“Was (de)motiviert dich in Lehrveranstaltungen?”

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“Wie kann ich Studierende motivieren?” Diese Frage wird immer wieder in unseren Workshops zur Hochschuldidaktik gestellt. Sie lässt sich bloß nicht pauschal beantworten, es gibt dafür nun mal keine Zaubertricks.

Die Spannbreite von Ratschlägen könnte von zahlreichen Motivationstheorien über Hüthersche Sinnsprüche der Art “Motivieren ist wie dressieren, es braucht aber Begeisterung!” bis hin zu Faustregeln wie einen PUNCH zu Beginn bringen reichen. Es könnte auch konkret bei jedem Fragenden individuell in Fallarbeit nachgehakt werden. “Was hinterlässt bei dir den Eindruck, Studierende müssten motiviert werden?”, usw. Und möglicherweise kommt dabei auch heraus, dass die Lernenden “kerngesund” sind. Dabei gibt es doch eine so schöne Methode für Lehrsituationen, um Dinge herauszufinden – miteinander reden. Oder schlicht: Fragen!

Ich versuche genau das hier stellvertretend, um die Antworten vielleicht als Denkanstoß parat zu haben.

Liebe Studierende Deutschlands, ich würde mich riesig freuen, wenn ihr unten im Kommentarbereich kurz und prägnant die folgende Frage aus eurer ganz persönlichen Sicht beantwortet (wahlweise natürlich anonym):

“Was (de)motiviert dich in Lehrveranstaltungen?”

Wenn ihr mögt, dürft ihr natürlich auch anknüpfende Gedanken loswerden :-)

Aktives Zuhören in der Schillerstraße

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Ein Problem von Workshops in der hochschuldidaktischen Weiterbildung ist es, dass Übungssituationen mitunter künstlich sind. Wenn beispielsweise das Aktive Zuhören ausprobiert wird, wissen das beide GesprächspartnerInnen, und das kann komisch wirken. Im Anschluss muss jeder für sich die Methode weiter erkunden, etwa in Beratungsgesprächen mit Studierenden. Das ist ganz normal. Oder wie es ein Workshop-Teilnehmer einmal ausdrückte: “Das Lernen geht nach dem Workshop erst los.” Er beklagte aber im selben Atemzug, dass dann niemand zugegen sei, der die Situation beobachte und Rückmeldung gebe – oder mit dem er sich zu Schwierigkeiten wenigstens hinterher austauschen könne.

Was tun? Spontan kam mir das Spiel “Party Dinner” in den Sinn. Das heißt nicht wirklich so, glaube ich, aber der richtige Name ist mir entfallen. Muss ich die Tage mal in Erfahrung bringen und mir besorgen. Es funktioniert wohl in etwa so: Vor einem Essen in geselliger Runde mit FreundInnen erhält jeder Anwesende geheime Aufträge, zum Beispiel “Klaue deinem Sitznachbarn eine Kartoffel vom Teller, ohne dass er es merkt” oder “Starte eine Diskussion zum Thema XY”. Das ist so ähnlich wie das Prinzip der Sendung Schillerstraße, bloß mit freier Zeiteinteilung. Nach dem Essen werden die Aufträge offen gelegt und es hat derjenige gewonnen, der die meisten absolviert hat.

Übertragen auf Workshops könnte das heißen, dass jeder Teilnehmende am Morgen einige Aufgaben erhält – vielleicht tatsächlich “Spiegele die Aussagen von drei Personen nach dem Prinzip des Aktiven Zuhörens” oder “Bringe in eine Plenumsdiskussion Thema XY ein” oder, oder, oder. Inhalt und Formulierung sollten natürlich auf die Lernziele abgestimmt sein. In der Abschlussphase am Ende des Tages werden die Aufträge preisgegeben und besprochen.

Auf diese Weise gibt es zum Üben realistische(re) Situationen und zumindest unmittelbare AnsprechpartnerInnen vor Ort, um sich hinterher zu Schwierigkeiten auszutauschen. Vielleicht wäre tatsächlich auch ein Aufbau denkbar, in dem es zusätzlich Beobachter gibt?! Auch als Variante zur Wiederholung von Themen aus früheren Workshops wäre die Methode einsetzbar. Angepasst an Uni-Seminare funktioniert die Sache möglicherweise auch dort. Und Spaß macht sie vielleicht obendrein :-)

So weit die erste Idee, die es noch zu durchdenken, auszubauen, zu erproben und vielleicht auch zu verwerfen gilt. Was denkt ihr darüber? Was findet ihr schon gut? Was müsste gegeben sein, damit sie gelingt? Was müsste vielleicht noch geklärt werden?

