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Let’s Plan, Episode 3: Wie kommt der Faden ins Nadelöhr?

Das Intro zu diesem Beitrag bildet “Machen sie mal was mit E-Learning”.

Meine Überlegungen „zu irgendwas mit E-Learning“ laufen noch immer auf der Makroebene ab und betreffen die organisationale Einbindung in der TU Braunschweig und in teach4TU. Bisher scheint von anderer Stelle schon ziemlich konkret angedacht zu sein, ein eigenständiges Qualifizierungprogramm zum E-Learning auf die Beine zu stellen. Dazu stellen sich mir aber verschiedene Fragen.

Fangen wir bei dieser an: Weshalb ein eigenständiges Qualifizierungsprogramm dazu? Was soll E-Learning so besonders machen? Könnte ich dann nicht ebenso ein Programm zum „Forschenden Lernen“ oder „Projektlernen an der Uni“ fordern? Klar, die werden nicht von Ministerien technikzentriert gepushed und nicht finanziell gefördert… Bleiben wir aber bei der Sache.

In meinen Augen sollte es anno 2014 selbstverständlich sein, dass Lehrende für die Gestaltung ihrer Angebote nicht nur über ein Repertoire an allgemeinen didaktischen Konzepten und Methoden verfügen, sondern sich auch mit digitalen Medien beschäftigen. Da nehme ich durchaus ein Gefälle wahr. Mediendidaktische Themen sehe ich im Hintertreffen, und dieses Gebiet zu stärken, könnte sich tatsächlich lohnen. Wichtig ist es aber, nicht die Technik in den Mittelpunkt zu stellen! Und es wäre in meinen Augen ein Irrtum, analoge und digitale Medien in Konkurrenz zueinander zu sehen — hierzu lohnt es sich sicher, einen kurzen Vortrag von Christian Spannagel anzuhören (speziell Punkt 6).

So weit, so gut. Es ließe sich schließlich ein neues Angebot entwickeln, das ausgehend von der allgemeinen Hochschuldidaktik auch digitale Medien aufgreift. Das Feld ist allerdings an der TU Braunschweig nicht unbestellt. Die Basisqualifizierung von teach4TU richtet sich an die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen der TU Braunschweig. In der dort verorteten Methodenwerkstatt werden auch mediendidaktische Themen behandelt, beispielsweise Peer Instruction mit Audience-Response-Systemen oder der Flipped Classroom. Zusätzlich kann mit „Ein Ausflug in die Welt des E-Learning“ von den TeilnehmerInnen auch ein ganzer Workshoptag gewählt werden. Offen für alle Angehörigen der TU Braunschweig ist außerdem das Spotlight Lehre, einem an die „Hochschuldidaktik über Mittag“ angelehnten Format. Dort werden explizit auch digitale Medien thematisiert und Interessierten die Möglichkeit eröffnet, sich in einem Fachzirkel individuell dazu weiter schlau zu machen. Darüber hinaus hat das in Braunschweig ansässige Kommpetenzzentrum Hochschuldidaktik für Niedersachsen mit „Mediengestützte Lehre“ einen zweitägigen Workshop im Angebot, der von jedem Lehrenden genutzt werden kann. Ein weiteres Qualifizierungsprogramm mit dem Fokus „E-Learning“ ins Leben zu rufen, womöglich durch weitere Akteure, könnte also ziemlich redundant sein.

Ich sähe zudem die Gefahr, aus meiner Sicht falsche Signale zu senden — in verschiedene Richtungen. Bei Lehrenden der TU Braunschweig könnte der Eindruck entstehen, allgemeine Hochschuldidaktik und der Einsatz von digitalen Medien seien verschiedene Dinge, die unabhängig voneinander sind. Sehe ich nicht so. Der Medieneinsatz ohne Rückgriff auf die Didaktik verkommt leider nur zu oft zu einer unreflektierten Technikshow, die losgelöst ist von Zielen der Lehre. Hochschuldidaktik, bei der digitale Medien ausgegrenzt werden, verbaut sich zahlreiche Potenziale. Ein eigenständiges, „reines“ E-Learning-Programm ergäbe vor diesem Hintergrund für mich keinen Sinn.

