Der öffentlichen Wissenschaft ein Gesicht geben

9 Kommentare

Kommenden Monat werde ich auf der Open-Mind-Konferenz einen interaktiven Vortrag zum Thema Öffentliche Wissenschaft halten, und irgendwie fehlte mir ein griffiges Sinnbild. Auf Twitter schlug @laberlohe vor, einfach mehrere Eulen als Motiv zu wählen – die Eule als Symbol für die Weisheit und davon viele um anzudeuten, dass nicht eine einzige Person dazu beiträgt. Fand ich eine gute Idee.

Dankenswerterweise hat er auch gleich eine passende Vorlage des Tiers erstellt, aus dem ich mit meinen bescheidenen Fähigkeiten das folgende Logo gebastelt habe und nun als Vorschlag festhalte.

ein provisorisches, vorläufiges Logo für die öffentliche Wissenschaft

Öffentliche Wissenschaft

Da es sicher in der weiten Welt zahlreiche Leute gibt, die mehr draufhaben als ich: Wenn ihr coole eigene Ideen habt, schnappt auch die Datei des Logos (als Vektorgrafik) und tüftelt drauflos. Würde mich natürlich freuen, wenn ihr mir einen Hinweis euer Ergebnis dann auch zukommen ließet.

Neue Lust, neuer Frust

12 Kommentare

Gestern habe ich das Corporate Learning Camp in Darmstadt besucht. Heute, von der doch gefühlten Erschöpfung wieder erholt, berichte ich ein wenig darüber. Aus Lust und Laune einfach mal rückwärts.

Fazit

Hat Spaß gemacht! Habe viele bekannte Gesichter getroffen und neue kennengelernt, die Mittagspause statt zu essen mit Gesprächen verbracht. Ganz herzlichen Dank an Karl-Heinz Pape und den Rest des Organisations-Teams!

The Flipped Classroom

In einer der letzten Sessions haben Christian Spannagel und ich spontan eine Session zum Thema Flipped Classroom angeboten. Hauptsächlich Christian hat vorgestellt, wie man mit Hilfe des Internets mit seinen vielen Formaten (Texte, Videos, interaktive Inhalte) die Stoffaneignung vor den Unterricht verlagern kann, im Unterricht damit arbeitet und eine nachträgliche Beschäftigung nicht ausgeschlossen ist. Normalerweise ist es ja vermutlich eher so, dass Vorbereitung die Ausnahme darstellt, der Lehrende in einer Veranstaltung Stoff präsentiert, der dann als Hausaufgabe vertieft werden soll.

Da das Internet hier den rationalisierbaren Commodity-Anteil übernimmt und der Lehrende tatsächlich die Premium-Leistung erbringen muss – es ist ja viel schwieriger, wenn ich nicht nur Stoff vorlese – passt das recht gut dazu, was Gunter Dueck unter dem Ende der Kreidezeit und dem Internet als Gesellschaftsbetriebssystem fasst. Seine Thesen wollte ich daher als Einleitung benutzen, aber das ging gehörig in die Hose. Wohl etwas überheblich hatte ich gedacht: “Hast du ja alles gelesen, wird schon klappen.” Wirklich vorbereitet hatte ich nichts, und als ich dann auch noch etwas unsanft von einem Teilnehmer darauf gestoßen wurde, brachte mich das zusätzlich aus dem Tritt und ich suchte die Flucht in einer abrupten Abkürzung des Gesagten. Lerneffekt für mich: Ich kann nicht spontan und schick fremde Inhalte wiedergeben. Dran arbeiten.

LdL in der betrieblichen Weiterbildung?

Ich möchte bei meiner Doktorarbeit versuchen, keine theorieüberladene praxisferne Arbeit abzuliefern und habe daher als frühzeitige Rückkopplung ganz kurz LdL und meine Idee vorgestellt, das Konzept auf seine Tauglichkeit für die betriebliche Weiterbildung zu untersuchen. Das hatte ich vorbereitet bzw. da stecke ich tief im Thema drin, hier hatte ich das oben geschilderte Problem nicht.

Der empirische Teil steht noch aus, aber leider wurde meine Skepsis bestätigt, die sich zwischenzeitlich bei mir eingestellt hat. Auch die Praktiker sahen in LdL trotz einiger organisatorischer Klärungswürdigkeiten ein schönes Konzept, um nicht nur Fachwissen aufzubauen, sondern auch die vielbeschworenen sozialen Fähigkeiten zu trainieren. Der Unternehmenskontext scheint aber schlicht keinen Raum dafür zu lassen: Zeit und Geld setzen Grenzen. Jetzt könnte man beschwichtigen und sagen, Unternehmen müssten aber künftig mehr Ressourcen für die Professionalisierung der Mitarbeiter bereitstellen, oder wenn diese und jene in der Realität eher unwahrscheinlichen Voraussetzungen gälten, würde es klappen. Aber das machte eher den Eindruck: “Wenn jetzt die Luftfeuchtigkeit im Raum anders wäre, hätte das Experiment aber geklappt.” Oder: “Das Modell gilt, wenn man vom homo oeconomicus ausgeht.”