LEGO ist zeitlos

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Vor einer Weile bin ich über das Thema LEGO Serious Play gestolpert, und vergangene Woche haben ein Kollege und ich die bunten Klötzchen in einem Workshop für ProfessorInnen benutzt. Das hat allen Freude bereitet und gut funktioniert.

Am ersten Tag bestand eine Einstiegsaufgabe darin, sich in vier Kleingruppen zu überlegen, was zum Misslingen einer Vorlesung beitragen kann. Was macht eine Veranstaltung wirklich kaputt? Getrennt betrachtet wurden Lehrende, Studierende, der Inhalt und die Rahmenbedingungen – und visualisiert wurden die Probleme mit LEGO-Steinen. Die Ergebnisse waren ganz unterschiedlich. Einige Bauwerke zeigten ganz konkret eine schwierige Situation, andere stellten den Sachverhalt abstrakt dar. Ein Beispiel ist auf dem Foto zu sehen: Ein Lehrender als kluge Leuchte, der sein gesammeltes Wissen aber einfach unstrukturiert vor sich ausbreitet. In jedem Fall boten sie einen guten Ausgangspunkt für den weiteren Verlauf des Workshops.

LEGO

Eine “Lehrenden-Leuchte” kippt ihr Wissen aus

Als kurze Rückmeldung zum ersten Tag haben wir eine abgewandelte Form des Fünf-Finger-Feedbacks benutzt. Die TeilnehmerInnen sollten sich überlegen, womit sie zufrieden waren, was ihnen nicht so gut gefallen hat, was sie mitgenommen haben und was ihnen zu kurz gekommen ist. Den davon für sie wichtigsten Punkt haben sie auf einer Moderationskarte festgehalten. LEGO wurde gar zweimal “mitgenommen”.

LEGO-Feedback

Feedbackmöglichkeit mit LEGO visualisiert

Am zweiten Tag haben wir auf die Ergebnisse des ersten Tages zurückgegriffen. Die Lego-Modelle sollten nun so modifiziert werden, dass eine gelungene Veranstaltung entsteht. Es wäre schließlich einerseits nicht so schön, wenn ein negatives Bild zurückbliebe. Andererseits sollte auch über Handlungsbedarf und -möglichkeiten nachgedacht werden.

Wahrscheinlich gibt es noch zig andere Möglichkeiten, wie man LEGO in Workshops einsetzen kann. Wir werden das sicher noch in der einen oder anderen Form ausprobieren. “LEGO ist zeitlos.”

LEGO ist zeitlos

LEGO ist zeitlos

Zu irgendwas muss BWL doch gut sein

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Heute muss ich einfach mal einen Gedankengang ausbreiten, der mir durch den Kopf ging. In der Hochschulwelt ist ja einiges in Bewegung. In den Medien hören wir mal etwas von den Problemen, die durch die Umstellung von Diplomstudiengängen auf das Bachelor/Master-System entstanden sind, von Studienanfängern mit massiven Rechtschreibschwächen, von Plagiaten in Hausarbeiten, von… Manche Dinge passieren aus heiterem Himmel, manche könnte man schon gedanklich vorwegnehmen und sich darauf einstellen. Bei den besonders wichtigen Sachen, bei strategischen Fragen, sollte man das sogar. Dafür kann es notwendig sein, dass man seine eigene Situation analysiert und nach Maßnahmen sucht, um sich den äußeren Gegebenheiten anzupassen. Was könnte eine Hochschule da tun?

Zeichnung einer traditionellen Hochschule

eine Hochschule

Ein Standardmodell, das in der BWL zur Analyse der näheren Umwelt von Unternehmen verwendet wird, stammt von Michael Porter [1]. Er definiert darin fünf Kräfte, die unterschiedlich stark sein können und die Geschicke in einer Branche beeinflussen – davon leitet sich der Begriff Branchenstrukturanalyse ab.

