Die Wahl in Nordrhein-Westfalen ist gelaufen, die Stimmen eigentlich ausgezählt, nun geht das große Analysieren los: Richtig zugelegt haben nur Die Linke und die Grünen, alle übrigen Parteien dümpeln vor sich hin oder mussten Verluste hinnehmen und können sich eigentlich nicht als Sieger fühlen. Auch die Piraten nicht.

Brachte die Partei es im letzten Herbst bei der Bundestagswahl in NRW noch auf 158.585 Stimmen, haben nach dem vorläufigen Endergebnis rund 40.000 Wähler weniger ihren “Änderhaken” gesetzt. Trotz geringer Wahlbeteiligung, der man eigentlich eine Stärkung der kleinen Parteien nachsagt, sank auch prozentual der Stimmenanteil auf 1,54%. Damit ist man zwar die sechstgrößte Partei nach den Linken, vom erträumten Einzug ins Landesparlament aber noch weit, weit entfernt.

Sollten am Ende all die Kritiker Recht behalten, die im Achtungserfolg bei der Bundestagswahl nicht mehr als ein rebellisches Aufbäumen der jungen “Nerds” und “Geeks” sahen? Ist die Piratenpartei schon gescheitert?

Ich denke nein! Aber vielleicht war man deutlich zu optimistisch. Man hat zwar angefangen, seine Hausaufgaben zu machen und sich ausgehend von eng begrenzten Kernthemen breiter aufzustellen – fertig ist man aber noch lange nicht und es müssen noch zahlreiche Felder beackert werden! Und aus der Betriebswirtschaftslehre lernt man: Es kommt auch bei Kernkompetenzen nicht darauf an, dass man meint, solche zu haben. Vielmehr kommt es zum einen auf den wahrgenommenen “Kundennutzen” an: Wenn den Bürgern nicht klar wird, dass sich das Einstehen für Freiheit und Bildung (momentan aus meiner Sicht die beiden Eckpfeiler der Piraten) für sie lohnt, bringt die schönste Expertise nichts. Zum anderen müssen sich Kernkompetenzen daran messen, ob sie von den Mitbewerbern nur schwer nachzuahmen sind. Die Piraten haben andere Parteien zumindest aufgeschreckt und ihnen deutlich gemacht, dass es mit dem Internet ein bisschen mehr auf sich hat als bloß bei Youtube Filme angucken und bei Amazon Bücher kaufen – nun werden auch dort die Hausaufgaben gemacht; gerade die Grünen sind nicht untätig.

Ist also die Piratenpartei vielleicht irgendwann überflüssig? Vielleicht. Aber wenn ich mir momentan nur die Absurditäten des Urheberrechts ansehe, die zunehmende Bevormundung und Überwachung der Bürger oder die Bildungsmisere, dann ist es jedenfalls momentan noch nicht so weit. Auf dem Weg liegen auch Steine. Weiter geht’s. Aber zügig!