Bei mir stellt sich daher gerade ganz schön Frust ein. Natürlich hätte ich gerne einen potenziellen Nutzen für die Weiterbildung herausgestellt, etwas beigetragen. Es sieht allerdings gerade eher so aus, als ob ich nun darauf hinarbeite, meine ursprüngliche Idee selbst zu zerlegen. Das tut weh. Erkenntnistheoretisch mag das einen Wert haben, die Falsifizierung einer (wenn auch unbedeutenden) These ist ja erwünscht, aber ich erschaffe nichts. Forschung hat hier etwas Zerstörerisches an sich. Wenn man dann auch noch künstlich unter Zeitdruck gesetzt wird, der die Qualität der Arbeit zwangsläufig beeinflussen wird, macht das keinen Spaß. Wenn man dann auch noch in dem Umfeld nicht glücklich ist, in das man tagein tagaus eingebunden ist, wird die Arbeit zur Tortur. Ich weiß wirklich gerade nicht, ob ich das tatsächlich will.

Soziale Fähigkeiten online lernen?

Die für mich spannendste Session wurde von Monika König und Michael Simon geleitet. Sie kreiste um die Frage, ob man online soziale Fähigkeiten erlernen könne. Eine sehr schöne Zusammenfassung gibt es schon bei Torsten Larbig. Ich ergänze daher nur ein paar Gedanken von meiner Seite.

Es ist sicher nur schwer möglich, ausschließlich per Online-Tests oder künstlich online arrangierten Sachverhalt das Handwerkszeug dafür zu bekommen, um in einer Situation von Angesicht von Angesicht beispielsweise einen Konflikt zu schlichten. In virtuellen Welten wäre zwar schon sehr viel möglich, das Einfangen und hochaufgelöste Abbilden von Gestik und Mimik, usw., aber das kann niemand bezahlen.

Ich glaube aber einerseits schon, dass man die Anlagen für solche Fähigkeiten trainieren kann, die abseits des Fachwissens wichtig sein können. Arbeitet man etwa an der Wikipedia mit, kann es  zu hitzigen Diskussionen kommen, bei der die eigene Durchsetzungsstärke auf dem Prüfstand steht. Wirkt man an Open-Source-Projekten mit, möchte man sinnstiftend arbeiten und diesen Sinn auch anderen vermitteln, usw.

Andererseits könnte man den konkreten Anwendungsfall berücksichtigen. Wenn sich die Arbeitswelt wandelt und man immer mehr mit Personen zusammenarbeiten muss, denen man nicht ständig gegenübersteht, wenn man beispielsweise weltweit verteilte Teams führen soll, dann kann man das vielleicht online sogar besser erlernen. Es gibt dazu ein zwar schon in die Tage gekommenes, aber immer noch interessantes Diskussionspapier von IBM. Darin wird gefragt, ob Online-Rollenspieler möglicherweise viel besser verteilte Teams über das Internet leiten und führen können, schließlich sprechen sie sich tagtäglich mit anderen ab, ohne sie zu sehen, sie organisieren Quests und motivieren andere Spieler zur Hilfe, usw.

BarCamps in der betrieblichen Weiterbildung?

Felix Hartmann moderierte eine Session zu der Frage, ob BarCamps auch eine geeignete Lernumgebung für Unternehmen sein könnten. Wo gibt es vielleicht schon etwas in der Art? Wozu könnte ein BarCamp beitragen? Was müsste vielleicht modifiziert werden? Kurzzusammenfassung: Ähnliches gibt es schon vereinzelt, zur Ideengewinnung und Vernetzung könnte es etwas beitragen (nicht zur gezielten Fortbildung) und man müsste bestimmt die Du-Sie-Frage behandeln.

Zertifizierung

Die erste Session, die ich besuchte, drehte sich um das Thema Zertifizierung. Hier habe ich den Notizen von Torsten Larbig aber nichts hinzuzufügen.

Einleitung

Wie bekomme ich nun den Bogen mit der Einleitung am Ende? Vielleicht so: nach dem BarCamp ist vor dem BarCamp. Wir sehen uns doch in Bielefeld?

Let’s hang out for learning!

