…so kann er was erzählen. Also mache ich das doch. Am Samstag bin ich nämlich ins Computerspielemuseum nach Berlin gefahren und habe mir die Ausstellung dort angesehen.
Auf rund 500 Quadratmetern finden sich zahlreiche Exponate der älteren und jüngeren Geschichte samt Kurzinformationen in Textform. Ganz verzückt war ich beispielweise, als ich einen G7000 Videopac von Philips entdeckte – darauf habe ich meine ersten Videospieleerfahrungen gesammelt. Das Ding hieß bei uns zu Hause damals einfach “Telespiel”. Hach, der PacMan-Klon Supermampfer war schon was. Oder Affenjagd…
Videostation im Computerspielemuseum in Berlin
Aber lassen wir die Nostalgie mal beiseite. Neben den Ausstellungsstücken gibt es zahlreiche Stationen, an denen man sich Videos rund um die Geschichte der Computerspiele anschauen kann. Und hier kommt das Thema Lernen ins Spiel: Wie startet man die Videos? Wie schaltet man vom einen zum anderen? Man blickt nämlich nur auf einen Bildschirm und auf einen Joystick (den guten alten Competition Pro), keine Textanleitung, nichts. Man muss schon ausprobieren, und genau so habe ich früher als Kind auch vor dem C64 gesessen und gelernt, wie die ganzen schönen Spiele funktionieren. Das musste einem niemand beibringen, das ging von ganz allein mit etwas “Forschergeist” (ähnlich wie beim “hole-in-the-wall“-Projekt von Sugata Mitra). Und als ob es dies zu unterstreichen gälte, ist an anderer Stelle zu lesen: “Neugierde und Lust am Spielen sind fester Bestandteil des wissenschaftlichen Arbeitens.”
Beleuchtet werden neben der reinen “Spielerei” allerdings auch noch viele weitere Aspekte: Es gibt zum Beispiel ein Video, das sich mit der heutigen Computerspielenutzung durch Jugendliche auseinandersetzt. An anderer Stelle wird der Computerspielemusik gehuldigt (unter anderem Chris Hülsbeck und Jochen Hippel für die Titelmelodie von Turrican II), wieder anderswo kann man sich über die internationale Verbreitung von Spielen informieren.
Es gibt noch viele andere schöne Dinge zu entdecken, von denen ich einige fotografiert und in einem Album freigegeben habe. Das Museum werde ich auf jeden Fall noch einmal besuchen und dann auch Begleitung mitnehmen. Ist doch viel schöner, sich mit jemandem über die gute alte Zeit auszutauschen. Oder einen Unwissenden mir Erinnerungen und Erklärungen vollzutexten. Oder einfach um die Painstation auszuprobieren.
Das rundenbasierte computer-/internetgestützte Planspiel zur Unternehmensführung, das an der TU Braunschweig angeboten wird, läuft in diesem Semester anders als bisher: ich führe diesmal ein Lernportfolio ein, Premiere für mich.
Bisher musste gruppenweise ein umfangreiches Strategiepapier angefertigt werden, in dem man vor dem Spiel strategische Vorüberlegungen anstellen sollte, angefangen bei der marktlichen Ausrichtung, über das Personalmanagement bis hin zur Organisationsstruktur. Das ist an sich keine schlechte Idee, nur werden viele der geforderten Bereiche in der Planspiel-Software überhaupt nicht abgebildet. Vorüberlegungen und tatsächliche Handlungsmöglichkeiten hatten also recht wenig miteinander zu tun. Außerdem ging es – wie so häufig – nur um die fachliche Qualifikation. Das möchte ich ändern, mal sehen, ob mir das gelingt.
Semesterbegleitend treten die Studierenden mit ihren virtuelle Unternehmen gegeneinander an und werden ein Portfolio zusammenstellen müssen, das aus drei Komponenten besteht:
eine Ausarbeitung zu einem Instrument der Unternehmensplanung als Einzelleistung
Reflexionen zu im Planspielprogramm auch wirklich umsetzbaren strategischen Aspekten zu drei Zeitpunkten als Gruppenleistung
persönliche Reflexion zu Motivation und Lernzielen am Anfang und zum Lernerfolg am Ende, wozu natürlich das Portfolio herangezogen werden kann
Gerade Letzteres dürfte für die Studierenden ziemlich ungewohnt sein, aber das eigene Können, Wollen, Sollen und Dürfen bewusst zu hinterfragen, kommt in der Betriebswirtschaftslehre ja manchmal zu kurz. Benotet wird dieser Teil (natürlich) nicht. Bin gespannt, wie das mit diesem Portfolio klappt.
