Wie mich Gestaltung von Lehre zum Flow bringt

Gerade eben hat eine Gruppe aus unserem Seminar „Gemeinsam einsam, oder wie?“ zwei Stunden lang ihr Thema vorgestellt: „Gruppen führen mit Themenzentrierter Interaktion“. Ich bin schwer beeindruckt.

1. Das Seminar

Nachdem ich vor einigen Monaten einen Vortrag von Ludwig Huber über „Forschendes Lernen“ besucht hatte, versuchte ich, die dazu gehörenden Gedanken umzusetzen: Die Studierenden sind an den wesentlichen Phasen des Forschungsvorhabens (die Seminararbeit) aktiv beteiligt, das heißt sie können beispielsweise (mit)bestimmen, an welchem konkreten Fragen sie arbeiten, welche Methoden sie anwenden und wie sie ihre Ergebnisse prüfen und darstellen.

2. Die Vorgeschichte

Eine der Gruppen beschäftigt sich mit dem Thema „Themenzentrierte Interaktion“ (TZI) nach Ruth Cohn und fragten ziemlich schnell, ob sie für ihre Arbeit auch Interviews mit Experten dazu führen dürften. Natürlich durften sie, und so organisierten sie ein Treffen mit einem Vertreter des Ruth-Cohn-Instituts. Das brachte sie auf die Idee, TZI auch in der Praxis zu erproben und die Ergebnisse für Ihre Arbeit zu nutzen – quasi Aktionsforschung. Da hatte ich natürlich auch keine Einwände, und trommelte an einem extra Termin die Teilnehmer des Kurses zusammen.

3. Die Umsetzung

Bei der Gestaltung des Termins überließ ich der TZI-Gruppe freie Hand, sie arbeitete die Veranstaltung komplett selbst aus und folgte dabei dem, was sie sich theoretisch schon selbst angeeignet hatte. Ich wurde einfach als ganz normaler Teilnehmer eingebunden – und wurde total verblüfft.

Die vier Faktoren der TZI

Die vier Faktoren der TZI

Die Gruppe hatte – ohne es explizit zu wissen – sehr viel von dem genutzt, was man sonst in Didaktikfortbildungen lernt: Didaktischer Dreischritt, Kennenlernphase, Wechsel von Frontalphasen und Gruppenarbeitsphasen, „Energizing“ nach einer Pause, Feedbackrunde, Teamteaching, … Das alles kam ganz automatisch, indem sie ihre Veranstaltung an der TZI ausgerichtet haben, angefangen bei der Benennung der Veranstaltung bis hin zum“ GLOBE“, dem Umfeld: Gerade findet das Fußballspiel Deutschland gegen Serbien statt, und da musste man bei der Zeitplanung natürlich Rücksicht drauf nehmen und darauf hinweisen, dass man pünktlich fertig wird, usw. Die noch im Entstehen begriffene Ausarbeitung der Gruppe kann man übrigens im Internet öffentlich einsehen.

Die ganze Veranstaltung hat mich sehr an LdL erinnert, auch wenn ich selbst gar nicht als „Regisseur“ dabei war sondern als „Mitspieler“; das liegt wahrscheinlich am humanistischen Hintergrund von TZI und LdL. Die Studierenden hatten ein spannendes Thema, das sie gepackt und motiviert hat – die „Weltverbesserungsidee“ bringt TZI auch gleich mit. Die Gruppe hat heute nicht nur ihre Inhalte rübergebracht, sondern sich auch überlegt, wie diese am besten transportiert werden können. Und dann haben sie einfach losgelegt, und wie!!! Ihre Kommilitionen fanden es auch super und meinten, sie hätten mehr gelernt als in anderen Veranstaltungen.

Fazit: Ich kann nicht sagen, woran es lag: War die Gruppe vorher schon so fit? Hat die Gestaltung des Seminars dies erst hervorgebracht? Lag es am Thema? Ich weiß es nicht. Aber das, was ich gerade miterleben durfte, fand ich einfach nur großartig!

3 thoughts on “Wie mich Gestaltung von Lehre zum Flow bringt

  1. „Ich kann nicht sagen, woran es lag: War die Gruppe vorher schon so fit? Hat die Gestaltung des Seminars dies erst hervorgebracht? Lag es am Thema? Ich weiß es nicht.“
    schreibst Du – ich glaube, es liegt zu einem großen Teil an Deinem Engagement für die Studierenden.

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