Deutschland – Norwegen: Döner oder Mobilfunknetz?

Ein Jahr Norwegen und zurück. Nun bin ich wieder in Deutschland. Da ich immer nach Unterschieden gefragt werde, präsentiere ich euch hier nicht groß kommentiert meine persönliche und subjektive Liste an Dingen, die ich vermisst habe bzw. vermissen werde. Vorwegschicken möchte ich allerdings, dass mir nichts ferner liegt als hier Länder zu bewerten und unterschwellig gegeneinander zu stellen. Nationalismus, egal für welche Nation, geht mir wirklich ab und kann ihm an sich auch nichts abgewinnen.

Was ich an Deutschland vermisst habe

  • Hamburg. Ganz ehrlich: Deutschland an sich kann mir auch weg bleiben (wie jedes andere Land), … Aber nicht meine Perle.
  • Brot. Klischee, aber es stimmt :-) Sauerteigbrot mit einer krossen, dunklen Kruste. Mmmmh. Mmmmmmmmmmmh.
  • Döner. „Kebab“ gibt’s auch in Norwegen, ist aber einfach wirklich nicht dasselbe. Danke, liebe türkische Einwanderer von einst für dieses Wunderwerk!
  • Die Paketinfrastruktur. In Deutschland jammern schon vereinzelt Leute, weil man Sachen nicht am Tag der Bestellung bekommt. In Tromsø ging unter einer Woche nix, und Pakete landen standardmäßig bei der Post zum Abholen. An sich nicht tragisch. Das spart den Paketboten unsinnige und zermürbende Fahrten zu Wohnungen, in denen tagsüber sowieso niemand anzutreffen ist, usw. Toll wäre bloß, wenn man auch zügig informiert würde, dass da etwas auf einen wartet. Packstationen, Spätis und vergleichbare Zielorte? Fehlanzeige. Und dann möchte man vielleicht einmal etwas ins Ausland verschicken, das mehr als 20 kg wiegt. Geht nicht so einfach. Was von Deutschland aus noch problemlos seinen Weg nach Norwegen gefunden hat, kam von dort nicht mehr ebenso simpel wieder weg.
  • Unkomplizierte Wege anderswo hin. Tromsø ist eine schöne kleine Stadt, und wenn man auf viel Natur steht, sicher ein Traum. Sonst gibt es dort aber nicht viel, und drumherum ist auch Nix außer noch einem Berg oder noch einem Fjord. Ich bin halt eher der Großstadtmensch und freue mich über die Möglichkeiten, die mir Hamburg samt erreichbarem Umland bietet; die kurzen Wege anderswohin in der Welt nicht zu vergessen.
  • Mehr Sonne als in Tromsø. Ich brauche keine Affenhitze, aber mehr Tage, an denen man ohne zu frieren länger draußen sitzen kann … Außerdem hätte ich nicht gedacht, wie stark es der Körper doch merkt, wenn er die Sonne von Dezember bis Januar überhaupt nicht zu Gesicht bekommt. Wintermorgende in Deutschland mit Sonne lernt man zu schätzen!

Was ich an Norwegen vermissen werde

  • Das Mobilfunknetz. Ihr könnt in Nordnorwegen, das selbst schon abgeschieden ist, irgendwo ins Nirgendwo zwischen Berge fahren — und habt noch Empfang. Und auch noch eine zügige Verbindung.
  • Die entspannten Leute. Ist alles irgendwie deutlich weniger steif und anstrengend in Norwegen.
  • Das Unbürokratische. In Deutschland geht gefühlt nichts ohne Papierkram und Verwaltung. Da spielt es eigentlich keine Rolle, ob das noch analog oder digital ist. Hat in Deutschland schon mal jemand versucht, ganz informell einfach nur durch Zuruf seine Wohnung oder seinen Job zu kündigen? Check. Läuft in Norwegen. Hat sicher auch etwas mit der erwähnten Entspanntheit zu tun, so dass man vom Gegenüber nicht gleich das Schlimmste annimmt.
  • Bargeldloses Bezahlen. Nicht einen Tag habe ich Scheine und Münzen vermisst. Karten sind an der Tagesordnung, und Zahlen mit dem Mobiltelefon ist auch nichts Besonderes. Im Gegenteil: Es kann eher vorkommen, dass man beispielsweise vor einem Getränkeautomaten steht und durstig bleiben muss, wenn man bloß Bargeld mit sich rumschleppt.
  • Dass in Norwegen jede Person mindestens passables Englisch spricht. Das ist sicher meine persönliche Macke, aber ich wundere mich nur noch, wenn das in anderen Ländern nicht so ist und das Defizit (in guter Absicht) durch Maßnahmen wie synchronisierte Filme und Serien noch befördert wird. Für Ausländer wie mich wird es einfach deutlich einfacher, sich zurechtzufinden und anzukommen. Für Einheimische wird es deutlich einfacher, internationale Angebote zur eigenen Weiterbildung wahrzunehmen, usw.
  • Meine Arbeit im H5P-Kernteam.

2 Gedanken zu „Deutschland – Norwegen: Döner oder Mobilfunknetz?

  1. Lieber Oliver, schön, dass Du wieder da bist – habe mich eben hier etwas festgelesen. War früher auch oft in Norwegen („auf Arbeit“), aber im Grunde nur Oslo – weit nach Norden bin ich nie gekommen, aber der Zug dahin ist geblieben. Bleibst du bei H5P? Wieso sitzen die eigentlich in Tromsø? Ist ja wie reMarkable, my favorite writing pad, die kommen, glaube ich, auch aus Norwegen. Alles Gute aus Berlin!

    1. Ich musste mich entscheiden, ob ich den Job behalte und oben in der sehr beschaulichen Gegend über dem Polarkreis bleibe, oder ob ich mehr Spaß an meinem Privatleben (oder überhaupt eins) habe in einer Stadt wie Hamburg. Da fiel das Los auf die Elbe. Also bloß keine Gerüchte aufkommen lassen! Ich programmiere weiter an H5P mit (gerade heute etwa), der Firma Joubel geht’s gut, und es gab keinen Streit oder sowas — im Gegenteil.

      Joubel sitzt in Tromsø, weil die Gründer halt dort aus der Ecke kommen. Sie wissen aber auch, dass das auf Dauer wahrscheinlich nicht geht, zumindest nicht komplett.

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