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Kehre dein Innerstes heraus mit openSNP

Das Projekt openSNP habe ich in meinem Blog schon einmal am Rande erwähnt und dachte mir: Hey, warum nicht mal etwas ausführlicher? It’s open science, baby!

Was ist denn openSNP?

In einem Satz gesagt – hoffentlich korrekt: Bei openSNP kann jeder seine genetischen Informationen offen zur Verfügung stellen und mit weiteren Informationen anreichern, so dass WissenschaftlerInnen damit ihre Forschung unterstützen können.

Falls ihr mehr wissen möchtet, könnt ihr euch das aber auch in nicht einmal fünf Minuten von erzählen lassen. Mitgründer (und der Mark Zuckerberg der Open Source Genetics ;-) ) Bastian Greshake beschreibt im folgenden Video das Projekt. Der Ton ist leider sehr leise geregelt, weshalb ihr an euren Einstellungen etwas drehen solltet.

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Was kann ich für openSNP tun?

Geld spenden: Es handelt sich um ein reines Freizeitprojekt, aber die Server wollen trotzdem nicht kostenlos arbeiten. Falls ihr jeden Monat etwas Kleingeld übrig habt, könntet ihr das Projekt beispielsweise über Patreon eine kleine Finanzspritze geben.

Daten zum Genotyp teilen: Je mehr Daten openSNP hat, desto wertvoller dürfte die Sammlung sein. Darum wäre es natürlich auch toll, wenn ihr eure Genominformationen dort zur Verfügung stellt. Die kann man beispielsweise über 23andme bekommen. Und ja, man sollte für sich überlegen, ob man a) Dienste wie 23andme in den USA nutzen möchte, und ob man b) seine Daten auch weltweit zur Verfügung stellt. Das kann potenziell auch Konsequenzen für Verwandte haben. Ich war jedenfalls so frei

Daten zum Phänotyp teilen: Die Informationen zu eurem Genotyp allein sind schon gut, aber wenn ihr sie um eure Daten zu eurem Erscheinungsbild (Phänotyp) anreichert. Ich fasse mir da an meine eigene Nase. Ich könnte da mal wieder etwas tun.

Quelltext spenden: Wenn ihr programmiert, könnt ihr natürlich auch helfen, die Software der Plattform zu verbessern. Die ist (natürlich) ebenfalls Open Source. Ihr findet sie auf Github.

Zeit spenden: Alles nichts für euch? Dann bleibt nur eins: Spread the word! Oder fragt einfach bei Bastian mal nach, ob es noch anderes zu tun geben könnte.

Lasst euer Open-Science-Projekt in Schleswig-Holstein prämieren

Falls ihr nicht aus dem hohen Norden Deutschlands kommst, ist dieser Beitrag für euch vermutlich irrelevant. Für alle anderen: Das Land Schleswig-Holstein hat einen Preis zum Thema Open Science ins Leben gerufen.

Es soll jährlich der Open-Science-Award für ein passendes Projekt vergeben werden. Warum? Weil man sich zum Ziel gesetzt hat, „das weltweite Wissen in digitaler Form ohne finanzielle, technische oder rechtliche Barrieren zugänglich und nutzbar zu machen.“ Neben Ruhm und Ehre winken sogar 2.000 Euro.

Für das Land zählen dazu Projekte, die

  • „nachhaltig zur Erhöhung der Sichtbarkeit, Wahrnehmung und Nutzung von
    Leistungen schleswig-holsteinischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
    beitragen,
  • die Publikation von Erkenntnissen sowie ihre Rezeption beschleunigen respektive
    erleichtern und
  • den Wissenstransfer in die Gesellschaft, die interdisziplinäre Forschung und
    den internationalen Austausch befördern.“

Falls ihr an einer Institution in Schleswig-Holstein arbeitet, die etwas Passendes inpetto hat: Macht mit! Bis zum 31. Oktober könnt ihr eure Bewerbung einreichen.

Lasst euch bloß nicht davon irritieren, dass entgegen der eigen Zielsetzung die zugehörigen Bewerbungsunterlagen nur als nicht-barrierefreies PDF zur Verfügung stehen… *seufz*

 

„Es kommt in der Wissenschaft nicht darauf an, dass man sie so vermittelt, dass sie mit dem Kopf verstanden wird, sondern so, dass sie mit dem Herzen verstanden wird“

Unter meinen abonnierten Podcasts findet sich der Forschergeist von Tim Pritlove, und die aktuelle Ausgabe Nr. 34 hat mit wieder einmal sehr gefallen. Sie dreht sich um Werner Heisenberg.

Zum Ende hin geht Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer auf Wissenschaftsvermittlung ein. Er diskutiert einen Aspekt, der in der Welt der Hochschuldidaktik zwar immer wieder thematisiert wird, aber nicht so recht in die Lehre durchdringt:

„Die Vermittlung der Wissenschaft wird immer noch so betrieben, dass einem jemand erklärt, wie etwas funktioniert – sozusagen – nur mit einfachen Worten. […] Es kommt in der Wissenschaft nicht darauf an, dass man sie so vermittelt, dass sie mit dem Kopf verstanden wird, sondern so, dass sie mit dem Herzen verstanden wird – und das macht man nicht.“

Den Kontext der Aussage habe ich euch aus dem Podcast herausgelöst – aber ihr solltet ihn euch unbedingt komplett anhören, wenn ihr an Wissenschaftsgeschichte oder Physik interessiert seid.

Der Podcast „Forschergeist“ (Ausagbe 34 hier als Auszug) von Stifterverband/Metaebene ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0).

Als Weg dorthin schlägt Herr Fischer vor, über die Personen hinter der Wissenschaft und deren Leben zu gehen. Sehe ich auch so! Vielleicht finde ich das aber auch bloß so sympathisch, weil ich mit „Köpfe der Wissenschaft selbst gemacht“ vor einer ganzen Weile selbst in diese Richtung gedacht habe und außerdem noch davon überzeugt bin, dass „Offene Wissenschaft“ auch heißen sollte, jenseits der Ergebnisse von Wissenschaft den Prozess und die Personen dahinter sichtbarer zu machen :-)

[Update] Das soll nicht heißen das Kognitive zu ersetzen!

Was geht euch zu der Frage durch den Kopf, ob die Vermittlung von Wissenschaft, speziell in der Hochschullehre, zu stark kognitiv dominiert sei?