information wants to be free

Zum Thema WikiLeaks ist in der vergangenen Woche schon so viel gesagt und geschrieben worden, weshalb ich mich in diesem Beitrag kurz fassen werde.

Ich sehe es als sehr bedeutsam für eine demokratischen Gesellschaft an, dass staatliche Informationen frei verfügbar sind. Bürger sollten Transparenz darüber haben, welche Handlungen in welcher Form in ihrem Namen durchgeführt werden. Wenn nun auch noch ohne Klarheit über die juristische Legitimation ein Staat Privatunternehmen unter Druck setzt – und diese dann auch noch klein beigeben – besorgt mich das zutiefst. Und wenn in „demokratischen“ Staaten offenbar die Unschuldsvermutung nicht mehr gilt, man jemanden praktisch vorab schuldig spricht und erst dann nach Möglichkeiten für eine Anklage sucht, macht mich das gar wütend.

Kurzum: Ich habe auf Grundlage des WikiLeaks-Logos aus dem (lizenziert unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported, bereitsgestellt durch Cirt bzw. Mysid) ein Motiv für T-Shirts erstellt.

T-Shirt-Motiv: WikiLeaks - information wants to be free (3-Farben-Version)

WikiLeaks - information wants to be free (3-Farben-Version)

Da Anbieter von Flexdruck und Flockdruck häufig maximal drei Farben erlauben, habe ich mit meinen bescheidenen Fähigkeiten versucht, die Farbanzahl im Bild entsprechend zu reduzieren; transparente Stellen sollten eigentlich weiß sein, daher eignet sich meine Variante erst einmal nur für weiße Kleidungsstücke. Aber da die Datei (SVG-Format) schließlich wieder unter der der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported steht, darf sie natürlich jeder weiterverwenden und verbessern.

5 thoughts on “information wants to be free

  1. Ich bin auch kein grautonfreund, aber ich denke, dass immerwährende und formvollendete Transparenz auch keinen erstrebenswerten Zustand hervorrufen wird! Naja, das ist ein riesiges und sehr durch subjektive Ansichten geprägtes Thema. Ich finde es nur sehr schwer, sich unter dem banner des „guten“ für absolut freie Informationen einzusetzen. Aber zugegeben: ich habe das Thema für mich noch nicht umfassend durchdacht. Schönen Abend noch, Lukas.

    1. Das ist in der Tat ein weites Feld, aber man sollte den Beitrag nicht falsch verstehen: Es geht nicht um eine „Post Privacy“-Debatte; nicht darum, dass Menschen ihre Privatheit aufgeben könnten oder sollten. Das wäre eine andere Geschichte. Bei WikiLeaks geht es nicht darum, dass demnächst vielleicht deine Steuererklärung dort zu finden sein könnte, wie in Talkshows gerne kolportiert wurde.

      Es geht darum, dass ein Staat keine Privatsphäre genießt, er ist von öffentlichem Interesse, eine res publica. Bürger sollten ohne Bevormundung wissen, was in ihrem Namen geschieht. Das heißt beispielsweise nicht, dass die Polizei bei laufenden Ermittlungen ihre Ergebnisse ins Internet stellen soll und so ein Flüchtiger weiß, wo nach ihm gesucht wird. Aber grundsätzlich sollte ein Bürger meiner Ansicht nach darüber informiert werden, was seine Repräsentanten tun. Das mag das Regieren nicht bequemer machen, aber das kann kaum das tragende Argument sein.

  2. Ich denke aber auch, dass ein Staat zumindest an der Stelle Privatsphäre besitzten sollte, an der Amtspersonen zu Privatleuten werden. Und WO dieser Punkt anfängt, ob um 16.00 Uhr nach Dienstschluss, ob auch das private Wort innerhalb der Dienstzeit dazuzählt, … solange Menschen als Volksvertreter eingesetzt werden besitzt auch – meiner Meinung nach – der Staat (als Instrument einer Gruppe von Privatleuten, geführt von einer gewählten Vertauensperson) ein Recht auf *gewisse Grenzen*. WO diese liegen vermag ich nicht zu sagen.
    Und bei allem, was auf der Weltbühne mit Sicherheit schief geht, hatte der etwas seltsam anmutende US-amerikanische Diplomat in Deutschland schon recht: was wikileaks gefährdet hat, war das offene Wort zwischen Diplomaten. Aber ehrlich gesagt konnte die Freilegung von Informationen nur darum so erschütternd sein, da die US-Diplomaten eine recht infantile und grobschlächtige Beurteilungspraxis an den Tag gelegt haben. Wären die Berichte objektiv gehalten und mit einer grundlegenden Wertschätzung geschrieben worden, hätte sich NIEMAND auf der Welt ernsthaft aufgeregt.

  3. Die Privatsphäre von Politikern als Privatperson interessiert auch überhaupt nicht, die muss gewahrt bleiben. Wenn nun, was du offenbar meinst, jemand als Privatperson während der Dienstzeit eine Meinung äußert, das Gegenüber das aber dienstlich behandelt, notiert und weitergibt, so ist das doch nicht die Schuld von WikiLeaks.

    Ich habe nun schon mehrfach gehört, WikiLeaks verhindere einen offenen Austausch, zerstöre das Vertrauen zwischen Diplomaten. WikiLeaks deckt eigentlich nur auf, dass die Diplomaten sich gegenseitig nicht vertrauen und sich gegenseitig hintergehen. WikiLeaks zerstört insofern allenfalls vermeintliches Vertrauen und legt offen, dass es offenbar zuvor gar kein wirkliches Vertrauen gab.

    Und ich verstehe wirklich nicht, wieso WikiLeaks ständig auf die Politikerbeurteilung der US-Diplomaten reduziert wird – die interessiert auch niemanden wirklich. Ich denke, die Arbeit von WikiLeaks lediglich damit gleichzusetzen, greift deutlich zu kurz und wird der Organisation nicht gerecht. Da waren außerdem:
    2007: Korruption in Milliardenhöhe in der Familie des ehemaligen kenianischen Präsidenten Daniel arap Moi
    2008: interne Dokumente der Julius Bär Bank & Trust Co
    2008: Inhalte der Scientology-Sekte
    2009: internes Dokument der Kaupthing-Bank in Island
    2009: Minton-Report über toxische Abfälle in der Elfenbeinküste
    2009: geheimer Entwurf zu SWIFT
    und nicht zuletzt…
    2010: “Collateral Murder” (http://www.collateralmurder.com/)

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