Wider die Folienumente

Ich bin ein großer Freund von Garr Reynolds und seinen Büchern aus der Presentation-Zen-Reihe. Darin beschreibt er allerhand rund um das Thema Präsentieren, und ich bin überzeugt davon, dass die zentralen Aussagen auch für das Präsentieren in der Lehre gelten. Es mögen hier und da kontextbedingt ein paar Anpassungen notwendig sein, aber der Kern bleibt davon in meinen Augen unberührt. Das trifft auch auf Schaubilder zu.

Ich möchte gar nicht auf den offenbar an Hochschulen weit verbreiteten Irrglauben eingehen, ein Vortrag und etwas Power-Point-Artiges seien untrennbar miteinander verbunden. Gehen wir einfach davon aus, sie gehörten unweigerlich zum Präsentieren dazu. Dann, bitte, bitte, bitte: baut keine Folienumente (engl. slideuments)!

Schaubilder, die einen Vortrag visuell unterstützen sollen, sind etwas ganz anderes als Dokumente, die gelesen werden, um sich vertieft Gedanken über etwas machen zu können. In den allermeisten Fällen begegne ich in der Hochschullehre aber einer Vermischung von beidem. Folien sollen dort gleichzeitig das Verständnis eines Vortrags fördern und als Unterlagen zum Nachlesen dienen. Meist werden für dieses Vorgehen Zeitgründe ins Feld geführt. Klingt ja auch effizient, oder? Eigentlich werden diese Folienumente aber keinen der beiden Ziele gerecht. Sie sind für einen Vortrag zu überladen und lenken von den Erläuterungen der vortragenden Person ab. Als Ersatz für ein geschriebenes Skript oder Buch taugen sie allerdings auch nicht, denn dafür sind sie wiederum viel zu oberflächlich.

Was denn dann?

Wäre natürlich blöd, das hier in den virtuellen Raum zu werfen, ohne Alternativen vorzustellen. Ohne Mehraufwand im Vergleich zu Folienumenten wird es wohl nicht gehen, wenn man „richtig“ präsentieren möchte und beispielsweise nicht auf Lehrbücher als Begleitung zurückgreifen kann.

Nancy Duarte, deren Bücher resonate und slide:ology ich auch sehr empfehlen kann, schlägt Slidedocs vor und präsentiert ihre Idee gleich in einem solchen:

Kurz gefasst: Slidedocs sind stark grafisch aufbereitete Dokumente, die zum Lesen gedacht sind und nicht zum Präsentieren. Sie werden aber mit Präsentationssoftware erstellt, basieren auf zuvor angefertigten Schaubildern und greifen zumindest die Kerngedanken in Textform auf. Einen Überblick kann man damit geben und die Struktur eines Themengebiets darstellen und hat damit einen prima Ausgangspunkt, um von dort aus Details selbst erarbeiten zu lassen.

Noch nicht überzeugt? Garr Reynolds selbst wird wohl auch häufiger gefragt, ob sein Ansatz denn überhaupt für technische  oder wissenschaftliche Präsentationen geeignet sei — ich frage mich bei so etwas, was mit „wissenschaftlicher“ Präsentation gemeint ist. Dazu spricht er selbst mit Nancy Duarte in einem kurzen Video:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=ek4TfVkHh4M

Was meint ihr zu Folienumenten, ihrem Sinn und ihrer Notwendigkeit? Kennt ihr noch gute andere, möglichst „wenig invasive“ Lösungsmöglichkeiten für das oben geschilderte Problem?

2 Gedanken zu „Wider die Folienumente

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.