Fragwürdig wäre eine solche Trennung jedoch in meiner Wahrnehmung auch innerhalb von teach4TU. Vorsichtig formuliert: Es besteht bei fast allen meinen KollegInnen nur eine sehr geringe Affinität für digitales Zeugs. Den Einsatz elektronischer Medien bei der Gestaltung eigener Angebote sehe ich als durchaus ausbaufähig an. Ein eigenständiges Programm zum E-Learning könnte vollends suggerieren: „Um dieses neumodische muss ich mich nicht kümmern, dafür ist schließlich XY zuständig.“ Mir drängen sich als Vergleich die Diskussionen um ein Schulfach „Medienkompetenz“ auf…

Vielleicht also eine Vertiefung konzipieren, für diejenigen, die schon fit in der allgemeinen Hochschuldidaktik sind? Zum einen wurde mir schon mitgeteilt, dass es eine solche Beschränkung nicht geben soll. Jede/r soll teilnehmen können. Es geht um TeilnehmerInnenzahlen… :-/ Zum anderen würde sich die Frage von oben stellen, warum nicht etwa auch „Forschendes Lernen“ als Vertiefung?

Also doch die bestehenden Programme wie die Basisqualifizierung umbauen oder erweitern? Ich wittere Widerstand. Wir werden sehen…

Let’s Plan, Episode 2: Schon vorbei?

Das Intro zu diesem Beitrag bildet “Machen sie mal was mit E-Learning”.

Als hätte ich es geahnt… Eben gab es Neuigkeiten von oben. Bloß gut, dass ich mir noch keine konkreten Gedanken und Mühen gemacht habe. Die Planung in der Hand hat jetzt der just gestern gestartete Referent für E-Learning und Medienbildung — eine durchaus sinnvolle Sache, aber dann hätte ich vor sechs Wochen auch nicht angesprochen werden müssen. „Interessant“ finde ich zudem den Hinweis, dass ein wie auch immer erst zu konzipierendes und bewerbendes Programm noch im Dezember 2014 starten soll. Warum? Weil es dann aus irgendwelchen Töpfen noch Geld abzugreifen gibt. Egal was an den Start geht, Hauptsache es regnet Bares. Alles andere schien erst einmal nebensächlich zu sein.

Dann bin ich mal gespannt, wie es weitergeht. Ich habe mich als kritischen Mitwirkenden angeboten, aber vorerst lehne ich mich nun doch zurück und setze „Let’s Plan“ on hold.

Let’s Plan, Episode 1: „Was wäre, wenn es kein Zertifikat gäbe?“

Das Intro zu diesem Beitrag bildet „Machen sie mal was mit E-Learning“.

In den Qualifizierungsprogrammen von teach4TU erhalten unsere TeilnehmerInnen nach Abschluss ein „Zertifikat“. Zu deren Funktionen sagt Ekkehard Nuissl unter anderem:

Zertifikate bestätigen zunächst eine Lernleistung, einen Lernerfolg, sie reduzieren von daher die Ungewissheit darüber, wo man selbst steht.

(Nuissl, Ekkehard (2003): Leistungsnachweise in der Weiterbildung, in: REPORT – Zeitschrift für Weiterbildungsforschung, 26. Jg., Nr. 4, S. 9-24, zitiert von S. 12)

Abgesehen davon, dass sich diese Ungewissheit auch durch informierendes Feedback nehmen ließe, und das sogar gezielter, konkreter und häufiger: Wir bestätigen bei teach4TU keine Lernleistung und keinen Lernerfolg im eigentlichen Sinne. Auch wenn es hier hochtrabend Zertifikat genannt wird (klingt wichtiger), vergeben wir eigentlich bloß eine Teilnahmebescheinigung, einen Nachweis über die physische Anwesenheit an bestimmten Terminen. Was jemand tatsächlich gelernt hat, wissen wir nicht. Ob man das feststellen und „wissen“ kann, sei auch einmal dahingestellt.

Aus diesem Grund schwebt mir im Sinn, tatsächlich nur eine wie auch immer zu nennende Bestätigung der Teilnahme auszugeben — durchaus auch, um Wertschätzung auszudrücken. Vor Beteiligung am Programm (oder was auch immer mal herauskommt) gäbe es den Hinweis, dass jede/r selbst festhalten muss, was sie/er gelernt hat. Das kann beispielsweise in einem Portfolio erfolgen, wo Gedanken und Reflexionen zur Lehre gesammelt oder Erfahrungen in Veranstaltungen dokumentiert werden. Auf der Bescheinigung könnte natürlich darauf verwiesen werden, oder die TeilnehmerInnen erhalten gar die Gelegenheit, selbst in Kürze anzugeben, was sie selbst „mitgenommen“ haben — eine Idee von meinem Kollegen Thomas Czerwionka.

