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Relationierung von Bildung und Technik — ein „React to“ in Textform

Mein Kollege Markus Deimann hat kürzlich seinen Anfängervortrag 😉 gehalten und ihn auch verschiedentlich konserviert. Neben dem Vortragstext und Schaubildern gibt es sogar eine Aufzeichnung.

Da Markus sich immer freut, wenn man sich mit seinen Gedanken auseinandersetzt, habe ich das gerade getan. Statt lang und breit zu diskutieren, habe ich schlicht hier im Blog parallel zum Lesen Notizen festgehalten und die Gedanken nachträglich kurz ausformuliert. Das ist eigentlich ganz praktisch. Gibt womöglich Anstöße, geht aber recht fix. Ihr bekommt so einen Einblick, welche Passagen meine Seismographen zum Ausschlagen gebracht haben. Und falls für Markus etwas Brauchbares dabei sein sollte, soll er mich natürlich darauf ansprechen, hier kommentieren, bei sich im Blog diskutieren, …


„Dahinter steckt ein Wille zur Neu- bzw. Umgestaltung von Gesellschaft, bei der bestimmte Bevölkerungsgruppen aufgrund gesunkenen Humankapitals aussortiert und durch smarte Maschinen ersetzt werden sollen.“

Nimmt man diesen Satz für sich, hätte er sicher auf vor 250 Jahren geschrieben worden sein können. Damals begann in England die industrielle Revolution. Seither ist in zahlreichen Bereichen menschliche Arbeitskraft durch Maschinen ersetzt worden, es wünschen sich wohl aber die wenigsten die alten Verhältnisse zurück. Was ist heute anders, dass uns diese Entwicklung beunruhigen sollte?


„Dies zeigt sich deutlich z. B. im Zusammenhang mit dem Programm “Curriculum 4.0”, mit dem auf bewusst diffuse Weise der Silicon Valley Ideologie das Wort geredet wird. Es lässt sich somit auf der sprachlichen Ebene aufzeigen, wie dominant die Position der Technik geworden ist. Dies geht zu Lasten bildungstheoretischer Überlegungen und so wirkt Bildung im Kontext der Digitalisierung an vielen Stellen ausgehöhlt.“

Das ist wahr. Aber muss man dafür die Sprache bemühen? Ist es nicht offensichtlich, dass die Technik unser gesamtes Leben durchdringt? Und auch beim letzten Satz würde ich zustimmen. Woran liegt das? Provokativ in den Raum gestellt: Haben die BildungstheoretikerInnen den Diskurs verschlafen, die Technik zu lange ignoriert und laufen nun hinterher?


„Es ist jedoch ein Fehlschluss anzunehmen, man könne über Bildung sprechen und gleichzeitig den ganzen lästigen philosophischen Ballast über Bord werfen.“

Da stimme ich Markus zu. Zum einen bin ich mir aber nicht sicher, ob wirklich über Bildung gesprochen wird, sondern eigentlich Ausbildung oder etwas, das in die Richtung geht. Zum anderen ging mir das Beispiel der heute nicht wegzudenkenden Smartphones durch den Kopf, bei dem auch einfach radikal Ballast über Bord geworfen wurde. Ja, auch ich bin nicht frei von der Kalifornischen Ideologie. Ich bin aber auch nicht sicher, ob der letztgenannte Gedankengang eine Sackgasse sein könnte. Vergleiche sind immer so eine Sache …


„Bildung bietet uns Denkwerkzeuge, um damit über mittlerweile in Vergessenheit geratenen Zusammenhänge nachzudenken. So etwa die Tatsache, dass Technik ein Produkt des Menschen ist. Wenn man sich aber die Berichterstattung zur Zukunft der Arbeit anschaut, bei der mit erstaunlicher Suggestion eine Hilflosigkeit angesichts drohender Jobverluste durch Automatisierung und Robotisierung konstruiert wird, so scheint das in Vergessenheit geraten zu sein.“

Für wie wahrscheinlich haltet ihr es, dass eine Regierung dieser Welt die Automatisierung und Robotisierung verbietet oder Steuern darauf erhebt und diese als Sozialausgleich nutzt? Nicht ausgeschlossen, aber momentan eher unwahrscheinlich? Dann stehen diese Jobverluste schlicht vor der Tür — auch in „gehobenen Berufen“. Da verweise ich einfach auf Gunter Dueck, etwa hier:

