Archiv der Kategorie: Offene Wissenschaft

In „Offene Wissenschaft“ veröffentliche ich meine Gedanken zu Forschung und Lehre

H5P-Einführung für das JFMH17

Am 16. Juni 2017 biete ich auf dem Jungen Forum für Medien- und Hochschulentwicklung 2017 einen Workshop zu H5P an. Dazu habe ich diesen Vorschlag eingereicht und als Vorbereitung ein kurzes Einführungsvideo zu H5P erstellt. Warum sollte ich das nicht offen zur Verfügung stellen?

Begleitet wird der Workshop über ein Etherpad. Dort werdet ihr hinterher auch die Ergebnisse finden.

Mal wieder was zu Bildung

Mit fremden Beiträgen aus der Bildungswelt habe ich mich hier schon eine Weile nicht mehr beschäftigt. Es ist an der Zeit, das zu ändern. Schicken wir doch einen Pingback an meinen Kollegen Markus Deimann, der vergangene Woche in Hannover einen Vortrag mit dem Titel „Warum wir für Arbeit 4.0 nicht Bildung 4.0 brauchen“ hielt und dazu auch eine Aufzeichnung und sein Manuskript verlinkt hat.

Der einleitende Teil hat mich leider an einigen Stellen ratlos zurückgelassen. Den Bogen von Arbeit 4.0 zu Bildung 0.4 halte ich beispielsweise argumentativ für gar nicht nötig bzw. zu knapp beleuchtet, um ausreichend auf die Frage im Titel einzugehen. Das kann allerdings mir zuzuschreiben sein, nicht dem Vortrag. Vielleicht bekomme ich es hier auf Reihe.

Dass maschinelles Lernen (Markus spricht von künstlicher Intelligenz) künftig für bedeutsame Änderungen in der Arbeitswelt sorgt, halte ich für unbestritten. Dass dadurch einfache Tätigkeiten auch in akademischen Feldern wegfallen, mahnt beispielsweise Gunter Dueck schon seit Jahren an. Dass sich daher jede/r als Individuum fragen sollte, ob und in welche Richtung er/sie sich weiterentwickeln muss, leuchtet mir ein — auch wenn man das als Turbokapitalismus brandmarken mag. Als Gesellschaft gäbe es da womöglich weitere Stellschrauben, aber um die geht es hier nicht.

Markus holt dann etwas aus. Den Bezug von Transhumanismus zu Uber habe ich leider nicht verstanden, wohl aber den Gedanken der emanzipatorischen Kraft von Technik. Sortiere ich aber schon unter foo 2.0 ein. Den Gedanken teile ich mit der „Kalifornischen Ideologie“. Ich sehe ihn jedoch einerseits weder als Determinismus oder Automatismus an, noch sehe ich ein Scheitern durch „kommerzielle Vereinnahmung“. Es gibt so viel „open irgendwas“. Die Möglichkeiten zur Gestaltung der IT-nahen Welt sind da, bleiben aber ungenutzt. Offenbar fehlt vielen Menschen der Mut, sich ihrer eigenen Möglichkeiten zu bedienen, wie ich es provokativ vielen Lehrenden einmal in Anlehnung an Kant attestiert habe. Vielleicht trägt auch schlicht menschliche Bequemlichkeit ihren Teil dazu bei, Konzernen das Feld zu überlassen und sich beispielsweise Alexa statt Jasper ins Haus zu holen bzw. nichts Neues auszuprobieren.

Und dann kommt bei Markus noch der alte Humboldt, aber dankenswerterweise nur aus Gründen des Geschichtsbewusstseins und wegen der kürzlichen Vereinnahmung durch Christoph Meinel. Soweit meine Spannungspunkte zum Text von Markus. Bei den folgenden vier Thesen kann ich mitgehen, würde aber an einigen Stellen etwas einwerfen wollen.

Markus hält beispielsweise fest, Bildung sei nicht Ausbildung, und „Learning Analytics“-Algorithmen liefen auf totale Fremdbestimmung bzw. Bevormundung hinaus. Da bin ich wahrlich kein Freund von, wie ich neulich auch festgehalten habe. Auch hier könnte aber jeder Mensch für sich entscheiden, vom vorgeschlagenen Weg abzuweichen — so wie ich, der sich Präsenzvorlesungen einfach nicht angetan hat. Ich befürworte zudem das Sammeln und maschinengestützte Auswerten von Daten zum Lernen. Ich befürworte aber ebenso, dass die Lernenden darüber selbst entscheiden und dass sie damit selbst etwas anfangen. Da ist sie wieder, die potenzielle emanzipatorische Kraft der Technik … Außerdem habe ich gedanklich herumgespielt: „Doch genau auf eine fremdbestimmte und kontrollierte Ausbildung laufen bestimmte Angebote hinaus, wenn etwa das Lernverhalten im digitalen Raum fortwährend protokolliert und dann von intelligenten Algorithmen LehrerInnen ausgewertet wird, um daraus möglichst passgenaue Vorschläge zu generieren.“ Ist nicht die normale Schullaufbahn ebenso fremdbestimmt und kontrolliert?