  1. Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern: Wie viele Konkurrenten gibt es? Haben die etwas im Angebot, was das eigene Unternehmen nicht hat? Gibt es besondere strategische Risiken in der Branche? …
  2. Bedrohung durch neue Anbieter: Ist es für andere einfach, in den Markt einzusteigen? Oder wäre das mit hohen Kosten und Risiken verbunden? Wäre es für Kunden einfach, den Anbieter zu wechseln?  …
  3. Verhandlungsstärke der Lieferanten: Wie abhängig ist ein Unternehmen von einem oder wenigen Lieferanten? Kann es diese leicht wechseln? Haben die Zulieferer noch andere Abnehmer? …
  4. Verhandlungsstärke der Kunden: Sind die Kunden auf die Produkte angewiesen? Können sich Kunden zusammentun und so ihre Interessen besser durchsetzen? Wie viele Informationen haben die Kunden über das Unternehmen und seine Situation? …
  5. Bedrohung durch Ersatzprodukte: Gibt es Produkte, mit denen die des eigenen Unternehmens direkt ersetzt werden können (etwa eine andere Automarke)? Gibt es Produkte in anderen Branchen, mit denen die eigenen mittelbar ersetzt werden könnten (etwa die Bahn statt Autos benutzen – oder gar alternativ Videokonferenzen verwenden)? Laufen Schutzrechte aus, die Ersatzprodukte möglich machen? …

Durch regelmäßiges Untersuchen dieser Fragen sollen Unternehmen eine Übersicht über ihre Branche erhalten und wichtige Größen identifizieren, um entsprechende Maßnahmen einleiten zu können. Das Modell bietet allerdings nur einen Rahmen, den jedes Unternehmen selbst ausfüllen und gegebenenfalls auch anpassen muss.

Wenn wir nun Unternehmen durch Hochschulen ersetzen und Studierende als Ware interpretieren, die angeliefert und bearbeitet wird… Ach, ich höre schon die Schreie: “Studenten sind doch keine Ware! Das sind Menschen!” Völlig richtig, bloß spielt das für unsere Überlegung keine Rolle. Wir brauchen nicht annehmen, dass Studierende wie Stückgut behandelt werden – auch wenn sich manch einer sicher mal wie ein Karton vorkommt, der achtlos irgendwo stehen gelassen wurde. Was in den Hochschulen passiert, soll uns an dieser Stelle nicht interessieren. Wie sähen die fünf Kräfte für eine Hochschule wohl aus? Für eine Hochschule deshalb, weil das direkte Umfeld für jede mindestens ein bisschen anders ist. Das wird gleich deutlicher.

Wer die Konkurrenz ist, ist klar: andere Hochschulen. Alle haben Schulen als Lieferanten, und alle machen im Prinzip dasselbe: Schüler rein, irgendein Bearbeitungsprozess, Akademiker raus. Die sollten möglichst hochwertig sein, denn je besser die Ware, desto eher findet sich ein Abnehmer dafür. Die Kunden können Arbeitgeber wie Unternehmen sein, aber weiter gefasst auch die ganze Gesellschaft. Die braucht auch schlaue Köpfe. Potentielle Konkurrenz könnten neu entstehende Hochschulen sein, aber ebenfalls Unternehmen, die ihre Mitarbeiter in Akademien gleich komplett selbst ausbilden. Denkbar wären zudem Stellen, welche irgendwo erworbene Bildung bloß zertifizieren und Hochschulen in der bestehenden Form überflüssig werden lassen. Bleiben Substitute. Nicht ganz so einfach, werden Akademiker denn nicht immer gebraucht? Zumindest bei einigen Fachrichtungen gibt es auf jeden Fall Absatzschwierigkeiten. Aber da mehr und mehr Aufgaben von Computern und dem Internet übernommen werden können, wird die Luft für die Ware der Hochschulen dünner. Das geht nicht überall, aber die Anforderungen verändern sich. Lernvideos könnten die Aufgaben von Professoren (mit Unis als Arbeitgeber) ja auch durcheinanderwirbeln und zumindest solche ersetzen, die wirklich nur Monologe halten können – mehr dazu bei Gunter Dueck. [2]

Mikroumwelt einer Hochschule

Mikroumwelt einer Hochschule (zum Vergrößern anklicken)

Es scheint also zumindest auf den ersten Blick zu klappen, das Modell von Porter auf einen anderen Kontext zu übertragen. Wir könnten uns nun überlegen, welche der fünf Kräfte besonders wichtig sind für die Hochschule in der Mitte.

