Archiv der Kategorie: Allgemein

In „Allgemein“ wird alles gesammelt, was ich noch nicht zuordnen kann.

xMOOC im Selbstversuch: Halbzeit

Seit nunmehr zwei Wochen nehme ich an einem xMOOC teil, zu dem ich meine ersten Eindrücke bereits geschildert habe. Nun ist Halbzeit.

Der etwas seltsame Modus, Programmieraufgaben mittels Multiple-Choice-Aufgaben zu prüfen, wurde glücklicherweise zugunsten von Unit-Tests aufgegeben. Dabei werden die selbst geschrieben Routinen anhand eines Soll-Ist-Vergleichs überprüft. Das eigene Programm wird automatisch mit verschiedenen Eingabewerten gefüttert und getestet, ob die erwarteten Ausgabewerte ausgespuckt werden.

Gerade das eigene Programmieren scheint so manchen überfordert zu haben, wie dem Forum des Kurses zu entnehmen ist. Die Aufgaben sind aus Sicht von Programmiererfahrenen zwar ein Kinderspiel und mit ein paar Zeilen zu lösen, aber einige KursteilnehmerInnen investierten bereits für eine einzige mehrere Stunden – und kamen nicht einmal dann zu einem Ergebnis. Es bestätigt sich meine bereits geäußerte Befürchtung, dass die angegebenen Voraussetzungen für die Veranstaltungen nicht klar genug waren und dann die veranschlagten 3-5 Stunden Bearbeitungszeit pro Woche vorne und hinten nicht ausreichen.

Die Probleme drücken sich auch in Zahlen aus: Von den 40.211 angemeldeten TeilnehmerInnen haben in Woche 1 lediglich rund 14.000 die Tests absolviert. Zu Woche 2 gibt es (noch) keine Zahlen.

Zwischenfazit: Wenn der Kursleiter den Kurs als Präsenzveranstaltung in vergleichbarer Weise anbietet, hätte ich schon einige Verbesserungsvorschläge; als xMOOC gibt es leider noch so manchen Stolperstein mehr.

Ein wholinarischer Genuss

Zu den besten Fernsehserien, die sich ein Nerd wie ich vorstellen kann, gehört zweifelsfrei Doctor Who. Kennt ihr nicht? Bei Doctor Who geht es seit den 60er Jahren um einen mad man with a box, um einen zeit- und raumreisenden Forscher-Abenteurer – Moment, oder doch eher um die TARDIS? Ach, anschauen! Aber bitte bloß nicht in deutscher Synchronfassung und auf jeden Fall auch alte Sachen, nicht nur die neuen Episoden seit 2005!

Die inzwischen elfte Inkarnation des Doktors hat auf den ersten Blick seltsame kulinarische Vorlieben: Fish Fingers and Custard!

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Warum schreibe ich „auf den ersten Blick“? Na, weil ich die Vermutung überprüft habe! Zum Selbermachen habe ich euch den Versuch einmal beschrieben. Ich gehe davon aus, dass die gängigen Utensilien eines Lab…, einer Küche bei euch vorhanden sind. Das Material müsste für mindestens zwei Testpersonen genügen.

Versuchsaufbau

  • 20 handelsübliche Fischstäbchen
  • 4 Tassen (à 200ml) Milch
  • 1 Tasse (derselben Größe) Zucker
  • 4 Eigelb
  • 4 Esslöffel Mehl
  • 1 Vanilleschote
  • 0,5 Teelöffel Salz

Versuchsdurchführung

Die Fischstäbchen nach Gebrauchsanweisung im Ofen backen. Währenddessen die Vanilleschote auskratzen und den gewonnenen Inhalt zusammen mit den übrigen Materialien erhitzen, nicht kochen. Dabei ständig mit einem Schneebesen rühren, bis die gewünschte Cremigkeit erreicht ist – von sehr flüssig bis puddingartig (in dem Fall eventuell mit einem oder zwei Extra-Eigelb nachhelfen). Auf Wunsch abkühlen lassen, dann aber natürlich eher anfangen. Schließlich sollten die Fischstäbchen inzwischen fertig sein. Essen!

Fish Fingers and Custard

Fish Fingers and Custard

Versuchsbeoachtung und -deutung

Muss jeder selbst machen. Ich fand das erstaunlich lecker.

Ausblick
Der 3. April ist der offizielle Fish Fingers and Custard Day! Na, wenn das mal kein Ausblick ist!

Den Begriff „Work-Life-Balance“ finde ich ekelhaft – oder warum ich Stunden-Zählen für blöd halte

Ruhig Blut! Lest die Überschrift bitte genau. Ich sage nicht, dass Arbeitnehmer zu faul wären. Ich sage nicht, dass sich Selbständige totarbeiten sollten. Ich sage bloß, dass ich den Begriff Work-Life-Balance nicht mag. Ekelhaft klingt ein wenig heftig, aber die Worte habe ich nicht ganz zufällig so gewählt.

