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	<title>olivertacke.de &#187; Forschung</title>
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	<description>nur noch ein Blog</description>
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		<title>Wissenschaft gibt es nicht als Tütensuppe!</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Oct 2011 18:41:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Tacke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Öffentliche Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Lehre]]></category>
		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Noch nie war ich in einem Drei-Sterne-Restaurant, aber dort kochen wohl die Weltbesten, die Meister ihres Fachs. Sie zaubern die leckersten Menüs, vielleicht gehört eine ganz ausgezeichnete Tomatensuppe dazu. Die schmeckt sicher wirklich gut, aber was genau darin enthalten ist, wie man sie zubereitet? Keine Ahnung. Das weiß der Koch, aber der ist nicht ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Noch nie war ich in einem Drei-Sterne-Restaurant, aber dort kochen wohl die Weltbesten, die Meister ihres Fachs. Sie zaubern die leckersten Menüs, vielleicht gehört eine ganz ausgezeichnete Tomatensuppe dazu. Die schmeckt sicher wirklich gut, aber was genau darin enthalten ist, wie man sie zubereitet? Keine Ahnung. Das weiß der Koch, aber der ist nicht da, um ihn zu fragen. Was also tun?</p>
<p>Vielleicht kommt jemand auf die Idee, daraus eine Tütensuppe zu machen. Da steht auf der Verpackung ja ganz genau drauf, wie das geht:</p>
<blockquote>
<ol>
<li>Beutelinhalt mit einem Schneebesen in 1/2 l (500 ml) kochendes Wasser einrühren.</li>
<li>Bei schwacher Hitze 1 Minute kochen lassen. Ab und zu umrühren.</li>
</ol>
</blockquote>
<p>So einfach. Ist das Kochen? Wohl kaum, und das wird auch nicht die Tomatensuppe aus dem Restaurant, aber anders bekommt der ganz Ungeübte das nicht hin. Er weiß ja auch gar nicht, was alles wichtig ist für eine gute Tomatensuppe. Was für Tomaten sollte ich nehmen? Welche Gewürze gehören dazu? Wie bereitet ich das alles richtig zu, damit es schmeckt und nicht versehentlich zu Ketchup wird? All dieses Wissen des Meisterkochs bekommt man nicht in die Tütensuppe hinein.</p>
<p>Es muss ja auch gar nicht jeder so gut kochen, aber wäre es nicht schön, wenn man das Können wenigstens richtig beurteilen könnte? Oder wenn man Leute entlarven könnte, die nur vorgeben, ein Koch zu sein, aber selbst auch nur eine Tütensuppe aufkochen und die dann teuer verkaufen?</p>
<p>Man muss dafür aber nicht nur die leckere fertige Suppe kennen, sondern auch wissen, wie man sie richtig hinbekommt. Vielleicht könnte jemand den Koch filmen und die Videos bei YouTube einstellen. Der Koch könnte auch bloggen, wie er selbst einmal die richtigen Tomaten gefunden hat, die genau passend sind für seine Suppe. Womöglich erzählt er dann, dass er erst tagelang 20 verschiedene Variationen probieren musste, bis die Suppe wirklich gut war. Der Rest war misslungen und kam in den Ausguss. Wenn der Koch etwas Zeit und Lust hat, kann er Interessierte zu sich einladen und Ihnen seine Arbeit zeigen, und die können ihm dann Fragen stellen. Auf diese Weise werden die Leute aber nicht zu Meisterköchen. Sie wissen dann vielleicht immer noch nicht, welche Gewürze man für die Suppe gebrauchen kann und welche man tunlichst meiden sollte. Aber sie bekommen eine viel bessere Idee davon, was es heißt zu kochen.</p>
<p>Und nun fragen die Karriereköche sicher, was sie denn davon hätten. Nervende Menschen die sie beim Arbeiten stören, nur dumme Fragen stellen oder gleich noch dümmere Vorschläge machen. Aber was, wenn jemand viel reist und in Südamerika auf Tomaten gestoßen ist, die noch besser schmecken als die, die der Koch in seine Suppe tut. Oder ein anderer ist befreundet mit einem Gemüsehändler, bei dem der Koch seine Zutaten viel günstiger bekommen kann. Unter den Leuten könnte auch ein wahres Talent schlummern, das der Koch erkennt und fördern sollte. Vielleicht werden einfach Menschen auf das Restaurant aufmerksam, weil sie die YouTube-Videos so schön finden und sorgen mit ihrem Besuch für mehr Umsatz. Und möglicherweise wird ein Küchenjunge krank, der sonst die Tomaten häutet &#8211; das kann aber auch ein Amateurkoch übernehmen und so den Abend retten, weil man sonst die Gäste hungrig nach Hause schicken müsste.</p>
<p>So stelle ich mir das mit der öffentlichen Wissenschaft vor. Forschung und Lehre können mit Wikis, Twitter, Blogs und anderen solcher Dienste geöffnet werden in beide Richtungen. Außenstehende bekommen etwas von den Abläufen mit und können womöglich sogar etwas beitragen. Das Thema habe ich kürzlich <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/35/35760/1.html" target="_blank">auf telepolis ganz kurz vorstellen dürfen</a> und damit für ein bisschen <a href="http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?list=1&amp;forum_id=214321" target="_blank">Diskussion</a> gesorgt, weil ich in dem kurzen Text vieles unklar gelassen habe.</p>
<p>Es soll nicht darum gehen, alle Menschen zu Wissenschaftlern zu machen. Aber wenn sie nur die Veröffentlichungen in Zeitschriften zu lesen bekommen (Suppe), dann bekommen sie keinen Einblick in die Arbeit, die dahintersteckt (kochen). Sie wissen nicht, wie viele Experimente schiefgegangen sind, bevor schließlich ein Durchbruch gelungen ist (die Suppe im Ausguss). Sie können mit den strengen Methoden nichts anfangen, die eingesetzt werden. Sie verstehen eventuell auch nicht, warum es in der Wissenschaft so schlimm ist, wenn jemand ein Plagiat als Doktorarbeit abgibt&#8230; Wenn wir also das Verständnis für Wissenschaft vergrößern möchten, müssen wir auch zeigen, was das alles bedeutet und wie das vor sich geht.</p>
<p>Ich meine aber nicht, jeder müsse nun Forschung und Lehre immer öffnen. Das kann jeder selbst entscheiden. Liegt sicher auch nicht jedem. Ich lade aber jeden dazu ein zu überlegen, ob es für andere oder sich selbst nicht an gewissen Stellen sinnvoll sein könnte. Und dann ausprobieren!</p>
<p>Gerade dann, wenn das Themengebiet die Lebenswirklichkeit von Menschen berührt, kann man Anregungen erhalten (Südamerika-Tomaten) oder als Wissenschaftler etwa durch Fragen von Praktikern darauf gestoßen werden, dass man etwas doch noch nicht genau beantworten kann. Durch neue Kontakte gewinnt man möglicherweise Drittmittel (Gemüsehändler) oder wird schlicht bekannter und bekommt etwas Balsam für sein Ego (YouTube-Videos). Und nein, ich erwarte nicht, dass ein Amateur so etwas wie die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Riemannsche_Vermutung" target="_blank">Riemannsche Vermutung</a> bestätigt oder widerlegt oder bei anderen hochspeziellen Problemen konkret helfen kann. Aber wenn der britische Mathematiker Godfrey Hardy nicht den Brief von einem völlig unbekannten Inder namens <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/S._Ramanujan" target="_blank">Srinivasa Ramanujan</a> gelesen hätte, wären der Welt sicher einige Erkenntnisse in der Zahlentheorie verloren gegangen. Ramanujan hatte keinen höheren Schulabschluss und sich im Prinzip ganz alleine Mathematik aus Büchern beigebracht (ein Talent). In der Astronomie schließlich sind Amateure schwerlich wegzudenken, weil Sternwarten allein gar nicht den ganzen Himmel erfassen können und ihnen daher etwas entgehen kann. 1987 halfen solche Amateure durch ihre Datensammlung (Tomaten häuten) zum Beispiel dabei, eine Theorie in der Astrophysik zu bestätigen.</p>
<p>Wenn man Menschen also die Wissenschaft wirklich näherbringen und sie dafür begeistern möchte, dann sollte man ihnen keine Tütensuppe geben, sondern sie für Tomaten und das Kochen begeistern. Und vielleicht hat man dann selbst auch noch etwas davon.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.olivertacke.de/?flattrss_redirect&amp;id=1237&amp;md5=f22449ace0ea109484b1180f7092bfc6" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.olivertacke.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Raus aus dem Elfenbeinturm: Open Science</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Oct 2011 11:14:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Tacke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Öffentliche Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
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		<category><![CDATA[Open Access]]></category>
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		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Prolog

