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Wissenschaft im Schaufenster

Generischer Forschungsprozess

Ein generischer Forschungsprozess als Kreislauf (vgl. Neylon (2009), Schaubild 30)

Das Thema Offene Wissenschaft scheint gerade etwas an Fahrt aufzunehmen, und zusammen mit Christian Spannagel durfte ich für die duz 09/15 einen kurzen Beitrag schreiben. Für Eingeweihte steckt sicher nichts Neues drin, aber alle anderen bekommen möglicherweise ein paar Ideen dazu, wie man Forschungsprozesse mit Hilfe digitaler Medien für andere öffnen kann. Dumm nur: Offenbar zählt er nicht zu den zwei bis drei Beiträgen einer Ausgabe, die online frei verfügbar sind.

Wir hätten gerne mehr Details geliefert, aber der Platz war nun mal begrenzt. Sorry 🙂 Dafür spendieren wir euch hier aber gerne die nebenstehende Abbildung im SVG-Format — zum komplett freien Weiternutzen, Bearbeiten und Liebhaben: Generischer_Forschungsprozess.svg

Update vom 21. September 2015
Juchu! Der Artikel ist nun online frei zugänglich! Vielen Dank an die duz!

Verflechtungsideen

Ich habe mich dazu überreden lassen, für die Veranstaltung Verflechtungen II: Medien, Bildung und Wissen in der Hochschule einen Vorschlag für einen Workshop einzureichen. Ich habe etwas gezögert, weil das Thema für mich schon irgendwie ein alter Hut ist, aber warum nicht!? Es folgt mein Vorschlag bisher, den ihr natürlich gerne kommentieren dürft.

Mein Vorschlag bisher

Ein Studium in Deutschland hat zum Ziel, Studierende zu wissenschaftlicher Arbeit zu befähigen. So will es §7 des Hochschulrahmengesetzes. Eng verbunden ist damit das Anfertigen von Texten, die Gütekriterien wie Nachvollziehbarkeit oder schlüssiger Argumentation genügen. Die Fertigkeit, Texte mit entsprechenden Merkmalen anzufertigen und so Wissen festzuhalten, kann auch in einem beruflichen Tätigkeitsfeldes jenseits der Forschung wertvoll sein. Denken Sie nur an das Entwickeln von Geschäftsmodellen, um Geld von InvestorInnen einzuwerben, oder an das Untersuchen und Dokumentieren eines Flugzeugabsturzes, um weiteren vorzubeugen. In der Praxis sind solche Texte oft keine Einzelleistung. Fächerübergreifend sind Forschungsergebnisse zunehmend das Ergebnis von Teamarbeit (vgl. Tacke 2010, S. 37-38). Nicht anders verhält es sich mit Ausarbeitungen in Unternehmen.

Wenn also Wissen bzw. Inhalte in Textform zunehmend kollaborativ entstehen, liegt es nahe, dies bewusst im Studium zu üben und dafür passende Werkzeuge einzusetzen. Zu diesen zählen etwa Wikis, und tatsächlich werden sie schon seit geraumer Zeit in der Hochschullehre verwendet (vgl. Bremer 2012, S. 81-82). Eher selten ist es jedoch, dass die studentischen Resultate dabei frei zugänglich gemacht werden. Noch seltener ist es, den gesamten Entstehungsprozess der Texte nach außen hin sichtbar zu machen oder gar Externen zu gestatten, daran mitzuwirken. Gegen ein solches geöffnetes Vorgehen wird zum Beispiel gerne der geschützte Lernraum ins Feld geführt: „Will ich als Studierender meine Lehrveranstaltung Externen dokumentieren? Will ich mit meinem Namen über Jahre hinweg für bestimmte, womöglich naive Thesen zu Zeiten des Studienbeginns stehen? Will ich mich und meine Lerninhalte überhaupt preisgeben und mich potenzieller Kritik aussetzen?“ (Hofhues 2010, S. 405-406) Dass diese Fragen keinesfalls klar mit „nein“ zu beantworten sind und Studierenden durchaus selbst darüber entscheiden können, zeigen öffentliche Seminare, die ich bereits vor einiger Zeit ausgearbeitet, angeboten und ausgewertet habe (vgl. Tacke 2013). Zu deren wesentlichen Besonderheiten zählten:

  • Die Seminararbeiten konnten ausschließlich in Gruppen bearbeitet werden,
  • die Texte wurden schrittweise in einem durchgängig frei zugänglichen Wiki verfasst und
  • es war wegen des Strebens nach Transdisziplinarität ausdrücklich erlaubt, dass sich Externe (z. B. PraktikerInnen) am Erstellen der Arbeiten beteiligen.

