Meine ersten Gehversuche mit Lernen durch Lehren – Teil 3

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Dies ist der dritte und letzte Teil meiner Mini-Reihe “Meine ersten Gehversuche mit Lernen durch Lehren” (Teil 1, Teil2): Am vergangenen Freitag war es soweit, LdL in meiner Vorlesung “Online-Marketing”.

Um den Studierenden (und mir selbst auch) ein wenig Druck zu nehmen, hatte ich im Vorfeld angekündigt, dass die Inhalte der LdL-Sitzungen nicht klausurrelevant sein würden. Das führte übrigens nicht zu Teilnehmerschwund, wie manch einer vielleicht mutmaßen könnte; die Vorlesung war gut besucht.

Es lief ziemlich gut. Wie bei meinen kurzen Testläufen zuvor war auch hier bedeutend mehr studentische Aktivität zu beobachten als in einer normalen Vorlesung. Bei der ersten Sitzung entwickelten sich Diskussionen untereinander und Fragen wurden gegenseitig beantwortet, ohne dass ich groß steuern musste. Bei der nächsten hatte ich deutlich mehr Mühe: Die Studierenden, allesamt Wirtschaftsjuristen, kamen alsbald zu rechtlichen Fragestellungen, die mein Wissen überforderten. Es war daher überaus schwierig, hier bei offenen Fragen den passenden Input zu geben. Überhaupt ist es gar nicht einfach, den richtigen Zeitpunkt für das Eingreifen abzupassen – zu früh, und man verhindert Emergenz; zu spät, und es geht zu langsam voran: “Regie führen” ist schwieriger als selbst “auf der Bühne zu stehen”. In jedem Fall muss man hinterher die Sitzung noch einmal zusammenfassen und den roten Faden nachträglich spinnen, da der explorative Charakter zunächst eher Unklarheit erzeugt.

Die Studierenden fanden die ganze Situation lockerer, und man traue sich eher, etwas zu sagen – es ist einfach etwas anderes, wenn nicht der Dozent vorne steht, egal wie offen er ist. Besonders schön fand ich, dass sie von sich aus sagten, LdL und aktives Plenum gefielen ihnen besser als normale Vorlesungen. Berechtigte Kritik an mir: Ich hätte früher damit anfangen sollen und nicht mitten im Semester; das hätte für Irritationen gesorgt.

Meine ersten Schritte in LdL habe ich hinter mir, die nächsten folgen mit Gewissheit!

Brauchen wir eine “Manuel-Andrack-Didaktik”?

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Am vergangenen Montag habe ich eine These getwittert: ”Die Welt braucht mehr Manuel Andracks in der Vorlesung…” Wie kam es dazu und was meine ich damit?

Ausgangspunkt war meine Skype-Session mit Jean-Pol Martin, bei der wir die Idee hatten, diese auch gleich ins Netz zu streamen und mittels Twitterwall auch Fragen aus dem Plenum und dem Web hereinzuholen. Die hätte man berücksichtigen müssen, idealerweise hätte man auch  selbst noch nach außen gezwitschert, vielleicht noch das Mikro zu einem Studenten gebracht, damit man ihn besser verstehen kann, usw. Irgendwann gelangt man einen Punkt, an dem man das als Dozent nicht mehr allein bewältigen kann, so meine These. Man bräuchte so etwas wie einen Unterstützer, der die Tweets beobachtet, bei Bedarf das passende Stichwort gibt, Dinge nebenbei organisiert oder für kurze thematische Zwischendiskussionen einen Gesprächspartner abgibt – eben einen Manuel Andrack wie einst in der Harald Schmidt Show.