Am Mittwoch vor der Openmind-Konferenz erreicht mich abends eine E-Mail: Die Website telepolis habe angeboten, eine Auswahl der Vorträge in schriftlicher Form zu veröffentlichen. Man brauche die Beiträge aber am besten schon bis Freitag. Was habe ich getan? Nachtschicht. Müde, aber rechtzeitig fertig. Was passiert? Es genügt dann doch eine Abgabe bis Dienstag nach ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Prolog</strong></p>
<p>Am Mittwoch vor der <a href="http://11.openmind-konferenz.de/" target="_blank">Openmind-Konferenz</a> erreicht mich abends eine E-Mail: Die Website<a href="http://www.heise.de/tp/" target="_blank"> telepolis</a> habe angeboten, eine Auswahl der Vorträge in schriftlicher Form zu veröffentlichen. Man brauche die Beiträge aber am besten schon bis Freitag. Was habe ich getan? Nachtschicht. Müde, aber rechtzeitig fertig. Was passiert? Es genügt dann doch eine Abgabe bis Dienstag nach der Konferenz. Was passiert anschließend? Heute erscheint <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/35/35750/1.html" target="_blank">eine Auswahl der Beiträge</a>, telepolis hat meinen aber leider verschmäht. Was heißt das? Ich habe wieder Inhalt für mein Blog und betreibe so etwas wie Restmüll-Marketing <img src='http://www.olivertacke.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p><strong>UPDATE</strong>: Der Artikel hat es nun <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/35/35760/1.html">doch noch auf telepolis geschafft</a>.</p>
<div id="__ss_9719102" style="width: 425px; margin: 15px auto 15px;" align="center"><object id="__sse9719102" width="425" height="355" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="src" value="http://static.slidesharecdn.com/swf/ssplayer2.swf?doc=om11-openscience-111016044755-phpapp01&amp;rel=0&amp;stripped_title=raus-aus-dem-elfenbeinturm-open-science&amp;userName=otacke" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed id="__sse9719102" width="425" height="355" type="application/x-shockwave-flash" src="http://static.slidesharecdn.com/swf/ssplayer2.swf?doc=om11-openscience-111016044755-phpapp01&amp;rel=0&amp;stripped_title=raus-aus-dem-elfenbeinturm-open-science&amp;userName=otacke" allowFullScreen="true" allowScriptAccess="always" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" /> </object></div>
<p><strong>Raus aus dem Elfenbeinturm: Open Science</strong></p>
<p>&#8220;Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus. Ich bin gerne bereit zu prüfen, ob bei über 1.200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten und würde dies bei einer Neuauflage berücksichtigen.&#8221; <a href="http://www.olivertacke.de/2011/10/23/raus-aus-dem-elfenbeinturm-open-science/#1">[1]</a></p>
<p>So antwortete der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf die Frage, ob Teile seiner Dissertation womöglich aus anderen Werken abgeschrieben worden sein könnten, ohne dass er dies ausreichend kenntlich gemacht hatte. Schnell wurde von vielen Kritikern sein Rücktritt gefordert, ebenso viele Menschen konnten aber den Wirbel um die Affäre nicht verstehen: Herr zu Guttenberg hatte ein wenig gemogelt, aber macht das nicht jeder mal? Offenbar war vielen die Bedeutung dieses Vergehens gar nicht bewusst. Ich meine, das liegt daran, dass der Wissenschaftsbetrieb für viele schlicht ein Buch mit sieben Siegeln ist, das sie nicht öffnen können.</p>
<p>Und tatsächlich, das Bild von der einsamen Forschung im Elfenbeinturm scheint nicht von ungefähr zu kommen. Einerseits hat die zunehmende Spezialisierung der wissenschaftlichen Disziplinen zwar dazu geführt, dass Einzelgänger es schwer haben und Ergebnisse immer häufiger nur durch Kooperation mit anderen erzielt werden können <a href="http://www.olivertacke.de/2011/10/23/raus-aus-dem-elfenbeinturm-open-science/#2">[2]</a>. Denken Sie etwa an die großen Projekte am Kernforschungszentrum CERN. Andererseits bleiben die unzähligen Publikationen für die meisten unverständlich, bisweilen sogar für Fachkollegen, weil jenseits von notwendigen Fachbegriffen ein möglichst staubtrockener Sprachstil und möglichst kompliziert formulierte Sätze gepflegt werden. Sie taugen vielleicht zum Imponieren oder verheißen vermeintlich Qualität, erschweren aber unnötig das Verständnis. Das wusste schon Goethe: „Die Deutschen, und sie nicht allein, besitzen die Gabe, die Wissenschaften unzugänglich zu machen.“ <a href="http://www.olivertacke.de/2011/10/23/raus-aus-dem-elfenbeinturm-open-science/#3">[3]</a> Auch Initiativen zur Förderung von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Access" target="_blank">Open Access</a> dürften daran wenig ändern. Forschungsergebnisse werden durch sie zwar öffentlich zugänglich, aber nicht offen.</p>
<p><strong>Popularisierung der Wissenschaft</strong></p>
<p>Um den klaffenden Graben zwischen der Wissenschaftswelt und der Allgemeinheit zu verkleinern, wurde bereits im 19. Jahrhundert versucht, Spezialwissen einem größeren Publikum zugänglich zu machen: Schon damals wurden Anleitungsbücher für Hobbyforscher verfasst oder im Wissenschaftlichen Theater Lehrstücke inszeniert <a href="http://www.olivertacke.de/2011/10/23/raus-aus-dem-elfenbeinturm-open-science/#4">[4]</a>.<br />
Was einst als Mittel der Bildung der Massen gedacht war, ruft heute jedoch eher ein Naserümpfen hervor. Populärwissenschaftliche Literatur genießt bei vielen Wissenschaftlern den Ruf des Zweitklassigen, des weniger Korrekten. Der Physiker Martin Bojowald sah sich offenbar aus diesem Grund dazu gezwungen, sich im Vorwort seines Buches „Zurück vor den Urknall“ dafür zu rechtfertigen, dass er nicht bloß für Fachkollegen geschrieben hatte <a href="http://www.olivertacke.de/2011/10/23/raus-aus-dem-elfenbeinturm-open-science/#5">[5]</a>. Auch normale Menschen sollten das Universum und seine Theorien verstehen.</p>
<p>Aber hätte er das nicht Wissenschaftsjournalisten überlassen sollen, die speziell dafür ausgebildet worden sind? Sie sind schließlich geübt darin, aus den Erkenntnissen verschiedener Forscher eine stimmige Geschichte zusammenstellen und sie gleichzeitig informativ und unterhaltsam aufbereiten. Es gibt dafür heute ganz unterschiedliche Formate: Zeitschriften wie <a href="http://www.spektrum.de/" target="_blank">Spektrum der Wissenschaft</a>, Fernsehsendungen wie <a href="http://www.wdr.de/tv/quarks/" target="_blank">Quarks und Co.</a>, Science Centers wie das <a href="http://www.mathematikum.de" target="_blank">Mathematikum</a> in Gießen, Kinderuniversitäten und vieles mehr. Das ist schon so etwas, was man Öffentliche Wissenschaft (oder Open Science) nennen könnte. Auf diesem Wege kann nämlich schon das Verständnis für das dargebotene Wissen vergrößert werden, aber leider noch nicht für die Wissenschaft selbst oder gar die Menschen dahinter.</p>
<p>Verstehen Sie, was ich damit meine? Es werden zwar die Forschungsergebnisse mundgerecht präsentiert, aber die Prozesse, die zu diesen Ergebnissen führen, bleiben im Dunkeln. Außenstehende bekommen ein Produkt geliefert, können aber nicht nachvollziehen, wie es entstanden ist und welche Gedanken bei der Erstellung verfolgt und verworfen wurden. Sie sehen vor allem nicht, welche Probleme es auf dem Weg zu lösen gab, welche Fehler gemacht und welche Lehren aus ihnen gezogen wurden. Auch solche Dinge gehören zur Wissenschaft. Wenn man die weglässt, entsteht ein völlig falsches Bild. Und dann wundert man sich, wieso die Menschen nicht verstehen, was Herr zu Guttenberg so Schlimmes getan hat.</p>
<p><strong>Von 1.0 zu 2.0</strong></p>
<p>Nun gibt uns aber speziell das Internet die Möglichkeit an die Hand, dagegen etwas zu tun. Wir bekommen nämlich einen Rückkanal, und der ändert eine ganze Menge. Im einfachsten Fall können Wissenschaftler etwa in Blogs über Themen aus ihrem Fachgebiet berichten und Fragen von Interessierten dazu beantworten. Es wird ein zügiger direkter Austausch möglich, doch damit ist das Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft. Da ist noch Luft.</p>
<p>In der Wikipedia können wir nicht nur Texte lesen, sondern auch selbst mitschreiben. Auf YouTube können wir nicht nur Filme anschauen, sondern auch eigene einstellen und kommentieren. Die Unterscheidung zwischen Produzenten und Konsumenten von Inhalten weicht auf. Doch bevor wir die Bedeutung für die Wissenschaft weiter beleuchten, betrachten wir zunächst einige Beispiele.</p>
