Halbzeit beim Machine Learning Engineer Nanodegree-Programm

Huzzah, Die Hälfte habe ich hinter mir beim Machine Learning Engineer Nanodegree-Programm von Udacity. Es ist wohl an der Zeit, meine Eindrücke und Erfahrungen mal zu sortieren.

Schon die Hälfte?

Wie ich bereits einmal beschrieben habe, soll das Programm etwa 420 Stunden umfassen. Und wer aufgepasst hat, wird auch mitbekommen haben, dass ich seit Freitag vorvergangener Woche daran sitze. Wofür ist Urlaub sonst da? 😉 Und nun schon Halbzeit? Ja, weil mich das Programm nur nicht ganz 50 Stunden dafür in Beschlag genommen hat. Das einfach auf 100 Stunden hochzurechnen, wage ich zwar noch nicht, aber ich werde wohl locker unter der 420 bleiben. Woran liegt das? An zweierlei Dingen, denke ich.

zu 50 % fertig bei Udacity

Zum einen bringe ich durchaus schon Hintergrundwissen aus der IT-Welt mit. Programmieren kann ich halbwegs anständig, und ein wenig beschäftigt habe ich mich mit dem Thema Maschinenlernen ja ebenfalls schon. Zum anderen bleibt das Nanodegree-Programm oft an der Oberfläche oder setzt nur das voraus, was man in Deutschland in der gymnasialen Oberstufe oder einem frühen Semester eines verwandten Hochschulstudiums mitbekommt: ein bisschen triviale lineare Algebra, ein bisschen Statistik-Grundlagen, und vielleicht schon mal hier oder da ein paar Zeilen Quelltext gebaut.

Wie isses denn so?

Ob man das gut oder schlecht findet, kommt ganz darauf an. Wer die Tiefe eines Hochschulstudiums erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein. Wer sich praktisch weiterbilden möchte, ohne ganz auf Theorie zu verzichten, findet das Angebot hingegen vermutlich großartig. Man dürfte nach dem Abschluss kaum ein fertiger „Machine Learning Engineer“ sein, aber zumindest mit eigenen Projekten ein wenig besser starten können.

Was ich auf jeden Fall sehr schätze, sind die Projekte. Jedes Kapitel schließt mit einem solchen ab, in dem Inhalte tatsächlich angewendet werden müssen. Nicht nur muss das Gelernte in Quelltext verwandelt werden — leider meist nur durch das Einfügen einiger weniger Zeilen in ein vorgefertigtes Programm — es gilt auch seine Entscheidungen zu erklären und zu begründen. Ich habe das sehr sorgfältig gemacht und war durchaus einige Stunden damit beschäftigt. Okay, und wie checken die das? Clever!

Udacity hat ein Uber-ähnliches System geschaffen. Statt Lehrende zur Durchsicht der eingereichten Projekte fest anzustellen, wird bloß die Infrastruktur bereitgestellt. Es sieht für mich nach einer Plattform aus, auf der die Projekte eingehen und jede/r mit passenden Vorkenntnissen die Begutachtung übernehmen kann. Dafür gibt es auch etwas Geld. Ich tippe zudem, dass auf der Plattform zu jeder Aufgabe innerhalb des Projektes einige Textbausteine und Beispiele bereitstehen, die man ja nach Antwort verwenden kann. Funktioniert bestens. Die Rückmeldungen kommen wirklich schnell. Bisher habe ich noch nicht länger als zwei Stunden gewartet. Die Rückmeldungen finde ich auch wirklich hilfreich. Wären sie das nicht, könnte ich das steuern. Ich darf nämlich auch die Qualität des Feedbacks bewerten. Wenn es doch etwas Vergleichbares an Hochschulen gäbe…

Und sonst?

Gewöhnungsbedürftig finde ich die extrem kurze Laufzeit der Videos. Da reichen sich manchmal zig 30-Sekunden-Videos und trivialste Quizfragen die Klinke in die Hand. Ist das vielleicht eine kulturelle Sache? In den USA wird ja auch das Fernsehprogramm wohl alle Nase lang von kurze Werbeeinblendungen unterbrochen, was jemanden aus Deutschland wohl auch kirre macht. Ein paar andere Dinge würde ich auch anders machen, aber alles in Allem finde ich das dann doch eine runde Sache.

