Die Blockchain in der Bildungswelt?

Das Konzept der Blockchain hat beinahe schon zehn Jahre auf dem Buckel. Laut Google Trends scheint es aber erst seit 2013 an Fahrt gewonnen zu haben. Auf dem #OERcamp17 Nord hat sich Lambert Heller mit ein paar Leuten zusammengetan und eine Session dazu angeboten – mit dem Fokus auf die Bildungswelt. Er hat aber auch schon vorher viele seiner Gedanken zur Blockchain im Blog der Technischen Informationsbibliothek geteilt.

Was meint ihr? Revolution der Bildungswelt, bloß der nächste Hype — oder irgendwas dazwischen?

8 Gedanken zu „Die Blockchain in der Bildungswelt?

  1. Nur ein kurzer Gedanke: wir hatten ja bereits darüber gesprochen, dass Blockchains zunächst die Verwaltung in der Bildung verändern wird, was nicht unterschätzt werden sollte.

    Aber wird es tatsächlich die Bildung verändern? Vielleicht in einem zweiten Schritt. Ich ziehe hier mal den Vergleich zu YouTube: Während vorher die Verbreitung von Videomaterial in der Hand von TV-Sendern und Kinofilmen lag, konnten auf einmal alle Menschen Videos hochladen und mit immer günstiger werdenden Mitteln auch produzieren. Somit hat eine zunächst simple Technologie den Umgang mit Video und TV doch entscheidend verändert.

    Bei Blockchains könnte das ähnlich aussehen, auch wenn ich noch nicht genau weiß, wie. Aktuell sind ja Abschlusszeugnisse von Hochschulen mit großem Vertrauen belegt (die Diskussion, ob und wozu es Zertifikate noch braucht war ja auch in der Session aufgekommen, ich meine weiterhin, sie geben einen Vertrauensvorschuss). Sie beschreiben fachliche „hab ich zumindest mal prüfungstauglich hinbekommen“-Qualifikationen und manchmal auch Teilnahmen an Soft-Skill-Workshops. Ob man das alles kann, muss sich dann im Verlauf zeigen.

    Aber vielleicht bekommen durch Blockchains auch andere Zertifizierungen/Bescheinigungen ein Gewicht? Während heute jeder Sätze wie „ich bin motiviert und Teamfähig“ in seinen Lebenslauf schreibt, kann das vielleicht eine Games-Gilde bescheinigen. Vielleicht bescheinigt uns dann auch Netflix Englischkenntnisse, wenn ich 2 Staffeln komplett auf Englisch geschaut habe? Vielleicht ist das dann alles Grundlage dafür, welche Weiterbildungsangebote ich auf welchem Level mit welcher Individualisierung angeboten bekomme…

    Ich bin gespannt!

    1. Bei Blockchains könnte das ähnlich aussehen, auch wenn ich noch nicht genau weiß, wie.

      Genau darum halte ich Aussagen wie „Die Blockchain wird die Bildungswelt revolutionieren“ für fragwürdig. Die Schreihälse wissen nicht einmal, was tatsächlich möglich sein wird, aber geben der Technik bereits diese oder jene Zuschreibung — ohne einen Konjunktiv, wie du ihn verwendest.

      Aber vielleicht bekommen durch Blockchains auch andere Zertifizierungen/Bescheinigungen ein Gewicht?

      Zertifikate sind doch oft das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt sind. Hier darf sich jeder eine Digitalanalogie mit Bits ausdenken. In meinen Augen ist beispielsweise mein github-Konto als Portfolio deutlich wertvoller als ein von wem auch immer ausgestellter Wisch über IT-Kenntnisse, die ich haben könnte. Ob der Nachweis nun auf Papier vorliegt oder als Transaktion in der Blockchain macht da für mich keinen wirklichen Unterschied.

      Kurzum: Wenn das bessere Verwalten von Zertifikaten DER Zusatznutzen von Blockchains für die Ausbildungswelt sein soll … Määääh.