<p>Der Heidelberger Professor Christian Spannagel hielt &#8211; damals noch in Ludwigsburg &#8211; im Wintersemester 2008/2009 ein Seminar ab, das sich um die Didaktik der Informatik drehte <a href="http://www.olivertacke.de/2011/10/23/raus-aus-dem-elfenbeinturm-open-science/#6">[6]</a>. Die Studierenden diskutierten in einem öffentlichen Wiki eine spezielle Theorie, Spannagel berichtete darüber in seinem Blog und per <a href="http://www.twitter.com" target="_blank">Twitter</a>. Daraufhin stießen mehrere Externe hinzu und beteiligten sich an der Diskussion. Darunter befand sich auch der Entwickler eines speziellen Lehrkonzepts, das man kurzerhand vor Ort in einer seiner Schulklassen begutachtete. Ein Referendar wurde auf den Kurs aufmerksam, erprobte das Konzept und berichtete davon den Studierenden, die darauf aufbauen konnten und selbst Unterrichtseinheiten entwickelten. Ob das in dieser Form wohl ohne eine Öffnung des Seminars möglich gewesen wäre?</p>
<p>Auf wissenschaftlichen Konferenzen ist es möglich, das aktuelle Geschehen per Video-Stream ins Internet zu stellen und gleichzeitig per Twitter die Gedanken der Teilnehmer dazu zu lesen. Mehr als die Festlegung eines eindeutigen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hashtag#Hashtags" target="_blank">Hashtag</a> braucht man dafür nicht. Und natürlich können auch Zuschauer rund um den Globus Kommentare beisteuern oder Fragen an den Vortragenden richten, die dieser wiederum auf einer Twitterwall sehen und bei Gelegenheit beantworten kann. Das nenne ich mal &#8220;mittendrin statt nur dabei&#8221;.</p>
<p>Und auch die ganz normale Forschung kann öffentlich gestaltet werden. Meine ersten Ideen halte ich oft in einem Wiki fest und bitte per Twitter oder Blogbeitrag um Anregungen dazu. Sie möchten ein Beispiel? Schauen Sie doch einmal unter <a href="http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:O.tacke/Zeitschrift_fuer_E-Learning-2011 " target="_blank">http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:O.tacke/Zeitschrift_fuer_E-Learning-2011</a> nach. Da kamen viele gute Anregungen zusammen, auch wenn der Beitrag nachher abgelehnt wurde. Gerade diese Rückmeldungen können zeigen, wo noch Schwierigkeiten bestehen oder Dinge offen geblieben sind. Auch der Meeresforscher Stefan Rahmstorf berichtet davon, durch Fragen der Leser seines Blogs schon auf neue Anregungen gekommen zu sein <a href="http://www.olivertacke.de/2011/10/23/raus-aus-dem-elfenbeinturm-open-science/#7">[7]</a>. Sie können sich das allerdings über den ganzen Forschungsprozess denken. Das muss nicht bei der Ideensammlung stehenbleiben, Sie können auch den ganzen Beitrag online mit anderen verfassen und Interessierte können zwischendurch etwas beisteuern &#8211; auch dazu werden Sie ganz aktuell etwas bei mir finden. Wenn ich schließlich fertig bin, könnte ich auch öffentlich darum bitten, den Text zu begutachten, bevor ich ihn bei einer Zeitschrift einreiche. All das funktioniert tatsächlich.</p>
<p>Und alle diese Beispiele würde ich mit Open Science 2.0 betiteln. Es geht nicht um das Präsentieren von fertigen Inhalten, sondern um das Erstellen, Prüfen, Verbessern dieser Inhalte durch Forscher, Praktiker und begeisterte Amateure. Wer an der Entwicklung von Wissen mitwirkt, versteht viel besser, was Wissenschaft eigentlich ausmacht und bedeutet. Andersherum bleiben Forscher vielleicht eher auf dem Boden der Tatsachen und erhalten so den Blick für das Ganze zurück, der bei ihrer Spezialisierung verloren gegangen sein könnte. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt ist jedenfalls der Ansicht, Wissenschaft sei &#8220;eine zur sozialen Verantwortung verpflichtete Erkenntnissuche&#8221; und müsse sich um die großen Menschheitsprobleme wie Überbevölkerung, Klimawandel, Globalisierung der Ökonomie oder die weltweite militärische Hochrüstung kümmern <a href="http://www.olivertacke.de/2011/10/23/raus-aus-dem-elfenbeinturm-open-science/#8">[8]</a>. Dabei ist die Kooperation Vieler gefragt, unabhängiger Experten ebenso wie betroffener Amateure.</p>
<p><strong>Am Ziel? Jetzt wird es doch erst spannend!</strong></p>
<p>Das klingt alles toll, oder? Aber vielleicht haben Sie sich oben an so mancher Stelle schon am Kopf gekratzt und gefragt, wie das denn alles gehen soll. Experten sollen mit Laien zusammen etwas entwickeln, ist das denn möglich? Die Frage stellen sich einige Unternehmen auch, wenn sie versuchen, Produkte und Dienstleistungen zusammen mit Lieferanten oder Kunden zu entwickeln. Betriebswirte nennen das Open Innovation, und da gibt es viele Ähnlichkeiten zur Open Science, die ich in einem anderen Artikel schon beschrieben habe <a href="http://www.olivertacke.de/2011/10/23/raus-aus-dem-elfenbeinturm-open-science/#9">[9]</a>.</p>
<p>Aber zurück zur Frage: Geht das denn? Es gibt manche, die auf die Theorie der sogenannten operational geschlossenen Systeme von Niklas Luhmann zurückgreifen und daraus folgern, da könne nichts Brauchbares für die Wissenschaft bei herauskommen &#8211; Wissenschaftler würden Praktiker nicht verstehen und andersherum <a href="http://www.olivertacke.de/2011/10/23/raus-aus-dem-elfenbeinturm-open-science/#10">[10]</a>. Andere halten dagegen <a href="http://www.olivertacke.de/2011/10/23/raus-aus-dem-elfenbeinturm-open-science/#11">[11]</a>. Das ist auch gar nicht so einfach zu beantworten, das ist alles ziemlich neu, und tatsächlich gibt es noch viele offene Fragen!</p>
<p>Ich bin jemand, der gerne gleich ausprobiert und manche Sachen klappen bisher gar nicht, andere schon ganz gut. Ich möchte mehr öffentliche Wissenschaft. Ich verstehe aber auch Einwände, die sich wie &#8220;Das geht nicht, weil!&#8221; anhören. Die müssen gar nicht bedeuten, dass die Idee grundsätzlich abgelehnt wird, aber dass möglicherweise einige Vorschläge noch nicht wirklich ausgereift sind. Kategorische Nein-Sager wird es allerdings auch immer geben. Also werde ich mich hier auch nicht hinstellen und verkünden, genau so oder so müsste das gemacht werden. Ich habe nicht alle Antworten &#8211; nur ein paar. Daher stelle ich einfach einige Fragen zusammen, die mir diskussionswürdig erscheinen und lade Sie dazu ein, die Liste zu ergänzen und miteinander darüber zu diskutieren.</p>
<p><strong>Fragen zur Diskussion</strong></p>
<ul>
<li>Gefährde ich als seriöser Wissenschaftler nicht meinen guten Ruf und meine Karriere, wenn ich öffentliche Wissenschaft betreibe?</li>
<li>Kann sich dann nicht jeder an meinen Ideen bedienen und mir damit etwas wegnehmen?</li>
<li>Wie bringe ich vielleicht fremde Leute dazu, zusammen mit mir oder Studierenden an einem Thema zu arbeiten? Will da überhaupt jemand mitmachen?</li>
<li>Frisst das nicht viel Zeit, die man besser anders nutzen sollte?</li>
<li>Wird der Wissenschaftsjournalismus überflüssig?</li>
<li>Welche technischen Instrumente eignen sich am besten für welche Phase der Forschung?</li>
<li>Welches Vorgehen eignet sich am besten für welche Phase der Forschung?</li>
<li>Was passiert, wenn Unternehmen an der Forschung beteiligt sind und Betriebsinterna berührt werden?</li>
<li>Können auch Unternehmen davon profitieren, indem Kooperation nicht nur mit Universitäten stattfinden, sondern zusätzlich mit anderen Interessierten?</li>
<li>Soll jetzt jeder dazu gedrängt werden, öffentliche Wissenschaft zu betreiben?</li>
<li>Welche Voraussetzungen müssen Wissenschaftler und andere Beteiligte dafür überhaupt mitbringen?</li>
<li>Wer soll das bezahlen? Wer hat so viel Geld?</li>
</ul>
<p><strong>Quellenhinweise</strong></p>
<p><a name="1"></a>[1] tagesschau.de (2011): Von &#8220;abstrusen Vorwürfen&#8221; zur Rücktrittserklärung, URL: <a href="http://www.tagesschau.de/inland/guttenberg770.html">http://www.tagesschau.de/inland/guttenberg770.html</a> (zuletzt abgerufen am 13.10.2011).</p>
<p><a name="2"></a>[2] Vgl. Gläser, Jochen; Lange, Stefan (2007): Wissenschaft, in: Arthur Benz et al. (Hrsg.): Handbuch Governance. Theoretische Grundlagen und empirische Anwendungsfelder, Wiesbaden, S. 437-451, hierzu speziell S. 447.</p>
<p><a name="3"></a>[3] Goethe, Johann Wolfgang von (1830): Goethe’s Werke: Vollständige Ausgabe letzter Hand. 22. Band: Wilhelm Meisters Wanderjahre oder die entsagenden, 2. Buch, Stuttgart, Tübingen, S. 249.</p>
<p><a name="4"></a>[4] Vgl. Daum, Andreas W. (2006): Popularisierung von Wissenschaft im 19. Jahrhundert, in: Faulstich, Peter (Hrsg.): Öffentliche Wissenschaft, Bielefeld, S. 33-50.</p>
<p><a name="5"></a>[5] Vgl. Bojowald, Martin (2009): Zurück vor den Urknall, Frankfurt am Main, S. 9.</p>
<p><a name="6"></a>[6] Vgl. Spannagel, Christian; Schimpf, Florian (2009): Öffentliche Seminare im Web 2.0, in: Apostolopoulos, Nicolas et al. (Hrsg.): Lernen im Digitalen Zeitalter, Berlin, S. 13-20., hierzu speziell S. 17-18.</p>