Diese These wurde heute bestätigt. Susanne Robra-Bissantz hatte sich nach einem Vortrag in der vergangenen Woche spontan dazu entschlossen, heute in einer ihrer Vorlesungen an der TU Braunschweig eine Twitterwall auszuprobieren. Wozu soll man das brauchen können? Zum Beispiel, um…

  • …einen zusätzlichen Rückkanal zur Verfügung zu stellen: nicht alle wollen sich mündlich beteiligen, einige Beiträge müsste man sonst vielleicht aus Zeitgründen zurückstellen, …
  • …Dinge zu erfahren, die man sonst nicht erfährt: jemand kennt einen passenden Link zu einem Thema und verteilt den an alle; man bekommt als Dozent vielleicht eher mit, wenn eine Störung den Informationsaustausch hemmt und Vorrang hat (themenzentrierte Interaktion), …
  • …schlicht die Veranstaltung zu dokumentieren.
  • …Außenstehende in die Lehre einzubinden – in der großen weiten Welt gibt es möglicherweise interessierte “Zuhörer” oder jemanden, der die Lösung für ein Problem in der Veranstaltung kennt.

Ich sammle mal stichpunktartig, was ich beobachtet habe – sonst wird der Artikel hier noch länger, als er ohnehin schon ist…

  • Die  Beteiligung per Tweets überstieg die normale mündliche Beteiligung.
  • Die Twitterwall zieht Aufmerksamkeit ab – auf Studenten- und Dozentenseite. Am besten sollte man die nicht direkt neben die Vorlesungspräsentation an die Wand werfen, sondern ein wenig abseits. Wer nicht draufschauen will, wird so nicht abgelenkt.
  • Es gibt mehr Informationen zum Verarbeiten, es kam aber die Frage nach dem “Information Overflow”. Antwort kam per Twitter, finde ich gerade nicht mehr: Es gibt nicht zu viel Information, aber vielleicht zu schlechte Filter.
  • Die Linearität der klassischen Frontalvorlesung wird durch Perturbationen durch Twitter unterbrochen. Es emergieren neue Dinge, auf die man eingehen kann/muss. Am Ende sollte aber sichergestellt sein, dass Linearität a posteriori hergestellt wird (vgl. Linearität in der Wissensvermittlung).
  • Es wurde viel Unsinn geposted, der zwischenzeitlich für das Abschalten der Twitterwall sorgte. Wie geht man mit solchen Störtwitterern um?
    Die Twitterwall zensieren/moderieren? Widerspräche dem “Web 2.0″-Gedanken der Offenheit und Transparenz. Auch Offtopic-Posts sollten nicht generell verboten werden, sie können auch wertvolle Hinweise oder Impulse liefern.
    Alles kommentieren? Schenkte den Störern nur noch mehr Aufmerksamkeit.
    Ignorieren? Vielleicht nicht komplett, aber tendenziell schon eher, solange es nicht überhand nimmt und es niemanden stört.
    Möglicherweise genügt aber auch bereits das gemeinsame Aufstellen von Spielregeln für eine Twitterwall im Vorfeld, quasi eine Twittiquette?
  • Es schien den Eindruck zu geben, Twitter solle ein Ersatzkanal für mündliche Beteiligung sein – er war aber als Zusatz gedacht.
  • Es wurden tatsächlich unterstützende Links zu Vorlesungsthemen gepostet, zum Beispiel zu Neuronalen Netzen oder zu CSCW.
  • Es gab tatsächlich schon Reaktionen von außen, zum Beispiel von @mons7.
  • Der Hashtag #ewi war um 11:00 auf Platz 1 bei Twicker.net.
  • Sogar Störer melden nachträglich über Twitter, sie fänden das Konzept gar nicht schlecht.
  • Einige Leute haben sich erst aufgrund der Veranstaltungen ein Twitter-Konto zugelegt. Willkommen!
  • Auch nach der Vorlesung wurde noch weiter diskutiert – über die Twitterwall in der Vorlesung, aber vielleicht geht es auch mal fachlich weiter?

Das nicht alles rund läuft, war zu erwarten – natürlich zog die Twitterwall viel Aufmerksamkeit auf sich, war ja etwas ganz Neues! Es bleibt zu beobachten, ob sie sich über einen längeren Zeitraum bewährt und die Probleme sich möglicherweise von allein lösen. Das Konzept muss man auf jeden Fall noch viel weiter ausbauen, vor allem stärker didaktisieren und endlich mal wegkommen vom reinen Frontalunterricht. Den Potenzialtest würde ich auf jeden Fall für bestanden erklären. Danke, Susanne, für den Mut!