In die Planung und Durchführung flossen bereits verschiedene Aspekte ein, die im Beitragsaufruf zu Verflechtungen II angesprochen wurden. Die rigorose Öffnung der Seminare etwa sorgte für gehörige Irritation. Es ist in der Hochschullehre eher ungewöhnlich, den Lernprozess von außen beobachtbar zu machen. Den Studierenden, die an den Seminaren teilnahmen, bereitete dies jedoch keine sonderlichen Bauchschmerzen. Es dürfte darüber hinaus in der Hochschullehre die Ausnahme sein, dass sich externe Gruppen am Verfassen von Seminararbeiten beteiligen dürfen. Auch die im Beitragsaufruf gestellte Frage nach der Prüfung von Einzelnen bei kollaborativ erstellten Inhalten wurde konsequent gehandhabt. Es wurden ausschließlich Gruppennoten vergeben — auch wenn dieses pragmatische Vorgehen nicht durch alle Prüfungsordnungen gedeckt gewesen sein mag.

Für Verflechtungen II kann ich mir vorstellen, im Flipped-Conference-Format relevante Fragen zu diskutieren. Ausgehend von einer Vorbereitung durch die TeilnehmerInnen, etwa mittels http://www.olivertacke.de/2013/08/09/offentliche-seminare-in-wikis-fall-geschlossen/, würde ich ihre Fragen sammeln, etwa in einem Etherpad oder Wiki, um ausgehend davon einen Workshop von maximal zwei Stunden Dauer vorzubereiten.

  • Bremer, Claudia (2012): Wikis in der Hochschullehre, in: Beißwenger, Michael; Anskeit, Nadine; Storrer, Angelika (Hrsg.): Wikis in Schule und Hochschule, Boizenburg: Werner Hülsbusch, S. 81-120.
  • Hofhues, Sandra (2010): Die Rolle von Öffentlichkeit im Lehr-Lernprozess, in: Mandel, Schewa; Rutishauser, Manuel; Seiler Schiedt, Eva (Hrsg.): Digitale Medien für Lehre und Forschung, Münster: Waxmann, S. 405–414.
  • Tacke, Oliver (2010): Open Science 2.0: How Research and Education can benefit from Open Innovation and Web 2.0, in: Bastiaens, Theo J.; Baumöl, Ulrike; Krämer, Berndt J. (Hrsg.): On Collective Intelligence, Berlin, Heidelberg: Springer, S. 37-48.
  • Tacke, Oliver (2013): Seminararbeiten in öffentlichen Wikis verfassen – Einschätzungen aus der Perspektive von Studierenden und der Lehrperson im Fach Betriebswirtschaftslehre, URL: http://www.digibib.tu-bs.de/?docid=00051378, zuletzt abgerufen am 23.06.2015.

Eure Anmerkungen

Falls euch an meinem Text etwas auffällt, was ich bis zum 30. Juni unbedingt noch ändern sollte: immer her damit! In den Kommentaren ist mehr als genug Platz!

Mein Abstract für die ICM 2013

Am 26. und 27. Februar 2013 findet die zweite „Inverted Classroom Model“-Konferenz statt, für die Beiträge gesucht werden. Zunächst werden Abstracts von maximal einer Seite eingereicht, aus denen nach positiver Rückmeldung durch die Organisatoren ein Artikel von 8-10 Seiten Länge werden soll.

Ich werde einen Vorschlag einreichen, der zu dem gewünschten Thema Konzepte von noch nicht durchgeführten Praxisvorhaben aus dem Schul- und Hochschulbereich passt. Wer dort vorab einen Blick drauf werfen möchte, findet den Text auf meiner Wikiversity-Seite.

Den Beitrag zu schreiben gibt mir einerseits die Gelegenheit, die Idee endlich einmal zu durchdenken, die mir nun schon eine ganze Weile durch den Kopf geht. Und Anregungen nehme ich gerne an! Zum anderen kann lege ich dann vielleicht auch endlich mal praktisch los 🙂

Der Reiz der Erkenntnis wäre gering, wenn nicht auf dem Wege zu ihr so viel Scham zu überwinden wäre.