Das alles wird in ein Blended-Learning-Szenario eingebettet, wo die in Eigenarbeit erstellten Inhalte für die anderen Teilnehmer aufbereitet werden müssen: die Planungsinstrumente in mehreren Sitzungen per Lernen durch Lehren, die Strategieüberlegungen als Gruppenpräsentation samt Befragung in einer Art Entlastung des AG-Vorstands am Schluss.
Wenn es gut läuft, dann müsste man “nur” noch ein besseres Planspiel programmieren. Ideen dafür hätte ich einige, aber das wäre ein anderer Blogeintrag…
Gestern habe ich endlich mal wieder meinen Das-Lese-Ich-Noch-Bücherstapel verkleinert: An der Reihe war “Maria Montessori – Leben und Werk”. Außer dass die Dame dem Bereich Reformpädagogik zuzurechnen ist, wusste ich nicht viel, und umso spannender war das Lesen.
Beeindruckend finde ich zunächst, wie kämpferisch Montessori ihre Ziele verfolgt und den Widerständen getrotzt hat, die ihr entgegengesetzt wurden. Sie studierte unter geradezu schikanösen Bedingungen Medizin – bis dahin eine reine Männerdomäne – und erhielt als erste Frau in Italien den Doktorgrad in dieser Disziplin.
Sie arbeitete anschließend in der Kinderabteilung einer Klinik und hatte in “Irrenhäusern” zu tun, wo sie nach und nach feststellte, dass die vermeintlich zurückgebliebenen Kinder keine medizinische Hilfe benötigten, sondern erzieherische. Fortan beschäftigte sie sich neben ihrem eigentlichen Job mit Pädagogik und entwickelte das nach ihr benannte Konzept.
Als dessen Kern würde ich sehen: Kinder können viel mehr, als man ihnen gemeinhin zutraut. Sie sind von Natur aus neugierig, wollen ihre Umwelt erforschen und können ihr Lernen auch selbst steuern – wenn man sie lässt und einen richtigen Rahmen schafft. Das hat mich sehr an Forschendes Lernen erinnert.
An anderer Stelle sehe ich Bezugspunkte zur Themenzentrierten Interaktion. Auch dort wird festgestellt, dass der Mensch stets in Wechselwirkung zu anderen Menschen, im weitesten Sinne sogar zur gesamten Menschheit steht und sich dessen bei seinen Handlungen bewusst sein sollte. Angestrebt wird letztlich bei beiden ein ganzheitliches, lebendiges Lernen, bei dem nicht die Lehrenden im Mittelpunkt stehen, sondern die Lernenden: “Schaut nicht auf meinen Finger, der euch die Richtung weist, sondern schaut auf das Kind.”
Nach Montessori müssten Lehrende die Kinder viel stärker beobachten um herauszufinden, wie sie jeden individuell fördern können – denn jedes Kind ist anders. Dafür biete beispielsweise die Freiarbeit die entsprechende Gelegenheit. Das wiederum hat mich an LdL erinnert. Dessen Entwickler Jean-Pol Martin betont, dass die Lehrenden die Schülerinnen und Schüler aufmerksam beobachten müssen, um gezielt auf sie eingehen zu können.
Insgesamt eine spannende Lektüre, wenngleich ich natürlich erst an der Oberfläche gekratzt habe. Aber das Buch “Kinder sind anders” von Maria Montessori wartet schon in meinem Stapel…
Gerade eben hat eine Gruppe aus unserem Seminar “Gemeinsam einsam, oder wie?” zwei Stunden lang ihr Thema vorgestellt: “Gruppen führen mit Themenzentrierter Interaktion”. Ich bin schwer beeindruckt.
1. Das Seminar
Nachdem ich vor einigen Monaten einen Vortrag von Ludwig Huber über “Forschendes Lernen” besucht hatte, versuchte ich, die dazu gehörenden Gedanken umzusetzen: Die Studierenden sind an den wesentlichen Phasen des Forschungsvorhabens (die Seminararbeit) aktiv beteiligt, das heißt sie können beispielsweise (mit)bestimmen, an welchem konkreten Fragen sie arbeiten, welche Methoden sie anwenden und wie sie ihre Ergebnisse prüfen und darstellen.