1 Kommentar

Seit einigen Tagen darf man Google+ testen. Und, wie fast zu erwarten war, wird recht viel Wirbel darum gemacht. Der Dienst macht einen aufgeräumten und guten ersten Eindruck, aber eigentlich ist es nur eine weitere Plattform für soziales Netzwerken im Internet, genau wie Facebook oder die VZ-Netze. Abwarten, was daraus wird. Eine Funktion finde ich allerdings besonders spannend: die Hangouts.

Ein Hangout ist erst einmal nichts weiter als eine Kombination aus Text und Videochat, zu dem man gezielt Bekannte aus seinen Circles oder auch öffentlich einladen kann. Circles sind frei und sehr einfach definierbare Bekanntenkreise, die sich individuell ansprechen lassen. Bis zu zehn Teilnehmer sind wohl in einem Hangout möglich. Gleichzeitig zum Quatschen kann man aber auch zusammen Videos auf YouTube schauen. Das sieht etwa so aus wie auf dem folgenden Bildschirmfoto (mangels weiterer Teilnehmer gerade nur mit der Webcam-Aufnahme von mir und reisebedingt auch nur in schmaler Bildschirmauflösung eines Netbooks).

Google+ Hangout mit Chatfenster und YouTube-Video

Google+ Hangout mit Chatfenster und YouTube-Video

Mich bringt das auf Ideen rund um das Thema Lernen:

  • Ich möchte mir einen Vortrag oder eine Vorlesung anschauen, die auf YouTube zu finden ist. Ich kann dann einfach spontan (oder geplant) Leute dazu einladen, mitzuschauen und mit mir darüber zu diskutieren. Wenn ich als Lehrender selbst Videos zur Vorbereitung auf Veranstaltungen anbiete, kann ich natürlich auch vorschlagen, dass sich Lernende online zum gemeinsamen Anschauen treffen, wenn es im echten Leben nicht hinhauen sollte.
  • Wenn YouTube irgendwann einmal die Live-Streaming-Option auf breiterer Front verfügbar macht, könnte man auf dieselbe Weise auch zusammen Konferenzen oder andere Veranstaltungen aus der Ferne besuchen.
  • Jemand möchte über das Web einen Kurs oder Ähnliches anbieten, manch einer nutzt dafür bisher Skype. Vergleichbare Möglichkeiten bekommt man auch mit den Hangouts von Google+, kann aber zusätzlich unkompliziert Videos einspielen.

Keine großen Ideen, und natürlich gibt es für solche Szenarien auch professionelle Programme, die dafür besser geeignet sind (vielleicht auch bald über Facebook) – aber über Google+ sind solche Funktionen grundsätzlich sofort und für jedermann kostenfrei verfügbar. Über die weiteren Möglichkeiten der Plattform kann man vielleicht gleich weitere Dinge anknüpfen.

Müsste man sicher genauer durchdenken und in der Praxis erproben, aber warum nicht? Hätte wirklich Lust dazu, allerdings eigentlich keine Zeit. Also, wer macht das für mich und berichtet?

Oh, science, thou art a heartless bitch!

3 Kommentare

In der nächsten Zeit wird es hier (ebenso in der Wikiversity, bei meiner Beteiligung am Uni-Leben oder in meinen Lehrveranstaltungen) leider spürbar ruhiger zugehen. Dieses Blog führe ich weitgehend in meiner Freizeit, auch wenn ich vorwiegend uninahe Themen aus Forschung und Lehre aufgreife und das im Sinne öffentlicher Wissenschaft zu meiner Arbeit gehört. Freizeit werde ich nun allerdings deutlich weniger haben.

Dass man es nicht einfach hat, wenn man an einer Doktorarbeit schreibt, dürfte bekannt sein. Wusste ich selbst. Dass ich nebenher auch noch einige Dinge mache, die das zusätzlich verkomplizieren, ist vermutlich ebenfalls nichts Neues. Daran bin ich selbst schuld. Dass das Umfeld aus meiner Sicht wenig förderlich ist, will ich wenigstens gesagt haben. Motiviert mich nicht gerade.

Da das Hochschulsystem in Deutschland seine Doktoranden aber in die totale Abhängigkeit schickt – wenigstens gibt es im Staat noch Gewaltenteilung – habe ich nunmehr kaum eine andere Wahl. Und genau deswegen kann ich an dieser Stelle auch nicht auf Details eingehen, wahrscheinlich habe ich sogar schon zu viel geschrieben.

Also, vergesst mich nicht.