Markus schließt beinahe mit „Wir alle sind aufgefordert, mitzudenken und mitzugestalten.“ Also … Ihr könnt beispielsweise selbst bloggen, uns verlinken, kommentieren, …

Manchmal steckt das Wichtige im Interludium

In Deutschland ist vielerorts die allgemeine Anwesenheitspflicht bei Hochschullehrveranstaltungen abgeschafft worden. In Nordrhein-Westfalen muss man etwa nur physisch vor Ort sein, wenn man das Lernziel sonst nicht erreichen kann. Exkursionen, Sprachkurse, Praktika, praktische Übungen oder vergleichbare Lehrveranstaltungen müssen also weiterhin besucht werden. Etwas anders ist das offenbar an der Coventry University.

Dort müssen sich Studierende bei Lehrveranstaltungen vor Ort per Karte an einem Terminal an- und abmelden. Das dient nicht nur der Statistik, sondern kann handfeste Konsequenzen haben. Wer zu oft nicht anwesend ist, muss sich rechtfertigen und kann auch der Hochschule verwiesen werden. Hätte es das zu meiner Studienzeit in Braunschweig gegeben, hätte ich heute definitiv keinen Abschluss in der Tasche.

Interludium

Den letzten Satz hatte ich neulich sinngemäß getwittert, und daraufhin entspann sich ein kleines Missverständnis. Das habe ich heute dem Feierabendbier Open Education, Episode 26 (25:17) entnommen. Bei meinem (nicht gelöschten) Tweet fehlen wohl Anführungszeichen oder andere Indikatoren, dass das keine Antwort auf den vorangegangenen Tweet von Christian Friedrich war, sondern bloß ein neckischer und sachlich verkürzter Kommentar zu der von ihm zitierten Begründung: „Wir sorgen uns um dich“.

Was meinte ich damit? Im Jahr 1513 erschien das Buch „Der Fürst“ von Niccolò Machiavelli. Er geht darin von einem sehr pessimistischen Menschenbild aus, das er durch Beobachtung seines Umfelds gewann. Alle verdorben. Ein Herrscher könne mit passenden Regeln dennoch seine Macht erhalten und „gute“ Menschen hervorbringen. Der „gute“ Zweck heilige dabei die Mittel, da die Gesellschaft ja auch schon verkommen sei.

In meinem verworrenen Kopf formte sich aus der Situation in Coventry und dem Satz von Christian daher die Szene in einer Bar, in der mir wohlwollend ein Studium nach oben beschriebenen Muster serviert wurde und ich dem Kellner wie im Tweet antworte.

Okay, der Bogen erklärt sich nicht von alleine. Aber was hast du denn bloß gedacht, Christian? 🙂

Und wieder zum Thema

Wenn ich schon einmal beim Thema bin, hänge ich doch noch etwas dran. Vergangene Woche habe ich mir einen Vortrag von Rolf Schulmeister angesehen. Er beschreibt dadurch Effekte der physischen Anwesenheit in Lehrveranstaltung, der er empirisch erhoben hat. Zusammengedampft: „Wer in den Hörsaal geht, bekommt bessere Noten als jemand, der das nicht tut oder nur online lernt.“

Na, wenn das so ist!? Ist dann Anwesenheitspflicht wie in Coventry doch eine runde Sache? Sind die Überwachungsmaßnahmen völlig in Ordnung, weil ja etwas Gutes für die Studierenden dabei herauskommen soll? Oder ist das doch etwas zu viel der Fremdbestimmung und Freiheitsbeschneidung? Was meint ihr?

Habe ich Wikingerblut in mir?

Wissenschaft ist so eine tolle Sache 🙂 Vor ein paar Jahren habe ich über 23andMe mal meine DNA analysieren lassen und damals schon kurz darüber berichtet. Der Dienst wurde jetzt kürzlich überarbeitet. Da es neue Erkenntnisse gibt, lohnt sich vielleicht ein erneuter Blick.

