Schlagwort-Archive: Gesellschaft

Kleines BarCamp, nette Gesellschaft

Poster zum BarCamp Gesellschaft 2.0 in BerlinWährend ein Gutteil meiner Twitter-Timeline die letzten beiden Tage in Dresden auf dem #jfmh14 in Dresden verweilte, besuchte ich das BarCamp „Gesellschaft 2.0“ in Berlin. Anders als bei anderen BarCamps, denen ich zuletzt beiwohnte, war es beschaulicher. Am Freitag waren nur rund 30 Personen dabei und am Samstag noch einmal ein paar weniger. Das „nur“ meine ich aber keineswegs negativ. Ich empfand das als sehr angenehme Atmosphäre.
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Gesellschaft 2.0 – und was kommt dann?

Kürzlich habe ich über ein wissenschaftliches Nachtcafé in Braunschweig berichtet. Es beschäftigte sich mit der Frage: „Wie sozial ist digital?“. Passend dazu richtet die Initiative Wissenschaft im Dialog am 13. und 14. Juni ein BarCamp in Berlin aus. Es steht ganz unter der Frage: Gesellschaft 2.0 – und was kommt dann?

Open Knowledge, Datensicherheit und Crowdsourcing: Welche aktuellen Entwicklungen bestimmen das digitale Gesellschaftssystem von morgen? Was folgt der Sharing-Culture? Was kommt nach der Maker-Bewegung? Welche Chancen bietet E-Democracy?
(von der zugehörigen Website)

Das ist natürlich nicht alles, was darunter fällt. Themen wie Öffentliche Wissenschaft im Netz oder digitale Bildung dürften auch ihren Platz finden.

Wie es bei BarCamps oft üblich ist, ist die Teilnahme völlig kostenlos. Mehr Informationen gibt es im Web auf http://www.wissenschaft-kontrovers.de/gesellschaft-2-0/ Anmelden könnt ihr euch entweder per E-Mail an kontrovers@w-i-d.de oder über Facebook. Wer von euch ist außer mir noch dabei?

„Wie sozial ist digital“ in Braunschweig: emotionale Lockerheit trifft messerscharfe Ratio

Am Dienstag war ich zu Gast bei einem wissenschaftlichen Nachtcafé in Braunschweig. Das Thema der Veranstaltung lautete „Wie sozial ist digital?“ und wurde interaktiv aufgearbeitet.

Der Ablauf

Nachtcafé-SketchnoteMethodisch startete das Nachtcafé nach einer kurzen Begrüßung mit Murmelgruppen, in denen sich die Anwesenden an den Tischen mit ihren NachbarInnen bekannt machen konnten. Anschließend ging es weiter mit zwei kurzen Vorträgen, um das Denken anzuregen. Danach konnte eine Weile an den Tischen diskutiert werden, bevor der Abend in eine große Diskussion zwischen Gerald Fricke, Philipp Bode und dem Publikum mündete.

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Wie sozial ist digital?

Wir schreiben das Jahr 2014. Das World Wide Web hat seinen 20. Geburtstag bereits hinter sich. Der strapazierte Begriff Web 2.0 ist auch über 10 Jahre alt. Eigentlich, so könnte man meinen, müsste das doch alte Hüte sein. Die deutsche Bundeskanzlerin ist aber davon überzeugt, das Internet sei für uns alle noch Neuland. Auf extreme Skepsis gegenüber sozialen Medien stoße ich zudem selbst immer wieder, besonders im Bildungsbereich beim E-Learning und im Wissenschaftsbetrieb gegenüber Öffentlicher Wissenschaft. Die Argumente reichen da von „bringt nichts“ (ohne es je selbst versucht zu haben oder von Positivbeispielen zu wissen) bis hin zu „habe ich bisher ja auch nicht gebraucht“. Furcht vor Dread Risks ist ebenfalls an der Tagesordnung. Die vorgebrachten Einwände können und sollten allerdings nicht alle vom Tisch gewischt werden. Wie kollaborativ geht es denn wirklich zu im Netz? Wie unterschiedlich ist denn Kommunikation zwischen Menschen in der Online- und Offline-Welt? Oder kurz: „Wie sozial ist digital?“

Am 13. Mai findet zu exakt dieser Frage in Braunschweig ein wissenschaftliches Nachtcafé statt. Man sitzt gemütlich an Tischen und unterhält sich mit seinen NachbarInnen über das Thema, bekommt zwischendurch von Gerald Fricke und Philipp Bode weiteren gedanklichen Input und auch die Gelegenheit, mit ihnen zu diskutieren.