So. Muss weitermachen. Ich freue mich nämlich schon auf das Abschlussprojekt, dessen Thema und Fragestellung ich mir völlig frei aussuchen kann.

7 Gedanken zu „Halbzeit beim Machine Learning Engineer Nanodegree-Programm

  1. Hallo,
    vielen Dank für Dein Feedback. Ich befinde mich gerade in einer Umschulung zum Fachinformatiker bei einem „renomierten Bildungsträger“ und es schüttelt mich, was die IHK im Jahre 2017 für Anforderungen stellt. Teilweise die selben wie Ende der 80er, als ich meine erste Lehre absolvierte…..unfassbar.

    Ich befasse mich daher mit dem Thema Udacity um mir parallel das Wissen anzueignen, das ich benötige um später das zu können was der Titel verspricht, aber das wird nur was wenn ich mit Eigenengagement vom IHK Kurz abweiche.

    In dem Zusammenhang bin ich Dir sehr dankbar für diesen Eintrag. Bitte noch vervollständigen wenn Du soweit bist.

    Ich überlege gerade welchen Kurs ich absolvieren sollte. Habe KEINE Vorkenntnisse und auch nur klassische mittlere Reife, wie das früher halt so üblich war. Mir fehlen also viele der Grundlagen eines Abiturienten; wie vermutlich vielen Gleichaltrigen (46 Jahre alt) auch 😉

    Daher werde ich vermutlich mit den Grundlagen der Programmierung anfangen. In der Umschulung hab ich in den vergangenen 6 Monaten alles gelernt, aber keinen Strich programmieren oder Systeme dazu. BWL dafür im 4 Wochen Block……anyway.

    Ich freue mich sehr von Dir und Deinen Erfahrungen zu lesen. Ggf. kannst Du versuchen ein wenig abzuschätzen wie der Kurs ohne jegliches Vorwissen und mathematisches Abiturwissen machbar ist?

    Grüsse
    MS

    1. Hiho! Danke für deinen Kommentar!

      Meinst du mit „Bitte noch vervollständigen wenn Du soweit bist“ meine Eindrücke, wenn ich fertig bin? Mir hat der Kurs gut gefallen, speziell die Rückmeldungen zu den praktischen Aufgaben. Beim Abschlussprojekt hatte ich zwar das Gefühl, da wurde nur mal kurz drübergeschaut, aber ansonsten habe ich fast immer prima Hinweise bekommen, was ich noch verbessern könnte.

      Wichtig finde ich zu erwähnen, dass man meiner Ansicht nach nach dem Kursprogramm noch kein Machine Learning Engineer ist — allenfalls ein sehr kleiner. Es gibt da noch sehr viel zu lernen, und dafür sollte man sich auch weiter in Eigeninitiative mit dem Thema beschäftigen. Dazu kann man etwa an passenden Wettbewerben wie auf CrowdAI teilnehmen oder vielleicht seine neu gewonnenen Fähigkeiten in einem Open-Source-Projekt einbringen. Letzteres steht beispielsweise auf meiner Liste.

      Beim „Machine Learning Engineer“-Programm wird nicht sooo viel Mathe verlangt, anders als beim Kurs „Machine Learning“ auf Coursera. Ich denke, das sollte passen. Und falls nicht, gibt es ja beispielsweise auf der deutschen Plattform mooin den komplett kostenlosen Kurs Mathe endlich verstehen von Jörn Loviscach.

      1. Klasse. Vielen Dank für die ausführliche Info. Das wollte ich noch wissen. Berichte gerne weiter, wenn Du nochmal was in diese Richtung absolvierst ok?

          1. Na dann los oder ist der hier bereits zu finden? Dein kompetenter Erfahrungsbericht? Dieser Kurs interessiert mich ebenfalls. 😉 Danke für Deine Bemühungen.

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