Ganz pragmatisch begebe ich mich daher auch ab und zu ins Hamsterrad und qualifiziere mich um/weiter/neu. Zum Glück ist das nicht schlimm, da ich auf so Vieles neugierig bin 🙂


„Ein anderes Beispiel betrifft die Glorifizierung des Silicon Valley als Ort bzw. im Jargon der High-Tech-Gemeinde, Hotspot für disruptive Innovationen aller Art. Für mich ist es irritierend, wie devot sich Vertreter/innen aus der Wirtschaft und zum Teil aus dem Bildungsbereich verhalten – es gibt mittlerweile schon Pilgerreisen ins kalifornische Mekka – und die Start-ups und Tech-Giganten werden als Heilsbringer einer kommenden Bildungsrevolution gefeiert. Haben wir angesichts von Design Thinking und Agilem Projektmanagement verlernt, die Dinge kritisch zu beurteilen?“

Gab es Pilgerreisen nicht auch vor einer Weile nach Finnland in die dortigen Schulen? Ich denke daher, der von Markus kritisierte Punkt ist kein Technik-Phänomen. Sich anderswo vor Ort ungewohnte Ansätze und Denkweisen anzuschauen, ist sicher eine gute Idee! Wie war das mit Goethes Italienreise? Problematisch wird es doch erst dann, wenn die Ansätze und Arbeitsweisen unreflektiert übernommen werden und nicht zu den lokalen Gegebenheiten passen. Stichwort: Cargo-Kult.


„Folgt man dem vielbeschworenen Narrativ der disruptiven Innovation, so scheint der Hochschule ein ähnliches Schicksal wie dem Taxigewerbe mit Uber oder der Musikindustrie mit iTunes zu drohen.“

Hier stört mich vor allem, dass der von Clayton Christensen geprägte Begriff Disruptive Innovation ständig falsch verwendet wird — eventuell auch hier. Christensen meinte damit nicht bloß groß oder umwälzend, sondern einen ganz bestimmten Wirkmechanismus. Den könnte man im Zuge des Einsatzes von digitalen Medien durchaus postulieren, er hat mit dem Ansatz von Uber oder iTunes allerdings gar nichts zu tun. Und dann gibt es da ja auch noch die nicht unerhebliche Kritik an der Theorie selbst …


„Mit Hilfe der künstlichen Intelligenz machen sich Learning Analytics auf, den Hochschullehrerinnen die Arbeit abzunehmen.“

Da verweise ich erneut auf Gunter Dueck: Die einfachen Teile von Arbeit werden abgenommen, die schwierigen Teile bleiben übrig.


„Lesen ist zwar immer noch linear, aber kein haptisches Erlebnis mehr, denn die Bücher kann man nicht mehr anfassen, sondern sie liegen digital in der Cloud und werden über einen E-Book Reader angezeigt.“

Solange ich E-Books immer noch auf meinem Smartphone lese und das Bild nicht in den Raum oder auf meine Netzhaut projiziert wird, solange ich nicht per Gedankenübertragung „weiterblättere“, ist das für mich immer noch ein haptisches Erlebnis.


„Durch Verknüpfung von Daten lassen sich neue Schlüsse ziehen, allerdings nur von denen, die auch Zugang zu den Daten haben.“

Da liegen wir wohl sehr eng beisammen. Ich bin dafür, (auch) den Lernenden die Daten zur Verfügung zu stellen.


„Konsequent weitergedacht führt dies zum Ende von Autonomie und Selbstbestimmung oder verraten uns vielleicht die Maschinen Dinge, die wir selbst nicht wissen?“

Zum einen: Weiter oben hat Markus selbst geschrieben, dass sich durch Verknüpfung von Daten neue Schlüsse ziehen lassen. Wenn ich Zugang dazu habe, können mir also auch Maschinen Dinge verraten, die ich nicht weiß.

Zum anderen: Schauen wir uns beispielsweise AlphaGo an. Die Software hat im Brettspiel Go zahlreiche Züge unternommen, die nie ein Mensch gespielt hätte — und dennoch oder gerade deswegen gewonnen. Menschen können also offenbar Neues von den Maschinen lernen.

Außerdem sehe ich nicht, wie das zum Ende von Autonomie und Selbstbestimmung führt, wenn ich mich jederzeit dazu entschließen kann, die „Ratschläge der Algorithmen“ zu ignorieren. Hatte ich ja auch gerade mal wieder etwas zu geschrieben.