Was passiert zum Beispiel in den Schulen, worauf wir unbedingt vorbereitet sein müssen? Wenn etwa in Niedersachsen die Schulzeit von Abiturienten wieder um ein Jahr verlängert werden sollte, dann müssten wir uns an der TU Braunschweig vermutlich auf ein Jahr mit weniger Studienanfängern einstellen. Da die sich aber mehrheitlich immer noch einen Studienplatz in der Nähe suchen, bräuchten sich Unis in Bayern nicht ganz so sehr den Kopf darüber zerbrechen. Vielleicht wird auch der Unterricht in einem Schulfach deutlich gekürzt, so dass die Vorkenntnisse bei Studienbeginn spürbar geringer ausfallen als zuvor. Es wäre sicher nicht die schlechteste Idee, die eigenen Professoren frühzeitig darauf vorzubereiten, damit sie sich und ihre Lehre darauf einstellen können. Auf ähnliche Weise könnte man sich überlegen, welche relevanten Aspekte die anderen Kräfte liefern.

Eine Nummer größer

Was wir uns gerade angesehen haben, wird in der BWL Mikro-Umwelt genannt, weil sie nur das unmittelbare Umfeld der Unternehmen umfasst. Es geht aber auch noch eine Nummer größer, dann sind wir bei der Makro-Umwelt. Darunter werden Faktoren verstanden, die nicht zwingend direkt wirksam werden, aber dennoch einen Einfluss ausüben können. Eine bekannte Einteilung findet sich bei Liam Fahey und Vadake Narayanan, die vier Bereiche der weiteren Unternehmensumwelt unterscheiden [3]:

  1. ökonomisch: Hierzu gehören (durchschnittliche) Größen, welche die Wirtschaftstätigkeit beschreiben, etwa das Brutto-Inlands-Produkt, Wechselkurse, Inflationsraten, Gewerbesteuersätze, usw. Die können durchaus auch regional unterschiedlich sein.
  2. politisch-rechtlich: In diesen Bereich fallen etwa die politische Stabilität eines Landes oder rechtliche Vorgaben für den Handlungsspielraum von Unternehmen, zum Beispiel das gerade aktuell diskutierte Leistungsschutzrecht.
  3. sozio-kulturell: Hier werden einerseits die Zusammensetzung der Bevölkerung oder der Bildungsgrad der Bürger betrachtet, aber auch Dinge wie Einstellungen und Werte.
  4. technisch: Technische Entwicklungen können Unternehmen neue Wege eröffnen oder alte verbauen. Das können Erkenntnisse der Physik sein, die vielleicht neue Materialien ermöglichen, Fortschritte in der Informationstechnik, Entdeckungen in der Biotechnik, usw.

Auch hier können wir versuchen, das auf die Makro-Umwelt von Hochschulen abzubilden. Ökonomische Aspekte wären etwa die Bildungsetats von Ländern, aber auch die oben genannten Größen können interessant sein. Wenn die finanzielle Situation der Bürger gut aussieht, wäre es wohl wahrscheinlicher, dass die privaten Ausgaben für Bildung höher ausfallen können. Politisch-rechtliche Vorgaben sind ebenfalls bedeutsam. Dazu würde ich einerseits nahe liegende Regeln wir das Hochschulrahmengesetz zählen, andererseits beispielsweise das Urheberrecht mit §52a. Mit dem Bildungsgrad der Bürger ist das sozio-kulturelle Feld bereits abgedeckt, aber auch Werte und Normen wirken sich letztlich auf die Gestaltung von Hochschulen aus. Dass technische Entwicklungen wie das Internet nicht spurlos an Universitäten und Fachhochschulen vorbeigehen, dürfte ebenfalls auf der Hand liegen.

Makroumwelt einer Hochschule

Makroumwelt einer Hochschule (zum Vergrößern anklicken)

Das Modell der Makro-Umwelt scheint ebenfalls übertragbar zu sein, um die Situation von Hochschulen zu analysieren. Wichtig wäre jedoch auch hier, dies regelmäßig zu tun und vor allem nicht bloß den Status Quo zu erfassen, sondern zukünftige Auswirkungen abzuschätzen.