<p><a name="7"></a>[7] Vgl. Zickgraf, Arnd (2010): Die Hintertür zur Forschung, URL: <a href="http://www.zeit.de/wissen/2010-01/wisssenschafts-blogger/komplettansicht">http://www.zeit.de/wissen/2010-01/wisssenschafts-blogger/komplettansicht</a> (zuletzt abgerufen am 14.10.2011).</p>
<p><a name="8"></a>[8] Schmidt, Helmut (2011): Verantwortung der Forschung im 21. Jahrhundert, URL: <a href="http://www.mpg.de/990353/Verantwortung_der_Forschung?page=3">http://www.mpg.de/990353/Verantwortung_der_Forschung?page=3</a> (zuletzt abgerufen am 14.10.2011).</p>
<p><a name="9"></a>[9] Vgl. Tacke, Oliver (2010): Open Science 2.0: How Research and Education can benefit from Open Innovation and Web 2.0, in: Bastiaens, Theo J.; Baumöl, Ulrike; Krämer, Bernd J. (Hrsg.): On Collective Intelligence, Berlin, Heidelberg, S. 37-48.</p>
<p><a name="10"></a>[10] Vgl. zum Beispiel Kieser, Alfred; Leiner, Lars (2010): Kollaborative Managementforschung &#8211; Eine Brücke über den Rigor-Relevance Gap?, in: ZfB &#8211; Zeitschrift für Betriebswirtschaft (Sonderausgabe Mixed Methods in der Managementforschung), 80. Jg., Nr. 5, S. 89-113.</p>
<p><a name="11"></a>[11] Vgl. exemplarisch Hodgkinson, Gerard P.; Rousseau, Denise M. (2009): Bridging the Rigour-Relevance Gap in Management Research: It&#8217;s Already Happening!, in: Journal of Management Studies, 46. Jg, Nr. 3, S. 534-546.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.olivertacke.de/?flattrss_redirect&amp;id=1205&amp;md5=08420f61255fb1366945a3b654a1306d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.olivertacke.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Weltverbesserung mit BWL</title>
		<link>http://www.olivertacke.de/2011/06/14/weltverbesserung-mit-bwl/</link>
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		<pubDate>Tue, 14 Jun 2011 17:24:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Tacke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Öffentliche Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[BWL]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Sonntag habe ich zur Frage geblogged, ob der Kaukasus-Leopard bei seiner geringen Verbreitung überhaupt noch eine Chance auf's Überleben hat. Zu dieser Frage können nicht nur Biologen etwas beisteuern, sondern etwa auch Informatiker, indem sie das Ökosystem modellieren und simulieren und so Aufschluss darüber geben können, welche Maßnahme am dringendsten ist oder am meisten ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Sonntag habe ich zur Frage geblogged, ob der <a href="http://www.olivertacke.de/2011/06/12/gibt-es-eine-chance-fur-den-kaukasus-leoparden/">Kaukasus-Leopard</a> bei seiner geringen Verbreitung überhaupt noch eine Chance auf&#8217;s Überleben hat. Zu dieser Frage können nicht nur Biologen etwas beisteuern, sondern etwa auch Informatiker, indem sie das Ökosystem modellieren und simulieren und so Aufschluss darüber geben können, welche Maßnahme am dringendsten ist oder am meisten Erfolg verspricht. Oder Politologen und Soziologen, indem sie die Gesellschaftsstrukturen und -prozesse im Kaukasus untersuchen und mit entsprechenden Programmen die Menschen einbeziehen.</p>
<p>Warum sollten nicht auch Betriebswirte etwas dazu beitragen können? Warum sollten sie den WWF beispielsweise nicht darin unterstützen, Projekte zu begleiten, Kostenpläne zu erstellen, die Logistik für Kampagnen zu managen oder Marketingstrategien zu erarbeiten? Und so fänden sich sicher viele Probleme in der Praxis &#8211; außerhalb von Unternehmen &#8211; an deren Lösung auch Kaufleute mit ihrem Wissen mitwirken könnten.</p>
<p>Anfang des Jahres sprach der ehemalige Bundeskanzler <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Schmidt">Helmut Schmidt</a> zu dem Thema und betonte die Verantwortung der Forschung im 21. Jahrhundert, die sich angesichts der Menschheitsprobleme ergäbe. Wissenschaft sei &#8220;eine zur sozialen Verantwortung verpflichtete Erkenntnissuche&#8221; <a href="#1">[1]</a>. Etwas philosophischer betrachtet <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Carrier">Martin Carrier</a> die Frage nach den Werten in der Wissenschaft und kommt zu seinem persönlichen Schluss, dass abseits der methodischen Objektivität eine ethische Perspektive notwendig sei, in deren Folge sich Forscher auch mit den gesellschaftlichen Konsequenzen ihrer Arbeit auseinandersetzen sollten <a href="#2">[2]</a>.</p>
<p>Es gibt in der Praxis so viele <em>bedeutende</em> (subjektiv, ich weiß) Probleme, zu deren Lösung auch Wirtschaftswissenschaftler beitragen können. Man muss nur mal eine Tageszeitung aufschlagen, um einen ersten Eindruck zu erhalten; danach bedarf es nur etwas Phantasie. Speziell für die Wirtschaftsinformatik diskutiert beispielsweise Urgestein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Mertens">Peter Mertens</a> deren gesellschaftliche Rolle und führt auch Umweltschutz, Aus- und Weiterbildung oder Lebensstandards der Bevölkerung als relevante Bereiche des Fachs an <a href="#3">[3]</a>. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gary_Hamel">Gary Hamel</a>, in der Wirtschaftswelt kein ganz Unbekannter, ist der Ansicht, dass Betriebswirte sich mit Fragen wie &#8220;Warum sollten so viele Menschen in uninspirierenden Unternehmen arbeiten?&#8221; oder &#8220;Warum sollten Manager ihre gesellschaftliche Verantwortung nicht begrüßen statt ihr aus dem Wege zu gehen?&#8221; zu beschäftigen haben <a href="#4">[4]</a>. Geld verdienen zu wollen, ist nichts Verwerfliches, aber man sollte die Umstände im Auge behalten. Und auch Forschung findet nicht in einem vom Umfeld isolierten System statt.</p>
<p>Was bedeutet das für mich und meine Arbeit? Ich selbst beschäftige mich in meiner Dissertation mit <a href="http://www.olivertacke.de/2011/05/10/mein-85-expose-lernen-durch-lehren-in-der-betrieblichen-weiterbildung/">Lernen durch Lehren (LdL) in der betrieblichen Weiterbildung</a>. Unternehmen könnten vom Einsatz des Konzepts profitieren (ob und wie, versuche ich einzugrenzen), aber besonders auch die Lernenden. Es geht bei LdL halt nicht nur darum, fachlich weiterzukommen, sondern sich über seinen Job hinaus auch selbst als Persönlichkeit zu entwickeln. Das verbuche ich unter einem gesellschaftlich bedeutsamen Aspekt. Der Gedanke der <em>Weltverbesserung im Kleinen</em> ist bei LdL <a href="http://jeanpol.wordpress.com/2008/05/06/4/">im Prinzip fest eingebaut</a>.</p>
<p>Wenn nun künftig Studierende von mir bei ihrer Abschlussarbeit betreut werden möchten, werden sie sich stets um solche Dinge Gedanken machen müssen. Ich werde auch solche Themen bevorzugt annehmen, die konkret einen klaren <em>größeren</em> Nutzen erkennen lassen &#8211; sei es die Personalführung in ehrenamtlicher Einrichtungen zu untersuchen oder Strategien für Non-Profit-Organisationen zu entwerfen.</p>
<p><strong>Zum Weiterlesen</strong></p>
<p><a name="1">[1]</a> Schmidt, Helmut (2011): Verantwortung der Forschung im 21. Jahrhundert, URL: <a href="http://www.mpg.de/990353/Verantwortung_der_Forschung ">http://www.mpg.de/990353/Verantwortung_der_Forschung</a> (zuletzt abgerufen am 13.06.2011).</p>
<p><a name="2">[2]</a> Carrier, Martin (2011): <a href="http://www.spektrum.de/artikel/1057480">Werte in der Wissenschaft</a>, in: Spektrum der Wissenschaft, 34. Jg., Nr. 2, S. 66-70.</p>
<p><a name="3">[3]</a> Mertens, Peter (2011): <a href="http://www.wirtschaftsinformatik.de/index.php;do=show/site=wi/sid=94db523d72f0f958a8bc2e94e6cc7bdc/alloc=12/id=2798">Zur gesellschaftlichen Bedeutung der Wirtschaftsinformatik</a>, in: Wirtschaftsinformatik &amp; Management, 3. Jg., Nr. 1, S. 32-38.</p>
<p><a name="4">[4]</a> Hamel, Gary (2009): <a href="http://hbr.org/2009/02/moon-shots-for-management/ar/1">Moon Shots for Management</a>, in: Harvard Business Review, 87. Jg., Nr. 2, S. 91-98.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.olivertacke.de/?flattrss_redirect&amp;id=1040&amp;md5=5a48a37fe42f5017b1caf16fb0448480" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.olivertacke.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kann man LdL auch in Unternehmen einsetzen?</title>
		<link>http://www.olivertacke.de/2010/09/16/kann-man-ldl-auch-in-unternehmen-einsetzen/</link>
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		<pubDate>Thu, 16 Sep 2010 10:55:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Tacke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Öffentliche Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[LdL]]></category>