Auf meiner Wikiversity-Seite lagert noch immer ein Artikel, den Christian Spannagel und ich ursprünglich für eine Konferenz im Sommer geplant hatten. Christian musste aus Zeitgründen schließlich absagen, ich schrieb und schrieb und schrieb. Der Beitrag war zur Konferenz weder fertig noch passend, denn er hatte inzwischen mehr als den doppelten Umfang erreicht, der erlaubt war. Tja, und ich mochte nicht so viel kürzen.

Nach und nach habe ich am Text gearbeitet und fand, er sei schließlich fertig: tada! Ich suchte nach einer Zeitschrift, für die er vielleicht interessant sein könnte und stieß auf das Journal of Research Practice. Der Kontakt mit dem zuständigen Redakteur war sehr unkompliziert. Es gab zwar kein „richtiges“ Review, aber der Text wurde vorab kurz begutachtet – und abgelehnt. Lest selbst:

1. Topic: Interesting, timely, highly relevant for JRP.

2. Content: The article mentions several recently used terms (citizen science, open science 2.0, etc.). There is a need to clarify these terms/concepts and develop a somewhat systematic account of how they relate to each other, their merits and difficulties, and the way they may change conventional notions and practices of research. There needs to be more systematic critical discussion.

3. Organization: Needs a more systematic argument. Suggestion for a more rigorous organization: (1) The meaning and origin of Open Science 2.0, (2) Current state and development, (3) Methodological core concepts of Open Science 2.0: aims, merits, and difficulties, and (4) Where do we go from here? Critical discussion and outlook.

4. Writing: Needs to follow a more disciplined and rigorous approach. The basic message comes through quickly, but the ideas do not appear to develop much further; also our attention as readers begins to waver. The message keeps being repeated in different terms and with various excursions into rather unspecific/remotely relevant territory. Clearly, there is a chance of condensing it into a much shorter article.

Overall: The topic has a lot of potential, but the article lacks rigorous organization. However, we honour the author’s intention in offering this as a working paper–quite in the spirit of „open science.“ To develop a publishable version, the author needs to move from description to argumentation. In its current state, the article is not ready for publication in JRP, although it has a potential for development.

Da ich den Text eigentlich gut finde, zweifele ich durchaus an mir selbst. Er holt zwar an einigen Stellen etwas weit aus und spricht einige Dinge mehrfach an, aber er sollte auch von möglichst vielen verstanden werden. Vielleicht bin ich aber doch über das Ziel hinaus geschossen; schließlich findet sich in der Rückmeldung der Vermerk, dass der Artikel gehörig zusammengedampft werden könnte, was ich ja nicht wollte. Ich werde mir überlegen müssen, ob ich den Text entsprechend überarbeiten werde oder ihn einfach so im Netz stehen lasse.

Wie sieht ein wissenschaftliches Gutachten aus?

Im August wird in Düsseldorf die Conference on Science and the Internet 2012 stattfinden, zu der Christian Spannagel und ich im Januar einen Vorschlag für einen Vortrag/Artikel eingereicht haben. Heute haben wir Rückmeldung dazu bekommen.

Wenn man Beiträge zu wissenschaftlichen Konferenzen (oder auch bei wissenschaftlichen Zeitschriften) einreicht, werden sie häufig erst einmal von anderen Wissenschaftlern begutachtet. Sie entscheiden, ob der Beitrag angenommen oder abgelehnt wird und geben den Autoren Rückmeldung und Hinweise auf Dinge, die noch beachtet werden sollten. Diese Beurteilungen bekommen Außenstehende normalerweise gar nicht zu Gesicht, und dadurch geht natürlich ein Einblick in die Wissenschaftswelt verloren. Damit man einen Eindruck davon bekommt, wie so etwas aussehen kann, veröffentlichen wir einfach einmal die Kommentare.

Review 1

  • OVERALL RATING: 1 (weak accept)
  • REVIEWER’S CONFIDENCE: 3 (high)
  • Relevance: 4 (good)

Der Vortrag wird höchstwahrscheinlich dem in unserem Doktorandenseminar gehaltenen Vortrag des ersten Autors sehr ähneln, was a priori nicht schlecht sein muss. Ich bin dafür, den Beitrag anzunehmen, möchte aber die Autoren um mehr ‚Wissenschaftlichkeit‘ in ihrem Abstract und in ihrem Vortrag bitten, d.h. um kritische Auseinandersetzung mit z.B. dem Konzept „Open Science“. Es reicht definitv nicht aus, nur über ihre eigenen Erfahrungen mit Wikis, Blogs, Twitter, usw. zu erzählen. Auch wichtig: der Abstrakt muss mindestens 2-3 bereits vorhandene Studien nennen! Fazit: die Autoren biiten, die Submission entsprechend zu überarbeiten bzw. dies bei der Vorbereitung des Volltextes des Artikels zu berücksichtigen.