2. Die Vorgeschichte
Eine der Gruppen beschäftigt sich mit dem Thema “Themenzentrierte Interaktion” (TZI) nach Ruth Cohn und fragten ziemlich schnell, ob sie für ihre Arbeit auch Interviews mit Experten dazu führen dürften. Natürlich durften sie, und so organisierten sie ein Treffen mit einem Vertreter des Ruth-Cohn-Instituts. Das brachte sie auf die Idee, TZI auch in der Praxis zu erproben und die Ergebnisse für Ihre Arbeit zu nutzen – quasi Aktionsforschung. Da hatte ich natürlich auch keine Einwände, und trommelte an einem extra Termin die Teilnehmer des Kurses zusammen.
3. Die Umsetzung
Bei der Gestaltung des Termins überließ ich der TZI-Gruppe freie Hand, sie arbeitete die Veranstaltung komplett selbst aus und folgte dabei dem, was sie sich theoretisch schon selbst angeeignet hatte. Ich wurde einfach als ganz normaler Teilnehmer eingebunden – und wurde total verblüfft.
Die vier Faktoren der TZI
Die Gruppe hatte – ohne es explizit zu wissen – sehr viel von dem genutzt, was man sonst in Didaktikfortbildungen lernt: Didaktischer Dreischritt, Kennenlernphase, Wechsel von Frontalphasen und Gruppenarbeitsphasen, “Energizing” nach einer Pause, Feedbackrunde, Teamteaching, … Das alles kam ganz automatisch, indem sie ihre Veranstaltung an der TZI ausgerichtet haben, angefangen bei der Benennung der Veranstaltung bis hin zum” GLOBE”, dem Umfeld: Gerade findet das Fußballspiel Deutschland gegen Serbien statt, und da musste man bei der Zeitplanung natürlich Rücksicht drauf nehmen und darauf hinweisen, dass man pünktlich fertig wird, usw. Die noch im Entstehen begriffene Ausarbeitung der Gruppe kann man übrigens im Internet öffentlich einsehen.
Die ganze Veranstaltung hat mich sehr an LdL erinnert, auch wenn ich selbst gar nicht als “Regisseur” dabei war sondern als “Mitspieler”; das liegt wahrscheinlich am humanistischen Hintergrund von TZI und LdL. Die Studierenden hatten ein spannendes Thema, das sie gepackt und motiviert hat – die “Weltverbesserungsidee” bringt TZI auch gleich mit. Die Gruppe hat heute nicht nur ihre Inhalte rübergebracht, sondern sich auch überlegt, wie diese am besten transportiert werden können. Und dann haben sie einfach losgelegt, und wie!!! Ihre Kommilitionen fanden es auch super und meinten, sie hätten mehr gelernt als in anderen Veranstaltungen.
Fazit: Ich kann nicht sagen, woran es lag: War die Gruppe vorher schon so fit? Hat die Gestaltung des Seminars dies erst hervorgebracht? Lag es am Thema? Ich weiß es nicht. Aber das, was ich gerade miterleben durfte, fand ich einfach nur großartig!
Am zweiten Tag des Innovative Education Forum konnte ich zeitlich leider nur den Workshop-Teil unterbringen. Man hatte dreimal die Qual der Wahl aus fünf zeitgleich stattfindenden Sessions, wobei einige mehrfach angeboten wurden. Mein Los fiel auf “Using computer games to unlock learning”, “Teachtoday” und “Bring your class online with Live@edu”.
Vortrag Nummer Eins wurde von Ollie @ollibray Bray gehalten, einem nationalen Berater für “Lernen und Zukunftstechnik” bei Learning and Teaching Scotland, einer staatlich beauftragten Agentur. Und, wow, er konnte schneller reden als Eddie Murphy, aber zum Glück verständlicher
Viele denken zunächst, der Einsatz von Computerspielen im Unterricht sei lächerlich. Herr Bray vertritt aber die These, dass sie auch solchen Stoff interessant machen können, der wichtig ist – aber langweilig. Es komme aber immer darauf an, geeignete Software einzusetzen. Spezielle Lernsoftware sei meist ebenso langweilig und man solle lieber phantasievolle Ideen entwickeln, wie man “Commercially Available Off The Shelf Software” einsetzen könne und damit den Einstieg in eine Thematik schafft. Als Beispiel präsentierte er ein Projekt, bei dem Guitar Hero den Anstoß für verschiedene weitere Aktionen gab: die Analyse eines Spielfigurcharakters (Warum müssen Charakterisierungen sich immer nur auf Bücher beziehen?), das Entwerfen und tatsächliche Bauen von Gitarren, die Gestaltung eines Videos… Sehr wichtig sei es für Schüler ferner, Inhalte nicht nur zu konsumieren, sondern auch selbst zu erstellen. Dazu könne man beispielsweise das kostenlose Kodu einsetzen, das ähnlich wie “Little Big Planet” funktioniere, aber das komplette Gestalten einer Welt von Grund auf zulasse.