		<category><![CDATA[Personalentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Weiterbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Nachdem ich mich nun einige Zeit in die Thematik Lernen durch Lehren (LdL) und Personalentwicklung eingearbeitet habe und in einer Vorlesung auch bereits erste praktische Erfahrung sammeln durfte (Teil 1, Teil 2 und Teil 3), habe ich meinem Chef am Montag mein Dissertationsvorhaben vorgestellt - und er hat sich dazu bereit erklärt, es zu ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem ich mich nun einige Zeit in die Thematik Lernen durch Lehren (LdL) und Personalentwicklung eingearbeitet habe und in einer Vorlesung auch bereits erste praktische Erfahrung sammeln durfte (<a href="http://www.olivertacke.de/2009/10/26/meine-ersten-gehversuche-mit-lernen-durch-lehren/">Teil 1</a>, <a href="http://www.olivertacke.de/2009/11/14/meine-ersten-gehversuche-mit-lernen-durch-lehren-teil-2/">Teil 2</a> und <a href="http://www.olivertacke.de/2009/12/21/meine-ersten-gehversuche-mit-lernen-durch-lehren-%e2%80%93-teil-3/">Teil 3</a>), habe ich meinem Chef am Montag mein Dissertationsvorhaben vorgestellt &#8211; und er hat sich dazu bereit erklärt, es zu betreuen. Der vorläufige Arbeitstitel lautet: &#8220;Lernen durch Lehren in der beruflichen Weiterbildung&#8221;.</p>
<p>Mein Ausgangspunkt ist der sogenannte &#8220;War for Talent&#8221;, der sich speziell im Bereich der Wissensarbeit verschärft. Vereinfacht gesagt, fehlt es an Fachkräften und schon heute können recht viele Unternehmen in Deutschland freie Stellen nicht mit geeigneten Mitarbeitern besetzen. Einige müssen daher gar Aufträge ablehnen. Die demographische Entwicklung legt nahe, dass sich dieser Zustand zukünftig noch verstärken wird und man sich dagegen wappnen muss. Unternehmen stehen hier vor einer &#8220;Make or Buy&#8221;-Entscheidung. Sie könnten einerseits verstärkt neue &#8220;Talente&#8221; anwerben, aber da der Personalmarkt offenbar hart umkämpft ist und selbst sinnvolle staatliche Eingriffe nicht unmittelbar wirksam würden, wäre das kein einfaches Unterfangen (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=bX7V6FAoTLc">&#8220;War, huh, yeah, what is it good for?&#8221;</a>). Sie könnten sich aber auch dazu entschließen, auf dem Papier geringer Qualifizierte oder ältere Arbeitnehmer einzustellen und sie gemeinsam mit den bereits vorhandenen Mitarbeitern weiterzubilden, so dass alle ihr fachliches Wissen aktuell halten, ihre persönlichen, sozialen und methodischen Kompetenzen ausweiten und die offenen Aufgaben übernehmen können. In diesem Zusammenhang wird von Berufspädagogen eine Abkehr von traditionellen Lehrkonzepten hin zu handlungsorientierten Herangehensweisen gefordert, um Passivität beim Lernen zu vermeiden und eine selbständige Informationserarbeitung zu fördern. Und genau hier stellt sich mir die Frage, ob LdL über die Schule und Hochschule hinaus auch in der beruflichen Weiterbildung sinnvoll eingesetzt werden kann.</p>
<p>Das könnte man vorschnell mit &#8220;natürlich&#8221; beantworten, wenn man selbst erlebt hat, wie LdL funktioniert - aber ganz so eindeutig ist es vermutlich nicht. Die individuellen Voraussetzungen und Bedürfnisse der Teilnehmer beruflicher Weiterbildungsangebote sind andere als bei Schülerinnen, Schülern oder Studierenden, die Gruppenstrukturen und -prozesse können unterschiedlich sein, es gibt vielfältige Themenfelder und vor allem sind die Rahmenbedingungen in Unternehmen nicht vergleichbar, so dass es für die Einsatzmöglichkeit von LdL sicher Grenzen gibt. Und genau diese möchte ich ausloten und am Ende einen theoretisch-konzeptionellen Rahmen entwickelt haben, wie Lernen durch Lehren in der beruflichen Weiterbildung genutzt werden kann. Um möglichst realitätsnah zu sein, wir er jedoch durch eine gegenstandsbezogene Theoriebildung gestützt werden.</p>
<p>Ich halte euch auf dem Laufenden&#8230;</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.olivertacke.de/?flattrss_redirect&amp;id=481&amp;md5=1d923a851fe100a3fae926e8f42a40d8" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.olivertacke.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Sing, Vöglein! Sing!</title>
		<link>http://www.olivertacke.de/2010/08/25/sing-voglein-sing/</link>
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		<pubDate>Wed, 25 Aug 2010 17:11:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Tacke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Öffentliche Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Lehre]]></category>
		<category><![CDATA[Professor]]></category>

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		<description><![CDATA[Um eine Professur an einer deutschen Universität zu erhalten, muss man ein Berufungsverfahren durchlaufen, darin unter anderem einen Vortrag halten und dazu die Fragen einer Kommission beantworten. Das nennt man scherzhaft "Vorsingen". In eine solch illustre Veranstaltung bin ich heute zufällig hineingestolpert und habe mir als Gast die vier Kandidaten angesehen, die eingeladen worden ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Um eine Professur an einer deutschen Universität zu erhalten, muss man ein Berufungsverfahren durchlaufen, darin unter anderem einen Vortrag halten und dazu die Fragen einer Kommission beantworten. Das nennt man scherzhaft &#8220;Vorsingen&#8221;. In eine solch illustre Veranstaltung bin ich heute zufällig hineingestolpert und habe mir als Gast die vier Kandidaten angesehen, die eingeladen worden waren.</p>
<p>Leider wie erwartet: Im Mittelpunkt stand die Forschung, hintenan die Lehre &#8211; von einer gleichberechtigten Stellung oder gar einer Symbiose konnte nicht die Rede sein. Dass von der Berufungskommission explizit zwei diesbezüglich getrennte Teilvorträge gefordert wurden, wirft schon die Frage auf, welche Bedeutung für sie die vielbeschworene Einheit von Forschung und Lehre überhaupt hat.</p>
<p>Als meine Beobachtung muss ich jedenfalls festhalten, dass ein deutliches Ungleichgewicht vorliegt. Rein quantitativ lässt sich das schon an den Zeitanteilen ablesen: Rund 75% gingen auf das Konto der Forschung. Qualitativ sah es aber wenig anders aus. Wo man zuvor noch im Detail ausgeklügelte Forschungsmethoden und -ergebnisse vorgestellt hatte (übrigens handwerklich von interessant, enthusiastisch und anschaulich vorgetragen bis zu Mit-dem-Laptop-sprechen und Mit-Text-und-Tabellen-überladene-Schaubilder-vorlesen alles dabei), beschränkte man sich nun mehrheitlich auf denkbare Inhalte einzelner Veranstaltungen. Welche Lernziele verfolgt werden, wie die Themen mit welchen Methoden entsprechend vermittelt werden sollen, welches Lehrverständnis vertreten wird &#8211; dazu gab es dann überwiegend einfach in den Raum gestellte Worthülsen aufgetischt und Aufzählungen der Form &#8220;Vorlesungen, Übungen, Seminare, Planspiele und Exkursionen&#8221; serviert. Und das war dann mit Didaktik betitelt. Sonderlich gestört hat sich die Kommission allerdings nicht daran; ihre Fragen beschränkten sich auf den Inhalt von Vorlesungen. Insofern wurde offenbar genau das geliefert, was gefordert wurde. Ob das jedoch für den Bildungsbereich auch wünschenswert ist, steht auf einem anderen Blatt. Ergänzen sollte ich, dass bei zwei der vier Kandidaten durchaus ein Engagement für die Lehre vorhanden zu sein schien, es aber deutlich weniger Raum einnahm als die Forschung.</p>
<p>Mein Fazit anhand dieses Einzelerlebnisses: Der Stellenwert guter Lehre bei der Besetzung von Professuren ist sehr gering. Hat jemand identische oder andere Erfahrungen in Berufungskomissionen gemacht?</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.olivertacke.de/?flattrss_redirect&amp;id=462&amp;md5=61221e782e9b4f1517591fda0d7b424d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.olivertacke.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Qualität hat ihren Preis &#8211; oder doch nicht?</title>
		<link>http://www.olivertacke.de/2010/06/17/qualitat-hat-ihren-preis-oder-doch-nicht/</link>
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		<pubDate>Thu, 17 Jun 2010 20:37:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Tacke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Öffentliche Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Creative Commons]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Open Access]]></category>

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		<description><![CDATA[Am vergangenen Dienstag erschien in der Süddeutschen Zeitung der Artikel "Abbestellt!", der das Thema Open Access berührt: Die University of California drohe der bekannten Zeitschrift "Nature" mit einem Boykott, weil der zuständige Verlag für die Online-Lizenz schlappe 400% Preiserhöhung verlange.

