Kategorie-Archiv: IT

Nyancat auf Speed

Vor einer Weile habe ich hier die Software h5p vorgstellt, mit der ihr interaktive Inhalte für’s Web erstellen könnt. Wenn ihr nicht wisst, was ihr euch darunter vorstellen sollt, schaut doch in meinen Beitrag dazu.

Ich habe damals erwähnt, dass ich es cool finde, dass die Software frei verfügbar ist und auch verändert werden darf. Das habe ich gemacht und der Bibliothek „Interactive Video“ ein neues Feature spendiert: Ihr könnt nun bei laufenden Videos die Abspielgeschwindigkeit regeln (zumindest bei allem, was über YouTube oder über HTML5-Player abgespielt werden kann, bei Flash werde ich nix machen).

Auf Desktop-Browsern scheint alles prima zu klappen, auf Android-Geräten scheint das Ändern der Geschwindigkeit leider grundsätzlich weder über YouTube noch per HTML5 möglich zu sein, und auf i-Geräten konnte ich noch keinen Blick darauf werfen. Falls euch etwas auffällt, gebt mir gerne einen Wink.

Ob und wann es die Funktion in das offizielle h5p-Paket schafft, weiß ich leider nicht. Wenn ihr sie (jetzt schon) nutzen wollt, könnt ihr euch aber auf github bedienen. Ihr benötigt die Bibliotheken h5p-video und h5p-interactive-video.

Aufruf zur Blogparade: Was macht ein Hochschulstudium aus?

Die Digitalisierung geht um – zumindest als Schlagwort. Sie durchdringe zahlreiche unserer Lebensbereiche. Immer häufiger und heftiger schlagen die Wellen der Digitalisierung inzwischen auch an die Pforten der Hochschulen.

Anfang des Jahres wurde in der Zeitung Die Welt gefragt, wer noch Unis brauche, wenn er MOOCs habe. Aufgelöst wurde die Frage mit der physischen Begegnung und dem, was über das bloße Lernen hinausgehe. Vor einigen Tagen nahm Alexander Klier den Begriff der Präsenz auseinander und hielt unter anderem fest, dass bei der Forderung nach Präsenz oft Anwesenheit und Aufmerksamkeit vermischt würden, es aber auf letztere ankäme beim Lernen – und die sei auch online möglich. Und schließlich finden sich unter einem Artikel rund um die Anstrengungen des Start-ups Kiron zahlreiche Kommentare, die den Wert eines Online-Studiums anzweifeln.

Mich führt das zu der Frage: Was macht ein Hochschulstudium aus? Und was davon lässt sich weshalb nicht digital abbilden – oder warum vielleicht doch?

Ich habe das Gefühl, dass mir zur Beantwortung dieser Frage für mich selbst noch diverse Aspekte fehlen, und aus diesem Grund rufe ich zu einer Blogparade auf!

Was ist eine Blogparade, und wie kann daran teilgenommen werden?

Eine schöne Erklärung samt Anleitung lieferte Thorsten Larbig; ich lehne mich stark daran an.

Bei einer Blogparade erstellen innerhalb eines bestimmten Zeitraums verschiedene BloggerInnen (oder VlogerInnen und vielleicht sogar PodcasterInnen?) einen Beitrag zu einer bestimmten Frage. Diese Parade benötigt aber auch einen Ort, wo sie auflaufen kann – in diesem Fall dieser Blogbeitrag hier. Wenn du einen etwas beisteuern möchtest, verlinke doch einfach in einem Kommentar darauf. Einfach einen (längeren) Kommentar hinterlassen geht natürlich auch 😉 BloggerInnen können innerhalb ihres Textes einfach auf diesen Beitrag hier verlinken, dann erscheint automatisch ein Verweis in den Kommentaren per PingBack.

