Wer ist eigentlich verantwortlich für erfolgreiches Studieren?

„I can only show you the door. You’re the one that has to walk through it.“
Morpheus/The Matrix

Wer ist eigentlich verantwortlich dafür, ob ein Studium erfolgreich verläuft oder nicht? Der Student? Der Dozent? Die Uni, die Regierung oder gar die Gesellschaft? Fangen wir damit an, was in Hörsäalen oder Studentenbuden vor sich geht.

Einige Professoren halten es möglicherweise mit Goethes Faust: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen!“ Der Erfolg des Studiums hänge einzig und allein vom Verhalten der Studenten ab. Wenn die sich nur anstrengen und fleißig sind, dann wird schon alles gelingen. Anders herum: Wenn es nicht klappt, wurde wohl von den Lernenden zu wenig geleistet, oder sie sind einfach intellektuell nicht in der Lage mitzuhalten.

Und was meinen die Studenten? Vielleicht nach Klausuren? Möglicherweise: „Das hatten wir aber gar nicht in der Vorlesung!“ Der Dozent habe einfach schlecht erklärt. Das Skript sei unvollständig gewesen, man hätte ja noch anderswo nachschlagen und sich selbst Gedanken machen müssen, wie das funktionieren könnte.

Weder das eine noch das andere Extrem finde ich sonderlich überzeugend. Ziel eines Studiums sollte es meiner Meinung nach sein, selbständig und eigenverantwortlich lernen zu können. Dafür müssen Studenten sich in der Tat anstrengen! Sich lediglich Tag für Tag passiv in Vorlesungen zu setzen, ist nicht genug. Gegen Ende des Semesters bloß die gelieferten Unterlagen auswendig zu lernen, dürfte auch nicht die beste Strategie sein. Studieren heißt übersetzt aus dem Lateinischen nicht umsonst „sich um etwas bemühen“.

Das soll aber nicht heißen, dass ein Student allein verantwortlich ist für sein Fortkommen. Dozenten müssen dazu den nötigen Schubs geben, wenn er nötig ist, und sich auch Gedanken machen, wie das am besten funktioniert. Bloß ihr Vorlesungsprogramm abzuspulen, ist wenig hilfreich. Sie müssen zum Lernen ermutigen oder – wenn sie das können – dazu inspirieren. Die Studenten müssen lernen wollen, von sich aus (intrinsisch) motiviert sein und nicht von außen durch Anreize oder Kontrolle dazu gebracht werden. Der Neurobiologe Gerald Hüther spricht in diesem Zusammenhang davon, dass andere (extrinsisch) zu motivieren „hirntechnischer Unsinn“ sei, weil dies nicht zur Selbstverantwortung und Selbstgestaltung führe, sondern allenfalls Dressurleistungen erzeuge. Man passe sich nur den Wünschen und Anordnungen des Dompteurs an. Aufgabe eines Dozenten kann es also nur sein, das Interesse zu wecken statt auf Belohnung oder Bestrafung zu setzen – er muss die Tür zeigen. Aufgabe der Studierenden muss es sein, durch diese Tür zu gehen, sich selbst weiterzuentwickeln.

Anstrengung ist also eine notwendige Bedingung für selbst erzielten Erfolg, aber ist es auch eine hinreichende? Wer das Buch „Überflieger“ von Malcolm Gladwell gelesen hat, wird dies sicher verneinen. Er schildert darin, wie viele weitere Faktoren das Fortkommen unterstützen oder behindern können: kulturelle und soziale Herkunft, aber ebenso – so komisch das ohne Erläuterung klingen mag – Geburtstag, Geburtsjahr, Länge der Semesterferien und natürlich Glück. Die Rahmenbedingungen des Studiums können demnach sehr wohl Einfluss auf den Erfolg haben. Für bedeutsamer als Debatten um die Art der Abschlüsse oder die Ausstattung von Hochschulen halte ich aber das, was vor Ort geschieht: Das Lehren und Lernen an sich – und dafür tragen Studenten und Dozenten gleichermaßen die Verantwortung.

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