      1. …dem schließe ich mich gerne an – ähnlich ist es ja gerade mit verschiedenen bunten „Badges“, die man erhält, und denen man nicht ansieht, ob man dafür eine idiotensichere Frage beantwortet, einen Link irgendwohin kopiert oder 8 Wochen Mooc absolviert hat…
        Das Wort „Digitalanalogie“ finde ich allerdings sehr orignell 😉

  2. Sehr kool, dass du die Aufnahme zur Verfügung stellst!

    Anknüpfend zu Anjas Kommentar:
    Ich wollte mich in meiner Masterarbeit eventuell dem Open Badges und der Blockchain widmen (im Kontext des Connected Learning Modells und settingübergreifenden Bildungsangeboten mit mehreren Einrichtungen/Akteuren). Gerade die Open Badges Idee steht und fällt ja mit der beschriebenen Serverproblematik, die Lambert anfangs skizziert hat. Das MIT hat hier bereits Blockcerts (blockcerts.org), Initiativen wie Badgechain (https://medium.com/badge-chain/blockchain-and-open-badges-in-higher-education-research-4665f4718e7e) stecken aber noch in den Kinderschuhen.

    Bezüglich der Durchdringung der Technik stehe ich derzeit allerdings noch am Anfang, bei Bitcoins ist das gesamte Prozedere ja anscheinend sehr rechenintensiv und Transaktionen dauern unter Umständen eine ganze Weile (Google-Suche)?

    Anscheinend sprießen da ja auch eine Menge Startups aus dem Boden, die z.B. Lösungen für Copyrightprobleme durch die Blockchain versprechen: https://bitcoinmagazine.com/articles/is-blockchain-powered-copyright-protection-possible-1470758430/

    Bleibt wohl spannend, was sich durchsetzt und welche Lösungen tatsächlich in der Praxis skalierbar sind?

    1. Bezüglich der Durchdringung der Technik stehe ich derzeit allerdings noch am Anfang, bei Bitcoins ist das gesamte Prozedere ja anscheinend sehr rechenintensiv und Transaktionen dauern unter Umständen eine ganze Weile

      Das liegt in der Natur der Dinge. Ein Miner muss die Transaktion erst einem Block zufügen, und dann muss sich diese Information auch noch verbreiten. Wenn es nur um Zertifikate in der Bildungswelt geht, wäre eine momentan durchschnittliche Verzögerung wie bei Bitcoins wohl verschmerzbar. Allerdings hast du Recht, es müsste auch im selben Maßstab Rechenleistung zur Verfügung stehen.

      Beim Stichwort Urheberrecht könnte der Nachweis über erteilte Lizenzen interessant für diejenigen sein, die sich bei der Verwendung von CC-Lizenzen sorgen: „Was ist denn, wenn ich ein CC-lizenziertes Bild verwende, und dann nachträglich jemand die Lizenz ändert?!“ An solch ein Verwaltungsinstrument hatte ich selbst noch nicht gedacht beim Thema Blockchain, aber ob das dem Hype gerecht würde?

  3. Bin heute noch hier drüber gestolpert:
    http://www.linux-magazin.de/NEWS/Blockstack-Browser-fuer-ein-dezentrales-Internet

    Klingt natürlich sehr nach dem klassischen Wunsch nach dezentralen Lösungen wie bei Sozialen Netzwerken (Diaspora https://diasporafoundation.org/, Mastodon https://mastodon.social/about, etc.).

    Bezüglich der aufgeworfenen Frage im Artikel wäre es jetzt natürlich aber spannend, ob diese technische Herangehensweise als LMS-Alternative oder „Bildungscloud“-Lösung dienen könnte zum Beispiel.

    1. Finde ich vom Geiste her spannend, bin mir aber nicht sicher, ob es dafür Blockchains braucht — oder ob nicht „normale“ Peer-to-Peer-Technik reicht.

      Am Ende siegt vermutlich die Bequemlichkeit. Es ist ja nicht so, dass man heute nicht schon mehr als genug Gelegenheiten auch abseits der großen Konzerne hätte, selbst Inhalte oder Dienste für andere bereitzuhalten. „Habe den Mut, dich deiner Möglichkeiten zu bedienen …“ frei nach Kant. Aber das ist wohl ein anderes Thema.

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