Hier noch einmal die Schritte zum Mitmachen

  1. Erstelle einen Beitrag zu der Frage, was ein Hochschulstudium ausmacht und was davon warum digitalisierbar ist oder warum nicht. Es ist völlig egal, ob du an einer Hochschule studierst oder lehrst, oder ob du dir einfach auch nur deine Gedanken dazu machst.
  2. Verlinke deinen Beitrag mit diesem Artikel hier (http://www.olivertacke.de/2016/06/30/aufruf-zur-blogbparade-was-macht-ein-hochschulstudium-aus) oder weise unten in einem Kommentar mit Link darauf hin.
  3. Schaut euch natürlich auch gerne die Beiträge anderer an, kommentiert dort, verlinkt auch dorthin – dann wird es so richtig lebendig.

Die Blogparade läuft einen Monat bis zum 31. Juli 2016. Bis dahin dürft ihr gerne auf allen Kanälen darauf hinweisen, die euch so einfallen: Twitter, Facebook, Telefon, Mensaflyer, Flaschenpost…

Und was hast du davon?

  1. Du musst dir für einen Beitrag auf deinem Kanal (Blog, YouTube, …) kein neues Thema einfallen lassen, sondern bekommst es hier geliefert.
  2. Du bekommst wahrscheinlich ein paar Leser-/Zuschauer-/Zuhörer-Innen für deinen Beitrag und vielleicht sogar Kommentare – vielleicht sogar ein paar neue!
  3. Du erfährst, was andere zu dem Thema denken.
  4. Du trägst dazu bei, dass erfahrbar wird, was soziales Vernetzen und gemeinsames Denken bedeuten.
  5. Du befriedigst die Neugier anderer und deine eigene.

Los geht’s!

 

Pimp your platform with H5P

Durch @TweetinChar bin ich auf die Software H5P aufmerksam geworden, die mich von den Socken haut. Hinter dem Kürzel verbirgt sich ein PlugIn für andere Plattformen, das sie um diverse interaktive Elemente bereichern kann. Den Anfang machen WordPress und Drupal. Das Lernmanagement-System moodle folgt in Kürze und wird sogar die Option bieten, auf Rückmeldungen der PlugIns zu reagieren: Lektionen freischalten, Auszeichnungen vergeben, usw.

„Was sollen denn diese diversen interaktiven Elemente sein“, fragt ihr euch? Am besten zeige ich euch zwei Beispiele, die ich damit erstellt habe.


Videos mit Aufgaben

Inzwischen schon einer der Klassiker in Online-Kursen: Videos mit Overlays, eingebetteten Fragen oder Textfeldern zum Ausfüllen. H5P ist da recht flexibel und erlaubt, je nach gegebener Antwort individuell fortzufahren und beispielsweise eine bestimmte Sequenz des Videos noch einmal zu zeigen oder eine andere zu überspringen. Habe ich in diesem Video aber gar nicht genutzt, sondern bloß die meisten Formate eingebettet, die man nutzen kann. Übrigens: Statt eines Videos könnt ihr auch Schaubilder einer Präsentation verwenden und dann durchblättern…


Zeitstrahlen

Wie ihr seht, sind Zeitstrahlen kein Problem. Es hakt noch etwas mit der Darstellung des Datumsformats, aber das kann ich prima verschmerzen. Dafür sieht es schick aus, es gibt zahlreiche Möglichkeiten zum Erstellen und responsive sind die eingebundenen Inhalte auch.


Diese kleine Auswahl war aber längst nicht alles. Viel mehr Beispiele findet ihr auf der Showcase-Seite der Programmiertruppe. Die Aufgabentypen, die ihr über Videos legen könnt, könnt beispielsweise auch eigenständig nutzen, es gibt kleine Werkzeuge, Mini-Spiele, … Ich bin jedenfalls hellauf begeistert, auch wenn es an einigen Stellen noch ein paar Bugs zu geben scheint. Aber, oh, hatte ich erwähnt, dass H5P obendrein auch noch Open Source ist? Sollten also kein Probleme sein, die ewig bestehen bleiben 🙂

Angstland

Bekanntlich achten Menschen eher auf das, was sie suchen. Vielleicht entspringt dieser Blogbeitrag daher einfach meiner Wahrnehmung, aber sein Thema beschäftigt mich schon eine Weile und ist bei mir gerade präsent. Ich werde meine Gedanken hier einfach mal los ohne Anspruch auf Poesie oder Ausgeburt an Weisheit. Es geht um Angstland.