Spiele im Unterricht seien kein Allheilmittel und sollten natürlich nicht ausschließlich verwendet werden, es komme immer auf einen guten Mix an. Gut eingesetzt, können sie aber sehr motivierend sein – das folgende Video (von Consolarium) soll hier exemplarisch zeigen, wie jemand freiwillig immer und immer wieder Matheaufgaben rechnet:
Vortrag Nummer Zwei behandelte das Lehrerportal “Teachtoday“, das von Elke Lehmann and Thomas Schmidt (Helliwood media & education) vorgestellt wurde. Das Entwickeln von Medienkompetenz sei heutzutage extrem wichtig, und Lehrer sollten Schüler diese nahebringen können: Zwar würden Jüngere wie selbstverständlich ein Telefon in die Hand nehmen und sich selbst die Bedienung beibringen, das mache sie aber noch nicht zu Digital Natives.
Das Portal will Lehrer in ihrer Arbeit unterstützen, indem es zahlreiche Informationen und Arbeitsmaterial anbietet. Es spricht insbesondere die “Rückseite der Medaille” an, denn obgleich im Internet ein großes Potenzial schlummert, gibt es auch dunkle Ecken. Ein Thema, das auf Teachtoday behandelt wird, ist beispielsweise das Cybermobbing. Das ist in seiner Version im echten Leben altbekannt, findet im Internet aber 24 Stunden am Tag statt, läuft anonym ab und kennt keine räumlichen Grenzen. Weitere Themen sind Datenschutz oder auch der sichere Umgang in Chats.
Das Portal ist sicher gerade für Lehrer jüngerer Schüler den ein oder anderen Blick wert – nicht nur in Deutschland, da es in verschiedenen Sprachen angeboten wird.
Der dritte von mir besichte Vortrag war “Bring your class online with Live@edu”. Das Angebot basiert auf Window Live, einer Sammlung von verschiedenen Online-Diensten; dazu zählen derzeit unter anderem Chats (Messenger), Mail, eine virtuelle Festplatte in der “Cloud” (Sky Drive), eine Anwendung zum Austauschen von Fotos, … Live@edu ist ein Programm, in dessen Rahmen Schüler und Studenten kostenlos einige Funktionen zusätzlich erhalten, zum Beispiel die Onlinezusammenarbeit an Dokumenten durch Office Live Workspace. Alle Funktionen hier ausführlich vorzustellen, würde diesen Blog-Beitrag seeehr lang machen. Interessierte sollten einen Blick auf die zugehörige Website werfen.
Insgesamt war das Innovative Education Forum eine klasse Veranstaltung, allerdings war es für mich als Freund von BarCamps ein wenig eintönig. Zwar gab es außerhalb der Vorträge Möglichkeit zum Austausch mit anderen, aber der Rest waren halt genau das: Vorträge. Zumindest mir gefallen offenere, dialogischere Sessions wesentlich besser – aber vielleicht nimmt Microsoft ja das nächste mal einen Track mit offenen Sessions ins Programm oder feilt ein wenig an der Einbindung der Teilnehmer? Was das Thema “Marketing” angeht: Ja, es wurde häufiger mal hervorgehoben, wo Microsoft mitmischt und verständlicherweise standen auch die Produkte der Firma im Mittelpunkt (insbesondere in speziell dafür ausgelegten Sessions). Das ganze war allerdings nicht übertrieben und nach meinem Empfinden auch gerechtfertigt. Unter dem Radar sprach Ollie Bray dafür auch mal vom Nintendo DS und der Nintendo Wii – und warf zwischendurch einen verstohlenen Blick auf sein iPhone