Kritische Schlussbemerkung

Im Text habe ich gesagt, dass die beiden Modelle auf den ersten Blick übertragbar zu sein scheinen. Bei einem solchen Transfer von einem Kontext auf den anderen muss man allerdings immer vorsichtig sein. Wir könnten etwa hinterfragen, ob Hochschulen nicht einen anderen Zweck verfolgen als Unternehmen. Der Ansatz von Porter geht von einem Gewinnstreben aus, dem sich eine Hochschule nicht primär unterordnen muss – auch wenn sie kein Geld verschwenden sollte. Kooperationen werden gar nicht berücksichtigt. Auch sollten wir uns vor Augen halten, dass die Modelle nur Modelle sind, die erweitert und verändert werden können (und wurden). Hier habe ich dir Urversionen benutzt. Zu guter Letzt: Das war lediglich die markt-orientierte Sicht – die ressourcen-orientierte Sicht (Was hat dir Hochschule für Ressourcen? Was kann sie gut? Woran sollte sie anknüpfen? …) fehlt. Es kann also durchaus sein, dass der ganze Beitrag keinen Sinn ergibt. Dann war er immer noch eine nette Denkübung :-)

Und nun?

Was meint ihr? Sind das wenigstens brauchbare Denkanregungen, um so eine Analyse zu strukturieren? Welche aktuellen Gegebenheiten in der Schule könnten sich künftig auch in der Arbeit von Hochschulen niederschlagen? Welche politisch-rechtlichen Vorgaben müssen Unis und Fachhochschulen dringend bei der Vorbereitung auf die Zukunft berücksichtigen? Welche technische Entwicklung darf nicht verschlafen werden? …

Literaturhinweise

[1] Porter, Michael E. (1980) Competitive Strategy, New York.

[2] Dueck, Gunter (2011): Professionelle Intelligenz, Frankfurt am Main.

[3] Fahey, Liam; Narayanan, Vadake K. (1986): Macroenvironmental Analysis for Strategic Management, St. Paul.

Und, was macht die Diss?

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Diese Frage kennt sicherlich jeder Doktorand: “Und, was macht die Diss?” Ich bin allerdings noch nie gefragt worden: “Hey, wie läuft dein Seminar?” oder “Läuft die Lehre gut?”. Für Außenstehende scheint eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter offenbar wesentlich dafür gedacht zu sein, seine Doktorarbeit zu schreiben und das möglichst schnell. Der Job umfasst allerdings typischerweise zunächst einmal die Unterstützung von Forschung und Lehre, und es wird allenfalls in einem bestimmten Umfang Zeit dafür eingeräumt, an seiner Dissertation zu arbeiten.

Diese Fehlannahme finde ich zunächst einmal nicht verwunderlich und sehe meine These weiter bestätigt, dass die Öffentlichkeit viel zu wenig darüber weiß, was im Wissenschaftsbetrieb geschieht. Wie sieht es aber drinnen aus? Wie sehen die Leute in den Hochschulen ihre Stellen? Nehmen wir einfach ein Gespräch mit einem anderen Doktoranden, dass ich diese Woche geführt habe und welches das fehlende Tröpfchen war, um mein Blogbeitragverfassen-Fässchen zum Überlaufen zu bringen.

Nachdem ziemlich deutlich wurde, dass in die Lehre möglichst wenig Zeit gesteckt werden sollte, fragte ich sehr direkt, warum derjenige denn an der Uni sei. Antwort: “Weil ich den Doktor haben will.” Ehrlich, aber in meinen Augen eine traurige Antwort. Weder, “weil mir Frage XY unter den Nägeln brennt und ich nach Antworten forschen will”, noch etwas wie “weil ich den Sinn von Erkenntnissuche vermitteln will”. Es geht offenbar bloß darum, selbst voranzukommen, die sogenannte Karriere voranzutreiben. Was außerhalb der eigenen Büromauern geschieht, interessiert nur am Rande. Derselbe Doktorand meinte auch, Studierende würden bloß möglichst schnell möglichst einfach durchs Studium kommen wollen, sich aber nicht für echtes Lernen interessieren. Abgesehen davon, dass es solche Studierenden auch gibt, scheint er möglichst schnell möglichst einfach seine Promotion abschließen zu wollen, sich aber nicht für gute Lehre zu interessieren. Es geht lediglich darum, ohne störende Ablenkung die Doktorurkunde einzusammeln – und dann nichts wie weg. So kommt der Geist der Hochschulwelt bei mir an und nicht das, was in Hochglanzprospekten steht oder fassadenhaft aufgebaute Leitbilder weismachen wollen. Den schönen Schein nach außen zu wahren zählt oft mehr als tatsächlich hinter etwas zu stehen.