„Kann ich nicht erst durch die Selbst-Quantifizierung zu wahren Einsichten über mich selbst kommen?“

Ich bin mir nicht sicher, was Markus mit Selbst-Quantifizierung meint. Aber einerseits haben wir bei den beiden vorherigen Punkten gesehen, dass die Antwort hier nein sein müsste. Und bemühen wir andererseits etwa das olle Johari-Fenster, dann kann ich von anderen durchaus auf blinde Flecken hingewiesen werden, von denen ich nichts weiß. Ob die anderen dabei Menschen oder Maschinen sind, wäre für mich unerheblich.


„Dieses Moment des aktiven Gestalten ist in vielen zeitgenössischen Erzählungen zur Digitalisierung unterrepräsentiert. Stattdessen wird von einer Logik der Transformation ausgegangen, mit der die Urheber und Profiteure geschickt verschleiert werden.“

Da ist etwas dran. Aber findet sich das nicht auch außerhalb der Bildungswelt? Beispielsweise dann, wenn man die Schule auf „das System“ schiebt und vergisst, dass „das System“ von Menschen geschaffen wurde und nicht unveränderlich ist?


„Es ist ein iteratives Wechselspiel zwischen den Affordanzen digitaler Medien, den sozio-strukturellen Infrastrukturen und den individuellen Bildungspotentialen. Das alles ist zudem eingebettet in einen Raum von Macht- und Herrschaftsstrukturen. Mit dem Homo Digitalis wird auf die tektonischen Verschiebungen im Bereich der Digital-Politik reagiert und zeigen ein medienpädagogisches Desiderat an. In den bisherigen Konzeptualisierungen zur Medienkompetenz spielen die äußeren Schalen keine Rolle, es konzentriert sich auf den pädagogischen Kern in abgeschotteten Settings wie dem Klassenzimmer, dem Seminarraum oder dem Learning Management System. Diese Loslösung von den rahmenden sozio-politischen Bedingungen ist problematisch.“

Was möchte mir der Autor damit sagen?


„Hinzu kommen neue Dimensionen, die im Zusammenhang mit der Öffnung von Bildung und Technik entstehen. Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden ist die nahezu vollständige Überwachung des weltweiten Internetverkehrs publik geworden.“

Ich hoffe, man versteht, wie ich das hier meine:

Nichts gefunden: Auch der Generalbundesanwalt hat NSA-Affäre beendet (Update)


“Wem gehören die Daten, die in einem LMS anfallen?”

Siehe oben. Schien mir hier aber nochmals relevant zu sein.

Auf den letzten Drücker: fOERder-Award 2016

Heute hatte ich Langeweile. Das habe ich zum Anlass genommen, etwas für eine Idee zu tun, die mir seit ein paar Wochen immer wieder durch den Kopf geistert.

Ohne zu weit ausholen zu wollen: Durch das Netz und seine Dienste gibt es eine größer werdende Spaltung in Commodity und Premium auch bei Dienstleistungen — in Standardsachen, die sich prima ohne viel menschliches Zutun erledigen lassen und solche, die echt schwierig sind. Müsst ihr mal bei Gunter Dueck in Aufbrechen! nachlesen. Und dann frage ich mich, wenn ich auf die üblichen Einstiegsworkshops zur Hochschuldidaktik blicke, was davon eigentlich Commodity ist. Nicht alles. Aber wahrscheinlich so manches. Ich zähle einfach mal ein paar Sachen auf, an die ich da so denke:

  • Das eigene Verständnis von Hochschullehre hinterfragen und mit anderen teilen
  • Diverse Themen der Hochschuldidaktik ansatzweise kennenlernen, etwa Theorie zu Lernen und Lehren, strukturelle Gestaltungsprinzipien oder Möglichkeiten zur Analyse oder Planung von Veranstaltungen
  • Eigene Veranstaltung(sreihe) anhand eines Rasters/Frameworks analysieren und planen
  • Feedback von anderen zur eigenen Planung bekommen
  • Aktivierende Methoden theoretisch durchdenken, sich mit anderen (strukturiert) dazu austauschen und sie an die eigenen Bedürfnisse anpassen

Geht natürlich auch alles in Präsenzzeit, aber muss das alles zwingend da drin sein? Ich behaupte: nein. Was nicht heißen soll, dass man nicht auch beides gewinnbringend verzahnen könnte. Ich behaupte ferner: Man könnte speziell aus den oben genannten Dingen einen Online-Kurs basteln, bei dem am Ende inhaltlich ebenso viel rumkommt wie bei einem typischen Einstiegsworkshop zur Hochschuldidaktik — und daher einen äquivalenten Teilnahmenachweis verdient.