Ein “Manuel Andrack” könnte möglicherweise helfen, um die sinnvolle Nutzung einer Twitterwall (und weitere zu erwartende Neuerungen!) zu gewährleisten.  Er wäre verantwortlich für das “Drumherum” und steuert, der Dozent wäre verantwortlich für das Inhaltliche und betreut – Abwechseln wäre natürlich auch erlaubt. Das Zusammenspiel müsste man natürlich erproben, das ginge auch nicht von Jetzt auf Gleich. Aber warum keine Lehrteams, die sich später gegenseitig auch noch Feedback und Verbesserungsvorschläge geben könnten? Viel Forschungsarbeit wartet also für die “Manuel Andrack-Didaktik” :-) Vor allem muss auch noch folgende Frage geklärt werden: Brauchen wir auch eine Natalie und eine Band?

Besser spät als nie: Skype und die Folgen

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Besser spät als nie: Es folgt ein kurzer Bericht zu meiner Skype-Session mit Jean-Pol Martin, die ich neulich in meine Vorlesung eingebaut habe.

Meine Studierenden werden in knapp einer Woche zum ersten mal die Methode “Lernen durch Lehren” (LdL) ausprobieren (müssen) und hatten sich dazu einiges durchgelesen. Jean-Pol, der Entwickler von LdL erklärte sich dazu bereit, sich live in einer Vorlesung per Skype zuschalten zu lassen und Fragen zu beantworten. Das ganze dauerte rund 15 Minuten, hat gut geklappt und führte zu folgenden Erkenntnissen und Folgeüberlegungen:

  • Die Verbindung: Fällt die verfügbare Bandbreite zu knapp aus, empfängt man mit Skype das Gegenüber nur auf der Tonspur, nicht aber mit Bild. Wird beispielsweise eine WLAN-Verbindung gleichzeitig von mehreren Personen genutzt, kann es eng werden wie bei uns. Man sollte daher auf jeden Fall sicherstellen, dass die Daten flüssig übertragen werden können. Es kann also nicht schaden, eine gute LAN-Verbindung zumindest in der Hinterhand zu haben.
  • Das Bild: Benutzt haben wir im Hörsaal die eingebaute Kamera eines EeePC. Das Bild war OK, aber nicht berauschend [Update zur Klarstellung: Beim Testlauf vor der Session hatten wir das Bild. Während der Session haben vermutlich zu viele Leute das WLAN mitbenutzt, und wir hatten nur Ton, siehe oben]. Im Nachgang habe ich eine externe Webcam besorgt, die Logitech QuickCam Pro Webcam für Notebooks. Sie schlägt zwar mit rund 60 Euro zu Buche, dafür erlebt man dann einen Unterschied wie Tag und Nacht: Gestochen scharfes Bild, kein Krisseln, Zusatzfunktionen wie das automatische Fokussieren und Zoomen des Bildes auf den Gesprächspartner – gut investiertes Geld.
  • Der Ton: Damit der Gesprächspartner möglichst viel von dem mitbekommt, was im Raum  vorgeht, kommt man nicht um ein externes Mikrofon herum. Man sollte es möglichst günstig positionieren. Gleichsam soll man auch überall im Raum verstehen können, was vom Gesprächspartner erzählt wird. Gute Lautsprecher sind daher Pflicht – das müssen sicher keine Luxusgeräte sein, aber mit den von mir mitgebrachten “10-Euro-Boxen” war das Tonerlebnis bei der erforderlichen Lautstärke stellenweise ziemlich blechern.

Wie bereits gesagt, klappte das noch nicht alles reibunglos, aber dennoch gut. Skype scheint ein gutes Mittel zu sein, um ohne größeren technischen Schnickschnack Leute von außen zuzuschalten. Zwar fehlt deren physische Präsenz, dafür sehe ich mindestens zwei Vorteile.