Review 2

  • OVERALL RATING: 3 (strong accept)
  • REVIEWER’S CONFIDENCE: 4 (expert)
  • Relevance: 5 (excellent)

This promises to spark interesting discussions during the conference. Some thoughts and questions that came to my mind: When scholars open up their work spaces for others to see „research/teaching in the making“ who actually listens to this, watches or reads it? From the point of view of the researcher, permitting access to what would otherwise happen behind closed doors offers opportunities for the general public to further develop their understanding of science. But I wonder how many people (that are not from within the same field) actually seize these opportunities. I think the paper could benefit from a discussion of an „audience“ perspective.

Review 3

  • OVERALL RATING: 2 (accept)
  • REVIEWER’S CONFIDENCE: 2 (medium)
  • Relevance: 4 (good)

The authors describe the concept of „Open Science“, which they frame as a participatory process that brings together institutionalized science and civil society. They begin by criticizing current approaches to science communication in the mass media, which they see as unidirectional and too narrowly focused on explaining the outcomes of scientific research to lay audiences, rather than involving the general public in the framing of research agendas. I agree strongly with the authors‘ suggestion to describe failure as a natural part of the scientific process — this may indeed further public understanding of science in a considerable way.

In its current form the paper could do more to a) systematically define Open Science and contrast it with the current, „closed“ scientific paradigm and b) critically reflect what the shortcomings of the proposed and rather idealized new direction of science could be (e.g. What happens to those citizens who aren’t digitally literate? Will research agendas be subjected to (digital) mob rule? Etc). Finally, a discussion of the broader policy dimension of Open Science would be greatly appreciated (How could Open Science be incentivized?).

Der Vorschlag wurde in Summe angenommen 🙂 Klar, so etwas veröffentlicht man lieber als negative Botschaften, aber man erhält natürlich auch Absagen! Davon bekommt man dann als Außenstehender gar nichts mit, man sieht immer nur die schönen Ergebnisse. Das verzerrt das Bild von der Wissenschaft und von Wissenschaftlern. Vor zwei Jahren habe ich beispielsweise einen Beitrag verfasst, der abgelehnt wurde. Die Rückmeldung sah da so aus:

Review 1

  • Overall rating: -1 (weak reject)
  • Originalität des Themas (Stellt der Beitrag etwas Neues dar?) 2 (gering)
  • Technische Qualität (Genügen der Ansatz und die Methode wissenschaftlichen Ansprüchen?) 2 (gering)
  • Lesbarkeit des Beitrags (Wie verständlich ist die Darstellung?) 3 (durchschnittlich)

Das Paper beschreibt ein Verfahren zur schrittweisen Einführung eines Wikis in Hochschulseminaren, basierend auf Erfahrungen im Einsatz mit Wikis an der TU Braunschweig.

Der Beitrag ist solide formluiert und theoretisch gut mit entsprechenden Referenzen begründet.

Er soll eine Anleitung zur Einführung von Wikis in Seminaren an der Hochschule bieten.
Aus technischer wie auch wissenschaftlicher Sicht bietet der Beitrag wenig Neues und auch die Schritte zur Einführung eines technischen Hilfsmittels, wie es ein Wiki ist, wirken eher intuitiv, weshalb der Beitrag hier keine große Relevanz besitzt. Dies betrifft zumindest die ersten der beiden beschriebenen Schritte. Der dritte Schritt, das Wiki nach außen zu öffnen und so „transdisziplinäre Wissensentstehung zu fördern“ erscheint zwar weniger intuitiv, ist jedoch auch laut Aussage des Papers wenig erfolgversprechend. Verwirrend ist hier vor allem, dass die Autoren im Paper zunächst davon ausgehen, dass das Problem in diesem Szenario die Gefahr ist, dass die eigenständige Leistung der Seminarteilnehmer verloren geht.
Ich würde intuitiv erwarten, dass die Gefahr keine Außenstehenden für das Seminar zu gewinnen zu können weitaus größer ist. Zumal ein Wiki rein technisch die Möglichkeit bietet, die Beiträge der einzelnen Studenten zu kontrollieren.

