Gastbeitrag: Was passiert mit dem „c“, wenn der cMOOC vorbei ist?

Meine Kollegin Sunray Dollase absolviert derzeit ein Fernstudium an der FernUni in Hagen und arbeitet an einer Hausarbeit. Für genau die möchte sie mit dem folgenden Gastbeitrag in meinem Blog vielleicht die ein oder andere Denkanregung sammeln.

Was passiert mit dem „c“, wenn der cMOOC vorbei ist?

Im Rahmen meines Fernstudiums an der FernUni Hagen (FUH) geht es in Modul 2 um die Durchführung einer Evaluation (als Hausarbeitsleistung). Das Thema ist frei wählbar, einzig die Vorgabe: Lernerfolg im Rahmen eines Online-Kurses soll gemessen werden.

Mich interessiert das Thema „Lernen mit Videos“, und so kam ich auf die Idee, die Videos des bereits abgeschlossenen cMOOCs der FUH auf ihre Lernwirksamkeit hin zu untersuchen. Meine Forschungsfrage geht bislang in die Richtung:

Welchen Effekt hat die Wissensvermittlung anhand der Videos aus dem cMOOC „Entdecke die Insel der Forschung“ auf den Lernerfolg der Lernenden?“
Mit den Lernenden meine ich diejenigen, die nicht an dem cMOOC seiner Zeit teilgenommen haben, sondern die, die sich die Videos derzeit als Unterstützung in Modul 2 anschauen (wird vom Modulbetreuenden angeregt).

Nun kam von einem Kommilitonen der Gedanke, das beim einem cMOOC doch das Lernziel so eindeutig nicht vorgegeben sei, das wäre doch eines der Charakteristika eines cMOOCs. Das würde natürlich meine Forschungsfrage untergraben.

Mein Einwand darauf: der cMOOC ist ja aber bereits abgeschlossen. Die Videos des cMOOCs stehen mittlerweile alle zeitgleich ohne weitere Verknüpfung/Vernetzung etc., jedoch in ihren Einzelteilen durchnummeriert, auf YouTube zur Verfügung. Somit stellen diese Videos für mich, so vollkommen losgelöst, einfach „nur noch (Lern)Videos“ dar und meine Forschungsfrage ist wieder ok.

Dabei kam ich allerdings in eine Gedankenschleife, die ich auf der Arbeit diskutieren musste und woraus dieser Beitrag resultiert:

Wie verändern die neuen Rahmenbedingungen der Videos am Ende des cMOOCs die Lernwirksamkeit der Videos? Die Charakteristika eines cMOOCs fallen ja alle nach seinem Ende weg.

Die Inhalte von cMOOCs sind ja auch im Sinne von OER nach dem Ende des MOOCs frei verfügbar. Aber bringen sie dann noch etwas? Was bringen sie ohne das „c“ noch? Sollte das nicht bereits bei der Erstellung berücksichtigt werden? Wo doch auch soviel über die Finanzierung von MOOCs gesprochen wurde (wir erinnern uns an den MOOC-Hype letztes Jahr und die daraus resultierenden Debatten). Würde sich etwas an den bereitgestellten Materialien ändern?

Bislang konnte ich zu meinen Fragen keine Literatur o. ä., geschweige denn abschließende Antworten finden.

Was denkt ihr denn da draußen zu dem Thema?

7 Gedanken zu „Gastbeitrag: Was passiert mit dem „c“, wenn der cMOOC vorbei ist?

  1. Hallo,
    ein paar Fragen vermischen sich hier sehr stark. Das erst c in cMoocs. das für die konnektivistische Idee nach Siemens und Downes steht wird weder im #ExIf13 noch im ldlmooc strikt eingehalten. Downes und Siemens haben in ihren großen Moocs Change11 etc wirklich nur Impulsvorträge und einen Blog zur Aggregation von Teilnehmerbeiträgen zur Verfügung gestellt und alle anderen Materialien kamen von den Teilnehmern. Dabei sollte sich jeder Teilnehmer seine Lernziele selbst stecken und bestenfalls auch erreichen. Sowohl #ExIf13 als auch #ldlmooc sind Abwandlungen dieses cMooc Konzeptes. In letzteren gab es Wünsche bzw. Aufgaben, die die Teilgeber erfüllen sollten und somit waren doch Lernziele vorgegeben, die aber Raum für eigene Grenzen boten.
    Trotzdem sind die Lehrinhalte von Videos und auch von den eingreichten Aufgaben, die man auf Twitter oder in der Google+ Community für den #ExIf13 und über den Blog des #ldlmooc oder den ZUM Wiki zum ldlmooc erreicht nicht wertlos und bieten auch nach dem Ende des Moocs Lernziele und Lerninhalte. Also läßt sich die Forschungsfrage durchaus untersuchen. Beide Moocs sind so angelegt, dass sie auch nach Abschluss der offiziellen Kurslaufzeit genutzt werden können. Was fehlt ist dann eventuell die entsprechende Feedbackkultur, sowohl seitens der Veranstalter, als auch seitens der Teilgeber. Für den #ExiF13 bedeutet es außerdem eine eventuell aufwendigere Suche nach den entsprechenden Tweets der Teilnehmer, beim ldlmooc sind die Teilgeberbeiträge mit auf der Blogseite http://www.ldlmooc.blogspot.de integriert.
    Lieben Gruß
    Marc (ebenfalls Student an der Fernuniversität in Hagen BA Bildungswissenschaften und Veranstalter des ldlmooc, sowie aktiver Teilnehmer am #ExIf13)