Leute von außen, zum Beispiel aus der Praxis, müssten im Normalfall erst anreisen – gegebenenfalls eine weite Strecke. Das ist anstrengend und kostet viel Zeit, die gerade Praktiker aus Unternehmen nur selten aufbringen können. So können sie sich darauf einstellen, dass sie lediglich für Zeitpunkt x etwa y Minuten einplanen müssen. Ergo dürften die Chancen steigen, dass man externe Beiträge erhalten kann. Der zweite Vorteil liegt schlicht darin, dass durch das Wegfallen der Reise die Umwelt weniger belastet wird – zumindest wenn der Energiebedarf der IT geringer ausfällt.

Und was kann man machen? Da gibt es sicher viele Möglichkeiten. Drei Ideen kamen uns spontan:

  1. Der kurze Vortrag: Der Spezialist erzählt einige Minuten zu einem eng umrissenen Thema.
  2. Die Fragerunde: Der Spezialist beantwortet Fragen aus dem Plenum. Die können zuvor vorbereitet und kundgetan werden, sich aber auch spontan in der Veranstaltung entwickeln.
  3. Die Extremvariante: Der Spezialist leitet die Veranstaltung aus der Ferne – das dürfte aber bei weitem die schwierigste Form sein, die man zuvor ausgiebig erproben sollte.

Ursprünglich hatten wir geplant, die Skype Session gleich per Streaming ins Netz und per Twitter zu begleiten, aber das mussten wir leider aus organisatorischen Gründen ausklammern. Dazu später mehr, denn interessanterweise kann ich in wenigen Minuten eine Vorlesung besuchen, in der eine Twitterwall zum Einsatz kommt.

Vorlesungen – überholt?

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“Classes will dull your mind, destroy the potential for authentic creativity.”
John F. Nash/A Beautiful mind

Das Zitat entstammt zwar einem Film, aber der gleichnamigen Biographie über den Mathematiker ist zu entnehmen, dass er tatsächlich dem Unterricht fernzubleiben pflegte. Sind Vorlesungen vielleicht gar nicht sinnvoll? Diese Frage stelle ich mir selbst schon seit dem Studium – da ist man ja hautnah dran und erfährt, wie man sich selbst dabei fühlt. Man macht dort recht unterschiedliche Erfahrungen. Wichtigste Meinung vorweg: 90 Minuten lange Monologe, womöglich noch schlecht abgelesen, kann man sich sparen. Das hat verschiedene Gründe. Man könnte das Vorgelesene schlicht selbst nachlesen – das spart die Anreise, man kann in seinem eigenen Tempo vorgehen, nachschlagen und selbst entscheiden, wann man sich wie lange mit dem Thema beschäftigt. Vorträge können zwar auch dabei helfen, indem sie Ton statt Text als Aufnahmemöglichkeit bieten, dafür müssen sie aber gut sein: Nicht das Ego des Vortragenden muss im Mittelpunkt stehen, sondern der Nutzen für die Empfänger. Die Struktur des Vortrags muss für sie sinnvoll sein, und sie müssen sich angesprochen fühlen. Des Weiteren sollte man sich darüber im Klaren sein, dass es für die meisten Menschen unmöglich sein dürfte, 90 Minuten lang aufmerksam einem Vortrag zuzuhören. Nach Thilo Baum nervt ein Vortrag nach spätestens 45 Minuten, und man sollte dann eine zehn minütige Pause einlegen, bevor man fortfährt. Noch besser dürfe es allerdings sein, sich gar nicht erst auf Einwegkommunikation einzulassen, und eine Vorlesung auf Dialog auszulegen. Zum einen lockert das die Atmosphäre, denn die “Zuhörer” werden aus ihrer passiven Rolle entlassen, aktiviert und einbezogen. Sie dürfen (und sollen) denken, eigene Idee entwickeln, fragen und diskutieren, statt lediglich vorgefertigtes Wissen auswendig zu lernen (Albert Einstein: “Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt”).