„The Northerners will never forget.“

Leider hat 23andMe beim seiner Umstellung die Gesundheitssparte für NichtamerikanerInnen wohl streichen müssen. Die genealogischen Sachen sind aber auch nicht ohne. Neu ist beispielsweise eine Aufschlüsselung, die zeigt, woher wann welche Vorfahren stammen. Sie ist zu lesen als „Du hattest sehr wahrscheinlich einen Vorfahren, der/die zu 100 % aus dem angezeigten Gebiet stammt und zwischen X und Y geboren wurde.“

Zeitstrahl mit genetischer Herkunft

Spannend, oder? Von Biologie habe ich zwar kaum eine Ahnung, aber ich bin wissenschaftlich vorbelastet. Ich hinterfrage das wenigstens, wie ich es auch schon bei den Gesundheitsergebnissen getan habe. Passt aber tatsächlich ebenfalls ins Bild. Gehen wir das doch chronologisch durch.

Der Osten

Der zeitlich am nächsten liegende Block ist zwischen 1860 und 1920 in Osteuropa. Bingo! Meine Großmutter mütterlicherseits wurde 1920 in Tilsit geboren (heute Sowetsk in Russland), genau wie ihre Eltern. Mein Großvater mütterlicherseits stammt aus Breslau, und dessen Eltern aus Dresden und Nimptsch (heute Niemcza in Polen). Damit erschöpft sich allerdings die genauere Kenntnis über die Herkunft meiner Verwandten. Es wird ab jetzt also spekulativ. Wo etwa der Balkan vor rund 200 Jahren herkommt: Keine Ahnung.

Die Inseln

Wegen der roten Haare in meinem Bart habe ich bereits gemutmaßt, dass ich womöglich irische/schottische Vorfahren habe. Vielleicht ist sogar meine Vorliebe für Irish Pubs genetisch bedingt? 😉 Wäre nach obiger Abbildung schlüssig. Dazu passt auch meine Spekulation zur Herkunft meines Nachnamens. Die geben häufig Berufsbezeichnungen wieder, aber für Tacke fällt mir im Deutschen nichts ein. Im Englischen existiert aber der ähnlich klingende Nachname Tucker. Der bezeichnet eine Person, die Stoffe walkt (auf Deutsch wiederum ein „Tucher“). Womöglich gab es eine Lautverschiebung, Transkription, Schriftstückverfälschung oder etwas Ähnliches. Da könnte ich fündig werden, wenn ich in meiner Historie väterlicherseits grabe.

Der Norden

Weiter zurück geht es dann nach Skandinavien. Offenbar stammte ein Teil meiner Vorfahren über mehrere Generationen hinweg aus den kalten nördlicheren Gefilden. Darf ich nun behaupten, ich hätte vielleicht Wikingerblut in meinen Adern? 😉 Noch weiter zurück geht es spezifischer in Richtung Finnland und sogar bis ins tiefste Sibirien nach Jakutien. Da verrät mir eine andere Übersicht aber, dass die beiden letzten Gebiete in meiner DNA zusammen nur noch einen Anteil von 0,5 % haben. Mit 53,3 % haben wohl klar die nordwesteuropäischen Gene die absolute Mehrheit. In Westeros hätte ich vermutlich Haus Stark gedient. 😀

Der kleine Maschinenlerningenieur

Am 22. Januar habe ich mit dem Abschlussprojekt für meine „Machine Learning Engineer Nanodegree“-Fortbildung bei Udacity begonnen. Am Dienstag habe ich abgegeben, und am Mittwoch hatte ich bereits die Bestätigung: Passt! Viel Rückmeldung gab es diesmal leider nicht. Für mich sah es so aus, als wäre die begutachtende Person nur mal drüber geflogen. Gerade da ich von vorne bis hinten beim Abschlussprojekt alles selbst gemacht habe, hätte ich mich über Verbesserungsvorschläge und Hinweise auf Wissenslücken jenseits meiner eigenen Erkenntnis gefreut. Schade.

Lernkurven aus einem Projekt zum Maschinenlernen

Eine Visualisierung einiger meiner Ergebnisse

Ich habe nun nachträglich noch ein wenig gefeilt und einen Report als Mischung meiner schriftlichen Ausarbeitung und meines Quelltextes erstellt. Letzterer wäre definitiv noch überarbeitungsbedürftig, aber für Udacity scheint es gereicht zu haben. Falls ihr reinschauen wollt, findet ihr den Report zum Herunterladen und alle weiteren Inhalte wie bereits von Anfang an auf github.

Weiter geht’s übrigens direkt mit dem Kurs „Maschinelles Lernen“ vom Hasso-Plattner-Institut. Und nun habe ich auch wieder Zeit für H5P …