    1. Hallo Marc,

      danke für deine Rückmeldung! Das der Exlf13 an das cMOOC Konzept „angelehnt“ ist, nehme ich genauso wahr. Schön, die Rückmeldung zu bekommen 🙂 Es verstärkt, genau wie du sagst, für mich die Möglichkeit, den/die Lernerfolge zu untersuchen. Meinst du, die Lernerfolge ließen sich in diesem konkreten Fall dann von den Aufgaben ableiten, da sie in dem Sinne doch vorgegebene Lernziele waren?

      Das die Inhalte/Materialien nach dem Ende des Exlf13 bzw. generell von cMOOCs nicht wertlos sind, meine/hoffe ich auch. Ich frage mich nur, ob sich die Lernziele/Lerninhalte durch den weggefallenen Rahmen (Konnektivismus) evtl. verändern. Was meinst du? Oder bleiben sie gleich?

      Bis lang hatte ich mir ja überlegt, diejenigen zu befragen, die nicht am Exlf13 teilgenommen haben, um heraus zu bekommen, was sie durch die Videos lernen bzw. ob sie das, was an Lernzielen ausgesprochen wurde, gelernt haben, auch ohne die konnektivistische Komponente.
      Aber grade frage ich mich: wäre es vielleicht sinnvoller gerade diejenigen zu befragen, die aktiv am Exlf13 teilgenommen haben und zu schauen, wie sie im Vergleich die Lernziele/Inhalte der Videos nach dem Ende des Exlf13 wahrnehmen?

      Einen lieben Gruß zurück (von Schreibtisch zu Schreibtisch 😉 )
      Sunray

  2. Das ist eine Forschungsfrage mit sehr vielen Kontextvariabeln.

    „Welchen Effekt hat die Wissensvermittlung anhand der Videos aus dem cMOOC ‚Entdecke die Insel der Forschung‘ auf den Lernerfolg der Lernenden?…“

    Da wäre meine Frage: Inwieweit unterscheiden sich diese überhaupt von anderen Videos, die zum Lernen eingesetzt werden?

    „Wie verändern die neuen Rahmenbedingungen der Videos am Ende des cMOOCs die Lernwirksamkeit der Videos?“

    Welche neuen Rahmenbedingungen für Videos sind da gemeint? Womit vergleichst Du diese überhaupt?

    „Die Inhalte von cMOOCs sind ja auch im Sinne von OER nach dem Ende des MOOCs frei verfügbar. Aber bringen sie dann noch etwas? Was bringen sie ohne das ‚c‘ noch?“

    Was bringen traditionelle Lernmaterialien ohne einen Kurs? Und was meinst Du mit dem „c“? Der Wegfall des Teilnehmendennetzwerkes?

    SOOC-Erfahrungen: Wir haben in unserem cMOOC ebenfalls Experteninputs gegeben. Die Aufzeichnungen sind weniger Lernvideos als Expertengespräche und damit eher vergleichbar mit Diskussionsrunden, die den Geist/Technikstand einer bestimmten Zeit einfangen. Man kann sich weiterhin die Vorträge und Diskussionen anschauen, sie sind sicher auch interessant, aber bei einigen Aspekten ist die zeitliche Einordnung doch sehr wichtig. So haben wir beispielsweise mit Jöran Muuß-Merholz über OER gesprochen, mit Marius Melzer über Sicherheitsrisiken im Internet, mit Guido Brombach über Social Media und politische Bildung. Hoch aktuelle Themen mit entsprechender Halbwertszeit. Das mag bei Videos zum wissenschaftlichen Arbeiten prinzipiell besser sein. Man kann beide Videoarten wiede verlinken und darauf in anderen Settings hinweisen. Potentiell könnten hierdurch Produktionskosten gesenkt werden (wobei die bei webinarähnlichen Expertenvorträgen ohnehin im reinen Mitschneiden lagen).

    Aber Du hast ja eigentlich nach dem „Effekt“ gefragt. Was meinst Du mit dem Effekt? Nachhaltigkeit? Lernerfolg? Motivation? Einordnung in persönliches Repertoire…?