Ja, aber…

Hmm, was kommt da wohl als Befürchtung? Es fehlt der Kontakt zu Menschen. Der physische Kontakt, das ist richtig. Den sollte man aber nicht mit dem Fehlen von sozialem Kontakt verwechseln. Man lernt in einer solchen Online-Veranstaltung aber eher keine Gleichgesinnten an der eigenen Hochschule kennen. Das kann sein. Das ließe sich aber prinzipiell mitdenken, und auch dafür gäbe es Möglichkeiten. Und vielleicht ist der Kontakt zu jemandem an anderen Hochschulen ebenso spannend? Da gibt es sicher noch mehr Bedenken, zu denen freue ich mich über Kommentare.

Man verliert also womöglich ein paar Dinge, aber was gewinnt man? Lehrende müssen sich beispielsweise nicht „outen“, wenn sie meinen, sie bräuchten Unterstützung in ihrer Lehre. Die Commodities können sie sich auch so holen. Lehrende können sich zeitlich flexibler mit den Dingen beschäftigen und müssen sich nicht die typischen zwei Tage am Stück für Workshops freihalten. An die Premium-Anteile können sie immer noch über andere Formate herankommen. Ein Punkt vielleicht noch: Steht so ein Kurs als Open Educational Resource (OER) bereit, kann er nach Belieben frei genutzt, verändert und erweitert werden. Feine Sache, das.

Stricken kann ich so etwas natürlich in meiner Freizeit immer, wenn mir danach ist. Aber ein wenig sozialer Druck wäre nicht verkehrt 😉 Und weil es zum Thema OER passt, habe ich heute spontan auf den letzten Drücker einen Antrag beim fOERder-Award 2016 eingereicht und dessen Inhalte in der Wikiversity abgelegt. Abwarten.

 

Wie, an der Uni darf mal lehren ohne Qualifikation?

Im kürzlich erschienen Beitrag Wir Dozenten sind nicht eure Vorturner! auf ZEIT Online gibt es die folgende passage zu lesen:

Wie soll man als Dozent didaktisch wertvoll Wissen vermitteln, wenn eine didaktische Ausbildung von wissenschaftlichem Unipersonal grundsätzlich nicht vorgesehen ist? Im Gegenteil, Dozenten müssen sich in ihrer Freizeit selbst um didaktische Weiterbildung kümmern.

Dazu erreichte mich die Frage „Dort steht das auch mit der fehlenden didaktischen Ausbildung, scheint also überall so zu sein?“ Diese Frage hat mich zunächst etwas irritiert. Für mich war das halt Alltag, normal. Offenbar ist das außerhalb der Hochschulwelt aber eben nicht klar. Ich verliere also an dieser Stelle ein paar Zeilen dazu.

Wer in der Schule lehrt, hat in aller Regel eine entsprechende Lehramtsausbildung hinter sich. Er oder sie hat sich neben den Fachinhalten ebenso mit Pädagogik und Didaktik auseinander gesetzt. Er oder sie hat auch ein Referendariat hinter sich. Dort soll gezeigt werden soll, dass man Unterricht planen und gestalten kann und allgemein der Situation auch gewachsen ist. Wer an der Universität lehrt, hat sich in den allermeisten Fällen aber bloß mit seinem Fach auseinander gesetzt. Mehr ist nicht vorgesehen.

Wie kommt das? Gunter Dueck, früher selbst Professor für Mathematik, hält dazu in seinem Buch Das Neue und seine Feinde [1] fest:

Ein gut gehütetes (falsches) Vorurteil lautet: “Wer gut in Forschung ist, ist wahrscheinlich auch so intelligent, dass er es einleuchtend erklären kann.

Offenbar waren in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten zu wenige Menschen (oder die „falschen“) der Ansicht, dass man das Lehren auch an Hochschulen lernen müsste. Bettina Jorzik (Leiterin des Programmbereichs „Lehre und akademischer Nachwuchs“ beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft) hält dazu kritisch fest, dass Lehrende dort nicht systematisch ausgebildet würden und die Teilnahme an didaktischen Qualifizierungsmaßnahmen meist im Belieben jedes Einzelnen liege; der Erwerb der Lehrberechtigung sei ironischerweise nicht an einen Nachweis von Lehrbefähigung geknüpft [2]. Tatsächlich wird sie Habilitierten zwar mit der Facultas Docendi bescheinigt, doch beruht sie vornehmlich auf der Forschungsleistung. Nachzuweisen ist lediglich Erfahrung in der Lehre, ohne deren Qualität zu berücksichtigen.

