Schlagwort-Archiv: Lehre

Wieder was gelernt

Im Dezember hatte ich für eine Konferenz einen Beitrag eingereicht und bekam gestern den Hinweis, dass er angenommen wurde. Ein Team von zwei Gutachtern hatte sich meinen Artikel in einem sogenannten „Double Blind Review“ angesehen – das heißt, sie wissen nicht, wer ihn verfasst hat, und beide sind auch anonym für mich.

Nun erhält man in der Regel noch Hinweise darauf, wie man seinen Beitrag noch verbessern kann – und ich habe noch einige Hausaufgaben bekommen, die ich erledigen muss. Das ist auch völlig in Ordnung, die Hinweise sind gut, nur ist mir etwas aufgefallen: Es wurden stets nur Dinge bemängelt, aber keine positiven Aspekte hervorgehoben. Im ersten Moment war ich dann auch ein bisschen geschockt und kam mir einfach schlecht vor! Dass der Artikel so schlimm nicht sein kann, ging mir erst nach und nach auf – er wäre sonst ja abgelehnt worden (zumindest beruhige ich mich damit).

Wie ergeht es nun einem Schüler oder Studenten, wenn er eine Arbeit kommentiert zurück erhält und nur negative Kritik zu Gesicht bekommt? Er wird sich sicher ebenso schlecht fühlen, vielleicht aber gar nicht sehen, was er tatsächlich alles kann! Das frustriert!

Nun ist es normalerweise nicht so, dass ich stets nur kritisiere, aber ich habe für mich eine kleine Lehre aus der Geschichte gezogen: Beim Durchsehen von Arbeiten nicht vergessen, wie ich mich selbst beim Anblick der Gutachterkritik gefühlt habe, häufiger Positives anmerken und Negatives nachvollziehbar begründen.

Köpfe der Wissenschaft selbst gemacht

Oft ist es im Studium so, dass man über viele große Namen stolpert: In der Mathematik hat jeder schon von Carl Friedrich Gauß oder Leonhard Euler gehört, in der Betriebswirtschaftslehre von Frederick Taylor oder Henri Fayol. In der Regel weiß man auch noch (halbwegs), was sich diese Leute haben einfallen lassen. Aber was haben sie erlebt? Wie sind sie aufgewachsen? Welche Schicksale haben sie ereilt? Das ist mitunter nicht nur spannend, sondern kann dem einen oder anderen auch dabei helfen, Theorien und Gedanken besser einzuordnen und zu verstehen.

Köpfe der Unternehmensführung

Köpfe der Unternehmensführung

Wie schön wäre es da, gäbe es zu jeder Veranstaltung das passende Buch mit Hintergrundinformationen. Glücklicherweise gibt es die Wikipedia, und die erlaubt es seit rund einem Jahr, sich aus den Beiträgen individuelle Bücher zusammenzustellen. Man sammelt einfach die gewünschten Artikel in einem Inhaltsverzeichnis, arrangiert sie nach Wunsch und lädt das fertige Werk dann kostenlos als PDF-Datei herunter – oder, viel schöner, bestellt es gleich als gedrucktes Buch. Zu den Vorlesungen meines Chefs an der TU Braunschweig habe ich beispielsweise das Buch „Köpfe der Unternehmensführung“ zusammengestellt, das  sich jeder Interessierte anschauen und beschaffen kann.

Natürlich wird man auch auf Personen stoßen, die man gerne aufnehmen würde, zu denen man aber kaum etwas oder gar nichts in der Wikipedia findet – wenn das nicht nach einem studentischen Projekt schreit…

Seitenwechsel

Heute habe ich die Seite gewechselt und mich in die Studierendenposition begeben: Im Rahmen meines Mathematikstudiums durfte ich heute einen Seminarvortrag halten, und das war sehr lehrreich.

Im Vorfeld hatte ich einen aktuellen wissenschaftlichen Artikel erhalten, in den ich mich eigenständig einarbeiten musste, und dessen Inhalte nun präsentiert wurden. Obwohl ich schon häufig vor Publikum etwas erzählt habe, war ich nervös. „Bin ich überhaupt ausreichend vorbereitet? Kann ich alle Fragen beantworten? Was, wenn nicht?“ All diese Dinge gingen mir an der einen oder anderen Stelle durch den Kopf. Ich bin froh, dieses Prozedere (wieder) durchlaufen zu haben. Wenn ich demnächst wieder in die Dozentenrolle schlüpfe, habe ich diese Erfahrung nämlich hoffentlich im Hinterkopf und kann die Studierenden und ihre Situation besser einschätzen. Man lernt zwar auch in der Pädagogik-Theorie, wie wichtig eine ausreichend sichere Umgebung ist (wichtig für die Reflexion), die praktische Erfahrung am eigenen Leib macht man ab einem gewissen Punkt aber selten oder gar nicht mehr – möglicherweise verliert man dann die „Bodenhaftung“. Insofern kann es sicher nicht schaden, sich von Zeit zu Zeit in eine solche „unsichere Lage“ zu begeben und an sich selbst zu beobachten, wie man sich fühlt.