Andere Ergebnisse aus dem Einstz des Wikis neben dem beschriebenen schrittweisen Verfahren, z.B. was die Akzeptanz des Wikis oder einen Effekt auf das Seminar oder die Arbeiten der Studenten selbst betrifft, fehlen.

Eine Betrachtung verwandter Arbeiten aus dem Bereich des Einsatzes von Wikis in e-Learning orientierten Szenarien findet ebensowebig statt, obwohl hier zahlreiche Arbeiten und Erfahrungen existieren.

Kritisch sehe ich zudem, dass der Begriff Wiki stellenweise mit „Web2.0“ gleichgesetzt wird. In Abschnitt 1 wird bspw. der Einsatz eines Wikis unter anderem damit begründet, dass die Studierenden sich bei Verwendung eines Wikis (welches im gegebenen Szenario einen sehr kleinen Nutzerkreis hat) mit den Gefahren und Potenzialen des „Web2.0“ auseinandersetzen und entsprechende Kompetenzen erwerben können. Diese Aussage sollte ggf. entsprechend relativiert werden.

Review 2

  • Overall rating: 0 (borderline paper)
  • Originalität des Themas (Stellt der Beitrag etwas Neues dar?) 2 (gering)
  • Technische Qualität (Genügen der Ansatz und die Methode wissenschaftlichen Ansprüchen?) 2 (gering)
  • Lesbarkeit des Beitrags (Wie verständlich ist die Darstellung?) 4 (hoch)

Das Beitrag motiviert den Einsatz von Wikis in Seminaren mit der Notwendigkeit innerhalb des Studiums Teamfähigkeit und die Fähigkeit zur kooperativen Erstellung von Wissensdokumenten zu vermitteln. Als geeignete Mittel werden Wikis angesehen. Der Beitrag beschreibt drei unterschiedliche Stufen des Einsatzes von Wikis, die allerdings zumindest in Stufe 1 und 2 naheliegend sind. Die Stufe 3, die Öffnung des Wikis für die Öffentlichkeit ausserhalb des Seminars, erscheint innovativ basiert aber ganz wesentlich auf Arbeiten u.a. von Spannagel.

Die Schwächen des Beitrags sehe ich im Wesentlichen in drei Punkten:

  1. Alternative Ansätze zum Training der kooperativen Texterstellung werden nur unzureichend betrachtet und nicht mit dem eigenen Ansatz verglichen.
  2. Eine belastbare vergleichend Evaluation der Ansätze bzw. Beschreibung der Erfahrungen und Aussagen zur Akzeptanz durch die Studierenden fehlt.
  3. Erfahrungen aus anderen Projekten/Veröffentlichungen die Wikis in der Lehre einsetzen werden nicht dargestellt und in die Diskussion einbezogen.

Der Beitrag ist gut lesbar, gut struktuiert und theoretisch gut begründet. Der Titel gibt den Inhalt des Beitrages nicht vollständig wieder. Meines Erachtens sollte der Aspekt des Trainings der Teamfähigkeit oder kooperativen Texterstellung berücksichtigt werden.

Review 3

  • Overall rating: -1 (weak reject)
  • Originalität des Themas (Stellt der Beitrag etwas Neues dar?) 2 (gering)
  • Technische Qualität (Genügen der Ansatz und die Methode wissenschaftlichen Ansprüchen?) 2 (gering)
  • Lesbarkeit des Beitrags (Wie verständlich ist die Darstellung?) 3 (durchschnittlich)

Der Artikel behandelt den Einsatz von öffentlichen Wikis in der Lehre unter der Fragestellung, ob hierdurch Teamarbeit und das Erstellen gemeinsamer Arbeiten geschult und bewertet werden kann. Ferne wird die Öffnung für Mitarbeit von externen Quellen betrachtet. Mangels aktiver Teilnehmer musste diese Fragestellung ausgeklammert werden.
Insgesamt bleiben leider die Fragestellungen und deren Beantwortungen an vielen Stellen nur an der Oberfläche
und betrachtet beispielsweise die Bewertung von Arbeiten anhand des Entsteheungsprozesses, wofür Wikis durchausgeeignet wären, nicht ausreichend. Auch eine gezielte Befragung der Teilnehmer
der Studie wird nicht angeführt. Diese Evaluation wäre für eine eigene Bewertung zum Einsatz von Wikis sehr hilfreich
gewesen.

