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LEGO ist zeitlos

Vor einer Weile bin ich über das Thema LEGO Serious Play gestolpert, und vergangene Woche haben ein Kollege und ich die bunten Klötzchen in einem Workshop für ProfessorInnen benutzt. Das hat allen Freude bereitet und gut funktioniert.

Am ersten Tag bestand eine Einstiegsaufgabe darin, sich in vier Kleingruppen zu überlegen, was zum Misslingen einer Vorlesung beitragen kann. Was macht eine Veranstaltung wirklich kaputt? Getrennt betrachtet wurden Lehrende, Studierende, der Inhalt und die Rahmenbedingungen – und visualisiert wurden die Probleme mit LEGO-Steinen. Die Ergebnisse waren ganz unterschiedlich. Einige Bauwerke zeigten ganz konkret eine schwierige Situation, andere stellten den Sachverhalt abstrakt dar. Ein Beispiel ist auf dem Foto zu sehen: Ein Lehrender als kluge Leuchte, der sein gesammeltes Wissen aber einfach unstrukturiert vor sich ausbreitet. In jedem Fall boten sie einen guten Ausgangspunkt für den weiteren Verlauf des Workshops.

LEGO

Eine „Lehrenden-Leuchte“ kippt ihr Wissen aus

Als kurze Rückmeldung zum ersten Tag haben wir eine abgewandelte Form des Fünf-Finger-Feedbacks benutzt. Die TeilnehmerInnen sollten sich überlegen, womit sie zufrieden waren, was ihnen nicht so gut gefallen hat, was sie mitgenommen haben und was ihnen zu kurz gekommen ist. Den davon für sie wichtigsten Punkt haben sie auf einer Moderationskarte festgehalten. LEGO wurde gar zweimal „mitgenommen“.

LEGO-Feedback

Feedbackmöglichkeit mit LEGO visualisiert

Am zweiten Tag haben wir auf die Ergebnisse des ersten Tages zurückgegriffen. Die Lego-Modelle sollten nun so modifiziert werden, dass eine gelungene Veranstaltung entsteht. Es wäre schließlich einerseits nicht so schön, wenn ein negatives Bild zurückbliebe. Andererseits sollte auch über Handlungsbedarf und -möglichkeiten nachgedacht werden.

Wahrscheinlich gibt es noch zig andere Möglichkeiten, wie man LEGO in Workshops einsetzen kann. Wir werden das sicher noch in der einen oder anderen Form ausprobieren. „LEGO ist zeitlos.“

LEGO ist zeitlos

LEGO ist zeitlos

Ein bisschen Werbung muss doch erlaubt sein

Meine ersten Gehversuche mit dem Konzept Lernen durch Lehren (LdL) habe ich vor einiger Zeit bereits kurz hier im Blog vorgestellt. Christian Spannagel hat mich daraufhin eingeladen, meine Erfahrungen etwas umfangreicher zu schildern; das Ergebnis ist nun als Beitrag in einem Sammelband veröffentlicht worden. Ein bisschen Werbung dafür muss doch erlaubt sein…

campusemerge 2011 – Der Abschluss

Poster zum campusemerge 2011

Poster zum campusemerge 2011

Im vergangenen Juni habe ich mich mit dem Konzept für ein Öffentliches Seminar beim Hochschullehrpreis campusemerge beworben und zähle tatsächlich auch zu den Prämierten :-) Gestern fand dazu in Braunschweig im Haus der Wissenschaft die Abschlussveranstaltung statt.

Insgesamt waren 15 Preisträger eingeladen worden, von denen die vier Gewinner in je 20 Minuten ihre Projekte vorstellten – allesamt solche, in die schon mehrere Jahre lang viel Arbeit investiert worden war.

Im Anschluss gab es für alle Anwesenden neben dem Mittagsimbiss die Gelegenheit, sich auf einer Posterausstellung über die Konzepte zu informieren. Bei meinem Beitrag dazu habe ich besonders den Aspekt des transdisziplinären Lernens bzw. der öffentlichen Wissenschaft in den Vordergrund gestellt – auf dem Poster war übrigens deshalb so viel Text drauf, weil ich nicht permanent daneben stehen konnte, um Fragen zu beantworten.