Weltverbesserung mit BWL

2 Kommentare

Am Sonntag habe ich zur Frage geblogged, ob der Kaukasus-Leopard bei seiner geringen Verbreitung überhaupt noch eine Chance auf’s Überleben hat. Zu dieser Frage können nicht nur Biologen etwas beisteuern, sondern etwa auch Informatiker, indem sie das Ökosystem modellieren und simulieren und so Aufschluss darüber geben können, welche Maßnahme am dringendsten ist oder am meisten Erfolg verspricht. Oder Politologen und Soziologen, indem sie die Gesellschaftsstrukturen und -prozesse im Kaukasus untersuchen und mit entsprechenden Programmen die Menschen einbeziehen.

Warum sollten nicht auch Betriebswirte etwas dazu beitragen können? Warum sollten sie den WWF beispielsweise nicht darin unterstützen, Projekte zu begleiten, Kostenpläne zu erstellen, die Logistik für Kampagnen zu managen oder Marketingstrategien zu erarbeiten? Und so fänden sich sicher viele Probleme in der Praxis – außerhalb von Unternehmen – an deren Lösung auch Kaufleute mit ihrem Wissen mitwirken könnten.

Anfang des Jahres sprach der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt zu dem Thema und betonte die Verantwortung der Forschung im 21. Jahrhundert, die sich angesichts der Menschheitsprobleme ergäbe. Wissenschaft sei “eine zur sozialen Verantwortung verpflichtete Erkenntnissuche” [1]. Etwas philosophischer betrachtet Martin Carrier die Frage nach den Werten in der Wissenschaft und kommt zu seinem persönlichen Schluss, dass abseits der methodischen Objektivität eine ethische Perspektive notwendig sei, in deren Folge sich Forscher auch mit den gesellschaftlichen Konsequenzen ihrer Arbeit auseinandersetzen sollten [2].

Es gibt in der Praxis so viele bedeutende (subjektiv, ich weiß) Probleme, zu deren Lösung auch Wirtschaftswissenschaftler beitragen können. Man muss nur mal eine Tageszeitung aufschlagen, um einen ersten Eindruck zu erhalten; danach bedarf es nur etwas Phantasie. Speziell für die Wirtschaftsinformatik diskutiert beispielsweise Urgestein Peter Mertens deren gesellschaftliche Rolle und führt auch Umweltschutz, Aus- und Weiterbildung oder Lebensstandards der Bevölkerung als relevante Bereiche des Fachs an [3]Gary Hamel, in der Wirtschaftswelt kein ganz Unbekannter, ist der Ansicht, dass Betriebswirte sich mit Fragen wie “Warum sollten so viele Menschen in uninspirierenden Unternehmen arbeiten?” oder “Warum sollten Manager ihre gesellschaftliche Verantwortung nicht begrüßen statt ihr aus dem Wege zu gehen?” zu beschäftigen haben [4]. Geld verdienen zu wollen, ist nichts Verwerfliches, aber man sollte die Umstände im Auge behalten. Und auch Forschung findet nicht in einem vom Umfeld isolierten System statt.

Was bedeutet das für mich und meine Arbeit? Ich selbst beschäftige mich in meiner Dissertation mit Lernen durch Lehren (LdL) in der betrieblichen Weiterbildung. Unternehmen könnten vom Einsatz des Konzepts profitieren (ob und wie, versuche ich einzugrenzen), aber besonders auch die Lernenden. Es geht bei LdL halt nicht nur darum, fachlich weiterzukommen, sondern sich über seinen Job hinaus auch selbst als Persönlichkeit zu entwickeln. Das verbuche ich unter einem gesellschaftlich bedeutsamen Aspekt. Der Gedanke der Weltverbesserung im Kleinen ist bei LdL im Prinzip fest eingebaut.

Wenn nun künftig Studierende von mir bei ihrer Abschlussarbeit betreut werden möchten, werden sie sich stets um solche Dinge Gedanken machen müssen. Ich werde auch solche Themen bevorzugt annehmen, die konkret einen klaren größeren Nutzen erkennen lassen – sei es die Personalführung in ehrenamtlicher Einrichtungen zu untersuchen oder Strategien für Non-Profit-Organisationen zu entwerfen.

Zum Weiterlesen

[1] Schmidt, Helmut (2011): Verantwortung der Forschung im 21. Jahrhundert, URL: http://www.mpg.de/990353/Verantwortung_der_Forschung (zuletzt abgerufen am 13.06.2011).

[2] Carrier, Martin (2011): Werte in der Wissenschaft, in: Spektrum der Wissenschaft, 34. Jg., Nr. 2, S. 66-70.

[3] Mertens, Peter (2011): Zur gesellschaftlichen Bedeutung der Wirtschaftsinformatik, in: Wirtschaftsinformatik & Management, 3. Jg., Nr. 1, S. 32-38.

[4] Hamel, Gary (2009): Moon Shots for Management, in: Harvard Business Review, 87. Jg., Nr. 2, S. 91-98.

Ältere Einträge Neuere Einträge