Nun könnte man sagen, das sei deren gutes Recht, schließlich leben die Amerikaner ja in ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am vergangenen Dienstag erschien in der Süddeutschen Zeitung der Artikel &#8220;Abbestellt!&#8221;, der das Thema <a href="http://www.olivertacke.de/2009/09/18/open-access-standing-on-the-shoulders-of-giants/">Open Access</a> berührt: Die University of California drohe der bekannten Zeitschrift &#8220;Nature&#8221; mit einem Boykott, weil der zuständige Verlag für die Online-Lizenz schlappe 400% Preiserhöhung verlange.</p>
<p>Nun könnte man sagen, das sei deren gutes Recht, schließlich leben die Amerikaner ja in einer freien Marktwirtschaft. Der Haken dabei ist allerdings, dass wissenschaftliche Zeitschriften ihre Beiträge kostenlos von Wissenschaftlern erhalten, die zumeist ebenso kostenlos die Artikel von anderen begutachten, um die Qualität zu sichern. Dafür kommt letztlich der Steuerzahler auf beziehungsweise in den USA zu großen Teilen die Studierenden &#8211; die finanzieren ja das Personal der Universitäten. Und die zahlen eigentlich doppelt, da sie den Verlagen die Zeitschriften mit den Ergebnissen auch abkaufen müssen. DAS Thema wollte ich aber gar nicht durchkauen, das kann man <a href="http://www.olivertacke.de/2009/09/18/open-access-standing-on-the-shoulders-of-giants/">an anderer Stelle vertiefen</a>.</p>
<p>In dem Zeitungsartikel wird jedoch implizit unterstellt, Open Access bedeute &#8220;Selbstverlag der Universitäten&#8221;, und für die Fachverlage spräche &#8220;ein kundiges Lektorat und Qualitätskontrolle anstelle von stümperhafter Selbstpublikation am eigenen Computer&#8221;. Ich habe den Verfasser des Artikels kontaktiert, und er hat klargestellt, dass die Darstellung von Open Access aufgrund des knappen Raums sehr verkürzt gewesen sei und &#8220;Selbstverlag&#8221; nicht auf die &#8220;Qualität&#8221; abgezielt hätte. Dennoch möchte ich hier anhand eines Beispiels verdeutlichen, was Open Access tatsächlich heißen kann.</p>
<div id="attachment_362" class="wp-caption aligncenter" style="width: 250px"><a href="http://www.olivertacke.de/wp-content/uploads/2010/06/quality_approved.png"><img class="size-medium wp-image-362 " title="quality_approved" src="http://www.olivertacke.de/wp-content/uploads/2010/06/quality_approved-300x271.png" alt="Geprüfte Qualität (Bild von stijnbern, Public Domain)" width="240" height="217" /></a><p class="wp-caption-text">Geprüfte Qualität - Bild von stijnbern, Public Domain</p></div>
<p>An der Uni in Göttingen wird nämlich eine Open-Access-Zeitschrift namens <a href="http://www.gojil.eu/" target="_blank">GoJIL</a> (Goettingen Journal of International Law) herausgegeben, die sich vor der &#8220;Konkurrenz&#8221; nicht zu verstecken braucht und trotz ihres kurzen Bestehens bereits ein gewisses Renommee genießt. Zum einen gibt es &#8220;Peer Reviews&#8221;, das heißt eingereichte Beiträge müssen einer Begutachtung durch Professoren standhalten. Außerdem wird von Muttersprachlern das Englisch geprüft, und es kümmern sich fleißige Helfer darum, dass alle formalen Richtlinien eingehalten werden. Mehr noch, sie prüfen akribisch jede Fußnote auf Korrektheit, indem sie sich die angegebene Literatur besorgen und schauen, ob die zitierten Aussagen dort wirklich getroffen werden &#8211; und wie mir gesagt wurde, gibt es da auch durchaus mal etwas zu bemängeln. Wer eine gedruckte Fassung haben möchte, kann sich diese kaufen, aber alle Inhalte sind auch kostenlos online verfügbar. Außerdem darf sie jeder für nicht-kommerzielle Zwecke unter Angabe der Urheber in unveränderter Form weitergeben (<a href="http://www.gedankenstuecke.de/archives/2267-Creative-Commons-in-den-Wissenschaften.html" target="_blank">Creative Commons in den Wissenschaften</a>). Und, ganz nebenbei, hatte ich schon gesagt, dass all dies ehrenamtlich von Studierenden organisiert wird???</p>
<p>Sicherlich werden nicht alle Open Access Zeitschriften so professionell arbeiten, aber aus erster Hand weiß ich, dass es auch bei den großen Verlagen wie Gabler/Springer mitunter laxer zugeht. Fazit: Open Access sollte man nicht irrtümlich mit geringerer Qualität als bei &#8220;klassischen&#8221; Zeitschriften gleichsetzen.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.olivertacke.de/?flattrss_redirect&amp;id=356&amp;md5=47ccef2799e486acd52f5fb1100155cb" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.olivertacke.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Wie praktisch, das ist ja gar nicht so theoretisch!</title>
		<link>http://www.olivertacke.de/2010/02/24/wie-praktisch-das-ist-ja-gar-nicht-so-theoretisch/</link>
		<comments>http://www.olivertacke.de/2010/02/24/wie-praktisch-das-ist-ja-gar-nicht-so-theoretisch/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 24 Feb 2010 12:15:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Tacke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Öffentliche Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>

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		<description><![CDATA[" there is nothing so practical as a good theory."