    1. Liebe Anja,
      danke für deine Fragen!

      Unterschiede zwischen Lernvideos: ich denke, es müssten erst einmal genaue Kriterien aufgestellt werden, anhand derer ich dann die Videos vergleichen könnte.
      Mir sind solche Kriterien momentan nicht wirklich bekannt. Es werden, soweit ich weiß, Kriterien für die Videoerstellung aus den Erkenntnissen der audiovisuellen Forschung „übernommen“. Aber so richtig gibt es noch keine Definition für konkret zum Lernen eingesetzte Videos, wo es doch eigentlich um noch mehr als audiovisuelle Informationsverarbeitung geht, bin ich der Meinung. Oder?
      Martin Ebner und Sandra Schön (http://bimsev.de/n/userfiles/downloads/gute-lernvideos.pdf) haben dazu etwas gemacht und Alexander Becher (http://www3.sn.schule.de/fileadmin/_special/gruppen/40/MASTERARBEIT.pdf) hat seine Masterarbeit über Lernvideos auf YouTube geschrieben. (das finde ich genrell auch super interessant: das Potential, was dort liegt, by the way. 😉 ) Dann gibt es noch das Herangehen, wie Niels Seidel es tut, über eine visuelle Analyse (http://www.zfhe.at/index.php/zfhe/article/view/687).
      Also: leider habe ich wieder nur wenig Antworten zu den möglichen Unterschieden bzw. Kriterien. Was meinst du denn, inwiefern sie sich unterscheiden? Hast du vielleicht noch Literatur o. ä. zum Thema?

      Veränderte Rahmenbedingungen: damit meine ich das Wegfallen des konnektivistischen Rahmens nach dem Ende des cMOOCs. D. h.: während des cMOOCs habe ich die anderen TeilnehmerInnen, die aktiv den MOOC mitgestalten und nach dem MOOC stehe ich alleine mit den Materialien da.
      Und daraus resultierte meine Gedankenschleife: Verändern die neuen Rahmenbedingungen die Wirksamkeit der Materialien?
      Dass mit der Halbwertzeit bezogen auf den Inhalt ist denke ich ein wichtiges Kriterium, die auch die Wirkung der Videos im Sinne von Inhaltsvermittlung beeinflusst, auf jeden Fall. Gibt es möglicher Weise noch andere Kriterien, die das beeinflussen?

      Mit Effekt meine ich die Wirkung der Videos als Wissensvermittler.
      Den Lernerfolg wollte ich ursprünglich mit den Lerneffekten von Banduras Modellernen überprüfen (http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/Modelllernen.shtml). Grade bin ich jedoch am überlegen, ob ich die konkreten Lernziele/Aufgaben, die im cMOOC Exlf13 genannt wurden, nun nehme, siehe Kommentar an Marc. Was meinst du dazu?

      Liebe Grüße,
      Sunray

      1. > Was meinst du denn, inwiefern sie sich unterscheiden? Hast du vielleicht noch Literatur o. ä. zum Thema?

        keine weitere Literatur, hatte aber auch bei Schön/Ebner und Seidel was vermutet. Vielleicht kannst Du über die Lernobjektemetapher herangehen. Hier ist nach Baumgartner ein Objekt dann ein Lernobjekt, wenn es didaktisch eingebettet (neudeutsch „didaktisiert“) ist. Da gibt es dann verschiedene Level von „kann man nehmen und damit lernen“ bis hin zu „ist schon fix und fertig lernbar mit Wissenskontrolle etc.“ Aber ich denke, wenn Du die Eignung als Lernvideo klären willst, musst Du vorher sagen, woran man generell eines erkennt.

        > Verändern die neuen Rahmenbedingungen die Wirksamkeit der Materialien?

        Puh, ist das eine Frage, die Du valide beantworten kannst? Mit Kontrollgruppe und so? Vielleicht fragst Du erst einmal vorsichtig, ob noch eine Wirksamkeit in welchem Ausmaß auch immer besteht (und das ist schon schwer genug zu begründen).

        > Was meinst du dazu?

        Da spiele ich die Medieninformatikerkarte und sage: keine Ahnung, wollte es nur zu Bedenken geben.

        Ich brauch Google Wave zurück 🙁

        VG Anja

  3. Herzliches Hallo in die Runde,
    nun ja, meine Überlegungen sind vielleicht nicht ganz anschlussfähig an Vorreden, allerdings gebe ich sie trotzdem mal zum Besten. ;))

    Fakt 1: Die Videos im Rahmen der MOOCs wurden ja mit einer (oder mehreren) Intention(en) im Rahmen der MOOCs erstellt und sind irgendwie (wie auch immer) in den jeweiligen MOOC eingebunden.

    Fakt 2: Nach Ende der MOOCs bestehen die Videos weiter. Und sind – wie auch immer – irgendwie auffindbar.

    Was mich jetzt (also mich persönlich) interessieren würde ist:

    a) Auf welchen verschlungenen Wegen und warum kommen die Menschen denn im Nachhinein auf diese Videos drauf? Und
    b) Bekommen die Menschen die da landen das wonach sie gesucht haben?

    … wenn mir noch was Gescheites zur obigen Fragestellung einfällt – und natürlich um weitere Gedanken hier abzugreifen 😉 … komme ich wieder vorbei.

    Bis dahin
    Herzlich

    @mons7

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