Weiter ging es mit zweiminütigen Impulsreferaten der übrigen Prämierten, um passenden Gesprächsstoff für den nun folgenden Markt der Möglichkeiten zu liefern: In einem großen Raum wurden die Beiträge an einzelnen Ständen nochmals präsentiert, und es konnte nach Herzenslust darüber diskutiert und gefachsimpelt werden – und davon wurde auch reger Gebrauch gemacht. Ich selbst habe beispielsweise ein superspannendes Gespräch mit László Füzesi von der Göttinger Uniklinik geführt, der mit dem eDocTrainer zu den vier Gewinnern des Wettbewerbs zählte und offenbar ständig auf der Suche nach neuen Anregungen ist. Interessant fand ich auch den Beitrag von Ralf Raths (Uni Hannover): Die Erfahrung der neuzeitlichen Schlacht.

Abschließend danke ans Kompetenzzentrum für Hochschuldidaktik, das unter emsiger Leitung von Gisely Prey den Wettbewerb ausgerichtet hat und mich über QL:next und das WindH-Programm mit Rüstzeug für gute Lehre versorgt. Nicht zu vergessen auch Torsten Larbig, der meinem Video zum Wettbewerb seine Stimme geliehen hatte.

Und nun geht’s auch bald schon weiter mit öffentlichen Seminaren im Web 2.0: In wenigen Wochen startet der Kurs Schutz von Wissen – Sinn oder Unsinn?, und die zugehörige Seite werde ich noch etwas überarbeiten.

POL ohne Jean

Der eine oder andere wird es wissen: Ich absolviere gerade das Programm Weiterbildung in der Hochschullehre (WindH) und habe als Wahlpflichtveranstaltung heute Problemorientiertes Lernen (POL) besucht.

Problemorientiertes Lernen (auch Problembasiertes Lernen oder englisch Problem-Based Learning) ist eine gemäßigt konstruktivistische, anwendungsorientierte Lernform, bei der ein spezielles Problem im Mittelpunkt steht (man könnte es vielleicht auch packenden Stoff nennen) und von Lerngruppen möglichst eigenständig bearbeitet wird. Ausgehend davon folgt POL einem typischen Ablauf, der in mehrere Schritte gegliedert wird (häufig sind das sieben, in der Fortbildung waren es acht):

  1. Verständnisfragen klären
  2. Teilprobleme definieren
  3. Ideen und Hypothesen sammeln
  4. Ergebnisse strukturieren
  5. Eigene Lernziele formulieren
  6. Informationen beschaffen und bearbeiten
  7. Präsentieren und Diskutieren
  8. Vorgehen reflektieren

POL erinnert also auf den ersten Blick an klassische Fallstudienarbeit, fördert aber besonders die aktive Beteiligung der Lernenden, um Wissen zu konstruieren. An einigen Unis wird die Methode gar hochschulweit eingesetzt (beispielsweise in Maastricht, Newcastle oder Linköping).

Mein Eindruck ist zwar grundsätzlich positiv, aber dennoch zwiespältig. POL scheint ganz gut zu funktionieren. Wir haben in den Gruppen die gestellten und selbst erarbeiteten Probleme (bis Schritt 5) ganz gut bewältigt, es kamen relevante Aspekte auf, an welche die Problemsteller gar nicht gedacht hatten. Am eigenen Leib fand ich das strikte, schrittweise Vorgehen allerdings recht einengend; an einigen Stellen hatte ich Ideen, aber dafür war laut Schema gerade kein Platz vorgesehen – diese „Störung“ wurde also nicht behoben, das Neuron durfte nicht feuern.
Und auch wenn die einzelnen Phasen für sich genommen sehr unterschiedlich und abwechslungsreich gestaltet werden können, wird der Wissensentstehungsprozess phasenweise linearisiert. Das ist einerseits praktisch, da POL so einfacher anwendbar wird. Andererseits kam mir das irgendwie paradox vor: Ziel soll es sein, möglichst frei selbst zu denken und ein Problem umfassend zu betrachten, nicht in bekannte Schemata zu verfallen – und dafür wird dann ein festes Schema benutzt? Aber vielleicht habe ich in dieser Ein-Tages-Veranstaltung zu wenig mitbekommen, etwas falsch verstanden oder bin einfach nur „Jean-POL-geschädigt“ :-)