Kurt Lewin
Das Problem ist altbekannt: Oft werden Theorie und Praxis als Gegenpole dargestellt. Auf der einen Seite das Betrachten, Durchdenken und Entwickeln von Hypothesen und Modellen, auf der anderen Seite das Durchführen und Handeln in der Wirklichkeit. Diese Unterteilung birgt viel Zündstoff; "Praktiker" werfen "Theoretikern" ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>&#8220;[...] there is nothing so practical as a good theory.&#8221;<br />
<em>Kurt Lewin</em></p></blockquote>
<p><em></em>Das Problem ist altbekannt: Oft werden Theorie und Praxis als Gegenpole dargestellt. Auf der einen Seite das Betrachten, Durchdenken und Entwickeln von Hypothesen und Modellen, auf der anderen Seite das Durchführen und Handeln in der Wirklichkeit. Diese Unterteilung birgt viel Zündstoff; &#8220;Praktiker&#8221; werfen &#8220;Theoretikern&#8221; Realitätsferne vor, deren Ideen in den seltensten Fällen auf den konkreten Anwendungsfall übertragen werden können. Andersherum wird unterstellt, man reflektiere viel zu wenig und könne nicht durch Herumtappen in Versuchen und Erfahrungen, ohne Prinzipien abzuleiten, weiter kommen als durch Theorie (vgl. Kant, Immanuel (1918): Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis, in: Felix Meiner Verlag (Hrsg.): Taschenausgaben der &#8220;Philosophischen Bibliothek&#8221;, Bd. 8, S. 70).</p>
<p>In der Wissenschaft gibt es eine vergleichbare Diskussion &#8211; man unterscheidet dort die reine Wissenschaft von der angewandten Wissenschaft. Während erstere das Ziel verfolgt, lediglich neues Wissen zu sammeln (&#8220;Wissenschaft als Selbstzweck&#8221;), steht bei letzterer die &#8220;bessere Lebensbewältigung&#8221; im Mittelpunkt, die durch praktische Umsetzung der Erkenntnisse erreicht werden soll (vgl. Fülbier, Rolf Uwe (2004): Wissenschaftstheorie und Betriebswirtschaftslehre, in: WiSt &#8211; Wirtschaftswissenschaftliches Studium, 33. Jg., Nr. 5, S. 266-271, hier S. 267-268).</p>
<p>Welche Spezies eignet sich aber besser als Forscher? Der Theoretiker, der gründlich nachdenkt und so zu Ergebnissen gelangt? Oder der Praktiker, der im &#8220;richtigen Leben&#8221; steht und dort seine Erkenntnisse gewinnt? Schauen wir uns beide einmal an &#8211; in sehr überspitzter Form.</p>
<p>Der Theoretiker hat einen Blick für das große Ganze und beherrscht das abstrakte Denken. Er bezieht sein Wissen allerdings mehrheitlich aus Büchern und Zeitschriften &#8211; aus den Schilderungen anderer. Er hat sich in seinem Leben zum größten Teil nur gedanklich mit einem Erkenntnisobjekt auseinandergesetzt. Ihm fehlt die Erfahrung, implizites Wissen, das in der Praxis erworben werden muss. Kant sagte: &#8220;[...] so kann es Theoretiker geben, die in ihrem Leben nie praktisch werden können, weil es ihnen an Urteilskraft fehlt: [...]&#8221; (Kant, Immanuel (1918): Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis, in: Felix Meiner Verlag (Hrsg.): Taschenausgaben der &#8220;Philosophischen Bibliothek&#8221;, Bd. 8, S. 69) Können Theoretiker die Relevanz ihrer Theorie für die Praxis dann überhaupt einschätzen? Konkret für die Universität könnte man fragen, ob jemand Konzepte für den Einsatz durch Lehramtsstudenten entwickeln und unterrichten sollte, der nie selbst an der Schule gelehrt hat, ob jemand der Wirtschaft Empfehlungen aussprechen sollte, der nie selbst in einem Unternehmen gearbeitet hat, &#8230; Wäre das nicht so, als brächte man jemandem das Autofahren bei, nachdem man lediglich Bücher darüber gelesen hat?</p>
<p>Der Praktiker hingegen ist hervorragend darin, Informationen exakt zu Verarbeiten und die Realität einzuschätzen. Er geht eher intuitiv vor, lernt durch Handeln in konkreten Situationen und hat viel Erfahrung gesammelt. Theorie ist für ihn nur unnützer Ballast, den sich &#8220;die da oben&#8221; ausgedacht haben, mit dem man aber im wirklichen Leben nichts anfangen kann. Sie sammeln Wissen vor Ort und dokumentieren es dann. Möglicherweise unterliegen sie aber auch dem Irrtum, theoretische Modelle seien allgemeingültige Richtlinien, die jeden beliebigen Einzelfall vorhersagen können &#8211; sie sehen nicht, dass Modelle bewusst abstrahieren, um zu veranschaulichen und zu vereinfachen &#8211; sonst wären sie wertlos. Welchen Nutzen hätte beispielsweise die Karte eines Landstrichs im Maßsstab 1:1? Sie wäre zwar sehr genau, aber man könnte sie nicht mehr gebrauchen ﻿(vgl. Pidd, Mike (2009): Tools for Thinking: Modelling in Management Science, 3. Aufl., Chichester, S. 12) Hier könnte man nun fragen, ob Erkenntnisse eines Praktikers überhaupt einen Wert haben, wenn man sie nicht auf andere Situationen übertragen kann. Wäre das nicht so, als meine man alles über Autos zu wissen, nur weil man mal eines oder auch zwei gefahren hat?</p>
<p>Wie so oft kommt es wahrscheinlich auch hier auf eine gesunde Mischung an, oder doch nicht? Könnte sich nicht die eine Hälfte der Forscher auf die Theorie stürzen, die andere Hälfte auf die Praxis, und am Ende tragen beide ihre Ergebnisse zusammen? Oder gar: Könnte nicht die theoretische Grundlagenforschung nur an Universitäten stattfinden, die angewandte Forschung anderswo, zum Beispiel an den Fachhochschulen? Oder man tauscht sich einfach mit der Wirtschaft aus? Moment, die Idee hatte ja offenbar schon einmal jemand. Dummerweise klappt das mit dem Austausch überhaupt nicht, zumindest sehe ich das selten. Jeder wurschtelt lieber für sich allein, verschenkt Potenzial und gibt sich lieber den eingangs geschilderten Vorwürfen hin.</p>
<p>Unabhängig davon wäre es mir persönlich zu wenig, stets nur an Einzelproblemen zu forschen, ohne sie in einen größeren Kontext zu betten. Gleichsam fände ich es überaus unbefriedigend, stets nur neue Theorien aus der Literatur abzuleiten, ohne jemals zu versuchen, sie in der Praxis durch Falsifikation zu überprüfen (sondern wieder nur anhand von Literatur). Dann würde etwas fehlen. Man benötigt daher als Forscher stets beides, Theorie und Praxis im ständigen Wechselspiel, die sich gegenseitig immer wieder befruchten. Oder wie Jean-Pol Martin es formulierte: &#8220;Konzepte schützen mich gegen Misserfolge in der Praxis. Die Praxis sichert ab, dass ich keinen Schrott produziere.&#8221; (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=qKD39VJVCUg" target="_blank">Abschlussvortrag am LdL-Tag an der PH Ludwigsburg</a>, 9. Mai 2009) Eine Sonderstellung nimmt allenfalls die Mathematik ein, denn sie ist gar nicht auf die Realität angewiesen. Sie ist ein reines Gedankengebäude, dass man zwar modellhaft (und oft sehr Gewinn bringend) auf unsere Welt anwenden kann, notwendig ist dies aber zum Beweisen von Vermutungen nicht. Dennoch kann man vielleicht auch in diesem Bereich durch praktische Anwendung auf neue Ideen kommen.</p>
<p>Für den Einstieg in die Forschung sehe ich zwei ebenbürtige Möglichkeiten:</p>
<ol>
<li>Es herrscht &#8220;Leidensdruck&#8221; in der Praxis, ein bestimmtes Problem lösen zu müssen. Auf diese Weise wurde zum Beispiel aus dem Klassenzimmer heraus die Lehrmethode LdL entwickelt, die sich zahlreicher Theorien bedient (vgl. Martin, Jean-Pol (2009): <a href="http://jeanpol.wordpress.com/2009/09/04/leidensdruck-als-erkenntnismotor" target="_blank">Leidensdruck als Erkenntnismotor</a>, zuletzt abgerufen am 21.02.2010). Dieser Ausgangspunkt ließe sich eher der angewandten Wissenschaft zuordnen.</li>
<li>Es wird theoretische Grundlagenforschung betrieben um der Erkenntnis willen. Diese wird in der Praxis überprüft und führt dort zu Innovationen, die wiederum Ideen für weitere Forschung bieten. So ermöglichte die Entdeckung des Riesenmagnetowiderstands beispielsweise erst die Entwicklung von Festplatten &#8211; die so nicht geplant war. Dieser Ausgangspunkt wäre der reinen Wissenschaft zuzuordnen.</li>
</ol>
<p>Wichtig ist in jedem Fall (zumindest mir), dass möglichst zügig eine Verschränkung zwischen Theorie und Praxis stattfindet. Man darf zwar einfach mal etwas Ausprobieren, ohne sich zu viele Gedanken zu machen, sollte dann aber alsbald konzeptualisieren; sonst läuft man womöglich von Sackgasse zu Sackgasse, weil man das große Ganze nicht überblickt. Ebenso darf man auch einfach mal theoretische Ideen entwickeln, sollte sie aber nicht zu lange ohne Überprüfung stehen lassen. Andernfalls sehe ich die Gefahr, wackelige Modelle zu entwickeln, die man später umständlich stützen muss &#8211; oder sonst wie ein Kartenhaus einstürzen können.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>Open Access: &#8220;Standing on the shoulders of giants&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Sep 2009 09:52:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Tacke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Öffentliche Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Open Access]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Idee des Open Access ist nicht neu: Wissenschaftliche Literatur soll kostenfrei und öffentlich im Internet verfügbar sein. Gestützt wird diese Forderung zum einen darauf, dass öffentliche Forschung durch die Allgemeinheit finanziert werde und ihr daher auch zugänglich sein sollte. Zum anderen sollten Erkenntnisse zum Nutzen der gesamten Menschheit möglichst breit verfügbar gemacht werden. ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Idee des Open Access ist nicht neu: Wissenschaftliche Literatur soll kostenfrei und öffentlich im Internet verfügbar sein. Gestützt wird diese Forderung zum einen darauf, dass öffentliche Forschung durch die Allgemeinheit finanziert werde und ihr daher auch zugänglich sein sollte. Zum anderen sollten Erkenntnisse zum Nutzen der gesamten Menschheit möglichst breit verfügbar gemacht werden. Insgesamt sei der Zugriff per Internet weitaus unkomplizierter als auf traditionellem Wege.</p>