Warum ich den Begriff nicht mag? Ich lege etwas in Waagschalen und versuche, ein Gleichgewicht herzustellen. Dann habe ich voneinander trennbare Dinge vor mir – vielleicht drei rote Äpfel und eine Tüte voll Snickers. Der Begriff Work-Life-Balance unterstellt daher, Leben und Arbeit ließen sich voneinander abkoppeln. Arbeit ist aber ein Bestandteil des Lebens. Es käme auch niemand auf die Idee, eine Gehirn-Mensch-Balance aufzustellen oder eine Reifen-Auto-Balance. Oh je, das klingt jetzt wohl eher wie eine bloße formale Spitzfindigkeit. Ich versuche es anders.

Was ist das Gegenstück von Arbeit?

Wir könnten auf die Idee kommen, das Gegenteil von Arbeit zu suchen. Wir könnten Arbeit von Nicht-Arbeit unterscheiden, dann landen wir gedanklich schnell beim Begriff der Freizeit. Der suggeriert im Gegenzug aber für die Arbeit, sie sei unfreie Zeit; Zeit, in der wir Sklaven von anderen wären. Ich finde diese Interpretation deshalb kritisch, weil sie Arbeit in eine negative Ecke rückt und letztlich ein ausschließlich negatives Menschenbild zementiert:

Without […] active intervention by management, people would be passive – even resistant – to organizational needs. They must therefore be persuaded, rewarded, punished, controlled – their activities must be directed. […] The average man is by nature indolent – he works as little as possible. […] He lacks ambition, dislikes responsibility, prefers to be led. […] He is gullible, not very bright, the ready dupe of the charlatan and the demagogue.

(bekannt als Theorie X aus Douglas McGregor (1960): The human side of Enterprise, New York)

Schon mal daran gedacht, dass manche Leute in ihrer Arbeit aufgehen, weil sie ihnen wirklich Spaß macht? Also wirklich wahrhaftig! Dass sie deshalb gar nicht klar zwischen so etwas wie Arbeitszeit und Nicht-Arbeitszeit unterscheiden, weil sich das für sie nicht voneinander trennen lässt? Sie haben wohl so etwas wie ihr Element gefunden, wie es Ken Robinson in einem seiner Bücher beschreibt. Ist es nicht eigentlich traurig, wenn jemand sein Leben lang freiwillig einer Tätigkeit nachgeht, aber dann die Stunden zählt, bis er sich davon befreien kann?

Stunden zählen ist blöd

Um es klarzustellen: Ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn jemand seine Arbeitsstunden erfasst, um sich als Angestellter vor Ausbeutung zu schützen. Ich wundere mich aber, ob der- oder diejenige für sich den richtigen Job gefunden hat. Wenn der Spaß macht, kommt es dann auf zwei Stunden mehr die Woche an? Extrem schräg finde ich es andersherum, wenn jemand mit Freude an seiner Arbeit gezwungen wird, seine Zeit zu erfassen; womöglich noch per Stempeluhr. Das drückt nicht nur Misstrauen aus – „Ohne Kontrolle kommst du doch nicht arbeiten!“ – das ist vor allem bei Wissensarbeit komplett unsinnig. Das ist Arbeit, deren Hauptbestandteil das Nachdenken und Lösen von Problemen umfasst, die nicht zur Routine gehören und dadurch ganz neue Wege erfordern können: Wissenschaftler, Architekten, Ingenieure, Software-Entwickler, …

Es kommt aber wohl gar nicht so selten zu Szenen wie dieser: Der Chef ruft zu einer Besprechung und schildert ein Problem: „Wir haben eine Stunde, dann muss ich zu meinem nächsten Termin. Bis dahin brauchen wir eine gute Lösung!“ Wer kann denn auf Kommando kreativ sein? Und was passiert, wenn ich das auf Knopfdruck nicht bin, mir nichts einfällt, der Tag unproduktiv verläuft? Werde ich dann am Wochenende zum Nachsitzen einbestellt? Nein, das ist wohl nicht so schlimm, solange ich ordentlich acht Stunden täglich am Schreibtisch sitze. Bezahlt wird meine Anwesenheit. Hauptsache, in irgendeiner Statistik wird irgendetwas ausgewiesen.

Blicken wir aus der anderen Richtung auf die Sache: Was passiert, wenn ich zu Hause eine Idee habe – außerhalb der gesetzlich festgelegten Arbeitszeit? Muss ich mir drei Minuten Arbeitszeit aufschreiben, wenn ich unter der Dusche einen guten Einfall für mein Projekt hatte? Zehn Minuten für eine fachliche Kurzdiskussion auf Twitter auf dem Heimweg? Für solche Fälle erfinden Controller bestimmt bald Anrechnungstabellen. Und was ist, wenn ich unterwegs arbeite? Bekomme ich dann eine mobile Stempeluhr als App? Diese Fragen könnte ich mal an unsere Projekt-KontrolleurInnen in den oberen Etagen der Republik richten, denn uns droht demnächst eine Arbeitserfassung – im schlimmsten Fall gar mit Zwang zum Stempeln.

Ach, ihr richtigen Menschen, lasst mich doch einfach arbeiten, sonst gerät nämlich meine Balance aus dem Tritt.