Ich habe zwar in nächster Zeit keine Veranstaltung, in der ich POL ausprobieren könnte, aber ich werde es auf jeden Fall im Hinterkopf behalten. Die selbst zu strukturierenden „Probleme mit Unschärfe“ als Ausgangspunkt für eine Lerngelegenheit sind mir auf jeden Fall sympathisch.

Give your brain a hand

Vergangene Woche bin ich auf Lego Serious Play gestoßen. Dabei handelt es sich um eine Methode, mit der in Seminaren phantasievolle Ideen für die Lösung von Problemen gefunden werden sollen.

Die Teilnehmer sollen zunächst ihre eigene Sicht eines bestimmten Sachverhalts mit Legosteinen modellieren, so dass das eigene Wissen quasi eine greifbare Form erhält. Im Anschluss tauscht man sich darüber aus und spielt, verändert die Modelle und kommt so vielleicht auf ganz neue Ideen (erinnert mich an Synektik). Überraschend fand ich, dass die Methode in der (knallharten?) Geschäftswelt entwickelt wurde und dort beispielsweise im Bereich der strategischen Planung oder der Organisationsentwicklung genutzt wird.

Lego Figur: Piratenkapitän

Give your brain a hook! Arrrrr!

Was steckt dahinter? Lego Serious Play ist aus lernpsychologischer Perspektive im Konstruktivismus verortet: Es wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch sein Wissen auf Grundlage seiner individuellen und subjektiven Erfahrungen selbst konstruiert. Das „Vermitteln“ von Wissen, gewissermaßen das Übertragen von einem Kopf in den anderen, ist also gar nicht ohne Weiteres möglich. Lego Serious Play bedient sich einer Weiterentwicklung dieses Gedankens, die Konstruktionismus genannt wird und auf Seymour Papert zurückgeht. Die Theorie besagt, dass die besagte Konstruktion von Wissen nicht nur eine kognitive Komponente besitzt, sondern auch eine sensorisch-motorische und eine emotionale: Denkprozesse laufen in Verbindung mit körperlicher Bewegung und Gefühlen anders ab und können so zu einem tieferen Verständnis führen. Man kennt das bereits von Johann Heinrich Pestalozzis Forderung nach ganzheitlichem Lernen mit „Herz, Hand und Verstand“. Bei Lego Serious Play soll sich daher die Konstruktion von Wissen in der Konstruktion von Legomodellen widerspiegeln. Man kann die eigenen Gedanken anfassen. Man gibt dem Gehirn quasi eine Hand. Die Gefühlsseite kommt durch das Spielen hinzu, und mir macht das Bauen mit Legosteinen auf jeden Fall viel Spaß.

Kurzum: Ich arbeite an einem BWL-Institut und bin dort in die Lehre eingespannt. Lego Serious Play kommt aus der Unternehmenswelt und wird dort eingesetzt. Ich mag Lego sehr und die Methode kommt meinem Lehr-Lern-Verständnis entgegen. Was liegt also näher, als die Methode auch einmal bei uns einzusetzen, zu erproben und darüber zu berichten? Die offiziellen Einstiegsunterlagen sind unter Creative-Commons-Lizenz verfügbar (noch ein Sympathiepunkt mehr), aber zusätzlich würde ich mich gerne mit jemandem austauschen, der bereits Erfahrung dazu gesammelt hat oder sich nun auch dazu angespornt fühlt. Wer mag?