Nun ist es natürlich nicht so, dass man das Lehren nicht auch durch Selbststudium, Üben und Reflexion in der Praxis lernen könnte — entsprechendes Engagement in der Lehre vorausgesetzt. Aber was wäre das gerade an einer Universität für eine Aussage, dass man sich nicht mit Theorie auseinandersetzen brauche?! Und warum werden Personen ins kalte Wasser geworfen?

Dabei denke ich vor allem an eine Personengruppe, die die Lehre an deutschen Hochschulen in weiten Teilen trägt: die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vielleicht gerade erst das eigene Studium absolviert, stehen sie plötzlich auf der anderen Seite des Hörsaals und sollen plötzlich ohne Vorbereitung lehren. Das allein mutet schon sonderbar an. Seien wir obendrein aber realistisch, sehr viele von ihnen interessieren sich auch kein Stück für die Lehre. Das ist zumindest mein Eindruck nach gut sieben Jahren im Biotop der Universitäten. Viele wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen bloß möglichst zügig promovieren, um dadurch ihre Karrierechancen zu verbessern. Lehren müssen sie trotzdem. Entsprechend hoch sind dann Motivation und investiertes Engagement. Doch selbst dann, wenn sie eine Professur anstreben, tun sie gut daran, sich möglichst auf die Forschung zu konzentrieren. In Berufungskommisionen spielt die Qualifikation für die Lehre immer noch eine undankbare Nebenrolle. Didaktische Qualifizierung wird dadurch in der Tat gewissermaßen zur Freizeitbeschäftigung.

Zum Weiterlesen…


[1] Dueck, Gunter (2013): Das Neue und seine Feinde. Wie Ideen verhindert werden und wie sie sich trotzdem durchsetzen. Frankfurt am Main: Campus.

[2] Jorzik, Bettina (2009): Qualitätskultur in der Lehre. Wirtschaft&Wissenschaft, 17(4), 30-31.

Heilige-hehre Prinzipien schlechter Lehre an der Uni

Von Gunter Dueck gibt es gerade wieder ein paar Denkimpulse zum Thema Lehre, die ich gerne aufgreife. Auf seiner Website denkt er unter der Überschrift „Heilige-hehre Prinzipien schlechter Lehre an der Uni“ darüber nach, von welchen Prinzipien ProfessorInnen wohl (unbewusst) bei der inhaltlichen Gestaltung ihrer Lehre geleitet werden. Darunter zu finden sind

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„Ein Besuch der Vorlesung werde damit überflüssig“

Ein Beitrag in DIE ZEIT (46/2013, S. 77) hat meine Aufmerksamkeit geweckt. Unter der Überschrift „Kauf mein Buch!“ wird beklagt, dass ProfessorInnen Lehrbücher schrieben und diese dann in ihren Veranstaltungen anpriesen – um Geld zu verdienen. Es wird aber ebenfalls berichtet, dass sich dieses Vorgehen nur in Ausnahmefällen lohne. In einem der Kommentare wird dazu aus meiner Sicht passend bemerkt, gerade dann dränge sich Open Access auf.

Das wäre dieselbe Debatte, wie sie auch bei Open Access für Forschungspublikationen geführt wird. Die möchte ich gar nicht aufkochen. Spannend finde ich jedoch einen Nebenaspekt in dem Artikel:

An der […] Fakultät […] hätten sich dieses Semester 1.100 Studenten eingeschrieben. »Das sind zu viele für einen Hörsaal«, sagt Mosler. Die Studenten müssten auf dem Boden und den Stufen sitzen oder gleich vor der Tür bleiben. »Das Buch gibt ihnen die Möglichkeit, zu Hause zu lernen.« Ein Besuch der Vorlesung werde damit überflüssig.

Abgesehen davon, dass ich Riesenveranstaltungen sowieso nicht viel abgewinnen kann: Was sagt dieses Zitat mit Blick auf den letzten Satz eigentlich aus? Stellt sich der Professor mit seiner Aussage nicht selbst ein Armutszeugnis aus? Wenn es tatsächlich genügt, das Buch im Selbststudium durchzuarbeiten ohne Begleitung in irgendeiner Form, ist dann die Lehre (vermutlich der Vortrag) des Professors nicht ebenfalls überflüssig? Hat dann er wirklich nicht mehr zu bieten? Ich denke wieder einmal an die Thesen von Gunter Dueck zur Professionellen Intelligenz