer gut in Forschung ist, ist wahrscheinlich auch so intelligent, dass er es einleuchtend erklären kann.

Offenbar waren in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten zu wenige Menschen (oder die „falschen“) der Ansicht, dass man das Lehren auch an Hochschulen lernen müsste. Bettina Jorzik (Leiterin des Programmbereichs „Lehre und akademischer Nachwuchs“ beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft) hält dazu kritisch fest, dass Lehrende dort nicht systematisch ausgebildet würden und die Teilnahme an didaktischen Qualifizierungsmaßnahmen meist im Belieben jedes Einzelnen liege; der Erwerb der Lehrberechtigung sei ironischerweise nicht an einen Nachweis von Lehrbefähigung geknüpft [2]. Tatsächlich wird sie Habilitierten zwar mit der Facultas Docendi bescheinigt, doch beruht sie vornehmlich auf der Forschungsleistung. Nachzuweisen ist lediglich Erfahrung in der Lehre, ohne deren Qualität zu berücksichtigen.

Nun ist es natürlich nicht so, dass man das Lehren nicht auch durch Selbststudium, Üben und Reflexion in der Praxis lernen könnte — entsprechendes Engagement in der Lehre vorausgesetzt. Aber was wäre das gerade an einer Universität für eine Aussage, dass man sich nicht mit Theorie auseinandersetzen brauche?! Und warum werden Personen ins kalte Wasser geworfen?

Dabei denke ich vor allem an eine Personengruppe, die die Lehre an deutschen Hochschulen in weiten Teilen trägt: die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vielleicht gerade erst das eigene Studium absolviert, stehen sie plötzlich auf der anderen Seite des Hörsaals und sollen plötzlich ohne Vorbereitung lehren. Das allein mutet schon sonderbar an. Seien wir obendrein aber realistisch, sehr viele von ihnen interessieren sich auch kein Stück für die Lehre. Das ist zumindest mein Eindruck nach gut sieben Jahren im Biotop der Universitäten. Viele wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen bloß möglichst zügig promovieren, um dadurch ihre Karrierechancen zu verbessern. Lehren müssen sie trotzdem. Entsprechend hoch sind dann Motivation und investiertes Engagement. Doch selbst dann, wenn sie eine Professur anstreben, tun sie gut daran, sich möglichst auf die Forschung zu konzentrieren. In Berufungskommisionen spielt die Qualifikation für die Lehre immer noch eine undankbare Nebenrolle. Didaktische Qualifizierung wird dadurch in der Tat gewissermaßen zur Freizeitbeschäftigung.

Zum Weiterlesen…


[1] Dueck, Gunter (2013): Das Neue und seine Feinde. Wie Ideen verhindert werden und wie sie sich trotzdem durchsetzen. Frankfurt am Main: Campus.

[2] Jorzik, Bettina (2009): Qualitätskultur in der Lehre. Wirtschaft&Wissenschaft, 17(4), 30-31.