Bausche ich das alles auf? Einzelfall? Schauen wir doch einfach mal weiter. Ich mache mich jetzt sicher ziemlich unbeliebt und wirke wie der Oberlehrer oder Moralapostel schlechthin. Ich schildere aber schlicht meine Wahrnehmung und eine Darstellung dessen, was dadurch in mir ausgelöst wird.

Es gibt an der TU Braunschweig das schöne Projekt Sag’s Uns, eine öffentlich zugängliche Online-Plattform, auf der Studierende Ideen, Lob und Probleme zum gesamten Unileben loswerden können, auf der jeder mitdiskutieren und gemeinsam mit anderen Lösungsvorschläge entwickeln kann. Könnte ein prima Instrument sein, um gegenseitiges Verständnis aller Beteiligten am Unileben zu fördern statt weiter Stellungskriege zu führen (“Professoren wollen uns doch nur rausprüfen”, “Studierende sind dumm und faul”, “Die in der Verwaltung bekommen nichts gebacken”, …). Es passiert bei Sag’s Uns aber gar nicht so viel. Studierende benennen Probleme aus ihrer Sicht, kaum jemand außer der Betreiber der Plattform scheint ihnen zuzuhören – geschweige denn mitzudiskutieren. Klar, dass sie gefrustet sind und keine Lust mehr haben, sich einzubringen. Eine eigentlich großartige Chance für die Hochschulentwicklung wird nicht genutzt.

Wissenschaftliche Mitarbeiter wurden dann im Rahmen einer Forschungsarbeit befragt, um mögliche Ursachen für die geringe Beteiligung zu ermitteln: Unkenntnis der Plattform, Unsicherheit, … Yvonne, falls du das liest, soll ich dir meine persönliche Vermutung nennen? Es ist den meisten Doktoranden schlicht scheißegal. Warum sollten sie sich denn um die Uni kümmern? Arbeiten am System? Dafür fühlen sie sich nicht zuständig. Kostet bloß Zeit bei der Promotion, und wenn die vorüber ist, ergreifen doch die meisten gleich wieder die Flucht. “Nach mir die Sintflut.” Das ist wohl im Sinn der Direkt-Karriere das beste Vorgehen, ich finde es jedoch traurig.

Anderes Beispiel gefällig? Als die Geschichte um das Guttenbergsche Plagiat gerade losging und der Präsident der TU Braunschweig zunächst in der Presse relativierte, bei über 700 Fußnoten seien 14 falsche Zitationen keine sehr hohe Fehlerquote und solch unsauberes Arbeiten sei ein Einzelfall, wurde in der hiesigen Fakultät 1 in Windeseile ein Schreiben an ihn verfasst. Er möge bitte das klares Signal aussenden, dass Plagiate in der Wissenschaft mehr sind als eine kleine Schummelei. Von den Informatikern wurden sehr schnell viele Unterschriften gesammelt – bei den Wirtschaftswissenschaftlern wurde wohl erst einmal diskutiert, ob es denn opportun wäre, sich daran zu beteiligen…

Es gäbe da noch mehr große und kleine Dinge, aber die betreffen dann die Professorenschaft und das ist eine andere Geschichte – eine weitaus längere und gruseligere.

Ich weiß, dass die Situation nicht überall so aussieht. Ich kenne auch sehr engagierte Leute in Rufreichweite, die auch mal links und rechts des Weges schauen. Ich bin mir bewusst, dass wissenschaftliche Mitarbeiter nicht Zeit ohne Ende für alles haben. Und ich weiß vor allem, dass auch ich meine Fehler habe und mir gar kein Urteil zusteht. Ich kann aber sehr wohl festhalten, dass ich mir unter der Arbeit in der Wissenschaftswelt etwas deutlich anderes vorgestellt habe, dass ich enttäuscht bin ich und mich überaus unwohl fühle. Vielleicht bin auch einfach ich das Problem und falsch für so eine Stelle? So oder so: Gut, dass ich hier bald verschwunden bin.

Ach so, und was die Diss macht? Schauen wir mal, ich muss mich auch noch um andere Dinge kümmern.

Aktualisierung am 24.04.2012
Unverhofft kommt oft – gerade heute wurde ich dann doch positiv überrascht.

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