Angst entdecke ich schon, wenn ich meine Mutter besuche. Sie zieht nach Gebrauch des Toasters den Stecker. Er könnte ja Feuer fangen — weil das irgendwann irgendwo mal irgendjemandem passiert sein soll. Auch sonst sorgt sie sich gefühlt ständig darum, was nicht alles passieren könnte. Ich glaube, das war früher noch nicht so ausgeprägt. Frage ich nach dem Ursprung ihrer Sorge, ist die Antwort fast immer ein Bericht aus den Medien. Das erinnert mich schwer an den Dokumentarfilm Bowling for Columbine. Michael Moore legt darin nahe, dass die Medien eine Atmosphäre der Angst verbreiten, indem sie der Bevölkerung ununterbrochen Bedrohungen vor Augen führen.

Nicht ängstlich, aber wirklich nachdenklich machen mich die Medien auch — nämlich dann, wenn sie über die Angst im Lande berichten: Offenbar ist man in manchen Regionen mit einem Stuttgarter Dialekt und Raclette im Kofferraum schon des Terrors verdächtig. Ist kaum ein Wunder, wenn die Regierung kaum ein drängenderes Thema zu kennen scheint und immer wieder neue Gesetze erlassen möchte, die angeblich irgendwie vor Anschlägen schützen sollen. Jüngstes Beispiel ist die angestrebte Beschränkung von Bargeldzahlungen, oder gibt es schon etwas Aktuelleres?

Du, Sergej, den Sprengstoff und die fünfzig Kalaschnikow zahle ich heute mit EC-Karte, ne?!

Nee, is klar. TerroristInnen werden dann bestimmt per Klarname, SEPA-Lastschrift und dem Betreff „terroristische Mordwerkzeuge“ ihre Waffen kaufen. Aber wenn man perfide das unterschwellige Bedrohungsgefühl in der Bevölkerung ausnutzt, dann stören sich womöglich nicht so viele an den neuen Gesetzen. Besonders gut funktioniert das in Deutschland in der Politik gerade auch mit der Angst vor… Ja, vor was eigentlich? Vielleicht hat Jan Böhmermann mit „Du für Deutschland“ die Antwort?

Sehr lebendig ist das mit der Angst für mich beim Thema Technik wahrscheinlich, weil ich mich als halber Informatiker vermehrt damit beschäftige. Jenseits von Fahrzeugen mit Benzinmotoren wird Deutschen schon einmal Technikfeindlichkeit attestiert. In der Bildungsecke begegne ich ihr jedenfalls immer wieder.

Ich brauche das nicht. Ich arbeite mit Menschen. (Zitat von jemandem aus der Hochschuldidaktik)

Harmlos finde ich noch Aussagen wie diese, denn dahinter stecken wohl eher Unkenntnis (soziale Medien heißen ja nicht so, weil da Computer miteinander interagieren), ein Schuss Face-To-Face-Romantik und lediglich die Angst, sich selbst mit einer Thematik auseinanderzusetzen, mit der man überhaupt nicht vertraut ist. Regelrecht erschreckt bin ich aber stets von Reaktionen à la Digitale Demenz anno 2012 oder den gerade aufziehenden Disputen rund um Big Data in der Bildungswelt.

Ich mag Technik gern, ja, und greife darauf auch gerne in Lehr-Lern-Szenarien zurück. Ich bin aber (hoffentlich) ebenso bekannt dafür, das nicht blind zu tun. Ich trenne bloß nicht in „digitales Lernen“ und „analoges Lernen“ (dazu empfehle ich „E war einmal“ von Thomas Czerwionka) und schaue, was ich vom einem wie vom anderen gebrauchen kann; was geht und was nicht; nicht alles, aber auch nicht gar nichts.