<p>Open Access erfährt von Seiten vieler Wissenschaftler Zuspruch. So gehören zu den Befürwortern beispielsweise die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft und auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Andererseits gibt es ebenso viele Kritiker. Im sogenannten Heidelberger Appell wurde Open Access im März 2009 heftig angegriffen (vgl. Reuß, Roland: Für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte, <a href="http://www.textkritik.de/urheberrecht/appell.pdf">online verfügbar</a>, zuletzt abgerufen am 18.09.2009). Allerdings wurden in der Streitschrift zwei grundverschiedene Dinge miteinander vermengt &#8211; zum einen das Scannen und Verbreiten von Auszügen aus beliebigen Büchern und Zeitschriften durch Google, zum anderen das Modell Open Access an sich, das sich auf den freien Zugang zu wissenschaftlichem Material beschränkt und zunächst auf noch nicht Publiziertes abzielt. In Folge entbrannte ein öffentlicher Diskurs, online wie offline, der über die <a href="http://open-access.net/de/allgemeines/rechtsfragen/aktuelle_diskussion_um_oa_und_urheberrechte/">Seite der Informationsplattform Open Access</a> nachvollzogen werden kann.</p>
<p>Leider wird die Debatte sehr polemisch geführt, und es treten immer wieder dieselben Vorbehalte gegen Open Access auf, beispielsweise mangelnde wissenschaftliche Qualität. Dabei wird übersehen, dass Open Access nicht gleichbedeutend ist mit einem Fehlen von Peer Reviews durch qualifiziertes Personal &#8211; ebensowenig wie die Veröffentlichung in einer Zeitschrift oder einem Buch nicht per se bedeutet, dass Peer Reviews durchgeführt werden. Der Wert einer wissenschaftlichen Arbeit hängt schlicht nicht vom Medium ab, in dem es publiziert wird. Sehr kurios finde ich die aktuelle Frage von Volker Rieble, wer verantwortlich sei für eine wiederauffindbare und damit zitierfähige IP-Adresse (vgl. Rieble, Volker: Freier Zugang zu unfreien Autoren &#8211; Open Access aus juristischer Sicht, in: Forschung &amp; Lehre, 16. Jg., Nr. 9 (2009), S. 648-651). Kurios deshalb, weil auch niemand die Anschrift einer Bibliothek angibt, wenn er auf eine Quelle verweist. Eine Antwort auf die Frage nach der Auffindbarkeit von Werken und Antworten auf weitere typische Einwände finden sich ebenfalls auf der <a href="http://open-access.net/de/allgemeines/rechtsfragen/aktuelle_diskussion_um_oa_und_urheberrechte/">Seite der Informationsplattform Open Access</a>.</p>
<p>Ich finde es richtig, dass öffentlich finanzierte Forschung auch öffentlich zugänglich gemacht werden soll. Nur wenn Wissen geteilt wird, kann es wachsen. Oder wie es Isaac Newton sagte: &#8220;If I have seen further it is only by standing on the shoulders of giants.&#8221; Derzeit sieht es aber so aus, dass Universitäten &#8211; und damit die Steuerzahler &#8211; zunächst die Forschung und die Begutachtung bezahlen. Im Anschluss kaufen sie dann den privatwirtschaftlichen Verlagen die Ergebnisse ab, die sie ihnen zuvor kostenlos zur Verfügung gestellt haben.</p>
<p>Es lässt sich schlicht besser forschen, wenn freier Zugang zu allen wissenschaftlichen Informationen besteht. In einer modernen Wissensgesellschaft sollte das nichts Überraschendes oder Abwegiges sein, aber dennoch gibt es vehemente Gegner von Open Access. Einige betrachten es als radikalen Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit, die vom Grundgesetz garantiert wird. Dieser Schutz ist in der Tat sehr wichtig: Der Staat sollte niemandem vorschreiben dürfen, was er mit welcher Methode zu erforschen hat! Einem juristischen Laien sei aber die Frage erlaubt, ob der Bürger als Geldgeber nicht zumindest ein moralisches Recht hat, unbeschränkte Einsicht in die Ergebnisse zu erhalten.</p>
<p>Andere Kritiker meinen, den Autoren werde das &#8220;geistige Eigentum&#8221; genommen. Auch bei diesem Thema begäbe ich mich bei einer Diskussion auf sehr dünnes Eis, denn der Begriff des Eigentums ist schon unter Juristen ein umstrittenes Thema. Aber: Die Urheber ihrer Werke bleiben die Verfasser in Deutschland ohnehin, streitig sind nur Verwertungsrechte. Häufig müssen Forscher diese aber gerade bei der traditionellen Publikation komplett an Verlage abtreten. Ohne Genehmigung dürften sie nicht einmal Kollegen eine Kopie eines Beitrags schicken oder diesen auf ihrer eigenen Internetseite veröffentlichen. Bei Open Access verbleiben die Rechte aber beim Autor, und er kann seine Arbeit nach eigenem Ermessen weiter verwerten. Es scheinen demnach eher die Interessen der Verlage betroffen zu sein, deren Geschäftsmodelle im Zeitalter des Internet nicht mehr funktionieren. Sie bitten nun den Gesetzgeber um rechtliche Gegenmaßnahmen, statt sich im Sinne von Schumpeter der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6pferische_Zerst%C3%B6rung">schöpferischen Zerstörung</a> zu bedienen und mit innovativen Ideen zu trumpfen &#8211; Apple hat mit dem Geschäftsmodell um den iTunes-Store und den iPod bewiesen, dass dies auch im Internet möglich ist. Obwohl Musik auch kostenlos heruntergeladen werden kann, erwirtschaftet das Unternehmen damit beinahe 50 Prozent seines nicht gerade geringen Umsatzes (vgl. Christensen, Clayton M.; Johnson, Mark W.; Kagermann, Henning: Wie Sie Ihr Geschäftsmodell neu erfinden, in: Harvard Business Manager, 31. Jg., Nr. 4 (2009), S. 36-49).</p>
<p>Würde der Staat durch weitere Schutzmaßnahmen vor modernen Medien nicht lediglich eine schwer kranke Branche künstlich am Leben erhalten? Müsste man dann nicht auch Autos verbieten, die mit Solarenergie betrieben werden? Die gefährden schließlich die Existenz der Tankstellenbetreiber (vgl. JGE: Die Angst des Roland Reuß vor Open Access, <a href="http://philobar.blogspot.com/2009/02/die-angst-des-roland-reu-vor-open.html">online verfügbar</a>, zuletzt abgerufen am 17.09.2009).</p>
<p>Wenn nun mit Open Access vieles besser werden könnte &#8211; Forscher könnten schneller Ergebnisse verbreiten, würden ein größeres Publikum erreichen, könnten selbst auf mehr Informationen zugreifen, würden potenziell häufiger zitiert und Studenten bräuchten keinen Konkurrenzkampf mehr um knappe Literaturexemplare zu führen &#8211; warum sträuben sich viele gegen den Gedanken? Zum einen, weil Sie möglicherweise durch den oben genannten Heidelberger Appell das Gebaren von Google (das wäre ein anderes Thema) und Open Access in einen Topf geworfen haben: Einige Autoren zogen in der Tat ihre Unterschrift zurück, nachdem ihnen klar wurde, worum es eigentlich geht. Einen anderen Erklärungsansatz bietet Niels Taubert (vgl. Taubert, Niels. C.: Eine Frage der Fächerkultur? Akzeptanz, Rahmenbedingungen und Adaption von Open Access in den Disziplinen, in: Forschung &amp; Lehre, 16. Jg., Nr. 9 (2009), S. 657-659). Er berichtet, dass die Gegner von Open Access vornehmlich Geistes- und Sozialwissenschaftler in ihren Reihen hätten, Naturwissenschaftler dem Modell aber mehrheitlich positiv gegenüberständen. Er führt dies auf den Drang nach Anerkennung zurück. Zuspruch erhielte beispielsweise in der Physik derjenige, der als erster neue Erkenntnisse veröffentlicht. In den Geistes- und Sozialwissenschaften werde Anerkennung allerdings nicht durch fachliche Würdigung erzielt, vielmehr orientiere man sich an &#8220;Symptomen&#8221; wie dem Publikationsort oder der Länge der Publikationsliste: &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Publish_or_perish">Publish Or Perish</a>&#8220;. Ein solches System fördere nicht die Mitteilung von Forschungsergebnissen, sondern das Streben nach Maximierung &#8220;symptomatischer Reputation&#8221;. Hier ist dringend ein Umdenken erforderlich.</p>
<p>Wenn Forscher froh sind über jede wissenschaftliche Erkenntnis, auf der sie aufbauen können, sollten sie ihr Wissen nicht auch bereitwillig der Gemeinschaft zur Verfügung stellen? Sollten Verlage nicht ihre Strategien anpassen, statt zu versuchen, den Gesetzgeber als Wegbereiter für ihre überkommenen Geschäftsmodelle einzuspannen? Und zu guter Letzt: Wenn Politiker eine Bildungsrepublik fordern, sollte es ihnen nicht daran gelegen sein, den Zugang zu Forschungsergebnissen für möglichst viele frei zugänglich zu machen? Ich denke schon.</p>
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