Nachteilig an einem solchen Vorgehen könnte sein, dass eine Motivationskomponente verloren geht, die über das Interesse am Inhalt hinaus geht. Es ist daher denkbar, dass die Nachfrage nach dem Angebot gering bleibt. Für mich ist es allerdings nicht wichtig, möglichst viele TeilnehmerInnen zu haben. Andersherum blieben vielleicht gerade diejenigen fern, die vorrangig wegen einer Urkunde vorbeikämen, um sie in Bewerbungsverfahren zu benutzen. Ihr wisst schon, „schneller, leichter, verführerischer“, dunkle Seite und so. Ich bin hingegen der Ansicht, ein selbst gestaltetes Portfolio gekoppelt mit einer gewissen institutionellen Anbindung zeigt potenziellen ArbeitgeberInnen sogar besser, was man drauf hat und was nicht.

Welche Gedanken gehen euch zu der Idee durch den Kopf, kein „Zertifikat“ zu vergeben, sondern wie oben beschrieben vorzugehen?

„Machen Sie mal was mit E-Learning“

Vor sechs Wochen erreichte die Basisqualifizierung von teach4TU der folgende Auftrag: „Machen Sie mal was mit E-Learning.“ — nicht wortgetreu, aber sinngemäß. Dahinter steckte wohl die diffuse Vorstellung eines neuen Qualifizierungsprogramms für Lehrende an der TU Braunschweig. Mehr Informationen gab es erst einmal nicht. Es schossen mir dazu diverse Fragen durch den Kopf, die ich doch gerne vorab geklärt wüsste:

  • Woher stammt das plötzliche Engagement für E-Learning?
  • Was soll das Ziel der Geschichte sein?
  • An wen soll sich das Angebot richten?
  • Soll hier E-Learning dem „analogen“ Lernen gegenübergestellt werden, losgelöst von der allgemeinen Hochschuldidaktik (zu der es bereits Angebote gibt)?
  • Wie soll das organisatorisch an der Uni und speziell bei teach4TU eingebunden werden?

SchreibmaschineAlles noch gar keine Details, eher Strategisches zur Konzeption. Klar scheint davon aber noch nichts gewesen zu sein, denn ich habe bis vergangenen Freitag warten müssen, um wenigstens auf ein paar meiner Fragen ansatzweise ein paar Antworten zu erhalten. Sicher, ich hätte da auch ganz frei selbst etwas entwickeln können. Leider zeigt aber die Erfahrung, dass man hier mir diesem Ansatz häufig „für die Tonne“ arbeitet. Den Frust möchte ich mir ersparen.

Diverse Gedanken habe ich mir dennoch schon gemacht. Diese Gedanken möchte ich an dieser Stelle mit euch teilen und diskutieren. Dazu rufe ich eine Beitragsserie ins Leben und taufe sie „Let’s Plan!“. Einige Dinge werden allgemeinerer Natur sein, andere konkret auf die Bedingungen und Anforderungen hier vor Ort bezogen. Genau bei denen kann es passieren, dass sie sich öfter mal ändern, weil doch wieder andere Vorgaben eintrudeln (vgl. zu Entscheidungen an Universitäten das Mülleimer-Modell).

Davon geht die Welt nicht unter…

Mit einer Woche Verspätung habe ich heute Rückmeldung von der gfhf erhalten, zu deren Tabu-Tagung ich einen Beitragsvorschlag eingereicht habe. Leider ist er abgelehnt worden:

Vielen Dank für Ihr Abstract, das Sie zur Jahrestagung der Gesellschaft für Hochschulforschung vom 25.06. -27.06.2014 zum Thema: „Tabus in der Hochschule“ eingereicht haben.

Wir haben weit über 80 Abstracts erhalten und sind über die Anzahl überrascht, weil das Thema Tabu eigentlich sehr eng ist, aber dann doch von Vielen sehr weit interpretiert wurde. Es sollten keine Themen sein, die im Mainstream einer kritischen Forschung liegen, vielmehr sollten die Beiträge etwas thematisieren, das regelwidrig und ‚anstößig‘ ist und bei Verletzung nicht ohne Folgen bleibt.

Wir sind einem strikten Verständnis von Tabu gefolgt und haben daher Ihr Angebot, obwohl es prinzipiell interessant ist, leider nicht berücksichtigen können. Sicher wird es für Sie andere Gelegenheiten geben, Ihren Beitrag zu präsentieren und zu berücksichtigen.

Da ich das Spannungsverhältnis  zwischen ProfessorInnen und wissenschaftlichen MitarbeiterInnen mit Blick auf die Lehre immer noch spannend finde, werde ich nach Möglichkeit die Interviews wie geplant führen und anderweitig mit der Öffentlichkeit teilen. Im Internet ist sicher noch etwas Platz frei :-)