Warum Potenziale des Neuen nicht ausloten statt gleich Angst vor der nahenden Apokalypse zu verbreiten? Anstatt zu überlegen, was vielleicht möglich wird, wird in Deutschland lieber zuerst überlegt, was schiefgehen könnte. Wenn man sich dann irgendwann auf einen vorsichtigen Kompromiss geeinigt hat, muss bloß noch eine Weile geklärt werden, wer im Zweifel Schuld ist…

Vielleicht erstreckt sich Angstland aber auch nicht bloß von den äußersten Zipfeln Schleswig-Holsteins bis Bayerns und Rheinland-Pfalzes bis Sachsen-Anhalts. In den USA scheint es inzwischen so zu sein, dass Kinder aus Sorge vor diffuser Gefahr nicht einmal mehr allein draußen spielen sollen und auf Schritt und Tritt überwacht werden.

Decreased crime rate… is not no crime rate! (Zitat einer Psychotherapeutin)

Trotz gesunkener Kriminalitätsrate steigt die Furcht davor. Offenbar wächst sogar im eigentlich so freiheitsliebenden Amerika der Wunsch nach garantierter Sicherheit. Aus Angst. Angstland allerorten.

There’s no stopping us

Was muss ich noch sagen? Auch 2015 stoppt niemand C64-Demos!

Interessant finde ich übrigens den Gedanken, was wohl passiert wäre, wenn 1982 beim Erscheinen des C64 bereits bekannt gewesen wäre, was in der Kiste steckt. Nicht einmal die Entwickler selbst hätten wohl damit gerechnet, welche Tricks sich der Kiste entlocken lassen. Was wäre wohl passiert, wenn eine Demo wie eine der unten folgenden (oder vielleicht eine meiner Favoritinnen) gleich von Beginn an bereit gestanden hätte? Ach, was soll das Gerede. Schaut euch die fünf schönsten der Werke an, die ich 2015 entdeckt habe.


Scandinavian Allstars — Timeline

Timeline zeigt, dass man gar nicht mit sonderlich spektakulären Effekten aufwarten muss, um eine gute Demo auf die Beine zu stellen. Mehrere kleine Hingucker eingebettet in einen Zeitstrahl tun es auch.


Fairlight & Noice & Offence — Goatlight

Stimmungsvolle Musik, die mich ein wenig an Turrican erinnert. Verschiedenen Effekte, die nicht bombastisch daherkommen — aber ansehnlich sind. Mir gefällt der Scroller gut, der auch auf dem Vorschaubild von YouTube zu sehen ist (wo er nicht viel hermacht, ich weiß. Angucken!). Was will man mehr? Vielleicht kleine Verbeugungen vor dem Amiga? Got it!


Censor Design & Oxyron — Comaland (100%)

Nanu? Comaland war doch im letzten Jahr schon dabei?! Riiichtig. Aber nun gibt es auch die finale Fassung, die einfach nur gut ist! Erstklassig in Szene gesetzt, wunderschöne Grafiken und toll musikalisch untermalt. Besonders cool ist das Drahtmännchen zur Halbzeit. Die einzelnen Teile der Demo greifen zwar nicht nahtlos ineinander über, aber dafür gibt es über 15 Minuten Wow!


Chorus — Rocketry

Die Demo braucht etwa eine Minute, bevor sie aus dem Quark kommt, demonstriert dann aber verschiedene Weiterentwicklungen von altbekannten Effekten. Die Pixel werden in einem Affentempo über den Bildschirm geschoben, und Chorus hat wohl völlig zu Recht den ersten Platz auf der Arok 2015 belegt.


Samar — Forever Lost

Ganz ohne Schnickschnack überzeugt mich Samar. Die Demo „Forever Lost“ besteht im Prinzip nur aus einem Scroller mit super Musik dazu. Fertig.