Review 4

  • Overall rating: 1 (weak accept)
  • Originalität des Themas (Stellt der Beitrag etwas Neues dar?) 3 (durchschnittlich)
  • Technische Qualität (Genügen der Ansatz und die Methode wissenschaftlichen Ansprüchen?) 3 (durchschnittlich)
  • Lesbarkeit des Beitrags (Wie verständlich ist die Darstellung?) 4 (hoch)

Der Beitrag beschreibt den Einsatz von Wikis in Seminaren. Er ist gut geschrieben, gut aufgebaut und nethält einige innovativen Bezüge, auch wenn die Umsetzung heutzutage nicht mehr absolut neu ist und es dafür viele Beispiele an Hochschulen gibt und Publikationen vorliegen, die der Autor leider zum Teil an einigen zentralen Fragestellungen zur Wikinutzung in Seminaren nicht aufnimmt (s.u.). Auch wenn die Fundierungen gut sind und wissenschaftlichen Bezüge, so bleiben daher einige Fragen zur Umsetzung offen. Schnell behebbar ist die Frage: Was ist mit Gruppe gemeint im ersten Satz in 2.1, die gesamte Teilnehmergruppe eines Seminars oder eine Kleingruppe im Seminar, vielleicht hier das soziale Setting noch genauer spezifizieren, denn beides ist möglich.

Gut herausgearbeitet wurden die Vor- und Nachteile im den Abschnitten 2.1 und 2.2, doch werden aktuelle Publikationen zur Wiki Nutzung in Seminaren nicht oder kaum aufgegriffen. Daher wird auf einzelne Aspekte nicht eingegangen, die in anderen Publikationen zur Sprache kommen. Beispielsweise schreiben Studierende nicht unbedingt in ein Wiki, sondern stellen oftmals nur fertige Werke ins Netz. Der Prozess „Als zweite Stufe kann der Lehrende daher dazu übergehen, nicht bloß die Endfassung der Arbeit zu beurteilen. Ein Wiki erlaubt es ihm vielmehr, den gesamten Entstehungsprozess zu begleiten, jederzeit einen Blick auf die Arbeit zu werfen und so Probleme frühzeitig zu erkennen und bei Bedarf einzugreifen.“, auf dessen Vorteile eingegangen wird, findet eben genau oftmals nicht statt und muss über Abgabetermine und Meilensteine initiiert werden. Schön wäre, wenn der Autor hier über konkrete Erfahrungen und Evaluationsergebnisse oder Beobachtungen in seinen Seminaren berichten würde, wie wurde das in Braunschweig gelöst? Trat das Phänomen nicht auf? Ebenso Phänomene, dass Teilnehmende sich nicht gegenseitig einfach so Texte überschreiben, wie die Wikipedia-Forschung und Erfahrungen aus der Praxis zeigen (Vgl. Untersuchungen von Christian Stegbauer zu Wikipedia, die in eLearning-Seminaren bestätigt wurden. Auch die Gutachterin beobachtet dies regelmäßig in Seminaren, in denen Wikis zum Einsatz kommen – wie wird damit umgegangen, tritt dieses Phänomen auf? Hier fehlen leider Evaluationsergebnisse oder Beobachtungen der Autor berichtet hier nur wenig zum konkreten Verlauf in der Praxis. Der Anfang des Papiers ist wirklich gut und fundiert, hinten lässt es den erwarteten Praxis-/Evaluationsteil vermissen. Gut ist jedoch das Abwägen der Vor- und Nachteile, die kritische Debatte, ob Studierende es tatsächlich auch nutzen, unter welchen Bedingungen und ob es – um das Fazit mit dem Beginn des Papers zu verknüpfen – auch die Teamkompetenz steigert, bleibt jedoch offen.

Was mir speziell bei diesen Gutachten auffiel, war die durchaus konstruktive und für mich vollkommen nachvollziehbare Kritik – und als jemand, der sich damals nur nebenbei mit dem Thema E-Learning beschäftigt hatte, war ich schon stolz, keinen kompletten Verriss bekommen zu haben.

Ich selbst habe also eher positive Erfahrungen mit Gutachten gemacht, aber von Kollegen weiß ich, dass das ganz anders aussehen kann. Sie klagen mitunter über widersprüchliche Gutachten (der eine findet einen Teil grausig, der andere lobt ihn), Pauschalkritik, Antwort in zwei, drei knappen Sätzen oder irgendwie unvereinbare Hinweise („Gehen Sie ausführlicher auf diesen und jenen Aspekt ein, aber überschreiten Sie auf keinen Fall die vorgegebene Zeichenzahl“).

Wie sieht eure Erfahrung damit aus?