13. Mai 2014 ab 19:00 Uhr
Haus der Wissenschaft, Pockelsstraße 11 in Braunschweig, Raum Veolia

Organisiert wird die Veranstaltung von der Initiative Wissenschaft im Dialog, die mich als bloggenden Begleiter eingeladen hat. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt! Ich fänd es toll, euch dort zu treffen und zum Thema zu diskutieren – aber das geht natürlich auch vorher, währenddessen und hinterher über soziale Medien 😛

pax digitalia

In den Medien wird man gerade gefühlt jeden zweiten Tag mit dem Urheberrecht konfrontiert: Da ruft auf der einen Seite jemand nach mehr Schutz des „geistigen Eigentums“, kurze Zeit später schallt aus aus der anderen Richtung zurück, ob man denn noch bei Trost sei. Die einen sehen nicht ein, warum sich für sie etwas ändern sollte, die anderen halten dagegen, Kunst müsse frei zugänglich sein – und hier ist dann wirklich mal kostenfrei gemeint. „Todesstrafe für illegale Downloads“ – „Waaas? Alles für alle, und zwar für umme!“ – „Jehova!“ – „Penis!“ – … Und so geht das munter weiter, ohne dass die eine Seite wirklich versucht zu verstehen, was die andere antreibt. Zumindest ich nehme bloß wahr, dass sich in der Öffentlichkeit zwei Fronten aneinander abarbeiten, Truppen um sich scharen und verbal aufeinander einschlagen. Ein TV-Gladiatoren-Polar-Talk auf gesellschaftlicher Ebene, angeheizt von Lanz-esker Medienbegleitung.

Auf der gesellschaftlichen Ebene finde ich das Thema aber durchaus gut aufgehoben, denn mittlerweile kann man im Internet nie sicher sein, nicht irgendwie das Urheberrecht von jemandem zu verletzen. Im Bildungsbereich sind die Einschränkungen erheblich und führten beispielsweise zu Ideen wie der des jüngst beerdigten Schultrojaners. Obendrein sind etwa die in § 52a des Urheberrechtsgesetzes überhaupt gemachten Zugeständnisse an Unterricht und Forschung lediglich befristet gültig und müssen demnächst wieder verlängert werden.

Was wäre denn zu tun? Für eine fällige Maßnahme halte ich etwa eine Entschärfung des Abmahnunwesens, das erstaunliche Streitwerte für Musikstücke ansetzen kann. Eine pauschale Totalüberwachung aller Bürger, um „Gute“ von „Bösen“ unterscheiden zu können, hielte ich für einen viel zu großen Eingriff in Freiheitsrechte. Auch bin ich der Ansicht, Unternehmen sollten sich mit neuen Geschäfts- und Vergütungsmodellen anfreunden. Statt sich mit aller Macht gegen den Wandel zu stemmen, sollten sie ihn lieber als Chance begreifen:

„The overwhelming majority of successful innovations exploit change.“
(Peter F. Drucker, Management-Vordenker)

Eine Verkürzung von Schutzfristen halte ich ebenfalls für sinnvoll. Und das alles übrigens, obwohl ich zu Hause diverse Regalmeter voll mit Büchern, CDs und Blu-rays stehen habe und für Downloads tatsächlich bezahle.

Andererseits halte ich es nicht für geboten, das bestehende System von jetzt auf gleich auf den Kopf zu stellen. Autoren, Musiker und Co. erbringen offenbar eine nachgefragte Leistung, und ich kann erst einmal nichts Verwerfliches darin sehen, auch angemessen vergütet werden zu wollen. Wenn nun jemand meint, das seien aber keine Künstler mehr, sondern nur Kommerzproduzenten, na, sei es drum. Ich finde es gut, die Position gerade von unbekannteren Kreativen stärken zu wollen, aber es kann mir niemand erzählen, dass alle Verlage und Musiklabels nur von raffgierigen Ausbeutern geleitet werden und keine sinnvolle Funktion erfüllen.

Dass „sogar“ die Piratenpartei dazu eine differenzierte Meinung vertritt, kann eigentlich jeder nachlesen – in einem waschechten Bundesparteitagsbeschluss. Um das zu erkennen, genügt schon die Lektüre der ersten Seiten. Ich bin mir allerdings nicht einmal sicher, ob die Mehrheit der Piraten da irgendwann reingeschaut hat.

Der in dem Papier gemachte Vorschlag muss gar nicht der Weisheit letzter Schluss sein, ich selbst finde auch die Idee der Kulturwertmark ganz charmant. Und es gibt bestimmt noch ganz viele andere Ansätze und lasse mich von klügeren Gedanken überzeugen – aber bitte in einem ehrlichen gemeinschaftlichen Diskurs, nicht durch einen Stellungskrieg. Wollen wir das alle mal probieren?