Einerseits setzt dies natürlich methodische Kenntnisse und Fähigkeiten des Dozenten voraus. Er muss das genannte Ziel durch geeignete Maßnahmen und ein lernwirksames Umfeld vorantreiben. Andererseits muss er auch eine entsprechende Einstellung mitbringen. Das Thema sollte mit Überzeugung vertreten werden, aber wer seine eigene Meinung für der Weisheit letzter Schluss hält und lediglich versucht, diese mit einem Feuerwerk an rhetorischen und didaktischen Kniffen an die Studenten zu bringen, wirkt nicht authentisch oder glaubwürdig. Er wird weniger Erfolg haben als jemand, der sich nicht als jemand “Besseres” sieht und seinen “Zuhörern” ehrliche Wertschätzung entgegenbringt, ihnen auf Augenhöhe begegnet.

Zurück zur Ausgangsfrage: Sind Vorlesungen sinnvoll? Versteht man darunter einen fachlich fundierten, offenen Vortrag, der durch vielfältige Methoden aktivierend wirkt und zum selbständigen Denken anregt, der auf die Situation und Belange der Studenten eingeht, dann ja – aber dann ist der Begriff der “Vorlesung” irreführend.

Erstaunlich ist nun, dass diese These keineswegs neu ist. Schon vor rund 200 Jahren forderten Johann Gottlieb Fichte, Daniel Schleiermacher und Wilhelm von Humboldt eine Abkehr von der Vorlesung im ursprünglichen Sinn: Sie rege Studenten nicht zu selbständigem Studieren an, sondern zwinge sie in eine passive Haltung. Professoren kümmerten sich nicht darum, ob die Hörer ihnen überhaupt folgen können und verkannten die Chance, selbst etwas im Diskurs zu lernen. Und schließlich müsse es das Ziel des Vortrags sein, nicht Wissen zu vermitteln, sondern wissenschaftliches Denken zu lehren.

Meiner Ansicht nach machen sich viele Professoren darüber zu wenig Gedanken – schlimmer noch, interessieren sich nicht einmal dafür. Das reine Ablesen eines Skripts dürfte inzwischen die Ausnahme sein, wenngleich es dies immer noch gibt. Die meisten Dozenten dürften inzwischen frei vortragen, an Beispielen verdeutlichen und sicher auch den Witz nicht zu kurz kommen lassen. Ich bezweifle aber, dass sie sich wirklich dafür interessieren, ob ihre Maßnamen die Studenten voranbringen. Oft meine ich, eher eine hochmütige Haltung zu erkennen, frei nach dem Motto: “Ich habe die fachliche Kompetenz, mein Gebiet in der Breite vorzustellen.” Das ist zweifelsfrei auch korrekt. “Es ist Aufgabe der Studenten, meine Ausführungen zu verstehen und im Nachgang selbst den Stoff zu vertiefen.” Wenn das mit dem Verstehen nicht klappt, sei halt der Student schuld. Dieser Punkt stört mich. Natürlich müssen Studenten selbständig und selbstverantwortlich lernen, sich mit komplexen Themen auseinandersetzen, sich den Kopf zerbrechen – aber man muss sie dazu auch anregen. Ein Vortrag, in dem lediglich das eigene Wissen nett verpackt zur Schau gestellt wird, ist dabei sicher nicht sonderlich förderlich.

Problematisch ist selbstverständlich der Fall, wenn Hunderte von Studenten in einer Vorlesung sitzen. Es ist dann im Prinzip unmöglich, individuell auf Einzelne einzugehen. Hier wäre die Politik in der Pflicht, durch mehr wissenschaftliches Personal die Teilnehmerzahlen pro Veranstaltung deutlich zu senken, um so bessere Methoden als den Frontalvortrag zu ermöglichen. Ungeachtet dessen sollte man aufgeschlossen für neue Ideen sein und diese auch ausprobieren – möglicherweise lassen sich dadurch einige Dinge doch besser vermitteln.